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Nationalzeitung · 1906-04-03 · Heft 26 (3.4.1906) · p. [Seite]

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 26 (3.4.1906)
Date
1906-04-03
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Mmcheitmz Organ für die gesamten Interessen des jüdischen Volkes. Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Eigentümer und Herausgeber: Jakob Kraus;. Inserate übernehmen di« firmen: 3. Vanneberg, M. vukes Nachfolger, yaasenstein & Vogler, Rudolf Masse, M. pozsonyi, fl. Schale! in Wien ferner all« Rnnoncen-Expeditionen im Ausland«. Einzel-Nummer in Wien LS Heller. Verschleißstellen unseres Blattes, in welchen auch Abonnements entgegengenommen werden: Hermann Goldschnndt, Wien, I. Wollzeile II; Verlag „Zion" Wien, II/3, Stefaniestraße 12; Robert Weiß, Wien, I. Jakobergasse 7. Ur. 26. Wien. Dienstag den 3. April 1806 <8. Nissan 8666). VIII. Jahrgang. Redaktion: IX/1, Wafsgsssr 81. Telephon Nr. 14788. Eprrchstunden: vn Wochentagen von 16 bis 12 Uhr vorm. Postadresse: „Natioualzeitung" Wien. IX| i. Btttbwtrdtn wegen verspiiteier oder gar nicht erfolgter Zustellung erbitten wir uns dringend. — maitntfcripfe WCr4«n nicht znrficftacitcm. Postsparkasfen-Konto 47037. In das Abonnement kann man täglich eintreten. Administration: IX/1, Wafagastr31. Telephon Nr. 14788. Preis der Anreigen : Diesmal gespült. Nonpareillezeile oder deren Rau« 12 d. SibonuementS-PreiS r Für Wien «. Oefterreich- Ungar« s. Frankozustellung! Ganzjährig. . . . L 18. Halbjährig . . . . K Vierteljährig . . „ffiingtfenbet" >ie3sp»Uige Nonpareillezeile 60 Hell«. FürdaSgesamteSlnSl, d Bei mehrmaligen Anträgen Ganzjährig . . . K 18 1^ entsprechender Rabatt. Die Juden und die Wahlen in Mähren. Während die Wiener Leitung der zionistischen! Partei, wie es scheint, ihre gcm&e Aufmercksamkeit ' beit Vorgängen! m Galizien tvrd-niet, unid Versuche macht, die dort in Aussicht stehenden jüdischen Mandate zionistischen Kandidaten zu sichern', läßt sie die Vorgänge im Westen des Reiches, besonders in Mähren, ganz außer Acht. Trifft dieses Urteil die/ Wahrheit, so wird die zivniistische ParteAeitung dein Vorwrrrse ihrer prinzipiellen Gegner, daß sie mehr Mandatspolitik als Prrnzipienpolitit treibe und alls diesein Grunde ihre ganze Tätigkeit, nach Galizien verlegt hckbe, ans die Dauer nicht tvidersleheir können. Wir lvürden die Lrrrchtigmrg eines solchen Vorwurfes um so lnehv be'däuern, als wir in diesein Falle die Beflirchllmg' hegen müßten, daß eventuell lveder Manidate gesichert, lwch das nationale Prinzip durch die ganze Aktion gefördert werden,. Wie wichtig es aber für die nationale ^crche wäre, auch iu Mähren, etwas zu, tun, lvovunter wir allerdings nicht die Veranstaltung schlecht arrangierter Versammlungen verstehen-, geht schioir 'daraus hervor, daß die Assimilanteu im Mähreir sich lviedev zu rühren beginnen'. Hierüber schreibt die „Politik": „Einen Aufruf an die! Inden Mährens aus Anlaß der I herannahenden. Wahlen, in den dortigen Landtag haben, ihre, böhmischen Glaubensgenossen erlassen. Wir entnehmen demselben folgenden Passus: „Du'ich, L»ie neue gesetzliche Regelung -der Wahlverhältnisse in Mähren! ist die Zeit gekommen, wo, Ihr die Entscheidung zu treffen habet, in lvelchen mrtionalen Wahlkataster Ihr eingetragen zu werden wünschet. Diese Entscheidung wird für Euch wie für Eure Mitbürger anderer Konfessionen sehr wichtig sein, da sich nach ibr für eine lange.Zeit Euer gegenseitiges Verhältnis richten lvird. Wenn- Ihr Euch in jenen, nationalen Bolkskataster ivordet erirfchrei'ben lassen', in, welchem Eure übrigen Mitbürger verzeichnet sein fverden, unter denen Ihr lebet und wirket, so werdet Ihr bannt die -Grundlage schaffen für ein ruhiges und friedliches Zusammenileben mit Wen. Wenn Ihr Euch! jedoch! in dieser Richtung, jeder Willensäußerung enthalten und zulassen werdet, daß Ihr, von> amtswegen eingereiht werdet, so werdet Ihr damit Gleichgültigkeit, ja Mißtrauen iir die Aufrichtigkeit Eurer bürgerlichen Gesinnung erwecken. Daß der dritte Fall eintreten und Ihr Euch, in den Kataster einer anderen .Nationalität eintragen lassen könntet, halten, wir geradezu für ausgeschlossen-, da es nicht möglich ist, daß Ihr. Euch von jenen trennet, unter denen und mit denen Ihr seit jeher lebet und mit deinen' Euch gemeinsame Schicksale, gemeinsame Interessen und die lokalen Verhältnisse, vereinigen. Wir als gute Böhmen und gute Israeliten können Euch in dieser wichtigen und ernsten Zeit nicht anders raten-, als daß Ihr so handelt, wie Euch die Pflicht und Euer und des ganzen Volkes gut und gerecht ertvogenes Interesse gebietet. Motze niemand von Euch es unterlassen, sich, in den böhmischen Wahlkataster anzumelden. Eure Mitbürger erwarten von« Euch eine solche Kundgebung der Gemeinsamkeit und werden sie gewiß mit Freuden, begrüßen." Wir brauchen unseren Standpunkt in der mährischen Frage nicht erst zn präzisieren, er ift.in diesen Blättern bereits zur Genüge betont worden, aber der zionistischen Parteileituna, welche seit den großen WahlrechtsvevsammiLungcn auch die Arbeiten des Wahlrechtskomitoes in eigener Itegie besorgt, erwächst nunmehr die Pflicht, auch zu dieser Frage Stellung zu nehmen. —b—sz. Galizischer Hilssiiereiu. -(Schluß.) U nter st ü tz u u g jüdischer Gewerbetreibender in Galizien durch Verschaffung von Absatz. Unser Verein be. miilht sich auch, jüdischen Gelvevbetreibelrdeil. Galiziens hauptsächlich in Wien Msatz für ihre Erzeugnisse m Verschaffen, indem er die von ihnen eingesendeten Muster an Wiener Kaarfleute weiteraibt -und diese Veranlaßt, mit jenen unmittelbar in Geschäft soerkehr zu treten. Dies ist bis heute schon du einzelnen Fällen zur Jnfriodencheit beider Teile gelungen. Feuilleton. Moritz Steinschneider. Zur Vollendung seines 90. Lebensjahres. Professor Moritz Steinschneider, der nunmehr in sein 91. Lebensalter tritt, gehört noch ganz zum Schlage jener alten Gelehrten, die ausschließlich ihrer Wissenschaft leben und durch Fleiß, Gewissenhaftigkeit, aber auch durch Abschließung jene Konzentration erreichen, die ihnen gestattet, auf engstem Gebiete Großes zu leisten. Als „Fürsten der Bibliographie" hat man ihn schon vor einem Jahrzent in England gepriesen, wo die Fachwissenschaft immer un hohem Ansehen gestanden hat. In unseren Tageil gehört ja freilich fast ein Heroismus dazu, all den Versuchungen zu ividerstehen, die einen Mann von der Bedeutung und dem Ruhme Steinschneiders vou seiner Wissenschaft ablenken wollen, sich auf allgemeiire Gebiete der Politik oder tausend Fragen der Gesellschaft zu begeben. Selbst der Jndenfrage gegenüber hat sich dieser hervorragende Hebraist immer kühl verhalten. „Ich schreibe nicht für die Juden, sondern über die Inden" heißt es in dem Vorwort eines seiner fundamentalen Werke über die Geschichte und Literatur der Juden. Die meisten seiner Arbeiten sind Spezialstudien gewidmet, deren Lektüre allein Spezialkenntnisse voraussetzt. Trotzdem darf mau ihn aber nicht etwa als trockenen Gelehrten ansehen. Nicht nur, daß er über die verschiedensten Gegenstände, auch vou allgemeiner Bedeutung, Aufsätze geschrieben und über Sprache, Abgerglauben usw. Vorträge gehalten hat, nicht nur, daß überall Fundgrube« des Wissens und Denkens sich auftun — sie sind meist auch so witzig und frisch, daß sie selbst der Laie verstehen und mit Genuß lesen kann. Denn das wesentliche dieses Gelehrten, der übrigens im guten wie im Bösen den besten Typ des Juden in der Wissenschaft vertritt, ist, daß er immer über dem. Gegenstände steht, den er behandelt. Niemals läßt er sich von Leidenschaften, Tagesereignissen, Streitereien fortreißen. ES herrscht eine reine Geistigkeit und Wissenschaftlichkeit in seinen Schriften, und allen Verführungen, auch des eigenen Herzens gegenüber, ist er stets zugeknöpft, was ihm zu Unrecht den Vorwurf der Svnderlichkeit eingetragen hat. Denn ein Gelehrter, der sich nicht zu allen möglichen Zwecken mißbrauchen läßt, gilt selbstverständlich als Sonderling, während wir alle Ursache haben, stolz auf einen Mann zu sein, der seinen Namen nur zu dem hergibt, was er auch vertrete« kann. Andererseits darf man natürlich nicht verkennen, daß die Voraussetzung eines Lebens und Schaffens wie dasjenige Steinschneiders eine gewisse einseitige Geistigkeit und ein gewisser Rationalismus ist, welchen in der Literatur etwa Rückert vertritt, den er übrigens in seinen populären Aufsätzen und Vorträgen neben Schiller auch am liebsten zitiert. Eine große Bescheidenheit ist ihm eigen, die den Menschen im Gelehrten völlig versinken läßt. Er hat immer den Ehrgeiz, mehr zu geben, als von ihm verlangt wird; als er den ehrenvollen Auftrag bekam, den Katalog der Judaica in der großen Oxforder Bibliothek herzustellen, fertigte er gleich einen großen Auszug der Werke selbst an. Die Zuverlässigkeit und Gründlichkeit seiner lexigraphischen, historischen, kritischen, linguistischen und anderer Werke wird von allen Fachgelehrten bedingungslos anerkannt. An seinem Hauptwerk, das der Uebersetzertätigkeit der Juden im Mittelalter gewidnnt ist, hat er fast ein halbes Jahrhundert gearbeitet. Die Mädchenschule der Berliner jüdischen Gemeinde, die er jahrzehnte- Die nächste Nummer erscheint Freitag den 6. April.

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