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Nationalzeitung · 1906-03-27 · Heft 24 (27.3.1906) · p. [Seite]

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 24 (27.3.1906)
Date
1906-03-27
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Organ für die gesamten Interessen des jüdischen Volkes. Mlmcheitimz Erscheint jedem Dienstag «nd Freitag. AgrMmrr und KcrMSgebrr: Jakob Kraus?. Inserate übernehmen die^firmen: 2. vanneberg, M. vukes Nachfolger, ljaasensteln Sc Vogler, Rudolf Masse, M. pozsonyi, K. Schale! in Wien, ferner alle Annoncen.Expeditionen im Ruslande. Einzel-Nummer in Wien IS Heller. Verschleißstellen unseres Blattes» in welchen auch Abonnements entgegen genommen werden: Hermann Goldschmidt, Wien, I. Wollzeile 11; Verlag „Zion" Wien, II/3, Stefaniestraße 12; Robert Weiß, Wien, I. Jakobergasse 7. Administration: Telephon AbonnementS-PreiS r Für Wien u. Oesterreich- Ungarn s. Frankozustellung: Ganzjährig. . . . X 12.- Halbjährig . . . . K 6.- BierteljLbrig . . .K 3- FürbaS gesamte AnSl r d Ganzjährig . . . K 15.1 8 IX/1, Wasas astr 91. Vh. 14783. Preis der Anzeigen: Diesmal gespalt. Nonpareillezeile oder deren Raum 12 d. „Eingesenbet" die Sspaltige Nonpareillezeile 60 Heller. 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Wir erachten es aber als unsere Pflicht, gegen jenen. Teil Stellung zu nehmen, der sich «Kilt den Judenehen befaßt. DevsoWe, lautet: ' „Auch die besonderen Best inl,m,un,gen, welche das allgemeine bürgerliche Gesetzbuch für die Jndenehentrifft, haben vom Standpunkte des Staates keine Berechtigung. Sie bestehen 4«, einer besonderen Regelung des Ehehindern,i-sses der Verwandtschaft und Schiwügerschaft (Paragraph 126) und in den BestiNiirinngen, über die Trenn,nng iParagraphe.133 bis 136). Auch hier sollen die r e l t g >i ö s e n A n s ch a n u u g e n dem. Erfordernisse eines einlhM'lchen Eherechtes weichen. Allerdings wird hierbei zu erwägen sein, ob nicht die Übertrieben westgehenderr Vorschriften, wie sie derzeit irr den Paragraphen, 65 und 66 für die genannten Hindernisse bestehen, -nach dem Beispiele des ° bürgerlichen Gesetzbuches für Deutschland «Paragraph 1310) für alle Staatsbürger einer e i n schränken d e n A e n de r n n g unterzogen, weröerr sollen. I e d e n f a l l s aber i st d i e g r oße L e i ch t i g feit d er Ehetre n n u » g im FaIXc dcs Et nve r ständntsses der Gatten ntcht &u rechtfert tgen. Auch die tür die Ehen der Juiden be-stehendell besvirideren Bovfchriiften über die Trennung der Ehe (Pamgraphe 133—136) sind aufzuheben." Zunächst sei auf die Jntonfeqnenz verfoiefen, -atz dieselbe Eingabe, welche wenige Sätze zllbor, wo sie für die Trennbarkeit der katholischen Ehen eingetreten, ist, etwaige Bedenken, daß. dies zu häuftgen Trennnngen führen körurte, mit denn Beispiele auf die gesetzlich so leicht zu trennenden und fäkklfch selten getrennten Ehen, der — Jaden zu zerstreuen sucht, paar Sätze später einschränkende Aendernngerp, also Bestimmnngen z ll n n g n n - sten der Juden verlangt bezüglich der sogenannten leichten Trennung der Jndenehen. Dagegen muß aber entschieden protestiert werden, daß man sich, über „reltgiöse Anifchan-nngen" der Juden so leicht wegsetzenzu kömren vermeint, indem man dekretiert, es „sollen ihre religiösen An schall nnge n denl (angeblichen) ,Erfordernisse eines eillhe,Glichen Eherochies weichen". Daß dabet den Herren im Ansschnß der Lapsus passierte, daß sie die Bestimmungen des bürgerlichen Gesetzbllches über die Ehehindernisse der BerwanAfchaft ruid Schwäge r schuft iw E inklänge mit den religiösen AnfchKn ungen der Inden hallten, ist nebensächlich. Es sei nur kurz darauf Verwiesen, 'daß Paragraph 126 entgegen den religiösen Anschauungen der Juden nsw. durch mißverständliche Auffassung seitens der 'Kommission für das bürgerliche Gesetzbuch aufgenommen worden ist. Es sei hier nur darauf verwiesen, daß das uwsaisch-talnnldische Recht ans ethischen Gründen die Ehel'ichung der Schwester der verstorbenen Frau ebenso begnrtstigte, wie die sogenanlnie Levir-Ehe. Ein jeder echte Jude wäre gewiß auch für eine Abänderung des Paragraphen 126 a. b. G. B. aber aus de.m 6>rnn.de, weil er den religiösen Anschannngen, der Juden widerstreitet. Der Der Ad>vokatenkam>meransfchnß ist aber für die Abändernng, obgleich es dafür hält, daß Paragraph 126 den religiösen Bestinvmnngen der Indem entftweche. Die Trennbarkeit der Jndenehen aus freiem, beiderseitigem Wollen hat aber eine so große e t h t s ch e Begründung, daß an der nicht gerüttelt werd'en. darf. Wir- Inden hoffen, daß uns die Ehetren,nnngskomödie und deren entisittllichende Wirkung erspart bleibt, die andere Gesetze den Eheleuten aufbürden, die nnr aus „schwerwiegenfreit" lnnd durch eine abgekartete Komödie fo leicht zn supplierenden) Gründen eine Ehe trennen, aber aus s i ttlich - r eine n, Grüniöen der Seelenidisharmonie, die aber noch reicht bis znm Skairdal oder Ehebruch, gedieh, sich n i ch t trennen > dürfen. -Selbstverständlich richten rvir uns entschie-! denft gegen die Mischehen. Eine Neligion I sei in der Ehe zwischen Mann, n-nd Frau, Eltern und Kindern! Wo nicht E i rr h e i t des Glaubens in der iJ-amilie herrscht, dort gibt es körne re'ligiössittliche Erziehung der Kinder. Solle'rr die hnrrdert dürr-en Blätter vorn JrlderrAun rrivr abfalleri. Sollen die Herrchen und Dä>m.cherr der a'fsirrrilatorlischeni Borrrgoisie sich nur weiters taufen nriüsseir, nnr eine Christin öder einerr EHristen zu heimteni —- denn rr nr g e k e h r t konrjrnt so etwas bereits feit 20 Jahren rricht rnehr vor. Die sollen, ihre Kinder christlich erziehen lassen. Das ist für die JNiderr besser, als daß sie sie ohne Religion anfzieherr. Denn, da>ß werrn, ein Jude oder Jriidin eine Mischehe rriit einenr Ehristerr oder Christin, eingeht, jemals sein oder ihr Kind ein religiös g u ü erzogerres Judenkind werden rvürde, ist arrsgeschlvsseri. Wer ein, fromruer Jude! ist, heiratet n üNilich ans religiösen G rundsä tze rr nur eirre Jüdin. Und ein irreligiöser Jlld kann nicht jüdische religiös erziehet,. Im A-ttsischuß der Advokatenkauimer sind 23 Mitglleder, dnbvn sind bloß 8 Juden. Aber auch diese Dtiiuoritüt hätte, wenn niicht schon, den Beschluß au'shalten können, so doch verhindern sotten, daß aufcheinend lvi,de-rspruchslos über „religiöse" Anschannngen der Juden zu,r Tagesordnung ttberzugehen, dem Röichsrate elnpfohleu wird. Der Dichter Morris Rosenseld schwer erkrankt. Eine betrübende Nachricht meldet uns unser New Aorkev Korrespondent vom 9. dS.: Der bekannteste jüdische Dichter Momis R o s e n f e l b, dessen, Gedichte in, fast alle modei'ne Sprachen übertragen! wurden und so Gemieingut der ziviliisierten. Menschheit geworden sind, liegt an. den Folgen eines S ch l a> g a n f a l l e s inr New Aorker Phificall' and Medical Hdspital 465 Lexingion Avenue darnieder. Der Dichter kam, vor einiigen, Tagenaus Baltimore zurück, iw er Freunden, eisten kurzeir Besuch abstattete. Tags, darauf fühlte er sich . unwohl, die ganize rechte Seite des Körpers war gelähmt, sodast er weder zu sprechjen noch sich zu bewegen, imstande war. Ev ttmvde rasch ins Spital befördert. Ter behandelnde Arzt ist der Ansicht, daß Monate vergehen „werden, ehe der Dichter die Herrschaft über, feine Glieds maßen wiedeveulangen wird. Jstizwischcn! liegt er im Hofpital u>nü> ist gezwungen, den schrecklichen, Lärm anzuhören, den! die Arbeiter der Zentralstation! der.New Uorker Untergrund^ bahn, bei ilnen Arbeiten, verulvsachien. Der Dichter lvuvde^ im! verflossenen Jahre überhaupt vom, Unglücke verfolgt. Sein einziger Sohn, ein außergewöhnlich talentierter Junge vou 15 Jahreu, starb nach kurzer Krankheit. Er selbst lvav nionatelang aus einer Vortragstdiminee, von Stadt zu Stadt lvanderud, schrieb, unterdessen viel fiir die jüdische Presse, und, mußte während seiner Neison verschiedentliche Unbilden, ausstehen und inan,che seelisch!e, Bitte,rnis^ ertragen. Erst das vor einigen Monaten erfolgte Erscheinen -der radikalen- Wochenschrift „D e r Z e i t g e i st" bot ihni eine Stellung, in welchier ev sich, frei belvegen und, zu-m ersten Male ein halbwegs sorgloses Leben führen konnte. Und gerade jctzt, da, er' einem wirklich dev Erholung und nicht beschsverlichen Reisen zu, widmendeir Sommer entgegenging, lvurdo ev aufs Krankenlager gestreckt. Mr. Rosenseld lieg! nun im Hospital, wo er von seiner ihn abgöttisch liebenden Frau gepflegt tvird. Der unglückliche Dichter ist sehr unruhig, aufgeregt und stets deprimiert. Unaufhörlich jammert er: „Meine rechte Hand ist gelähmt, nnu werde ich keine Gedichte mehr schreiben können!" Und als wollte er den Besucher überzeugen, daß er nicht übertreibe, macht er den Versuch, den rechten Arm emporzuhebeu, aber — es geht nicht . . . Triotzdem sein Körper steif und unbeweglich ist, rollen seine feurigen! Aligen umher, als wollten sie die Wände durch,dringen, um zu erfahren, tvas draußen, in der Welt vorgeht. Der Dichter ist nunmehr aus dem Wege der allerdings sehr langsam, sortschrciteuden Rekonvaleszenz. Er spricht schon ganz deutlich »*- Die nächste Rümmer erscheint Freitag den 30. März.

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