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Nationalzeitung · 1906-03-27 · Heft 24 (27.3.1906) · p. Seite 3

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 24 (27.3.1906)
Date
1906-03-27
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 24 Nationalzeitung Seite 3 Vorige Woche nahmen Gendarmen m»b Polizei eine genaue Dürchsilchung des jüdischen Krankenhauses in Odessa vor, unter dem Vorgeben, das; dort Massen und Bombe n «»«Mvahrt würden. Man Hai nichts gesunde», aber die Maßregel hat zu nenen Hetzereien gegen die jüdische Bevölkerung Anlas; gegeben. Ans Kreslawka in der Prtzvinz Witebsk telegraphiert man dem Petersburger Malte „Rjctsch": Vor kurze in drang eine Abteilung Berittener in unser Städtchen ein und mnzingeltc die Fabrik C'hnrin, in der 180, meist jüdische Arbeiter beschäftigt sind. Hierauf ries der kvnnnandierende Offizier nach einer Liste 67 Arbeiter -vor, lies; sie Spießruten .laufen und hernach in den Kerker aibführen. Die übrigen Arbeiter wurden, nachdem sie gleichfalls der Prozedur des SpienrntenlanseNS unterzogen worden waren, auf freiem Fuß belassen, niit der Drohung, daß sie am nächsten Tag dasselbe Schicksal erwarte wie ihre Kameraden, -wenn sie die bei ihnen verborgenen Waffen nicht abführten. Einige Tage später berief der Offizier die Aeltestcn der Gemeinde zu sich und sagte: „Ich gehöre znr Strafexpeditivn des Generals Orlow. Ich habe Livenhof zerstört und die U>mge'bnng verwüstet. Wenn ihr mir die Nevolulionäre nicht ansliesert, werde ich Kreslaiwka ebeiiso behandeln wie Livenhof. Ich lasse mit meinen Kanonen eure Hänser beschießen und werde meinen Soldaten eure Stadt überlassen, damit sie sie ausplündern und jung und alt erschlagen." Das letztere geschieht schon, denn die Soldalle udringen in die Häuser ein und plündern und morden nach Herzenslust. Es gibt keine Hilfe, und die Einwohner verlassen Hab und Gut und flüchten ans der Stadt, nur um ihr nacktes Leben zu retten. Bis vor kurzem! wurden aus dem Newski- Prospekt von Zeitungsverkänsern Flugschriften kolportiert, in denen den Inden in den derbstell Worten eine Barthvlomänsnacht angedrvht wurde. Die Juden, hieß es darin, seien an allein schuld, sie hätten den Japanern geholfen, die Revolnkion Veranstaltet, nun wollten sie alle Kirchen und Klöster in jüdische Schweinestüüe umwandeln. Daher müßten sie alle, und mit ihnen ihr Helfershelfer Witte, vom christlichen' Volke ausgerottet werden. Diese Hetzschriften waren sämtliche mit dem Stempel „Bon der Zensur approbiert" verseher. Nachdein die liberalen Blätter daraus ausmerksam geniacht und betont hatten, daß Bilüiter mit viel weniger aufregenden Artikeln' sistiert und deren Redakteure in den Kerker geschickt werden, wurde schließlich eine Untersuchnug eingeleitet, bei der sich als 'der Autor der Flugschriften ein hoher Bemnter des Ministeriums des Innern, der wirtliche Staatsrat Laivrow, entpuppte. Hergestellt wurden die Schriften in der Druckerei der StadtHanptmann'schast, und den Zenisor, der sie sreigegeben, einen Herrn Sokolow, suchte der Chef 'des Staatsdepartements bei Witte infolge feines hohen Alters zu entschuldigen. Eine andere im Dienste der,,schwarzen Hundert" stellendeDvnckerei wurde in der Gendarmetzieabteiluilg entdeckt. Ihre Leiter waren ein Gettdatzmerieossizier namens Kntn'Missarviw und der Chef deS Polizeidepartements illatschkoivsk»), der infolgedessen feinen Dienst i»n silieren mußte. K r u s ch e rv a n> der bestarabische Vlnthnnd, läßt die armen Inden Südrußlands nicht zur Ruhe kommen. Dieses entmenschte JndUvidnimr plant neue ivkassakres gegen die Kifche nestier Juden. Drvtzdeimer nicht die geringste Aussicht hat, gewählt ztl werden, kandidiert er in Kischenew für die Duma. Eint traurige Aussichl für die aruiell, geplagten Inden. Dazu nahen noch die Ostern, und es ist m»ch den Erfahrnngen der ketzten Jaihre nur begreiflich, daß die Juden ans Veßainb'ien rechtzeitig und in Massen fliehen. Man kann sich in den Grenzlä'ndern aus eine »roch intensivere Steigeruirg der Dn'rchwatrdernng russischer Inden gefaßt machen. Diese Flüchtlinge wissen in der Ziegel nicht, wohin sie fliehe»r solletl, sie wissen nur das eine, daß sie, »venu ihnen das Leben noch etwas wert ist, über die Grenze kommen lniiffen. Leider gelingt ihnen in jüngster Zeit auch diese'»' Versuch, ihr Lebe»» zu reiiten, »licht simner. Irr jüngster Zeit treffen besonders die ö st e'rretchischer» Grenzbehörden die schärfsten Maßregel»», un» die Ein- oder Dnrchwan'derung rusfischer Flllchtlinge zu verhüten. So wurden erst vor einigen Tagen 52 aus Jekatertn o stam über Jassy gefliichtcten Inden den Eintritt nach Oesterreich. Die Flüchtlinge befinden sich in größter Verzweiflung in Vnrdnjeni, da auch Rumänien ihre A n f n ah me ve r we ig er t. Und diesen Zuständen steht die enropäische und amerikanische Jndenhcit ohnmächtig gegenüber. Das ist das Trostloseste an der ganzen Situation! Vermischte Nachrichten. Wien. (Verein „Israelitische Kindcrbewohranstalt.) Am 11. d. fand unter dem Vorsitze der Vizeptä'sidentin Hosrätin Elise G o m p c x z die erste Hauptversammlung d>es seit denr Jahre 1843 bestehenden Vereines „Israelitische Kinderbewahranstalt" statt, unter desseir Leitung die israelitische Kinderbewahranstalt, 2. Bcz., Schiffamtsaasse 15, de re in Filiale, der israelitische! Volkskindergarten, 20. Bez., dblostornenbnrgerstrasie 14, ein Bitvungskreis> für Kinderaärtirerinnen (mit dem Oesfcntlichkeitseechte) und ein! Vildnngskurs für Kinderpflegerinnen stchen. Der bisherige Beistand unter Führung der Frau Sarah v. S t e r n wurde durch Akklamation wiedergewählt. Im. Rechenschaftsbericht tvurde hervorgehoben, daß trotz der vermehrten Ansprüche, die an den. Verein! gestellt worden, tind der erhöhten Leistungen, die cv anftveist, die Mitstliederzahl seit 40 Jahren in steter Abnahme begriffen! ist. Jüdischcs Bildungsheim, Wien, 14. Bcz., Ullmannst raste 31 (Kanechof 10a). (Vorträge.) Dienstag den 27. März: Dr. Berinhar'd % c m p l e r, Rabbiner mib Prediger: „Ein antikes Seitenstück zmn modernen Parteiwesen im Judentum". Dienstag den. 3. April: Dr. David Roth b l um: „Jehnda Halevy". Bcgilm 8 Uhr. Eintritt frei. Nikolsburg. Samstag an» 18. War veranstaltete der gesellige Verein „Hilaritas" in Nlkolsbnrg unter der bewährten Leitung seines verdienstvollen Obmannes Herrn Gustav Kohn einen sehr arsnn'ierten Abend. Das zur Anssührnng gebrachte Theaterstück nurrde lebhaft begrüßt unb warmer Beifall lohnte die Darsteller. Als zweiten Punkt des Programmes gab Herr.R. Groß»n-an.n e!inlge Lieder inrd Eonpkets unter sich stets steigenden» Applaus zmn besten, besonders iburden die von Herrn Großman»» vorgetragenen selbst nerfaßten Klapphvrrlberse belacht. Unter den^ Klängen der Vöitelsbrnner Mnsikkapelle ivnrde sodann dem Tanze bis später Frühstnnbe gehuldigt. Freitag den 10. dldar versammelten sich im Hause des Herr.ir S. Spitzer zirka 70 Masken, in Gvnppor» formliert, zu einem hier noch selten gesehenen Inge, mn sich sodann in einige als besonlders gastfreundlich bekannte Hänser, »vie in de»n des Herr»» Nakhar» Oser, Gustav Aböles, Rabbiner Doktor Lev in zu begebe»» »»»»b dort »»»ehre re sehr gelungene Pnrinrstttcke anfznführen, nachdem der Zug j'lberall bestens begrüßt und reichlichst beibiriet rvvrden ivar, begab sich selber ins Hotel Schaffa, lvo sich tt»m ein lustiges, zivangloses Btaskentreibe»» entwickelte linb an ivelche>n» ein schnell sn»provisrertes Tan'zkrä»>zchen anschlvtz, rvelche's Mitwirke»»de irn'ö Znschauer noch viele Stn>nden »>»' aiiimierter, angeregter Stiimniing beisanlnrenhielt. llm dnS Zlistaiidekonuneu dieser Ve»1ansta^ll»lll»g hat sich besvtlderS Herr eanb. j»»r. Mkx O'fer verdient gemacht und damit einer gen»iitlichen echt jüdischen Traditivi» ivieder Eillgang verschafft. Die „Oserplatte" vereint init der „Kvhllplaile" ist eben erst das Vollendete, drnin hossen wir auch, daß es den beiden Gerippen „rwreint" gelingeir »bird, bas gesellige Leben in der bisherige-n Weise z»» verschöniert» »»»>d z»l pflegen und das gesellige Leiber»! zu einen» echt jüdischen Fan»>ilienleben fortiz'llgestalte»r. Nnter den Maskellgrltppen »vären als bespniderö geOlngen herbv»zuheben: die Gruppe der Klosterbrüder, der Zigeuner, der Amnren, der Steyrer, der Hellebardiere, der Beduine»», der Hnrilet'ins, der Paprikajanüi, der pollvische J»»de, der Gigerl, der Stniderlten, der K'lvlsterschlvester n»»d »»och atl'derer »»»ehr. Pn».rmbaU des zionistische,» Bürge »verein es in Winkorvee (Slawonieuj. Der hetlvige Purirnball, der a'M 11. d. Nt. stattsand, gestaltete sich zrr einer irnpofanteir Manssesiativn der zäonistische»» Idee in Slanmnien. Auch ans Essegg waren einige Vertreter der dortigen zionistischer». Studentcuschast erschienen, Vk von dem Präses Herrn M. Stein mit einer inw'.gen Ansprache begrüßt »vurden. Eröffnet wurde die ttnterhaltu.ng' d»lrch eilten von Markus Hirschberger versaßten Prolog, der mit lvarmen Worte»» ans die Not unserer Brüder in Zlnßland hinwies, und sich auf den ziolliistischen. Standpunkt der Lösung der Juderifrage stellte. Nur» folgten drei Einakter, ebeirifalls von Herrn Hirschbcrgcr, die wohlveibiente!»»! Beifall ernteten. Schließlich gelangte auch der vler-te Akt ans „Destorah" z»rni Vortrag, m»d die gediegenen Leistungen der lrvaÄschen Schanspielertrnppe fanden nngetellte Airerkerlünüg. Trotzdem der materielle Erfolg des zionistischen Pnrrm- 'baqes sehr grmß ist, ist der inoralische noch größer. Hier zeigten unsere Zionisten, daß ein ansrichliges Berhältlnis zwischer» Inden und 9c ichlüiden die schünsten Früchte trägt. Hunderte Kroaten, Serben »Md Deutsche wohnten dem Puriinballe bei und berititzter» diese Gelege »»heit, nn» i hre Sy mpakhie n für den Zioüiismns zu nianifestieren. — Daß die tan-zlusrige Jugend auch der Tanztnst in ausgiebigster Weise Gentige leistete, braitcht wohl nicht erst betont zu iverden. — Erivähnt sei, daß sich um das Gel'i»t!get» der Unterhaltur»g besonders Herr M. Stei»» ver'dierit gemacht Hat. Ein Teil des Nöinlerträgnisses wird dem Nativi»alfonids zugeführt. -Fr. Kr. Eine Taufe im jüdisthen Spital. Aus Budapest wird uns berichtet: lieber einen! Taufakt eines in» hiesigen! jüdischen! Spital voltzogeneu Glmibensivechsek berichtet.der „Magyar Nemzet": Jnl diesem Spitale besä nid sich seit länger-er Zeit der Maler Alexander Bihari, der dortselbst in seiner schworen Krairkheit der aufmerffantften Pflege teilhaftig wurde. Bo'rgesterrr »nurde jedoch fein: Zustand so kritisch, daß die Aerzte das ärgste befürchteten. Seine Frau, eine Katholiki»», -dranig nun, in ihn, er möge seist Testament »»rächest! und sich taufen. lasse»». Obwohl die Spitalslettrmg. keitrerlei EiMrendU'Ug gegen! die T»rufe erhob und nur" ersuchte, diefelb-e nicht in», Spitale selbst voruehlnenzu' lassen, holte Fra»l> Bihari denilcch einen' Geistlichen, der den! Tonsakt an! de»»» Schwer krankenvollzog'. Ter! Kra:nke wrirde heute auf sein eigenes Anstichen: in> bas Rote -ll reuz-Spital trarrsportiert.; sein, Zustand ist »roch imnteo äußerst bedeirklich. Wieder zwei, die sich ihres Namens slhänrcn. Den Wilheli»» Karpeles, Dams)smiihleubesitzer in Kralrlp und Heinrich Kurve les, Gritsbesitzer in Unhoscht, »vurde die Belvilligung zur Aenderun-g ihres Familie»»- uamens in, „Kars" erteilt. Das „Leitirwritzer Wochenbl." boinevkt hierzu: „Glücklichertveise ist aber die tRase ei»r Dokm»»el»t, das »licht geändert werdest kann, uns man erkennt ihre! Träger doch." Professor M. Steinschneider, der bcrühnrte Orientalist, feiert am 30. d. M. in Berlin jeinen 30. Gebuirkstag. Die »inzähligiest Verehre'»- des greise»» Gelehrten, sowie einig große Auzah l lvi sse nscha ftl icher Ko r p o ra t i oi renb eansichtigteu dem Jilbilar aus diesen» Anlässe verschiedene Ovationen zubereiten. Wie »vir nun ans Berlin erfahrnen, wird sich Pivof. M. Steinschueider aus Gesm».dheitsrn»Lsichte'l»' allen! persö»»lichen! Glückwüstscheneutzichen und dm Iw beltag in voller Zurückgezogenheit verbringe»». Auszeichnung. Der Kaiser hat den»-. Oder- -rabbiuer der israelitische»» Kn!1»»sgemeinde in» Triest Sabato Raffael Mell» das Ritterkreitz des Franz Joses-Ordens verliehen. Eingesendet. Gegründet 1875. Gogrttndot 1875. Feuerfeste und Liubruchsichrre in ltllsu Orösosv bsstsr Loostrulclioo vsus unck 8sb»'üuodts, billigst. LUDWIG HIRSCH, Wien, IX.. Porzeilang. 58. KKCBSflFOTlICKC: 5. niTTELBflCH Wien, I , Hoher Markt Mr. 8 (Palais Lin») im Zealruin der SUdt. PetM-HD-Bontas. Ueetes u. sicherstes Mitte» __ _ gegen Verschleimung, Hu* sten, Heiserkeit. Verhindern den Hustenreiz und bewirken sofort die leichte Entfernung des Schleime«. Prois pro Schachtel 70 Heller.

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