Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 35 (15.5.1906)
- Date
- 1906-05-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Organ für die gesamten Interessen des jüdischen Volkes. » -rr-f Avdalrlion: IX/1, Wasagaste 81. peUPDofi Nr. 14788. Sprechstunden: NnWochentagen von 10 bis 12 Uhr vorm. Postadresse: „Ngtionalzeitnng" Wien, IX p. v«lslup«rg,en wegen verspüre,er oder gar nicht erfolottr Zustrüuna rröstren wir mi dringend. — manntkrlDte werden nifbt zntficftfltmiit. Postspa,lastenfKonlo 47037. In das Abonnement lärm man . tügl!ch eintrereri. k---d Erscheint jeden Dienstag nnd Freitag. Ejgtnlnm einer Sosieiät. — Herausgeber nnd Chefredakteur: Jakob Kraus;. Inserate Lbernehmen die firmen: I. Danneberg. IN. vules Nachfolger, Haasensretn & Vogler. Nudolf Mosie. M. pozsonpi, fl. Schale! in Wien ferner alle Annoncen.Lrpeditionen im flu5lande. Einzel - Nummer in Wien 15 ftetlet. r. ..— ■ Administration: Telephon AbonnementS-PreiS: Für Wien „. Oesterreich- Ungarn f. Franlozustellung: Ganzjährig . . . . K 12. - Halbjährig . . . . K « - Bierteljäbrig . . . K 8 — Für daS gesamte AuSl b Ganzjährig . . . K 15.118 st- .- . ..1 IX/1. Wssagaste31. Nr. 14728. PreiS der Anzeigen: Diesmal gcspalt. Nonpareille, zeile oder deren Raum 12 h. „Eingesendet" die 3spaltige Nonpareillezeile 50 Heller. Bei mehrmaligen Aufträgen entsprechender Rabatt. -m Verschlemstellen unseres Blattes, in welchen auch Abonnements entcieqengenommen werden: Hermann Goldschmidt, Wien, I. Wollzeile 11; Verlag „Zion" Wien, II. Grobe Schiffgasse 7; Robert Weiß, Wien, I. Jakobergasse 7. Kr. 35. Pi*», Dirnstag den 15. Mai 1906 (20. Ijar 5066). Väil. Jahrgang. Wllilgsslhllil II. KomsMdkilZkn. Inland. Die jüngsten Gemeinderatswahlen für den vierten Wahlkörper endeten mit dem Siege der Sozialdemokraten, die außer ihrem früheren Besitzstände noch vier Mandate von den Christlichsozialen erobert haben. Mag man auch über die Schwächung der antisemitischen Partei Genugtuung empfinden, so wird man vom nationalen Standpunkt im Auwachsen der sozialdemokratischen Partei nicht eine Beruhigung für die Juden erblicken können. Die sozialdemokratische Partei hat es gerade bei den letzten Wahlen für gut befunden, in ihren Agitationsslugschriften den Christlichsozialen indirekt den Vorwurf zu machen, daß sie die Juden noch nicht genug ruiniert haben, indem sie einige 'jüdische Lieferanten berücksichtigen. Das war für die Juden sicherlich keine entsprechende Einladung, die Sozialdemokraten bei der Wahl mehr zu unterstützen, als dies ohnedies geschehen ist, und die „Arbeiter-Zeitung" hat kein Recht, den Juden ihr Verhalten bei den jüngsten Wahlen vorzulverfen. Die brutale Ausweisung russischer Juden , aus Galizün veranlaßte den jüdischpolitischen Verein „Schomer Israel" in einer am 12. d. M. in Lemberg stattgefundenen Massenversammlung gegen dieses Vorgehen der politischen Behörde zu protestieren. Sämtliche Redner wendeten sich in scharfen Worten gegen die Art der Auslveisung. Es wurde beschlossen, dafür zu sorgen, daß den Ausgewiesenen entsprechender Rechtsschutz gewährt werde. Ferner wurde beschlossen, bei der Regierung wegen Einstellung beziehungsweise Milderung des Ausweisungsverfahrens intervenieren zu lassen. Wien. Ritter v. T a u s s i g, dessen Beteiligung an der Russenanleihe so viel Unlvillen unter den hiesigen Gemeindemitgliederu hervorgerusen hat, hat sein Mandat als KultuSvorsteher niedergelegt. Die Demission wurde, nachdem Herr v. Taussig, trotzdem er vom Gesamtvorstande gebeten wurde, seine Demission zurückzuZiehen, bei seinem Entschlüsse verharrte, mit Bedauern zur Kenntnis genommen. Wien, 11. Mai. (Der Polenklub und die Wahlreform.) Bei den in jüngster Zeit stattgesundenen Beratungen der parlamentarischen Kommission des Polenklubs und der polnischen Mitglieder des Wahlreformausschusses verlangte Abg. Dr. Byk eine Vermehrung der Wahlbezirke mit jüdischer Mehrheit. Die Regierungsvorlage bringt nämlich, gemäß den Anträgen des Statthalters, in Galizien fünf derartige Wahlbezirke, bei einer Gesamtzahl von 88 galizischen Wahlbezirken, in Vorschlag. Dr. Byk prätendierte schon bei dieser Gesamtzahl die höhere Ziffer von 0 und erweiterte für den Fall der Vermehrung der galizischen Mandate auf 100 seinen Antrag auf Kreierung von sieben bis acht derartigen Wahlbezirken. Die parlamentarische Kommission und die polnischen Mitglieder des Wahlreformausschusses stimmten diesem Anträge prinzipiell zu. Nun hat, wie die „N. Fr. Presse" zu berichten weiß, das Subkomitee, welches die neue Wahlkreiseinteilung zu entwerfen hatte, die Anträge des Abg. Dr. Byk, der an den betreffenden Arbeiten des Suhkomitees Anteil nahm, berücksichtigt. Wien. Dienstag den 15. d. M. um 8 Uhr abends findet im Vereinslokale des „Bar Giora", 8. Bez., Langegasse 1-1, 2. Stiege, Souterrain, ein Vortrag des Schriftstellers und Rabbiners Herrn Dr. K a u f m a n n aus Virovitica (Slawonien) über E i n d r ü cf c in P a l ä st i n a statt. Dlmiitz. Das Leichenbsgättsms öes öBefteic Radetzky-Beteraneu Moritz Platz e k fauH am ■>2. April unter auß^rv'vdeuttichier TellnallMe um halb N Uhr vormittags vom Tramr-hauisc, SPvr^rgaffe Nr. 14 statt. Kmwutt eröffnet« ein Zgg >des Jusanterie-Nogts. Nr. 54 und die Miusikkapelse des Jnsattterieregiments Nr. 93. Sodann folgte der FZM. Koöer-Neserv'isten>vereiu, der korporativ mit Fahne unter Kom'manÄo des Kom'maudanteu Herrn Joses Alex Nn-ppvecht erschienen war, weiters eine Mteillttm des ersten OlnrützerlBeteranen- Bereines mit Fahne unter dein Komniando des Herrn Koniriralidantel^Stellvertreters Hartrn!ann, eine Abteil ung des Nim lauer Nt i U tii r-Bete ranenoereines, eine Abteilung des twngegrundeten Krie-gerocreines Olntütz (nicht untsovlntert) unter K vinrnando des K vnrina udautdik-Stettbertreters Herrn Strazil, endlich, eine Abordiilung des deutschen Militär-Bete raue live re irres Prohnitz und eine Deputation der Freiiw. Feuerwehr Olwiitz unter Wenn sie nun behaupten, daß sie sich krank fühlen, so ist es sicherlich kein Simulieren einer Krankheit, denn sie sind in der Tat krank, sie sind vom Heimweh befallen. Nostalgie wird heute schon von allen Aerzten als eine wirkliche Krankheit angesehen. Wenn mir ein Mann klagt, daß er das hiesige Klima nicht vertrage, daß er sich krank fühle und nach Rußland zurückkehren wolle, so ist es sicher, daß er auch über Appetitlosigkeit und Verdaunngsstörnngen klagen werde. Dann kommen sicher auch die übrigen Symptome der Nostalgie: Schlaflosigkeit, Mattigkeit in den Gliedern und schreckliche Traumgebilde. Der Kraute nennt sich nervös, beklagt sich, daß er nicht fähig sei, seinen Geist ans einen Gegenstand zu konzentrieren, daß er nicht die Energie besitze, sich nach neuer Arbeit umzusehen, wenn er aus der einen herausgefallen ist. In akuten Fällen von Nostalgie ist es mitunter für den Kranken gefahrvoll, wenn die Rückbeförderung abgelehut wird. Bei der Neigung der Juden zur Nervosität können krankhafte nostalgische Zustände sich leicht zurMetancholie, Hypochondrie, Selbstmordmauie und zu dauernder Geistesstörung entlvickeln. Ein augenscheinlich gesundes Mädchen, dessen Gesuch um Rückbeförderung nach Rußland abschlägig beschieden wurde, beging einen Selbstmord. Ein Feuilleton. Nostalgie bei jüdischen Emigranten. Von Dr. Maurice Fishberg-New Bork. Kein Mensch wird es mir glauben wollen, daß es eine große Anzahl Inden gibt, die in der glücklichen Lage waren, aus Rußland herausgekommeu zu sein, und jetzt alles darau setzen, um lvieder dahin zurückkehren zu können. Ich selbst hätte es auch nicht geglaubt, wenn ich mich von der Wahrheit dieser Erscheinung nicht ans persönlicher Anschauung überzeugt hätte. Im Bureau der „New Bork United Hebrew Eharities" (deren ärztlicher Konsulent Herr Dr. Fishberg ist, Anm. d. Red.)laufen unzählige Gesuche um Rückbeförderung nach Odessa, Petersburg, Warschau, Wilna usw., also nach Städten ein, lvo sich die gräßlichsten Jndenmassakers abgespielt hatten. Mehrere dieser Bittsteller sind Flüchtlinge, die erst vor kurzer Zeit hierhergeflohen sind, um hier vor Verfolgungen sicher zu sein. Das sind für uns bekannte, regelmäßig wiederkehrende Fälle von N o st a l g i e oder Heimweh, das nicht eimgal ' durch Nachrichten über neue Massakers über-! wunden werden kann. j Am selben Tage, als die Zeitungen über die! Greuel in Odessa haarsträubende Einzelheiten j veröffentlichten, erhielten wir fünf Gesuche von! Odessaer Juden um freie Rückbeförderung nach Odessa, und trotzdem wir in allen unseren [ Distriktsbureaus den Beschluß affichierten, daß! von uns vorläufig niemand mehr nach Rußland zurückbefördert werde, laufen noch immer fast täglich solche Bittschreiben ein. Die Bittsteller geben sich der Täuschung hin, daß, bis sie nach Hause kommen, wird in Rußland schon Ruhe herrschen, und sogar wenn dies nicht der Fall wäre, so wollten sie sich lieber der Gefahr aussetzen, in Rußland mit ihren Freunden und Verwandten massakriert zu werden, als hier unter Fremden im fremden Laude zu sterben, denn daß sie hier bald sterben müßten, steht bei ihnen uittviderleglich fest. Diese Leute wollen es natürlich nicht .zugeben, daß die Empfindung, die sie zurücktreibt, nichts anderes sei als Heimweh. Ja, ich zweifle selbst, ob sie sich ihres Heimwehs bewußt sind. Ihr Hauptargumeut besteht in der Klage, daß ihnen das Klima nicht gut anschlage, daß sie sich krank und unfähig fühlten, Arbeitzu suchen, oder gefundene Arbeit auch für die Dauer zu behalten. Die nächste Rümmer erscheint Freitag den 18. Mai.