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Nationalzeitung · 1906-04-03 · Heft 26 (3.4.1906) · p. Seite 3

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 26 (3.4.1906)
Date
1906-04-03
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 26 Nationale ikmg Seite Der letzte Akt. Zu dem unter diesem Titel in unserer jüngsten Nummer veröffentlichten Fall Bihari erhalten wir von unserem Budapester Korrespondenten nachfolgertden Bericht: Es war also doch noch nicht der letzte jlkt diöses grausigen Sittendramas. Mau hat der Budapester Ehewra-Kadischa Unrecht Getan, als mcm annahm, daß sie sich nach dem Tode Bihars „korrekt" benehmen werde, tote Frau Bihari meinte. Unmittelbar nachdem B i h a r i im Ofener Elisabethspital des „Noten Kreuzesden letzten Atemzug getan hatte, wurde seilt Leichnam ltach Pest herübergebracht, und hier begann beim ftaatlichelt Matritelamt auch gleich der Kampf um ben Leichnam des Künstlers. Die Witwe metbete den Tod ihres „christlichen" Gatten rrnd bestand auf einem Leichenbegängnisse nach katholischem Ritits. Der im Matrit'elamte anwesende Vertreter der Chewra-Kadischa erhob sofort die Ein- «ellduitg, daß die Taufe Biharis als ungültig zit betrachten sei, tveil er erlviesenermaßen besinnungslos war, als die Taufe an ihm vollzogen wurde, abgesehen davon, daß der Taufakt entgegen den Vorschriftelt des Gesetzes, ot;ne Beisein von zwei gesetzlich zulässigen Zeugelt vorgenommen ivurde. In erster Instanz sollte der Budapester Magistrat in der Angelegenheit entscheiden. Sowohl die Ofener Kultusgemeinde und da3 Ofener Nabbinat als auch die Pester Chewra- Kadischa und das Pester Nabbinat richteten an den Magistrat eine tlmfangreiche Enrgabe, in welcher der Nachweis erbracht wird, daß B ihar i dem Gesetze nach nicht als getauft, demnach als Jude zu betrachterr sei. Auf Grund des Beweismaterials verlangett nun die erwähnten jüdischen Behörden, daß ihnelt der Leichnam Biharis behufs Bestattuilg nach jüdischem Ritus ausgefolgt werde. Der Magistrat sprach nun nach längerer Verhandlung aus, daß er sich in beztlg auf die konfessionelle Zugehörigkeit lticht als k S m p e >t t e n t erachte, unb die Disposition über die Bestattung der Familie gebühre. Außerdem lvurde für ben verblichenen Künstler auf dem Kerepeser Zentralfriedhofe eine Grabstelle bewilligt. Die im Stadthause anwesenden Vertreter der Ofeiter Kultus- Gemeinde und der Vertreter der Pester Thewra-Kadischa, Dr. Franz Mezey, erklärten, diesen Bescheid nicht zur Kenntnis zu nehtltelt, ulld behielten sich vor, die Exhumier u tl g der Leiche zu verlangen. Bihari wurde Freitag unter großer Beteiligung der Küttstlerkreise ltach katholischem Ritus begrabell. Weitere Berichte folgen. Jochanalt. bezüglich der sephardischen und a s ch k e lt a s i s ch e n Juden bestanden. Laut den Untersuchungen des New - Porter Arztes Dr. F i s ch b e r g soll es auc£) kleine anatomische Unterschiede zwischen diesen beidelt Gruppen geben; andere Gelehrte sind wieder der Ansicht, daß die Sefardim und Aschkellasint bemfelben Typus augehören. Vorläufig liegt aud> noch keilt Grund vor, an der Wahrheit des alten Wahlspruches : „Kol Israel achim", „Alle Juden sind Brüder", zu zweifeln. Ich bleibe Ihr treuer D r. M a x N o r d a tt. Die Einwanderung nach Ne« Uörk im Mo- Aalie Februar. Wahremdes MmES Februar (. I. lan«deten inSgestmtt 6766 auswärtige 'Jüden in Neiw Nork, und «zwar 4686 Btämter, Freuen imid 2676 Kinder. ES kamen 8692 rntS Nutzland, 776 aus Oesterreich, 506 aus Uugmm, 229 aus Rumäuieu, 02 aus EnWibinb. Von deitt Etnwanberern ließen sich 7666 ln Neiw Uork bauernd nieder, während die übrigen ins Umveve der Union weiterreftten. Vermischte Nachrichten. Zugunsten russischer Emigranten. «Samstag den 7. April I960 findet ttn Hotel Polouia, 2. Bezirk, Rothen Sterngasse 7a eine Veranstaltun«g zugunsten! russischer «Emr-gramteu, statt. Zur AuMh-- ruiitifi gelangt >it. a. das Singspiel: ,Miessias Zeitelt". Um Unterstützung dieser, «einem äußerst wohltäti!g>en Zwecke 'gewidmeten Aufführung wird driulgendst gebeten. Karten zu X 4, 2 und 1 bei sämtlichen Mitgliedern -und im Cafe Augartenbrücke, 2. Beiz., Obere Doucmstraße 40. Jüdisches Studentenkomitee zur Unterstütz ltng der ErUigranten: Thekla Blech, I. Boz., EMingg. 18. D>r. 'Ernst Müller. Zionistischer Zentralverein. Ttie uäch,sten Propagmt'daversam'milungeu dieses Vereines finden Dienstag 8. April im Cafe Neptnn, 20. Bez., Mathildenplatz 7, Referent Herr Dt^ Al. H a u s - nt a lt n, «und Donnerstag 6. April im. Nestalnrant 'I. Oczerct, 16. Bez., Keplerg. 7, Referent Herr Leo mu Bonn g, statt. Beginn 6 Uhr äbends. Eä ste willkomüuen. Sonntag 7. April, Vereinsabend im Letal 0. Bez., Dürkenistraße 9, 8 Uhr abends, Vortrag MN. Marg ulies: D«er p olt t rf che Z r o n i s nru s a m 7. Ko n g re ß. Zutritt für Gesinnu'ngsgenossen u«nd eidugefführte Gäste. — Mittwoch 4. April eröffuet der Bereut im Lokale 0. «Bez., Türkenst raste 9 seine B rb l i o - t 'h e k, die viele jüdische Werke und zionistische Literatur enthält und se>in Lesez immer, Alle zionistischen Zeitungen der' Welt mld viele 'andere liegen ans. Lesestunden Wochentags von 2—6 nachntittags. Sonn«- «und Feiertags von 9—12 Uhr. 'Für Mitglieder unentgeltlich, Nichtmitglieder zahlen . pro Besuch 4 ü >znglinsten des BibbrothetSfonds. Mährisch - jüdischer Laudesmasscfoirds. Die diesjährige DelegiertenNevsammlung fand am 19. ös. Mts. bei Anwesenheit von 44 Gemäinbevertrelern statt. ZuM Vorsitzenden ivurde einstimmig Herr Regieruugsrat Dr. Säl. Spitzer gewählt. Der Vorsitzende verliest eine Zuschrift des Obmannes des Kuratoriums dieses Fonds, Herrn JNilius Ritter v. Gomperz, worin dieser erklärt, auf seine Ehrenstelle als Mütglied und Obrmnru des Kumtoriums, «die er feit Beginn der autonomen Fondsverwaltung, d. i. seit Roventber 1866, bekleidete, verzichten zu müssen. Der Vorsitzende hebt «ün Namen des «Kuratortimns die außerordentlichen' Verdienste Hervor, die sich Herr von Gomperz durch Erwirkung der Uebergabe des Fonds in die «Verumttuug der mährischen lJindeuschaft, durch die Verfassung des «Statutes sowie die Organisation' und Leitung der Geschäftsführung um die nlährische Judenschaft erworben hat, und beantragt, die GenemtversämmiLung 'Möge ihm den märmsten Dank und die besondere Anerkennung' Hierfür aussprechen, diese ehrende Kundgeb nng tm Protokolle verewigen n-nd sie Herrrr Ritter v. Gomperz unter dem Ausdrucke des' Bedauerns 'über seinen Rücktritt, durch eine Abordniujng, 'des Kuratortlums schnWichi 'üibeümitteln. Dieser Antrag wird unter lebhaftem Verfall angeiuourmen'. Zum Rechnnngsab schlufse ergreift Bittner (Lmrdenburg) das Wort, ll«rn au der Hand einer Vergleichung des Boranifchlages mit 'den Erfolgszffsevn nachzuweiseu, daß mehrfache, allerdings schwer vernwidtiche Ueberschreitungen b«ei den Subventionen für Schuleri und Gemeinden stattfandeil. Er wünscht deshalb, «daß die sich inehrerliden außeror«den1licheu SUbventtionelr eingeschrän-kt werden -mögen, damit sie nicht einen ställdigen« Charakter annehmen. RedUer beauftragt sodanln namens' der Revisove«n, den Rech- Ultngsabschlnß zu genehrrligen, dem Kuratorium das Msolntorimn zur erteilen und donr Präsidium sowie den Beamten« des Fonds für die UmsiWilge GeschäftsfiiHrll«llg ll'lld für die M'llsterhafte Bnchfühvlrirtg de-ll Dank ausznsprechen. Dieser Antrag Mi'rd ei-llstimnl'ig angen'onlM«en. Der Voranschlag beziffert die EillNahmen mit 96.168,89 K, die Ausgaben Nljit 68.280 'X. Die «Einnahmen lverden iMtverändert angenolMllen, bei den Allsgaben 'werdert einige Slbän-derungen beschlossen. Bei der Post „Beitrag z,lrr B'ersicherung der All«gestellten" ibird diese uuter Streichung der Dotation deS Reservefonds pro 4600 K um den gleichen Betrag erhöht nll«d es ivird beschlossen, die Ersparnisse bet dieser Post als Spezialreserve für diesen Zweck zu hill«terllege»r. Da «dort bisher der Versichevmrg nicht «beigei'reterlen «Clenveillden bezw. deren Beamten die Anrechnung der vollstreckten Dienstzeit nur bis zUm Jahre 1604 gestattet werden könnte, wird ans Alttrag des Dr. Hilf beschlossen, jenen Beamten, die noch im Jahre 1606 thre Versicherung «artmelden, die Einbeziehllng der drei lveftoren Jahre in die Versicherung zu gestatten. Die Post ,/Kuratvrellreisekvften" wird -aitf «Antrag der .Herren Potllen«z mtd .Hauser gestrichen. Unter ,/Vildnngs- und Hnmanitätsanstatten" «werden folgellde Neue Siubvenilionen bewilligt: dem Vereine zur Verpflegung israelitischer Brustkranker rn^ Wien 100 X, dem Mädchenferienheiin ln Brünn »0 X, dem tsraokttrschen Hofpiz tn Karlsbad die Erhöhilng aUs 100 K. Bei der hierauf vorgenomimenen Reitwahl 'des Kuratoriums werdert «gewählt: aus den sechs Gruppen: Berthold Müuch (Triesch), Phil'Lpp Kohn lNirLolsbnrg), Dr. Ludwig Körner (Göding), Karl' «Lvw lPreran), Dr. Alois Hilf Mährisch- Ostrau), Siegnmnd Hofmanu Mischan),' aus dom Pleumn«: Dr. «Dalvmon Spitzer, Dr. -Hiiüronymus Fialla <Brünn), Dr. Siegln und Weiß (Boskowitz), Heinrich Bittner (Llttldenburg) und Dr. «Jakob Eben (Olmütz): zu Ersatzmännenr: Jul. Löwenthal, Gustav Tandler (Brünn), Jos. PolleUz (Mißlitz), Alois Löbl (Eiwanowitz),' endlich zu Revisoren: Tandler, Pollellz und Dr. Theodor Mach. Mit dem Danke des Vorsitzenden an die Delegierten und nach einer Erwider-ung durch den« Delegierten Pollenz wird die Versam>ui>l«un'g, geschloffen. Das neuMwähtte Kuratori«um wählte Herrn Dr. Spitzer zum Obmann, Herrn Dr. Fialla zum Ob» nmunstellvertrete r. Die „Bestrafung" des Gymnasiallehrers Bieganowsky. Ans D r o h o b y c z wird uns geschrieben: In, -der Affäre des Gymnasiallehrers B i e g a n o W s k y hat eine Deputation, bestehend' aus den Herren Dr. F e r n - Hof, Tn. Seher und S. Lichten stein beim Mzeprä'sidenten des Landesschftlrates von« P l a z «e k in Lemberg vmgespwichen. Vizepräsident von Plazek erklärte der Depniativn, daß «er unverweilt den« Gymnasiallehrer von Drohobycz zu sich berufen und nach« gepflo«gener Rücksprache mit ihm die sofortige Verfchung B i e g a n o w s k y s all, das. GyM'nasium in D e m b i tz er ungeordnet habe:. Der Bize- PM'sident des Landesschulrates bezeichnete das Vorgehen Bie'gainolvst'ys als höchst unkorrekt und versprach, in den« nächsten« Tagen einen Schnlinspektor nach, Drohobycz zu entsenden, der über diese und auch andere borgebrachte Beschwerden eine genaue Unt«wsuchm«g zu sichren h«aben werde. Gymnaisiallehrev Bieganowsky wird diese „Strafe" leicht verlvinden können, lvie aber die Dembitzaer jüdischen Gyntnasiaften zu der Stmfe kommen, den Roheiten! dieses Nlllsterpädago!gen ausg'chetzt zu tverden, ist nicht recht zu begreifen.. Ein interessantes Urteil. Bor eiwn zwei Monaten hat der 22jährige chrästliche Student Ludwig Barg a m D e b r e e z i n ferne jüdische l)>oliebte Boriska Steine r, Tochtei' eines ApÄhekers, entführt und bewoaen, nlit chnl aemeinfam einen Selbstmord zu begehen«. Varna seklist reichte feiner Geliebten das Gift, das Mädchen nahln.' es und starb bald darauf nach qualvollen! Leiden«. V a r g a se l b st vergiftete sich a b e r n i ch t. Er begnügie sich damit, das von ihnr verführte tlnd lästig gewordene R^äbch'eil« auA dev Wett geschafft zu^hal^en: Vorige Woche ivurde mm Varga lvegeli Vergiftung des Mädchens vmu T-cbrecziner Gerichtsheife zu v i e r 3Di o n a - ten Gesang n i .s veru'rt,eilt. Diese milde Bestrafung fällt um so« mehr aitf. als es bekannt ist, daß' die Eltern des> Mädchens bereit waren, ihre Tochter dein. V a t g a 51er Frau zu geben-, wenn er seine Studien! beendet haben« lvird. Dem Ritter der christlichen Mchsterrliebe tmr jedoch das Jlldcnmädcheir als Gesiebte «Alt genug, nicht aber als Mttin. Mögen jüdische Eltern arrs diefcin Vorfälle lernen! (xegrdadet 1875. GagrOndet 1875. feuerfeste und Linbrnchsichere KASSEN in allen Grössen bester Konstruktion neue und gebrauchte, billigst. LUDWIG HIRSCH, Wien, IX.. Porzellan*. 58 KREBS-dPOTHEKE 5. niTTELPflCH MH' BoolMDt u/!a_ m. o Heiaarkait. Terhinüera d«u Huatsnreix und bewiT' «V1011) I.) HOner RlarKI Nr. O kvo aosort dia laiollta Lllttarnung da» Letllaiwaa. ch l?»i»ia Sin») i« Zantrum dar 3t»dt. ch Prel« pro Schachtel 70 Heller. 5

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