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Nationalzeitung · 1906-03-09 · Heft 19 (9.3.1906) · p. Seite 6

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 19 (9.3.1906)
Date
1906-03-09
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 fit? Gesuttöheitspflene vorhanden, nämlich der Deutsche Verein fiir öffentliche Gesundheitspflege, wo Theoretiker und Praktiker sich zusammen fanden. Sonst stand der einzelne Hygieniker ganz fiir sich. Rosienthal stellte sich die Aufgabe, die gesundlreitlichen Verhältnisse und die hygienischen Einrichtungen seines Wohnortes Magdeburg zu erforschen. Er ging ihnen einmal historisch nach; sodann verfolgte er sachlich und kritisch ihre Entwicklung in der Gegenwart. Aus dieser Arbeit ging eine lange Reihe von Einzelstndien hervor, die Rvfenthal teils in Fachzeitschriften nnd Tageszeitnngen, teils in den Verhandlungen der Magdebnrgischen Gesellschaft für Gesundheitspflege veröffentlichte, deren Geschäfte Rvsenthäl viele Fahre lang mitführte. Ans der nnssenschastlichen Arbeit entnahm Rosenthal auch die Anregung, für vielerlei Verbesserungen der öffentlichen und privaten Gesundheitspflege in Magdeburg einzntreten. Er hatte hier manchen praktischen Erfolg. In Buchform veröffentlichte Rosenthal zrvei Schriften, eine medizinische Topographie von Magdeburg und eine Geschichte der Magdeburgifchen Gesellschaft für Gesundheitspflege. Fm Interesse seiner wissenschaftlichen Studien unternahmRosenthal bis in seine letzten Lebensjahre ausgedehnte Reisen, lieber eine nach Palästina berichtete er seinerzeit hier in dem Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Rosenthal war seit 1849 Arzt. Im deutsch-französischen Kriege wurde er durch das Eiserne Kreuz ausgezeichnet. Langlebigkeit der jüdischen Rasse. Die Statistik hat festgestellt, daß von allen Klassen der ungeheuren Bevölkerung von New Port die Inden durchschnittlich am längsten leben. Ta die ärmeren Juden dort das mosaische Gesetz streng zu befolgen pflegen, so würde jene Tatsache darauf deuten, daß die gesundheitlichen Vorschriften des Alten Testaments noch immer eilten bedeutenden Wert haben. Die Enthaltsamkeit der Inden vom Alkohol ist im allgemeine« sicher größer als bei anderen Rasten. Von anderer Seite wird eine Erklärung durch die Annahme versucht, daß die schwächeren Elemente unter den Inden während der Jahrhunderte ihrer heftigen Verfolgung allmählich ausgemerzt worden sind und dadurch eine gewisse Auslese stattgefunden hat. Außerdem läßt sich in Rücksicht ziehen, daß die Juden sich seit Jahrhunderten an das städtische Leben besonders angepatzt haben dürften und daß sie gegen die verderblichen Einflüsse des hastigen und geschäftigen Treibens in den Großstädten durch Veranlagung eine eigene Widerstandsfähigkeit besitzen. Immerhin können alle diese Schlüffe nur dort gelten, wo die Inden noch ihre ursprünglichen Rasseueigentümlichkeiten bewährt haben. Wissenschaftlich zuverlässige Untersuchungen über die Lebensdauer der Juden im Vergleich zu der anderer Teile der Bevölkerung liegen freilich bei uns nicht vor. Abänderungen der Fremdenbill. In der Sitzung des Londoner Board of Guardians vom 12. Februar teilte Mr. Leonhard L. Cohen mit, daß das Ministerium des Innern die Absicht habe, die erst vor zwei Monaten erlassenen Ausftthrnngsbestimmungen der Bill einer Revision zu unterziehen. In der Tat find diese Ausführungsbest tmm ungen dem Geiste der Bill durchaus zuwider. Nicht nur wird das mehrfache Versprechen der Negierung, die Bill auf religiöse Flüchtlinge nicht anzuwenden, nicht im geringsten berücksichtigt, es werden selbst politische Fliichtlinge fortwährend zurückgewiesen. So wird die Bill gegen Deserteure, die Führer der Revolution in Livland und andere unzweifelhaft politische Verbrecher angemendet. Die englischen Blätter sind voll von Berichten über derartige Vorgänge nnd die Erbitterung über die Mißachtung des Asylsrechts in England nimmt immer größere Dimensionen an. Eine zahlreiche Einwandercrfamilie passierte vor kurzer Zeit die amerikanische Einwanderungsstation Eüis Island. Es war dies die jüdische Familie Brjinberg, die aus Nußland kam. Im Begleitung des Fämilienhäuptes und seiner Frau befanden sich zwölf Kinder und ein Enkel. Alle wurden grüindlich! untersucht und vollkommen gesund und arbeitsfähig befunden. Außer den Mitreisenden Kindern von Vater Brinberg befinden sich bereits drei in New Aork und weitere vier blieben in Rußland zurück, so daß der alte Brinberg Vater von neunzehn lebenden Kindern ist. Interessant ist, daß Brinberg noch zehn lebende Geschwister — darunter sechs in Amerika — hat, und sein Vater, 78 Jahre alt, noch äm Leben ist. Aüf die Frage, ob er für eine entsprechende Wohnung in New Aork vorgesorg! habe, antwortete Brlnberg: „Jawohl, meine Kinder schrieben mir, daß sie bereits ein Haus gemietet haben." Er will nur sichcrgehen. Auch die jüdischen Tanskan di baten haben ihre eigenen Typen. Sie haben alle für uns einen besonderen Wert, denn sie bilden je einen Beweis dafür, daß das jüdische Volk durch solchen Verrat nicht verliert und die Nation und Religion, der sin solcher Renegat das Vergnügen seines Anschlusses machen will, an ihm nichts gewinnt. Ueber einen aus dieser Sorte, und zwar einen, der unbedingt „sichergehen will", macht man sich jetzt im Deutschen Reiche luftig. Die deutschen Blätter berichteten nämlich jüngst über die bei der Regierung bestehende Absicht, die Gehälter der Zahlmeister zu erhöhen. Ein zwanzigjähriges jüdisches Asfimilationsfrüchtel aus Bremen wendete sich nun anden d e n t s rh e n Kaiser mit der „vertraulichen" Anfrage, ob er ihm zur Zählmeisterkarriere raten würde. Der junge Jude ist änch, falls die Auskunft günstig aus'fallen sollte, ,/gerne zu Opfern bereit". Er wollte dann seinen mosaischen Glauben Nationalzeitung Nr. 19 wechseln usw. Die Angelegenheit wurde dem Generalkommando in Altona zur weiteren Veranlassung und zur Anstellung von Ermittelungen über die Persönlichkeit dieses „vorsichtigen Kapitalisten" überwiesen. Er will nicht Lipsky heißen. In New Bork wollte ein gewisser Moritz Lipsky (ein aus Rußland eingewanderter Jude) seinen Familieunanren in Lips ändern. Der Richter, dem der Akt zugowiosen wurde, wies das Ansuchen mit der Begründung ab, daß es unanständig sei, sich eines Namens entledigen zll wollen, der nichts Verächtliches beidentet. Die Endung „sky" bedeute nichts anderes als Sohn, gleich wie „Mac" im Irischen. Außerdem gibt es eine ganze Anzahl Männer in der Literatur und Kirnst, die sich dieses schönen Namens rricht schämten. Amerikanische Einwanderungsstatistik. Jnr Monat Dezember 1905 landeten im New Borker Hafen insgesamt 7261 jüdische Einwanderer, und zwar 2930 Männer, 2803 Frauen und 2580 Kinder-. Es kamen 0302 aus Rußland, 969 a u s Oesterreich, 040 ans Ungarn, 288 aus Rumänien. 30 aus der Türkei, 31 aus England, 16 aus Deutschlaud, 5 ans Holland, 2 aus Spanien, 1 aus Frantreich und 1 aus Schwede«. Von diesen Einwanderern ließerr sich 6890 in New Bork nieder, während die übrigen in verschiedene andere Städte weiterreisten. Hohes Alter. In Chicago starb vor einiger Zeit eine jüdische Frau namens Fanny Epstein im Hohen Alter von 117 Jahren. Frau Epstein würde im Jahre 1780 in Kownn (Rußland) geboren. Kinder aus vier Generationen folgten dem Sarge bei dem Leichenbegängnisse. Eine Tochter der Verstorbenen lebt jetzt noch in Kowno und steht heute im 98. Lebensjahre. Sie hinterlietz 38 Urürenkel von den zwei schon verheiratet sind und ebenso je ein Kind haben im Aller von 9 refp. 6 Jahren. Das Pariser Baron-Hirsch-Palais versteigert. Man schreibt uns aus Paris: Das Palais des verstorbenen Baron Hirsch an der Ecke Rue d'Elysee und Avenue Gabriel wird am 10. Feb. d. I. versteigert werden. Der angelsetzte Preis beträgt 4 Millionen Francs. Baron Hirsch hatte das Palais im Jahre 1878 von der Kaiserin Eugenie erworben und nach Ankauf der Nachbarhäuser bedeutend vergrößert. Der Maler der „jüdischen Märtyrer" gestorben. Vorige Woche starb in! Petersburg im Alter von 80 Jahren der berühmte, allseits anerkannte ungarische Maler Michael Z i chv. Schon die ersten von ihm anglefertigien Bilder erregten seinerzeit Aufsehen, nnid bilden heute noch wertvolle Teile grober Kunstsammlungen. Z i ch y holte seine Sujets mit besonderer Vorliebe aus hem jüdischen Leben und der jüdischen Geschichte. Seine bekanntesten! Bilder dieses Genres sind „Der Messias" und „Jüdische Märtyrer". Z i ch y übersicdelte als junger Mann von Budapest nach Petersburg, wo er der Zeichenlehrer einer russischien Großfürftiri wurde. Später wurde er Hofmaler am russischen Hose; er überleble drei Zaren, die ihn wiederholt auszeichneten. Görlize (Galizien). Vorige Woche starb hier der bekannte Gorlizer Rabbi Baruch Halber st a m m im 76. Lebensjahre. Der Verstorbene stammte aus einer altem, berühmten chnssidischen Nabbinerfamilie. Sein Vater war der weit über die Grenzen! Galiziens bekannt gewesene „Sandser Zaddik", Rabbi Chajiin Halberstamm, Verfasser, der „Dibre Chajim". Das Leichenbegängnis des Rabbi Baruch Halberstamm s. A. gestaltete sich m einer imposanten Trauerkundgebung! der chafsidischen Kreise. Ueber 3000 Chassidim aus verschiedenen Teilen Galiziens kamen, dem verehrten! R'Mü das letzte Geleite zu, geben. Eine unangenehme Sache ist es immer, wenn ein fescher, jmvgor Herr sich vovstellt und beim Lüften des Hilles zeigen muß, daß er kahlköpfig ist. Ein großer Teil nuferer heutigen Herren weist eine solche — mehr oder minder große — Platte ans und ist dies in den meisten Fällen! nur auf eigene Schuld zmückzuführen. Denn wenn auch angestrengte Geistesarbeit, Kopfleiden u. a. Einfluß auf ben» Haavbodcn nehmen und Ausfall bewirken, so könnte doch bei nur 'einigermaßen andauernder Pflege dein leicht vorgebeugt lverden. Allerdings muß bei Wahl der hierzu verwendenden Präparate große Vorsicht geübt lverden, uni; nicht irgend ein pveise lhaft es Kosmetikum zri erhalten, das nicht nur nichts nützt, sondern sogar Schaden bringen kau>n. Die Krebsapot'heke irr Wien ezengt den Petrolhaargeist, der ein zur Haarpflege sich ganz besonders eignendes Mittel darstellt, das bei regelmäßiger Verwendung sicher Erfolg bringt. Eingesendet. Palästina^Weifie und "Kognaks £ Originalfüllung der Commandit-Gesellschaft ,Karmel' Wien, II/3, Gredlerg. 9. — Teleph. 13187. Tischweine rtedizinalweine Dessertweine Trotz der am 1. März d. J. in Kraft getretenen Erhöhung der Zollsätze liefern wir bis auf weiteres zu alteu Preisen. Meinrieft Neugebauer sr72 vormal« Molnär & pp* Optiker -WU Wien, I. 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