Mannheim
Compact Memory

Nationalzeitung · 1906-03-06 · Heft 18 (6.3.1906) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 18 (6.3.1906)
Date
1906-03-06
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
83% known words query
IRI
…/2429839-2429840-2429858--124-2430188
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Organ für die gesamten Interessen des jüdischen Dolfes, MtmchkitM Gr scheint jeden Dienstag und Freitag. Eigentümer nnd Ktrausgeder: Jakob Kraus;. Inserate übernehmen die firmen: I. vanneberg, ITC. Dukes Nachfolger, yaafenstetn Sc Vogler, Rudolf Masse, M. pozsonyi, ft. Schale! in Wien, ferner alle Annoncen.Expeditionen im Auslande. Einzel - Nummer in Wien 15 Heller. Administration: Telephon AbounemeuiS-PreiS r Für Wien n. Oesterreich- Ungarn f. Frankozustellung: Sährig. . . . K 12.- ihrig . . . . K Vljährig . . . K 8.— Für baS gesamte 2luSl b Ganzjährig . . . K 15,13 IX/i, Wafagastr 31. Nr. 14738 Preis der Anzeigen: Diesmal gespalt. Nonpareillezeile oder deren Raum 12 h. „Eingesendet" dieNpaltig« Nonpareillezeile 60 Heller. Bei mehrmaligen Aufträgen entsprechender Rabatt. 9------« Redaktion: IX/l, Wrrfagaste 81. . Telephon Nr. 14738. Gprechstunben: An Wochentagen von 10 bis IS Uhr vorm. Postadresse: „Nationalzeitnng" Wien, JX|i. Beschwerden wegen verspäteier oder gar nicht erfolgter Zustellung erbitten wir uns dringend. — Ittanusbriptc werden nicht xnrficbaesteiit. Postsparkassen-Konto 47037. In daS Abonnement kann man täglich eintre:cn. »---a Berschleißstellen unseres Blattes, in welchen auch Abonnements entgegengenommen werden: Hermann Goldschmidt, Wien, I. Wollzeile 11: Verlag „Zion" Wien, II/3, Stefaniestraße 12; Robert Weiß, Wien, I. Jakobergasse 7. M. 18. Wie», Dienstag den 6. Marx 1906 (9. Adar 86661. V!ü. Jahrgang. Zur Wahlreform. Heute, Dienstag, beginn: frie B-cr-atlmg des Abgeordnetenhauses über die Wahbreformvorlage der Regierung!. Sämtliche Parteien werden durch ihre Vertreter die tiefste Mißbilligung des Elaborates aussprechen kaffen. Die eine gegen die Allgemeinheit der Wahlen, die andere gegendie lange Seßhaftigkeit und wieder anfreue1 gehen, frie Bezirks einte ilmrg usw. Und nachdem sichjeder wird gründlich gegen die Vorlage ausgesprochen haben, werden, die Kmnprollnßoerhandlnngen ihren, Anfang nehmen, Beihandlunigen über jene Sorte von Kompromissen, welche die ullinm rat io aller österreichischen Politik war und noch ist, jener Kompromisse, welche nicht zwei Streitende ausgleichen, sondernim Gegenteile den Streitpunkt stabillsiereil, Kompromisse, welche inchts 'verbessern, sondern: alles verschlechtern, bei denen immer jemand das Opfer sein muß. Und ich sage es, offen: Mir ist vor diesen Kmnprmnißverhandlruige n dev Parteien, ohne Hinzuziehung nn-sevev Gruppe, bange. Ich habe die Empfindung, daß irgend etwas sich vorbereitel, was nicht uns, sondern unseren' Feinden zugute kommen: lvird, daß es in- Galizien im gegnerischen! Lager deshalb so ruhig ist, weil man dort curf etwas rechnet, was wir noch nicht wissen, lind uns noch nnangenchm-e Ueberraschungen bringen kan,n. Wir dürfen, frie Bewegung, die lvir entfacht haben, und die bisher gelviß sehr nennenswerte Feuilleton. Die ökonomische Lage des Mischen Proletariats in Rußland. Aus dem Nussi schell*) übersetzt von H. K. 2. 'Die Inden der Nord- und Südwestgon'vornements sind in ihren Pflichten den anderen Vanern gleichgestellt: sie zahlen dieselben Grund-, Versicheruims-, Wiederkanl-, Gelneilldestenern und »nttssell allch für die Kirche n'kollskte' beisteuern. -Roch eine Eigentüinllchkeit. Irr den Gouvernements WolynSk, Minsk und Groidlw hat die hninmne Gvnverllenrentsablninistrativll ganz eine» macht in den jüdischen Landwirten das Recht genvinnien. ihre Iininobilien nach einem besonderen Tarife zn versichern, so daß die Kolonisten unter sortwnihreltder Angst vor dem- Nllin leben lNüssell, den ihlten eine Z-enersbrnlrst bringen kann. Die .Kolonisationsg-e-sellschaft stellte fest, daß es irr zehn Gonoernements 218 jüdische Ansiedkllligen gibt. Es wohnen da 4958 Familien mit 30 660 Köpfen und bearbeiten 36 266 Deßjatineu. *) „Obras-ovan-je" 1905, Angust nninlner. Erfolge gebracht hat, keine Minube lang abflauen lassen, wollten wir nicht auch das bereits Gewonnene aufs Spiel fetzen- Die Agitation muß aufs eifrigste fortgesetzt werden, und — was das wichtigste ist — wir -müssen auf der Hut sein, fraß sowohl vor, als auch hinter den Knlissen nichts geschehe, wodurch unsere Sache gefährdet werden, könnte. Vor allein wird es daher notwendig sein, daß die Vertrauensmänner in Galizien die jüdischen, Massen dal über anfklären, daß jetzt verschiedene Mandatsjägcr ihre Fühler ansstrecken, und das Volk zn betören suchen-, indern sie sich als national ausgeben,, trotzdem! es von ihlt>en — allerdings nur im Westen — bekannt ist, daß sie die nationale Bewegung vom Anfänge an auf das perfideste nnd gemeinste bekämpft baben, und er/t als der Weizen des Zionismus in? Oesterreichüppig emporzu schießen begann, ein zionistisches Mäntelchen umhängten, um ihren politischen „Schap" zu machen. Wir warnen vor -diesen politischen Abenteurern und diesen gesimm-ngslofen Gesinnuingsschacherern, wir sehen nnd fühlen! ihre Arbeit. Wir werben, wenn sie ihre verderbliche Arber nicht bald einftellen,, oder lvenn iljncw von kompetenter Seite nicht bald das unehrliche' Handwerk gelegt wird, arlich Namen nennen. Unser Knnips kann nur daunauch weiterchin! von Grsolgen begleitet sein, wenn wir Frerinfr und Feind genarr voneinnnlder zu unkerscheiden vermögen. Wir dürfen, lins nicht von, einer schönen, zionistisch gefärbten Maske täusche,r lassen, Im Durchschnitt kornmen auf einen Hof 7,3 Detzjatinen Boden, au-f den Kopf 1,2, des heißt fast zuveimal Weniger wie bei den einheimlschen -Bauern. Ursprünglich hatten die Inden 64 803 Deßjatinen,' die „glänzend" durchgesührte Revision der siebziger Jahre beraubte sie um 51 Prozent (88 582 Deßjatinen) ihres Bodens. Der ungenügende Grundbesitz kmnpenfiert sich tu keiner Weise durch die O.N'alität des Bodens; neun Zehntel davon sind sandiger Lehm und Sand, und nur durch sorgfältiges Düngen ist eitle mittelmäßige Ernte erreichbar. 'Dies ist aber nm so schwerer, da die Kolonisten ivellig Vieh besitzen. Die Bodenverteilung ist säst dieselbe wie in den südlichen Gouvernements. Besitzlose Hö-se gibt es 11,7 Prozent, lnik llllgen-ügelldem Besitz 46,9 Prozent, g-e!siche,rter nnr 18 Prozellt, pferdeloser Höfe in den- Nordioestgonverlienlents 45,1 Prozent, in den letzteren 16,6 Prozent,- zniei und mehrere Pferde besitzen in den nvrdilvestlichell 12,8, in den südwestlichen 19,7 Prozellt. Die Kolonien besitzen etwas mehr Kühe. Imst drei Viertel der B-evökker-uu'g treiben Ackerball, aber n-nr einem Fünftel reicht das eigelle Getreide ans. Unbeschreiblich ist das Elend und der Hunger, die in den jüdischen Kolonien zu HaNse silid. Die jüdische Kvl-onisatiolisgesetlschast soll mallches geta-ll ha bell, Nm die Lage dieser llnglltcklichen Opfer der UnwisseliHeit llnd der Bereichernligsg-elü-ste der patriotischen Beamten zn heben: sie süHr'te die Lnpi-nelilnttnr ein, eröffnete de re Kosollte auch tmter dieser Maske jemandstecken, der -einst zu uns gehört hat, oder einer, frev gerne zu uns halten möchte, wennlvir ihm — den Sieg garantieren. Die Wahlreform und die Bukowina. lieber die durch die Wahlreformvorlage für die Juden, der Bukowina geschaffene Situation lesen w'tr in der „Buk. Post": „Nach, der Freude über den, gowa-ltigen Fortschritt, fraß Ministerpräsident Gautsch: doch ein-e Wahl re form im Ubgeovdn>e!!enhanse eingebracht hat, kommt nun die ernste Erwägung, inwiefern: dev Entwu-rs den mannigfachen- Anfarderrlngee dev-Mlker -O-osterveichs? im allgemeinen und unseres Heimatlandes: im> besonderen entspricht. Sehr' sympathisch! wird in den nationalgefinnten Kreisen die Festlegung des nationalen Gedankens in, der neuen WahlordnN'Ng berühren. Dieseslebendigste Belvußtsein wird irnn gesetzlich kod'ifi-ziert' undindenr man bestrebt ist, nalionalhomogene Wahlkreise zr,> schaffen:, wird der Grundstein^ zn einem nationalen Besitzstandgelegt. Nachbarschaften lverden, dann baldan Stelle der jetzigen Kanrpfplätze treterr. Es ist nicht unnwglich, daß sich hernach: im Laufe dev Zeit nationalpolitische Fidoikomisse hera-usbilden, welche die jetzt vorhandenen Reibnugsflächen beseitigen, oder wenigstens mildern. Aber das für Oesterreich loliisten einen Kreidit, verbreitete vervollkonl-mnete landlvirtschastliche Maichiiien. 'Aber alle diese „Wohltaten" brachtell lvahricheillticti ivenig Abbilfe den verelendeten Kololkisten, die keirien Boden zu bearbeiten haben. Der größte Teil erwirbt sich das tägliche Brot als Oolzsäger oder als Holgslößer, als Arbeiter in den Sieiubrüchen, Anslader us>:u. Die „Mtaterialiell" führen für das Gvüoe'rnemellt Iskaterinoslaw Daten ans öem Jahre 1890 ans. Diese Zahlen sind jetzt durchgängin veraltet. Jin Jahre 1860 g-ab es tut Gouvernement Jekaterinosla-w 740 Wirti'chäften mit 5142 Köpfen.. Sie besaßen 17 230 Deßtatinen,' nach den Zahlen des Bovstalldes der Kolonien waren es am i. Jänner 1867 1416 Jamilielr mit 8389 Köpserl; sie bearbeiteten ä'illsalnlnen 17 650 Deßjatinell, rvas 12,5 Teßjatiliell für eine Familie und '2,1 Deßtatinen für eineli- Kopf im Durchschnitt ans macht. Jin all-gemeillen kann »um rvohl sagerr, daß die Kolonisten des G-olüv-erlielneiits Ielaterinoslan' ein ebenso rvellig ben-eidellsiwertes -Daseill führen wie dtejelligen des Gonnernemellts Cherson. 'Außer den arlgeführten Kolonien gibt es noch in Polen 2509 Fä-mtliell jüdischer Lalldivirte, die zerstreut auf dem Lande leben. Sie bearveitell 13 334 DeUatillerl. Der größte Teil besitzt kein Ilüventar, kein Vieh, und nnr die Miiliorität — tut G-onveruelnent Lnblin 26,8 Prozellt — besitzt Pferde. Die nächste Nummer erschkillt Freitag deu 9. Marz.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.