Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 18 (6.3.1906)
- Date
- 1906-03-06
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 18 Nativnalzeitung Seite '.\ tob nötig. Nicht 'd-u-rch Anevkennuny der Ausschreitungen', sondern durch selbstbewußten, wahrhaften Selbstschutz und durch nationaljüdische Agitation kann der Feind in Schranken gehalten werden. —b—sz Unsere jüdischen ReUgionsresormrr. P a r d u b i tz, 28. Februar. Am- 26. Februar b. I. hat der Beneschauer Reformrabbiner Dr. K r a u s im Rozvoj vorgeleseu. Das Vovlesen motivierte derselbe damit, daß er vor zwei Jahren nicht! gegen das Hebräische aufgetret-on! sei, sondern' dagegen daß es schon in der ersten Klasse den Kindern beigebvacht werde. Sodarm las er vor, daß die Bibel ein Werk des menschliche Geistes sei, daß sich! die Menschen! ja> nach ihrer Bildung und ihren Bedürfnissen! ihren Gott fo-vmuti-eren. So sei Jahve ursprünglich ein Kviegsgott, der Kanaan eroberte, gewesen!, wie aus dem Debonahliede folge, später als« die Ebräov zur Ruhe gelangten, wurde Jahve ein Friedensgott, ein Weinspender. Bei« Amos sei schon Jahve der Gott der Gerechtigkeit, und im Laufe der Zleit habe er sich zu einem Gott der Liebe entwickelt. Der moderne Mensch stelle sich Gott anders vor, als seine Väter, es sei! notwendig, daß auch die Judenals moderne, fortschrittliche Menschen, sich reformieren» Es sei nötig, daß die Gebete in einer allen verständlichen Sprache abgöhalten werden, daß die Frauen nicht gegen einen 13jährigen Buborn z-urückgefetzt werden und er werde, aus alle Reformen!, die einzuftihve-ni seien, in: einer zweiten Vorlesung zurückkommen. Dem! VorlefendeNi erwiderte der hiesige Advokat Dr. Bergmann, daß alle Religionen eine gleiche Krisis durchmachen, und das sei der Kampf zwischen- Glaubenimd Wissen-. Es dürste wohl kaum jemand glauben, daß Bileams Eselingesprochen o-der »daß jemand mit einem Laibe Brot tausend Menschen gefüttert .habe, allein biefeir Kamps sei schon beendet. Es sei niuv nötig, alles das als Idee oder Legende aufzufassen-. Am wenigsten: werde aber in dem- Ringkampfe zwischen- Glauben und Wissen das Judentum als historisch gewordener Kultus tangiert. In unserem- Kultus werden historisch wichtige Begebenheiten in- -der Familie und Synagoge gefeiert, wie der Auszug unserer Vater aus Aegypten!, die Zerstörung des- Tempels, die Errettung der persischen Juden durch die Königin Esth-er, die Siege der Makkabäer über die Syrer. An der Geschichte lasse sich nichts reform-ieren-, die muß man studieren! und verstehen. Was die Speiseges-etze und -die Zeremonie» 'betreffe, so hätten sich dieselben! auch> im Laufe dev Zeit entwickelt und un!seve Weisenhaben erklärt, eswerde eine Zeit -geben-, wosowohl das Zeromoni-a-lgesetz als auch die Sp-eisevorschviften ihre verbindliche Kraft verlieren werden. Ob schon: diese Zeit gekommen sei, möge .jeder selbst beurteilen! und darnach fein Leben einvicht-en, >da niemand von uns an die Interpretation -eines Rabbiners gebunden sei. Zu reformieren: hätten sich die Rabbiner. Ihre Aufgabe sei es, aus dem Tempel abermals btne Schule zu machen, in derselbendie G-efchichte des jüdischen Volkesstatt der Legenden: aris der Halacha rmd- Hagada vorzutragen, die Bedeutung eines jeden einzelnen Brauches sowie die historische Entwicklung desselben' auseinanderizuschen'. Sa loürden' sich dieselben das frühere Airsehen wieder erringen nnb den Jndifferentismus bannen. Der Vorsitzende nr-achte 'darauf aufm-orksanr, daß in Prag cim Advokat aus Mühlhausen -ebenfalls über -die religiöse Krisis im Judentum vorgetragen! habe, Böhmen sei ein religiöser Gewiti-e-rwinkel, in Böhmensei der Hussitismus aus Vo'ckäufer der Reformation entstanden, und es sei nicht aus-geschlossen, daß die böhmischen Juden das Judentum refornuereu und nieite Wege findenwerden. Die fortschrittlichen tschechischen Juden sind Wogesucher. Das historisch Nationale im Judentum negieren sie und 'deshalb wollen dieselben das Konfessionelle ihrer Tschamara unpassen. Jedenfalls sind d-i-eselben sympathischer als jene Juden-, die sowohl die nationale als die konfessionelle Seile des Judentums ignorieren rmd sichihr „Taitschium" nicht nehmen lassen. Vermischte Nachrichten. Wien. Dess „Verein zur Bekleidung armer Männer und Frauen der Bezirke 12 bis 15" Veranstalter: Donnerstag dm 8. März in den Sälen! des „Berbandsheim", 6.Bez., Königsegggasfe 10, eine Wohltätigkeitsakadenrie mit Tanzkränzchen unter Mitwirkung der Herren Bela G u t t man n, Leopold N a tz l e r und Frau Lucie Schnabel und anderer hervorragender Kunstkräfte. Entree im- Vorverkauf 2 Kronen, an ber Kasse 3 Kronen. Familienkacken (3 Personen) 6 Kronew D-er Verein, der sich die Aufgabe gestellt hat, jedes Jahr nach Maßg-Nbe des Vermögens jüdische Greise u-nd G-veistninen mit Winterkleidern zu versehen, hat sich seit seinem kurzen Bestände bereits einen so guten Ruf erworben, daß wir seinem philanthropischen Unternehmen den besten Erfolgwünschen. Wie«. Der zion. Kulturverein ,/Je-hu'dah Halevy" veraUstaitet am Samstag den 10. ds., halb 9 Uhr abends im SouterraiUsaal des Cafe Re'm'brandt, 2. Bez., Augartenstratze 11 eine Puvkm'.feier mit reichhaltigem Programm und an- MießeN'dem Tantz unterhalt. Karten zu 70 Heller sind zu haben im Vereinslokale 2. Bez., Rem-- brcmdtstratze 7, sowie im Cafe Re-mbrandt und bei den: KoMiteenntigliedern. Wie«. Sonntag den 25. Februar hielt der Verein „Jehndah Halsvy" eine außerordentliche Generalverfamwtung ab. Die Wahl ergab folgendes Resultat: PMident -Dir. Severin' Landesberger, V'izepväises phil. Isaak Barbag, Kassier Gustav Birken, h-ebr. Schriftführer theol. Isaak M>enscher, 2. Schriftführer Leo Spandor'f, Bibliothekar phil. Sam. Auerbach, Zeitungsiverwoser ing.. Benzton Lazar, National-fondskommifsär Isaak Groß, Hansrerweser Josef Grob. ^. Allgemeiner Krankcnunterstützungsverein „Menschenliebe" (9/1, Porzellangasse 22, Cafe „Jägerhof"). Donnerstag den- 8. März 1906 findet im Hotel Franz Jvfefs^Bahn, 9. Bez., Rordbergstraße 4, ein Unterhaltungsabend statt. Regiebeitvag 1 Kbo-n-e. Beginn präzise 8 Uhr. Nach Schluß dev Vorträge: Tan-zkrünzchon. Bukarest. Mne neue antisemitische Packei.) Llls ob in Rumänien der Judenhaß noch, nicht groß gen-ug wäre, ist noch eine neue antisem-rtlsch-e Partei gegründet Horden. Dieselbe zählt bereits einige hundert Mitglieder — zumeist Aerlzte und Advokateir — un-d bezeichnet in ihren- Statuten als ihre Aufgabe, „das Vaterland vor ftet schädlichen Gin'wirkung der Juden zu beschützen". Das Leichenbegängnis des Rabbiners Friedman« s. A. lieber das Leichenbegängnis des Rabbiners von- Deutschl-Kreuz, über dessen Ablebenwir bereits in voriger Nummer berichteten, geht uns folgender Beckcht zu: An dem. Leichenbegängnisse haben: nahezu, fünfzehnhundert Personen teilgenommen. Vertreter hatten -en-lstn-det' die orthodoxen Gemeinden vo-n- Preßburg, Gvoßwa-rdein, Brrdap'esi, JanoshaM, Steinamtanger, Wien-, Mattersdorf, Oedenburg-, Beleb, Eso-rnia, Kapuvar, Teth, Györnrö, Raab, Sarvar, Kobersdorf, Lakenbach! und Eisenstadl. Tra>uerwden hielten Schwiegersöhne, Söhne rmd ein Bruder des Verewigten-, ferner der älteste der anwesenden Rabbiner. Die Tvauevzeromo-nie, die um 12 Uhr mittags ihreir Anfang nah-m, endete erst um sechs Uhr abends. Auf dem Goties-. ackev sp-rach noch R. Akiba Schreiber aus' Preßbmg. Gleichnach d-em« Ab-leben: th-res geliebten Seelsorgers beschloß die Deutsch^Kreuzer Gcmeinde, fitr die Hinterbliebenen des Verstorbenen! zu sorgen!. Don! n-nverheirateten! Töchtern wurden entsprechende Heiratsa-usstattungen und Beiträge zur Mitgift zugeführt. Verein jiidischer Hochschtiler „Bar Kochva", Prag. Mahlergebn-is -!e'r am 25. u. M. ab-gehalienen Genera-Vversaminlltng: Obrna-nn phil. VlMor Freud, Ohnr.-Stolvvertl'eter techn. F. Hirsch, Schckstfiihrer jnr. K. A. Herrmann, für. R. Beck, Kassier techn. Ernst Löwy, Bibliothewr med. O. Stein, Zettungsvevrveser j>ur. F. Knöpfmacher, Ersatz techn. S. Bertha-user, E. Mon-öerer, meid. G. Fischer. Jüdische akad.-tech«. Verbindung „Barrsfia" i« Prag. In dem am 20. Februar 1906 stattgefundenen A.-C. wur-öen für daslausende S.°!S. folgende Chargen gewählt: I. U. C. Jaro Stein, Präses, Jug. caud. Oskar Steiner, Vi-zepräffes, ing. M. S z t e n c e l, Schriftführer. Budapest. <Der israelitische Landeslehrerverein) hielt unter dem Präsidium des Schuldirektors Julius Korufe-Hd eine AnsschuMtzun-g, in welcher der Vereinsfekvetär I. Hajnal die Schlußrechnungen aus dem Jahre 1905 vorlegte. Nach denselb-e-n erfuhr das Vereinsvermügen eine Erhöhung um X 14 8-45/82; -as-selbe beträgt gegenwärttg K 191106,55. Als Unterstiiltzun-g für kranke und notleidende Lehrer, 'für Witwen nNd Waisen und Lehrern wurden insgesamt X 6203,20, ftrr das offiziell« Vereinsorgan und pädagogische Zeitschriften X 3277,88, als schriststellevische Gbrenhonorare X 1645,25 angewiesen. Lissabon. (Offizielle A-nevkennung der jüdischen Gemeinde.) Nachdem die Ju'de-n fast 250 Jahre ans PockNgal verbannt waren, begannen sie vor etwa 10 Jahren sich allmählich von neuem idaselbst niederzu-lassen. Ihre Zahl ist namentlich in Lissabon bereits so groß, daß sie vor zwei Jahren in der Lage waren, eine kleine aber hübsche Synagoge zu erckchten. Freilich ist die jüdische Gemeinde von -den Behörden nicht anerkannt, so daß sie offiziell noch gar nicht existiert. Die Synagoge, die eine Sehenswürdigkeit Lissabons ist, gehört rechtlich feinem Menschen. Nunmehr will man es ver-suchen, diesem Uebel abzuhelfen. J!n j einer kürzlich abgehaltenen Gemeindeoersammlnrig wurde ein- Komitee eingesetzt, das mit allen . Rechten eines Gem-e-indovorstandes ausgostattet worden ist. Dieses hat wiederum eine Reihe von Ausschlüssen ein-geffetzt, von denen jeder m!it einem beisondere-n Zweig des Gemeindeiwesens sich befasfeir wird. Der eine Ausschuß wird den Gottesdienst irberwachen, der andere die Beerdig-ungsangele>genheiten verwalten, der dritte die Miatrifelbücher führen. In erster Reihe w-ird aber das Komitee bestrebt seindie offizielle Anerkennung der jüdischen Gemeinde als solche und die Berleihinng des Korporationsrechtes an diese herbeizNsiHren. Bern. (Borlesungen über „Toleranz".) Ans ANreg-img des Herrn Professor Dr. Stein sind an -unserer Universsität Sondervorlesungen über Toleranz" eingerichtet word-en, an denen sich mehrere hervorragende Univorsitätslehrer beteiligt haben. Es ist die ausgesprochene Absicht, durch diese Vorlesnng-en bei aller wissenschaftlichen Obje-Mvität die Anerkennung der Völker untereinander und die gegenseitige Wertschätzung, der Rasserr zn fördern und pseudo-,-wiissenIschaftUchen^ «Volks-bewegnngen, wie dem Antisemlitismius mit seinen russischen Konseguenzen, entgegenzntreten. Wie nötig das auch in der freien- Schweitz ist, zelilgt ein Technikum in Biel. D-ock rühmte sich einer der Hörer, ein Russe aus Kischinew, daß er Mit seinen Freunden an 'den Pogromen von Kischinew teilgenommen. g>eM-ordet, mißhandelt nnd ärgeres verübt Habe. Daraufhin verlangten die lüdischen Studenten des Techni-l'nms die Entfernung des sauberen -Patrons. Nun geschah das Unglaubliche: Siebzig Schweizer -Studenten «Märten sich Mit -dem Ki>schin-ower Komimilitonen solidarisch und drohten Mit ihrem Austcktte, «falls dem jungen Herrn «in Haar gekrümmt wttr>de. So ist der Antisemitismus — nein die Barbarei — in ihrer rohesten Form an einer sch-weizeckschen Hochschule offiziell als gleichberechtigt anerkannt worden. Berlin. (Saniel Markus -g-Ästo-rben.) Am 23. Febr. starb irr 'Charlottenburg Herr Saniel M'a rkus im Alter von 64 Jahren. Der verstorbene entstammte einer angesehenen Familie aus Bukarest, wo er bis vor zwanzig Jahren für die krrlturelle Hebung unserer in Rumänien lebenden Sta'mlmesbr'üider, -wie arrch für ihre politische Gleichstelllrng hervorragerrd tätig war. Ms Führer der rNrnäMchen Inden nahm- Marku s auch an der 'jüdischen Synode in den J-ah'ren 1869 nn-d 1871 teil. Seirre bekarrnterr Beziehurrgerr zn hochgestellten diplornal-ischerd Kreisen ließ ih-rr eiirre zeitlang hoffen, die ErNauzipatioir der Ju'öen dnrchzüsetzen. Im entscheidenden Momerrte! traten jedoch äußere Hindernisse dazwischen, die seine Bernllhungen -verewelteru Anfangs der achtziger Jahre übersiedelte Markus nach Smyrna und von dock vor drei Jahren nach> B-erlin als Generalvertreter der türkischen! Taba kregie-Gesellsch-ast. Markus war auch publizistisch tätig, besonders seitre gediegenen Abhand-lttNgen iib«!r die Geschichte der Juden in Rumänien fanden viel Bvachung. Philosophische Ferionkitrse in Berlin. Wie im Vorjahre, rvird der Geheime Regferungs-rat, 'Professor Dr. H. C-ote n aus Marburg, die philvsophilschen Lehrkurse an der Berlilter Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentnrns abhalten. Herr Geh. Rat C v t e n wird während des Monats März, und zwar an jede», Dion tag, Dienstag, Mittwoch und Dormerstag von halb 7 bis halb 8 Uhr abends -über „Ethik lnit Bezugnahme a!uf Re° ligi-onsphilosophie" lesen. Außerdem wird er auch, wie im Vorjahre, Uebllngen über Kaut und Plato abhalten. Zu deil Vorlesungen haben außer den Hörern der Lehranstalt auch Damen und Frauen nach vorheckger An'melduug Zutritt. 2. mrreLB/K:» Wien, I , Hoher Markt Nr. 8 (Palais Siua) int Zantrum der Stadt. 4 HeDthol - Frontbrasntwela. ä'™ Stutzt: der Hautiätigkäit b. ErkiUtungen, üburiuassigeiu Schweias nach sportliclum Leistungen, Mürsclieu etc. Preis 1 Krone 50 Heller.