Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 20 (13.3.1906)
- Date
- 1906-03-13
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Nationalzeitung Nr. 20 Professor B i e g a n o v s k D seines Atntcs sofort enthoben werbe, das; ferner eine slüiw mij'ion eingesetzt werbe, welche Don verfahrenen Mai reu des hiesigen Gymnasiums ins richtige Geleise bringen solle. Da sich die Versammlung der schweren Folgen bewnßt ist, welche die vorerwähnte Anschiildignng eines Pädagogen in Gegenwart von jüdischen, polnischen und ruthenischen Schülern zeitigenmüssen, beschloß die Versammlung, Professor B i e - g a n o v s k y wegen A n f r e i z n n g einer N a t ion g e g e n bi e an deie an zu klagen und sich gleichzeitig an die galizischen 'Jieichsratsabgeordneteit mit dem Ersuchen zu wenden, die Angelegenheit zum Gegenstände einer Interpellation an die Negierung zu machen. lieber die weiteren Vorgänge berichte ich Ihnen nächstens. (5. 2. Mßbriruch mit dem Gelde des „Galizische« Hilssvereines"? Zu diesem Artikel erhalten wir folgende Zuschriften: Gorlice, den 0. März 1600. Sehr geehrter Herr Redakteur! In Ihrem geschätzten Blatte vom 23. Februar a. c. haben Sie eine Notiz aus der .Krakauer Wochenschrift „Ter Jud" abgedruckt, welche über meine Person und über meinem Verhältnis zu der vom löbl. Hilfsverein für die notleidenden Juden Galiziens in Wien hier eingeführten Hausindustrie unwahre Au w ürfe enthalten und welche geeignet sind, mich in den Augen aller anständigen Menschen herabzuwürdigeu. Nicht unter Berufung auf den Paragraphen 19 des Preßgesetzes, sondern an Ihre Wahrheits¬ und Gerechtigkeitsliebe appellierend, bitte ich Sie, hochgeehrter Herr Redakteur, meinen folgenden Zeilen in Ihrem gesch. Blatte Raum zu geben. Tie ganze irr „Ter Jud" erschienene, von Ihnen äbgedruckte Notiz wurde von böswilliger Seite gegen mich gerichtet, von einer Seite, welche — mir Eigennutz insinuierend — die Hilfsaktion des löbl. Hilfsvereins sich selbst als Geminnquelle zueignen möchte. Teshalb wurde nicht gescheut, vollkommen unwahre und unrichtige Tatsachen gegen mich ins Feld gn führen. Insbesondere ist es unwahr, daß ich mich mit der vom löbl. Hilssveveine hier eingeführten Hausindustrie überhaupt befasse. Wahr ist vielmehr, daß die vom Hilfsverein zur Organisation' hierher gesendete Lehrerin Fr. Edel m ü l l e r m eine Tochter als die geschickteste unter den lernenden Mädchen sich auserkor und die weitere Leitung meiner Tochter in die Hände gab. (!) Tatz eine zentrale Leitung hier am Platze notwendig ist, erhellt schon daraus, das; der k. k. Zentralspitzenknrs kn Wien, welcher die nötigen Müster Hierherschickt, und die fertigen Erzeugnisse übernimmt und bezahlt, mit 60—80 einzelnen Arbeiterinnen nichts zu tun haben will und eine Zentralteitung zur Bedingung macht. Es ist nicht wahr, daß ich meiner Tochter die nleiste und leichteste Arbeit znteile, damit sie mehr als alle anderen Mädchen verdiene, wahr ist vielmehr, daß meine Tochter Spitzen überhaupt nicht arbeitet, sondern mit dem Verteilen der Muster, Uebernahme und Sortierung der fertigen Arbeit, mit der Expedition derselben, mit der Führung der Rechnungen und Korrespondenzen, endlich mit der Ausbezahlung der für gesandte Arbeit herablangenden Summe ganze Tage und auch manchesmal bis spät in die Nacht derart beschäftigt ist, daß ihr keine Zeit zur Spitzenarbeit bleibt. Es ist nicht wahr, daß den Arbeiterinnen 8—11 Prozent vom Lohn abgezogen werden: wahr ist es vielmehr, daß mit vollkommenem Einverständnisse sämtlicher Arbeiterinnen 5 Prozent — und -kein Heller wehr — von der zur Auszahlung gelangenden Summe abgezogen werden, welche kleine Summe zur Beitreibung der ziemlich hohen Verpackungs. und Erpeditionsspesen der fertigen Waren, Schreibreguisiten, Porto und der hänfig vorkommenden Mankos verwendet werden. Nicht wahr ist endlich, daß die Arbeiterinnen wochenlang auf ihren Lohn warten müssen, weil ich das Geld in meinem Geschäft verwende. Wahr ist es vielmehr, daß gllsogleich nach .Herablangung des (Veldes von Wien mit der Auszahlung der Arbeiterinnen begonnen wird und ich es nicht nötig habe, fremdes, schwerverdientes Geld für mich zu verwenden. Durch Veröffentlichung dieser Zeilen werden Sie, hochgeehrter Herr Redakteur, nicht nur mich zu großem Danke — für meine Rehabilitierung verpflichten, sondern der guten 'Sache, welche durch derartige, aus Haß und Neid diktierten böswilligen Manöver gefährdet erscheint, einen großen Dienst erweisen. Genehmigen Sie, hochgeehrter Herr Nedäktenr den Ansdruck meiner Hochachtung! Hirsch Korn, Gorlice. Wasohbar1 «fassardlch*! Qaruohlosl Wohlgeboren Herrn Jakob Krausz Eigentümer und Herausgeber der „National- Zeitung". In Nummer 15 des laufenden Jahrganges Ihrer geschätzten Zeitschrift brachten Sie unter der Ueberschrift: „Mißbrauch mit dem Gelde des Galizischen Hiifsvereines?" einen Aufsatz, der auf einem an den Krakauer „Jud" aus Gorlice eiugegangenen Berichte beruht. Wie Sie schon durch das der Ueberschrift beigesetzte Fragezeichen und daun auch noch im Texte andeuteten, zweifeln Sie selbst an der Richtigkeit dieser Darstellung. Sje ist auch vollständig unrichtig. Die Sache verhält sich vielmehr folgendermaßen: Wir führen seit vorigem Jahre durch eine Wanderlehrerin in einer Reihe von Orten Galiziens die Erzeugung irischer Spitzen (Spitzenhäkelei) ein; derzeit ist dies bereits in acht Orten geschehen. Die von den Arbeiterinnen erzeugten Spitzen werdeu vom k. k. Zentral- Spitzenkurse in Wien abgenommen und bezahlt, ebemo wie diese Anstalt an die einzelne Orten die Bestellungen samt den nötigen Mustern und Materialien direkt herausgibt. Die Sache ist so organisiert, daß an jedem Orte eine Person die Manipulation führt, d. h. den Verkehr der Arbeiterinnen mit dem Zentral- Spitzenkurse vermittelt. Wir stellen schon vor der Einführung dieser Industrie an die Kultusgemeinde des betreffenden Ortes, bezw. an I den etwaigen Lokalverein, der an der Spitze der Aktion steht, die Bedingung, daß diese Person die Manipulation unentgeltlich, besorgen muß. Es ergibt sich daraus, daß der Galizische Hilssverein einzig und allein den Unterricht in dieser Arbeit auf seine Kosten erteilen läßt; ist dies geschehen, so hat er mit dieser Industrie weiter gar nichts zu tun. insbesondere aber bezieht er keine Ware und zahlt keine Arbeitslöhne. Sie sehen also, daß von einem Mißbrauche mit dem Gelde des Galizischen Hilfsvereines gar keine Rede sein kann. Was nun Gorlice betrifft, so liegt dort die Manipulation in den Händen des Fräulein Tauba Korn. Die Industrie wuchs aber im Laufe der Zeit so sehr an, daß dieses Mädchen durch die stets zunehmendeZabl vonArbeitennnen in ihrem eigenen Erwerb (sie häkelt ebenfalls Spitzen) allzusehr gestört wurde und daher im Einverständnisse mit der Mehrzahl der Arbeiterinnen beschloß, für ihre Mühewaltung den Arbeiterinnen einen fünsprozentigen Abzug vom Arbeitslöhne zu machen. Als wir von diesem Vorgänge hörten, beschlossen wir, dem Fräulein Korn den Abzug eines Teiles des Lohnes zu untersagen und ihr für ihre Mühewaltung aus unseren eigenen Mitteln eine Entschädigung zu geben. Dies wird auch künftighin geschehen I und in Gorlice in ortsüblicher Weise bekanntgemacht werden. Die Vermutung, daß der Vater des Fräulein Korn die eingesendeten Lohnbeträge hv seinem Geschäfte verwertet, ist durch nichts begründet. Wenn hie und da in der Auszahlung der Löhne eine Verzögerung eintritt, so liegt dies darin, daß aus verschiedenen Ursachen, deren Erörterung hier zu weitläufig wäre, seitens des Zentralipitzenkurses das Geld für die Lohnzahlungen nicht immer rechtzeitig abgesendet werden konnte. Wir zweifeln nicht, daß Sie dieser den Tatsachen entsprechenden Darstellung in Ihrem Journal Raum geben werden und zeichnen hochachtungsvoll Hilfsverein für die notleidende Jüdische Bevölkerung inGalizien. Die Juden unter dem Islam. Am vergangenen Sonntag hielt in London Se. Exzellenz, Abdullah Quilliam Bey, Sheikul-JSlam der britischen Inseln, eine Rede über daS interessante The«a: „Die Jude« unter dem Islam". Abdullah Ouilliam Bey war es, der in der jüngst ftattgehabten Protestversammlung gegen die russischen Judenmassakres den Antrag einbrachte, man möge das englische Kabinett ersuchen, daß es bei der Regierung des Zaren zugunsten der russischen Juden vorstellig werde. Der Sheik suchte nachzuweifen, daß die Juden unter der Herrschaft des Islam stets einer guten Behandlung sich zu erfreuen hatten. Wenn man von Persien und Marokko absieht, so muß das im allgemeinen als wahr anerkannt werden. Der Redner gab einen Ueberblick über die Geschichte der Juden in Mesopotamien und Arabien, dann zur Zeit der spanischen Kalifen, unter deren Regierung das jüdische Geistesleben sich zur höchsten Blüte entwickeln konnte. Mit dem Endendes spanischen Kalifats brach eine trübe Zeit für die Juden herein. Vor der Inquisition stüchtete ein Teil von ihnen nach Saloniki und der südlichen Türkei. Bierhundeit Jahre sind seitdem dahingegangen, aber noch beute leben die Juden in Salonichi unter dem Szepter des Sultans ungestört und glücklich. Als während der Herrschaft des vorigen Sultans die Verfolgungen in Rußland begannen, fanden viele jüdische Auswanderer in der Türkei eine sichere Zuflucht. Der Zar verlangte die Auslieferung derselben. Aber der Sultan antwortete: „Nein, sie haben meine Gastlichkeit ausgesucht, ich müßte kein Muselmann sein, wenn ich diejenigen, die sich unter meinen Schutz gestellt haben. Ihnen preisgeben wollte." Während Rumänien türkische Provinz war, war das Los der dortigen Juden ein gutes. Ganz anders ist es heute, nachdem dieses Land selbständig geworden ist. — Der Sheik empfiehlt den unterdrückten russischen Juden einige Teile des türkischen Reiches als Jmmigrationsfeld. Insbesondere hält er Trapezunt mit seinem Hinterland für ein geeignetes Gebiet, das vor allem für die Juden in' Odessa als nächstwohnenden in Betracht käme. Das jüdische Volkshaus in Drahodycz. Aus Drohobycz kommt uns die erfreuliche Nachricht, daß die Angelegenheit des zu erbauenden jüdischen Volkshauses rüstig vorwärtsschreitet. In einer jüngst stattgehabten Sitzung des Exekutivkomitees konnte der Obmann Jakob F e u e r st e i n bereits die Mitteilung machen, daß die Statuten zur ^Gründung eines Vereines „Beth-Jehuda" (Polnisch : „vom zydowski“) die behördliche Genehmigung erhalten haben. Aus den Statuten seien folgende wichtigeren Punkte hervorgehoben: Zweck des nichtpolitischen Vereines „Beth- Jehuda" ist die Erwerbung eines Platzes in der Stadt Drohobycz, Errichtung eines Hauses auf diesem Platze, Benützung, Erhaltung und Verwaltung dieses Hauses. Dieses Hans soll für die Juden der Stadt Drohobicz und Umgebung einen Sammelpunkt bilden, um sich gegenseitig in den Kultnrbestrebungen zu unterstützen, das gesellschaftliche Leben zu pflegen, wie auch Kunst und Wissenschaft zu fördern. Zu diesem Zivecke werden im jüdischen Hause Vereine untergebracht, jüdische Lehrmittel erhalten, und Lesehallen, Bibliotheken und Sammlungen eitigerichtet. Weiters werden auch Vorträge, Kurse, Dilettanten - Vorstellungen, .Konzerte, Feierlichkeiten abgehalten werden, zu welchem Zwecke im Hause ein schöner, geräumiger, der Neuzeit entsprechender Saal errichtet werden soll. Auch eine Turnvereinigung ist vorgesehen, um neben dem Geiste auch den Körper zu stählen. Außerdem wird in dem jüdischen Volkshause eine Waisenhaus abteilung geschaffen, wo jüdische Kinder Unterstand und Erziehung genießen sollen. Jedes Mitglied hat 2 Kronen Aufnahmsgebühr und monatlich 40 Heller als Beitrag zu entrichten. Durch diese niedere Bemessung der Beitragsleistungen ist allen Schichten der jüdischen Bevölkerung der Beitritt ermöglicht. Zum Schlüsse sei erwähnt, daß mit Rücksicht darauf, daß neben dem jüdischen Volkshause auch die Errichtung eines Waisenhauses Kn Aussicht genonmien ist, von der Benützung des bereits festgestellten Bauplatzes Abstand Polletiz echte Reform-Schweissblälier sind meM detail erltl