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Nationalzeitung · 1906-03-16 · Heft 21 (16.3.1906) · p. Seite 5

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 21 (16.3.1906)
Date
1906-03-16
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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*r. 21 RationalAeikmg Si'ito 5 Völker könne»! Glück verbreite»» und auch auf ihre Umgebung glücklich einwirken. Dasselbe gilt von den Tschechen. Die Tscheche»» erhalten bei einer Gesamtbevölkerung vo»» 5,955.397 9v Mandate; es entfällt daher ein Mandat auf 60.155 Einwohner; die Polen bei einer Gesamtbevölkerung »on 4,252.483 64 Mandate; es entfällt daher ein Mandat auf 66.445 Einwohner; die Ruthenen bei einer Gesamtbevölkeru»»g von 3,381.570 31 Mandate; es entfällt daher ein Mandat auf 109.083 Einwohner. Diesem bei uns immer stiefmütterlich zurückgesetzten Volke gönne ich diese, rvenn auch nur geringe Vermehrung der Mandate, die es bekommt, obwohl es als ein Volk von nahezu 3‘|a Millionen Seele»» noch lange nicht gerecht behandelt morde»» ist! (Abgeordneter P i h u l i a k: 65.000 Soldaten kann es liefern!) (Fortsetzung in der nächsten Nummer.) An die Arbeit! Das österreichische Parlament, das glücklicherweise dem Ende seiner unrühmlichen „Tätigkeit" entgegeneilt, zeigt auch wahrend der Wahlreformdebatte, daß die Anklagen, bie wir seit Jahren immer von neuem gegen dasselbe in diesem Blatte erheben, nur zu gerechtfertigt sind. Die österreichische Volksvertretung kann den „Ruhm" für sich beanspruchen, weder österreichische noch Volksinteressen zu vertreten, sie ist ein Tummelplatz der erbärmlichsten Schacherpolitik streberischer Coterien, die gleich wenig Interesse und Verständnis für die Lebensbedingungen des vielsprachigen Oesterreich wie für die wichtigsten Postulats der prodezierenden Stände an den Tag legen. Wenn man sich die Kritik der einzelnen parlamentarischen Fraktionen an der Regierungsvorlage das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht betreffend betrachtet, so muß man konstatieren, daß dieselbe ausschließlich unter dem einzigen Gesichtswinkel der Wahrung respektive Erweiterung des Besitzstandes der einzelnen parlamentarischen Fraktionen erfolgt. Den eigentlichen Zweck des allgemeinen gleichen und direkten Wahlrechtes, an der Stelle einer volks« und reich-feindlichen sogenannten Interessenvertretung «in wahres Volks- und Reichsparlament zu setzen, will die überwiegende Mehrheit der sogenannten Volksvertreter vereiteln. Ja auch wir Juden erstrebe« eine Vertretung unserer nationalsozialen Jntereffen im österreichischen Abgeordnetenhaus«, auch wir haben Wünsche, die in der Regierungsvorlage keine Berücksichtigung sinden, wie die an anderer Stelle abgedruckte Rede des Abgeordneten Straucher darlegte, diese Wünsche aber verletzen. Die Rechte keines andern Volkes und keines Standes, sondern sollten von allen gefördert werden, die ein modernes völkerversöhntes Oesterreich erstreben. Wir wollen eine Vertretung unseres jüdischen Volkes durch Volksgenossen, wie es alle anderen Nationalitäten mit Erfolg auch für sich besitzen, wir fordern die strikte Durchführungdes Proportinalwahlsystems zum Schutze der nationalen und sonstigen Minoritäten; aber überall im gesamten Reiche. Das allgemeine gleiche und direkte Wahlrecht wird nur dann in Oesterreich zur Gesundung des Reicheführen und eine positive Arbeit in den einzelnen Vertretungskörpern ermöglichen, wenn es gleichzeitig mit Proportionalwahlen und mit der nationalen Autonomie der einzelnen Nationalitäten der Monarchie zum Durchbruche gelangt. Leider fehlt in Oesterreich bei der großen Maffe aller Völker und zum nicht geringsten Teil der Juden genügend politisches Verständnis und doch geschieht so wenig zur politischen Schulung und Erziehung. Statt Erziehung beherrscht der Drill, das Schwören auf Schlagworte unser gesamteöffe»»tliches Leben. D»s Frücht« dieser „Tätigkeit" äußern sich in Gesamtösterreich bei allen Völkern im allgemeinen und bei den Juden insbesondere in den traurigsten Konsequenzen. Die jüdische Renaissaneebewegung hat auch hier die Aufgabe, Wandlung zu schaffen. Der Nach »»eis der Schädlichkeir und Unrnöglichkeitder Assimilation hat sie erbracht und immer weitere jüdische Volkskreise sind für die Ideen der „jüdischen Moderne" gewonnen worden. Nun obliegt uns die weitere dankbare aber schwierige Arbeit, zu erziehen, zu agitiern und zu organisieren in dem Sinne, daß die außerhalb unserer Organisation stehenden Juden und Nichtjuden erkennen, daß wir nicht nur eine modern-nationale, sondern auch eine modern - soziale und modern - österreichische Gruppe find, die sich darüber klar ist, daß es ebenso spezifisch-jüdische als auch allen Völkern Oesterreichs gemeinsame freiheitliche, wirtschaftliche und Reichsinteressen gibt. Ohne diese Erziehungsarbeit, ohne eine entsprechende Reichsorganisation wird auch unsere jüdische Vertretung in» Parlamente — wenn wir eine solche erlangen — nicht mit dem nötigen Nachdrucke auftreten können. Also auf zur organisatorischen Arbeit im Gesamtösterreich, zur politischen Erziehung!! H. K. KöMche Redaktion! Bitte umt Aufnahme folgender Zeilen: Am 18. -ds>. wird bei dem von der jüdischen KultuAgemein-de vorm »statteten BrudermaMe der Restaurateur Tvn-ello das Diner besorgen; da -wie bekannt, Herr Tonello prinzipiell in seinem Gewerbe keine jüdischen- Angestellten beschäftigt, so wäre es. wohl Pflicht der jüdischen Kultusg-en»ein>de, ihr Augenmerk darauf zu richten-, daß Herr Tonello bei -diesem, von der jüdisch e »i Kultnsgemeinde z-ui veranstaltenden Mahle auch jüdische Kellner, deren esja in Wien sehr viele, leider zun» größten Teile erwerbs- und -beschäftiMitzs-lose gibt, Ansicht. Es »nüssen bei diesem Mahle nur lauter antisemitische Kellner servieren, wie das in dem eigenen- Lokale des- Herrn- Tonello seit jeher der Fall ist. Im Namen sämtlicher jüdischen Kellmier. von Wien I. P l a pst e r. Vermischte Nachrichten. Das Leichenbegängnis der Fra« Johanna Krausz, Her Mutter unseres Herausgebers und -Redakteurs Herrn Jakob Krausz, fand am 1<3. ö. M. in Neutra (Ungarn) unter großer Beteiligung der jüdischen Bevölkerung statt. Am Sarge hielt Herr Redakteur Jakob Krausz seiner Mutter einen ergreifenden Nachruf, in welchem er die Verstorbene als treue Gattin, liebevolle Mlutter und besonders als gute, fromme und wohltätige Jüdin rühmte. Nachdem Herr Oberkanten' Krasnians'ky das El »n-ole rjachaminr in gefühlvoller W-eise vorgetragen hatte, wurde die Bahre auf den jüdischen Friedhof getragen und daselbst zur ewigen Ruhe bestattet. Sowohl dem tiefgebeugten Gatten als auch -.Herrn Redakteur Jako b K raus -z kommen aus Anlaß dieses unersetzlichen Verlustes unzählige Beilerdskundgebnngen zu. Wien. (Puri-nl-Redoute.) Son-ntag den 11. ds. fand im Ballsaale des Etablissements Ronächer die heurige Purim-Nedvute des Brigitte - n a »»-e r i s r. U u t e r st ü tz u u g s v e r e i u e s statt. Seit einer Reihe von Jahren arrangiert dieser Verein anläßlich der Purimfeier ein nationales Maskensest, das sich in den Wiener jüd. Gesellschaftskreisen eine Popularität erworben hat. Weilten auch die Gedanke»» der älteren Teilneh- »ner, angesichts der traurigen Lage unseres Volkes, in anderen, sie melancholisch ammltender» Sphären, so konnte doch manchem ein Wort in den Sinn 'komme»», das vor einigen- Jahren ei»» Wiener Kn Nistkritiker bei Besprechung' einer stattgehgbteu Au-fführung der 9. Sinfonie Beethovens geprägt hatte: „Opfere deir» Herz auf dem Altar der Menschheit und lasse deine»» Schmerz untergehen in der allgemeinen Freude". Galt doch dieses Fest »licht allein der Freude und de»n A»n>üsement der Jugend, sonder»» insbesondere dem höheren- Zweck der Wiohltätigteit. In Liefern Zeichen konnten! die zahlreichen Paare auf deru Parkette des »n-i! Lampions und Girlanden -dekorierten Prachtsaales unter den Klängen der Militärkapelle des Jnf.- Reg. Nr. 6 und dem Arrangement des Tanzmeisters Herrn Durant bis zun» Morgengrauen flott dem Tanze huldige»». Von -den vielensehr -hübscher» und charakteristischen Gruppen- »»nd Einzelmasken feie»» hier nur einzelne erwähnt: ,-Frakergefellfchast" Frl. Mü tz. Frl. Rosa Sur zh olz, Frl. Agnes Kurz Holz, Dr. H upert, Architekt Seidle t, Alfred Koh n. „Eine Tarockpartie aus dem Cafe Körner", Frau Kaiser, Frau Pomeranz, Frau Grab, Herr Grab uUd Herr Hauser. „Strandgigerl", Frau Ernestine Politzer, Frau Gusti Bru n, Frl. Ftni und Elsa Körner. Ferner fielen als Eiuzelmasken auf: Frau Adele Stern als Engländerin, eine elegante Erscheinung und sehr schick. Fra»» Schönberger, schwarzer Atlas-Domino mit Veilchensträutzleiu garniert. Frl. Johanna K v h »t und Dina Karpel als Wäfchermädl. Frl. Frieda H a u s e r als Bretzenbub. Frl. Erna Beck, fran-zöfische Edeldame. Frl. Regine Deiches, japanisches Kostüm. Frl. Erumi Chamt a s ch, Raftelbinder, sehr originell. Akademischer Maler Herr Steiget als Pülcher. Lehramtskandidat für Realschulen Herr Jg. Marik als Kariena-ufschlägerin. — Mit Preisen von je 15 K wurden die Gruppen: „Fiakergesellschafit", „Strandgigerl" und ,-Teufel" und mit je .10 K „Tarockpartie", „Zigeuner", „Richter" und der „Pülcher" beteilt. Ferner wurde zNe'r-kannt dein Frl. Emma Beck der 1. Preis, eine goldene Dämen-uhr, Frl. Irma Körder 2. Preis, goldenes Armband, Frl. Frieda Hauser 3. Preis, goldener Ring. — Das namhafte Reinerträgnis fließt dem Verein, also wohltätigen Zwecken zu. N. Ch. Wien. (Verein „J-ehudah Halevy".) Anfangs dieses Jahres hat der Verein „Jehudah Halevy", 2. Bez., R'embrandtstr. 7, einen hebrärschen Kurs für Anfänger errichtet, »velcher während der kurzen Zeit bedeutende Erfolge au-fzuweisen hat. Infolgedessen schreitet die Bereinsleitung zur Errichtung eines neuen hebräischen Kurses für Anfänger, »velcher am Dienstag der» 20. März beginnt. Auch können Damen und Herren an dein bereits bestellenden he-br. Kurs für Vorgeschrittene teilnehmen. Beide Kurse stehen unter bewährter Leitung des hebräischen Lehrers I. Berko'wicz aus Palästina (früher hebr. -Lehrer an -der Allianzschule in Saffad und in der Kolonie Rosch Pinah). Anmeldungen und Auskünlfte im Veveinslokal, 2. Bez., Remibrandtftraße 7, täglich von 6—9 Uhr abends. Verein zionistischer Hochschüler „Theodor Herzl". Son-ntag der» 18. März findet im Festsaale des „Hotel de France", 1. B'ez., Schotten-- riug 3, eiu Purimkommers mii anschließendem TaUzkränzchen statt. Saaleröffn-nng halb 7 Uhr. Beginn präz. 7 Uhr. Negiebeitrag 1 K. Agram. (Fostfeier der israel. Jugend.) An» 5. März, halb 6 Uhr nachmittags, fand im Gemeindehäuse in der Palm-oticgasse eine Festfeier des literarischen Vereines der israelitischen Jugend anläßlich des Gedenktages des jüdischen D-ichters Juda ben Halevi statt. Bor dem Beginn des Konzertes begrüßte der Protettor des Boveiucs Prof. Dr. Gavro Schwarz in warmen Worte»»- die Amveesnden, worauf das V-iolirrorchester des Vereines unter gewandter Leiturrg des jungen Mannes Felix Rendi Mozarts Ouvertüre zur Oper „Die Entführung aus dem Sera il" zun» Vortrag brachte. Sodärrn hielt Karl 'Frieds länder eildor» interessanten »»»ld gehaltvollen Vortrag über Inda Halevi, rvühreud ZlatkoRosenberg „Abul Hasans Lied" mit großer»» Erfolge rezitierte. Sehr hübsch »»nd vollendet waren die Klavierproüuktion-on des Vladimir Weiß, der »irit feiner Technik Rnbillsieills „Tarantelle" »»nd Chopins „Grande Valse" zu Gehör brachte. Inhaltlich interessaut war auch die von Milan -Flesch verfaßte uüd zur Verlesung gebrachte Novelle „Däs -Spiel der Gefühle", die einen durchschlag-erlden Erfolg erzielte. Sehr hübsch deklarniierte svdann Bhakso Steru das Gedicht ,-Son-r»enaufgang", »vährelld das Violinorchester mit Haydns „Militär-Sinfonie" die schöne Festseier beschloß. Das iit sehr großer Zahl erschienene Publikum spendete den Mitrvirl'endett warm'en Beifall. Nachdem noch die Glücklvmlschdepeschen, die an den Verein angelangt rvarien, verlesen- »vorbei», darlkte Dr. SchUvarz den Aitwesendeu für das Interesse, »velches demjunger» Vereme zugebracht ronr-de, und schloß die gelungene Feier. Kantor Moritz Blatt. An, »l. d. Mts. ist der Kantor der israelitischen Kultnsgemeinde, .Herr- Moritz Blatt, »velcher durch viele Jahre im LeojaranHerfnarurcdites feinstes--- BhkPfianzenaus frieohere^^ KokosnQesen?

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