Mannheim
Compact Memory

Nationalzeitung · 1906-02-27 · Heft 16 (27.2.1906) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 16 (27.2.1906)
Date
1906-02-27
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
84% known words query
IRI
…/2429839-2429840-2429856--112-2430174
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 1 fi Nationalzeitung Seite schommgsloser Weise tut. Politische FlirckKinge wurden zurückgeschickt, obgleich alle Beweise für die Wahrhaftigkeit ihrer Angaben vocham den! waren und obwohl die Bemnten' wußten, daß sie diese Unglücklichen, die dem Mariertod enironMn zu fein glaubten, demselbenmit aller Bestimmtheit wieder zu füh ren'. Die Zulassung wurde in unzähligen Fällen auch solchen Personen verweigert, die sich einer Mten geistigen und körperlichen Gesundheit erfreuten iin Besitze der vorgeschriebenen minimalen Summe von 6 Pfund Sterling waren und alle Aussichten hatten-, in England „ein Leben zu machen". Ja, selbst Tranismigranten, die Fahrkurien nach Aumvi-ka und Kanada besahen, wurden! zurtickgewiesen. Die Kampagne trägt durchaus nicht den Chmaktev tiwtb vorübergehenden Angriffes. Alles spricht dafür, daß sie anhalten wird und positive Resultate cirzielcm' muh, zumal da sie von. Regieningskreisen geführt zu sein scheint. Welcher Art jedoch die Resultate sein werden, läßt sich jetzt noch! nicht Voraussagen. Tie nächste Zukunft schonwird uns die Antwort geben. Wellen wir hoffen, daß bic Kampagne Äe gänzliche Aufhcbnug dieser schändlichen Bill verursachen wird. Beschlüsse des „Hilssvereius der Deutschen Juden". In der letzten Sitzung nahm! dergoschäftsführende AuSschtuß des „Hilfsvereins der Deutschen Juden" unter denr Vorsitze des Herrn James S-irnouu. a. zu den Beschlüßen dev Brüsseler Koniferenz vom 29. v. M. Stellun'g. Nach deni Referat des Herrn Dr. Nathan, dev an der Konferenz als Vertreter des „Hilfsvereines" zusammen mit beit. Herren S-iegniirm-d Berget titnb- Dr. Hivsch Hilidesheimer! teilgenvmimen, lMtte, erklärte sich der Arisschrlh mit 'dem Beschluß eiiniverftandcn, daß eine Organisation geschaffen werden soll, nrn eine ständige Kooperation aller jüdischen Organisationen für die Zukunft zu geivährleisten. Der geschäftsfüh-rende Ausschuß stimmte der in Brüssel gefaßten Resolution um so berenwilliger bei, 'da bereits früher aus Antrag des „Hilfsvereines" bei der im Jahre 1903 von ihm. 5uifamim(cnt&euuifcfri'cnj Kischenöw-Koniforonz genau dorsellbe Beschluß gefaßt worden Ivar, der aber leider bisher' durch Hinder-rmgon ver^- fchiedcnfter Art zur Dnrchfüh'rMW nicht gelangt ist. Ter „Hilfsverein" wird sich auch an' der Bildung einer! Kommission beteiligen, welche die verschiedenen Länder inbezug auf JmNrigrations- und Kolm ü sat i onsmög-l i ch - ketten ftutbicTGii soll. Unter lebhafter Zustimmrmg der Versarmnekieir resümierte Herr James Simon den Standpunkt des „Hilfs- Vereines^ rni der- Frage der Kooperation der t-iker und Ethiker hat er nicht immer dem beliebten guten Durchschmttsmaß entsprochen. Als Vorkämpfer der sozialen Emanzipation «wie der berüchtigten ,-Emanzipation des Fleisches" hat er sich erhebliche Naivitäten gestattet. Er war nicht viel klüger als seine radikalsten.Zeitgenossen und konnte die biologischen Einsichten nicht propagieren Helsen, die erst ein halbes Jahrhundert später von der Wissenschaft erarbeitet wurden. Wir wissen heute, wie wenig es nützen würde, rvenn aus den Pflastersteinen die Austern gratis wüchsen und der Himmel seinen Negerr von Zitronensaft darüber gösse. Denn nicht ein besser gedeckter Tisch tut in allerersterLinie not, sondern bessere Esser, bessere Gäste. Und die Erfassung der Sittlichkeitsfragen allein ans dem ästhetischen Gesichtswinkel schafft kein besseres Weltbild, wenn die Biologie unb die Nationallökonomie nicht schaA mithelfen, verbesserte Leibes- und Lebensbedingnngen zu schaffen. Aber in der schauderhaftesten Zeit europäischer Reaktion und schnödester Polizeüvirtschafk hat sich 'Heinrich Heine nicht abseits gefetzt, um sich bloß mit anmattDen Liedchen zu veraniigen und der ekelhaften Welt ihren Lauf zu lassen, bis sie wie- Ver geniestbarer geworden. Niemals hat er's nrit der Tranmseliglkeit der P^äaken und Philister gelten. Er hat sein« Seele enthüllt unb wie ein nacktes Schiwert durch die Dunkelheit und all« FWrnisse getrWen. Organisationen uuid dev Bildung einer Studien-kommiffiou dahin, daß, wo immer die Hand gereicht werde, damit die zu erfüllenden humanitären Aufgabenin Gc-m-einsainkeit gefördert wenden, der „Hi.lfsverein" zur Stelle sein und immer bereit sein werde, pari pussu mit den anderen Vereinen vorwärtszugehen. Bewilligt wurden in! beu Sitzung u. a. weitere 4000 Mark für die Herberge für russische Auswanderer iu, Königsberg i. Pr., die bereits km vorigen Jah.re eingerichtet lvordenist und unter der umsichtigen Leitung des dortigen Schutzkomitees des „Hilfsveremes der Deutscheu Jlweu" höchst segensreich ivtrkt. Ferner beschloß der Ausschuß, daß cmf dem, Auswandewrbahuhofe Rlchlebeubei Spandau voni „Hi'lfsverein" eine Baracke für die durchreise nbeix russischen Emigranten gebaut und eingerichtet werde curd daß in! bec Baracke zugleich für die rituelle Beköstigimg der Durchrei sen d en Sorge getragen iverdeir solle. T-e-r Bahnhof Rühlebon wird tagtäglich > von- Whl'tpichen ruffischen Flüchtlingen auf der Durchreise von Hamburg und Bremen passiert, die daselbst nach den, -bestehenden! gesetzlicheil Vorschrifteil sich ärztlicher Untersuch!ung und Desinfektion zil llnterziehen! ha'ben. Die vorbereitenden Schritte für die Herstellung lind Einrichtung der Baracke, dieden ärmsten unserer Glaubensgenossenzirgula komurenwird, sind bereits getan-. Die Ausfühumg wird nach, Mögliche keit beschleunigt. In der Sitzung des Ausschusses wurde jedoch nachdrücklich hervorgehoiben, daß der „Hi'lfsverein" unddas für spezielle Zwecke der Austvandcirerfürso-rge organifierte „Zentrakbureau", sowie die Schutzkomitees des „Hilfsverein-es" zwar-- für Gewähnnrg von' Schlch und Jufoviuationserteilung nach wie vor jederzeit zur Verfügung steheu> würden-, daß aber — in- Gemäßheit des auch auf der Brüsseler Konferenz zrnv Kenntnis gebrachten Beschlrifses — diq Auswanderung der. ruffi scheu' Glaubensgenossen pekuniäre Unterstützung nicht erfahren kanin-. Endlich wurde für. die AlirkelbrinMug und Ausbilduilg gali-zifcheli Lehrlinge in Weftösterreich — eine Aktion., die der „Hilfsverein fiir die notleidende jüdische Bevölkerung in. Galizien" zu Wieulinter finanzieller Beteiliglmg des „Hilfsveremes der Delltscheil! Jllderr" rmtern-ommen hat — für das Jahr 1906 genräß dein, Boralrschlag des Wien-er Vereines einweiterer Betrag von 3000 Kronen gewährt. Zußimmnngskuudgebungen an den Obmann des Kandeskömitees. Von den vielcir Zustl-mmlingskundgobungen, welche -der Obnran-n des zioniftischeir Landeskomitees Dr. I. Schallt anläßlich seiner An-dieuz beim Minister dcs Innern' erhielt, heben wir hclcke Ra-lnnmangels wegen mir die folgenden hervor: „Wien, 2!. Februar 1906. Sehr geehrter Herr Gesin.nungAgeilosse'! Der Vorstand des Zionistischeil! Zentral- Vereines hat in seiner gestriWr Sitzung cinstinriuig beschlosselr, Ihnen' den Ansdnick seiner herzlichsteu Freude über die imlsichtige, tatkräftige lind erfolgwiche Art, mit welcher sie als Obmanill! des Laudeskonritees' ziotlistische Jntergssen in wichtigen! und schwierigeil- Fragell veitreten ha'ben, wodlvch das. Msehvlr des Ziouislnns wirksam' gehoben wurde, zu« üb'er- Mitteln. Indem!vir uns dieser angenehmen Aufgabe mit Vergnügen unterziehen, enchfehleu> wi-r luis Ihnen nüt Zionsgruß. Gezeichnet f. d. Z. Z.-B.: Dr. Margulies A. Böhm OBmaun. Schriftführer. Wiznitz, 20. Februar 1906. Errer Hochwohlgeboren«! .Hochverehrter Herr Präsident! Ich erlaube mb hieriuit, Euer HM/wohlr bcweir llmnens lmseres 2 0 0 M i t g l i e - er zählenden Z i ouvereines für Mrs ersprießliche Tätigkeit zinn Wohle llNfetzeS Volkes in Oesterreich u,ttd insbesondere dafür, daß Euer Hochwohlgeboren, als erster den Mut hatten, ltnsere hohe ^iegierrmg in Wien über die wahren Bestrebungen der Zionistenbewegung artfs genaueste zu, infonmcrcn, unsewn, besterr Dank uud unfec vollstes Vcr tiöHicm zu Jhncu, Herr Präsidctlt, allszlldrücken. Mögen Euer Hochwohlgeboren fortfahren, als Vorkälnpfer uitzeres Volkes und unserer tcu'rcn Bewegtmg uu-ermüdlichfür das Wohl beider tätig zu sein. Wir als Soldaten werden Ihnen-, Herr Präsident, immer zur Seite stehen. Es erfüllt uns außerdem mit großer Genugtuung, daß Euer Hochwohlaebovoni es verstandenha'ben, den. Bannder« eine Zeitlang über unserer Bewegun,g in, der Wiener Presse verhängt war, teilweise zu lösen. Nochmals U'nscren Dan'k. Es zeichn-et mit VorzugliMter Hochachtrmg rmd besten Ziolrisgrüßeil Ihr, Meier H e v s chi S t i e r. Vermischte Nachrichten. Wien. (GeHausverein Jos-efsta'dt.) Bei recht 'LeLchaster Beteiligung fand am 12. d. Mts. die ordentliche Generalvevsam-mlung des Tempelivercines des achten Bezirkes der Stadt Wien hri TemPelgebände, 8. Bez., Neudeggeraasie 12, statt. Der Vorsitzende, .Herr Präses Hermann Beck, begrüßt die Versamm'lnng, ebenso den -Desegierten der Lbultusgemeinde Wien, Herrn Gemeinderat Donat Ziffer er, Obmann der Steuer'kom'missionen für den 8. und 9. Bezirk, und gab dem Wllnsche Ausdruck, daß der Geist der Eintracht und O!pferu>'illi.g>keit, welcher bisher die Mitglieder und Gönner des Vereines beseelte, zu dessen weiterer Fortentwicklung Verhelfen möge. Er gedachte des leider zu fri'ch verstorbenen Baurates Max F-lei scher, der sich um das Zustandekommen des Tempels so viele Verdienste erworben Hatte und ersuchte die Versammlnn>g zum Zeichen der Elh-vung sich von ihren Sitzen zu erheben. In gleicher Weise wurde das Andenken der Frau Betty S t r a s s e r, Gattin des verstorbenen Prä-sidenten des Tempelbauvereines. Herrn Michael Straffer, welche durch ihr edles Wirken und ihren wohltätigen Sinn zur Hebnn.g des Vereines wesentlich beigetragen hatte, pietätvoll geehrt. Zur Tagesordnung übergehend, erstattete der Schriftführer des Vereines, Herr Dr. Siegmnrrd Goldberger den Bericht über die Tätigkeit des Vereines >lvähren-d des Jahres 1606. Er verwies darauf, dast der Verein sich günstig entwickle und seine ernste Aufgabe würdig erfülle, und daß insbesondere der Gottesdienst in überaus «weihevoller Weise abgehalten werde, wobei bei voller Berücksichtigung der jetzigen Verhältnisse dennoch die altehrwüvdigen Traditionen des Judentums gewahrt werden. Es fände dies auch vollste Än- 'erkennung, inden« das Gotteshaus sich stets des Besuches zahlreicher Andächtiger erfreue; er betonte weiters, daß die Vereinsein'künste insbesondere für Trauungen größer sein wiirden, wenn der Rabbiner des Vereines, Herr Dr. Bauer, der als Seelsorger die Qnatifi'kation soivohl wissen schastlich als theologisch im vollsten Maße besitze und der allgemeinen- Wertschätzung mit Recht sich erfreuen, von der israelitischen Kultusgemeinde Wien, zum Ge rn e in de rab b i ner bestellt w erden würde, zumal daran für die Kllltusgelneiltde keine Auslagen und keine Ver- > pslichtungeu geknüpft find. Eben-so erheischt es ' die dringende Notivendigboit, daß die Kultusgemein'de Wien, die derzeitige Subvention ent-! sprechend erhöhe. Nach einer kurzen Debatte be-! znglich des Gottesdienstes, an der sich die Herren j Wa 'ssertr ü d i n g e r und B a u e r beteiligten, I ergriff der Delegierte der Kultusgemeinde, Herr j Gemeind erat Zifferer, das Wort. Er sprach; namens des Vorstandes der israelitischen Kultusj genreinde den Dank für die Einladung zur Gej neralversammlu-ng aus. Ebenso dem Vereinsbvrj stan'de für seine Bestrebungen im Dienste des Jn-! dentnms; er werde gewiß nicht ermangeln, die! Wünsche des Vereines wegen der Bestellung des | Vereinsrabbiners zum Gemeinderabbiner und! hinsichtlich der Subventionserhöhung dem Knllus- ] Vorstände bekannt zu geben und zu befürsvörten.! Er ivsinschte dem Dveine bestes Gedeihen. Bei! den hierauf pvrgenolnmeüen WWlen, bei welchen W Herren Architekt Fuchs und Herr Wässertrüdiger das Slrütiniüm besorgten, Etden Me au sgel osten Aüsschn MW lieber Adolf Heck. Mmund Letter s v ö r f. S. S t e k n e r und Dr.! Ludwig Weiß wieder-, und die Herren Adolf Getreuer, Moritz H u t t r e r und Leopold Robicsek als Ansschußmitglieder neugervählt und als Ausschußstellvertreter die ansgelosten Herren Karl Hoffman n tun. und Heinrich Kohn imedergewählt. Als Revisoren wurden die .Herren Baue r und S. S i ü o n wieder-, und j Herr Jnlms Beck nengewählt. Der Vorsitzende! spricht der Versanrmlung für die Beteiligung sei- \ n«n Dtzttk aus, ebenso dem Delegierteui der, Kultusgemeinde, Herrn Gemeinderat Zifferer, für die i Zusage, sich bei der Kultusgemeinde für die Ge- - Währung der Wün!sche des Vereines eiWusetzen und schließtdie Versamniilung. 5. niTTELBflCM valsam ÄJSÄ3S«^Jr^«asSÄ5SSj Wi«n, I., Hoher Markt Hr. 8 b",brt*“ ♦ (Palais s-iika1) EÄ 7.*«tfmu *r 9t»df. ch Preis 1 Fläschchen S) Heller.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.