Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 16 (27.2.1906)
- Date
- 1906-02-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Organ für die gesamten Interessen des jüdischen Volkes, Natimchritm Erscheint jede« Dienstag und Freitag. Eigmtümr und KkUMWbrr: JuKud Kraus;. Inserate übernehmen die firmen: 2. Vavneberg, M. vukes vachfolger, ljaasenstrin & Vogler, Rudolf Mosse, M. pozsonyi, fl. Schale! in Wien, ferner alle Annoncen. Expeditionen im flurlande. Einzel-Nummer in Wien LS Heller. Berschleißstellen unseres Blattes, in welchen auch Abonnements entaegengenommen werden: Hermann Goldschmidt, Wien, I. Wollzeile 11; Verlag „Zion" Wie:,, II/3, Stefaniestraße 12; Robert Weiß, Wien, I, Jakobergasse 7. Kr. 16. Wien, 87. Februar 1906 (2. Adar 5666). VIII. Jahrgang. Administration: Telephon AbounemeutS-PreiS r Aür Wie« «. Oesterreich, Ungarn s. Frankozuslellung: Ganzjährig. . . .Kl».- Halbjährtg . . . . K « — «ierteljäbti« . . .K Aür baS gesamte AnSl d Ganzjährig . . . K 15.1» IX/l, Wasagastr 81. Nr. 14723. PretS der Anzeigen: Die 6mal gespült. Nonparelllo« zeile oder deren Raum 11h. „Siogesendet" die Sspaltige Nonpareillezeile L0 Heller. Bet mehrmaligen Austrägen entsprechender Rabatt. Nrdaktion: IX/1. Wasagastr 81. Telephon Nr. 14723. Eprechftvnden: An Wochentagen von 10 bi» 11 Uhr vorm. Postadresse: „Rationalzeituug" Wien, IX| l. I«»cd»erS«» wegen verspäteier oder gar nicht erfolgter Zustellung erbitten wir UNS dringend. — Mannrlripte «eräeu »>«dt rnriiedgertem. Poflsparkaffen-Konto 47037. In daS Abonnement kann uian täglich eintteren. d- -- - -.-... > , M Die Wahlreformvorlage. ®i|e WahlvesormvoviaM „AeA auf dem Tische des hohen Hauses". We'nn man den ZeiltrmWberichlen alle« Richümgen Glauben fchenl§M> darf, ist keine einzige Partei rnit diesem Elaborat zufrieden. Jede Partei itiö jede Nationalität findet ein Häkchen in dieser Vortage, manche sogar einen Hcckew Alles ist, wie gesagt, enttäuscht, oder ttlt wenigstens so. Wir sind nicht enttäuscht, wir wußten rechtzeitig, womn wir sind, wir wußten, daß fiir diese große Aktion wir nicht genügend voivbemitet sind, und wußten es ganz genau, daß wir nicht nur gegen die vMständige Unkenntnis der Sachlage in den maßgebenden Kreisen, sondern noch mehr gegen! Denunzianten, Jnttiguanten und verächtliche GeßhäfispölKük -aiuf „jüdischer" Seite zu kämpfen haben. Das Gefühl, das uns -bei genauem Studium! der Gcmtsch'schen Wahlvorlage erfüllt, ist dasjenige der Erbitterung und dev Verachtung gegen diejenigen- „ Glarlbensgenoissen", die uns in unserer schweren Arbeit einer nationalen Wiedergeburt in Oesterreich nicht mir nicht unterstützt, sondern geradezu! bewußt gestört haben. Tiefgehende Erbitterung erfaßt uns, wenn wir bedenken, daß schon! diese kurze, aber intew sive Arbeit es schon vermocht hat, eine fiir die Juden in gewissem Belange günstige Konstellation zu schaffen. Was hätten wir erst erreichen können, wenn wir als festgefügter, untereinan«- Lev einiger nattonailer Körper für unseve nationalen Rechte eingetteten wären? FeMeton. Tur«erlieL. Heran, heran! fröhlich, ihr Brtider, tretet an! Leicht schlagen die Herzen, Leicht tragen die Sohlen, Die Sorgen, die Schmerzen» Verschollen, gestohlen: Ein neues Leben läßt sich an, Drum fröhlich, ihr Bttider, tretet mir an! Heran, heran! Lachend locket die Welt uns an. WaS da noch Süßen, WaS wiwlrnern und bangen! Besiegt nnS zu Füßen Liegt, was vergangen. Nun stimmt mir ein herzhaft Wandertted an! Ja, lachend locket die Wett uns au. -Heran, heran! Ein großes Wandern Hebt sich an. GAavenfesfeln Sind Spinnenfäden! Wie Dorn sie und Nesseln Frisch niedergetreten! Und frei ausschreiten auf eigener Bahn: Go Heben das große Wandern wir an. Es ist Allerdings fraglich, ob die Gesetz esvorlago in dieser! Form astchj zum Gesetze wird. Eingeweihte Polittker stHsn, der Annahme der Regierungsvorlage sehrskeptisch gegenüber, und teilen die Ansicht, Üqß die nächsten Wahlen ttocfy nicht auf Grund d^s neuen Gesetzes werden dorgenomuneni werden. Mir die nattoNalgesinintMl Juden erwächst heute die Pflicht, auf der Hut zu seist, daß, besonders der Polenklub, nicht auch noch das wenige, «das für uns aus der Regierungsvorlage herausschcruti, durch Verfchlechterungein zunichte mache. Sie nMen darüber wachen, daß Dr. Byk und Konsorten, nicht Kovruptton hineintwgen in die nattoamljüdischen Kreise Galiziens. Die Agitation! muß mit neuer Kraft einsetzen, denn wst nrüssen alles aufbie- - ttm? imrder -Regierimg: und den übrigen -Nationalttäten die UeberMligung beizubringen, daß die Existenz einer Natton nicht durch ein Gosch dekretiert, aber auch nicht durch ein Gesetz totgeschwiegen werden kann!. Im übrigen ist es für uns nicht unwichtig, zu erfahren, lute sich die Presse zur Wahlreformvorlage stellt, soweit die Juden dabei in Bettacht kommen,. Da ist es zunächst charakteristisch, wie sich Dr. Byk Mer die Vorlage äußert- Dr. Byk hat einem Interviewer gegenüber sich folgendermaßen geäußert: „Die Regierungsvorlage verkürzt Galizien um mehr als 30 Mandate und bedeutet daher ein Mtentat gegen den politischen Einfluß unseres Landes. Das Argument Steueikraft Heran, heran! Häm,isch gaffen die Feigen uns am Mögen sie kindisch Grinsen und spotten! Mdgen sie hündisch Winseln und trotten! ,Das schwellt erst sie Brust dem rechten Akrnn, Gassen die Feigen nnd Neider Hu an. Heran, heran! Zum Lande der Freiheit führt unsere Bahn. Zu eigenem Schaffen Am eigenen Herde, «Frei unsere Waffen Und frei unsere Erde! HO Water, o Mutter, ob Liebste, Hinan! i3»r Freiheit, zur Fveihett! Wir führen euch an! Israel Auerbach. <,MWche Durnzettung", Berlin Nr. 1/2, 1906.) Der Jude in Heine. (Schluß.) Und an anderer Stelle tn demselben Aufsatz heißt es wieder: „Heine war ganz und gar kein Bohemien, und das in Umlauf gesetzte Wort vom ungezogenen Liebling der -Grazie gibt ein ganz schiefes Bild seiner Persönlichkeit. Heine war Freigeist. und Kuliur, welches zur Begründung dieses argen Mißverhältnisses angeführt wird, paßt im allgemeinen! gar nicht zu einem Reformwerke, welches sich allgemeines und gleiches Wahlrecht nennt. Die Prrporttonattvahlen, dieser wirksame Schütz der Minderheit, werden in der Vorlage bloß für die Landwchrbezttke in Galizien vorgefchlagen, jedoch nicht in der ursprünglich geplanten Form,, welche die nationalen und konfessionellen (!) Gegensätze vermindert und Wab lkompromisse begünstigt hätte. Die Vorlage der Regierung ist in der eingebmchten Form nicht annehmbar." Viel wichtiger erscheint uns die Bemerkung der „Neuen' Freien Presse" in ihrer jüngsten Sonntagsnummer über die nächsten Wahlaüsfichten. Da^ heiß: •«$ bezüg-lich dev Polen : ' „Die jetzt herrschende Partei des Polenklubs dürste eine sehr beträchtliche Schwächung erfaßen. Ihre Nachfolgerfchast dürste dem klerikalen Zentrum, den Demokraten und den Allpolen zufallen. Jn> einer Reihe von Bezirken Galiziens wird, wie es heißt, das jüdische Proletariat den Polen nicht mehr Gefolgschaft leisten, sondern eine selbständige Politik treiben. In diesem Falle könnten zunächst etwa in drei oder vier städttschen Wahlbezirken nationale jüdische Kandidaten durchdringen. Ebenso können die jüdischen Wähler in 'der Bukowina auf ein Mandat rechnen. In Galizien wird es in sechs bis zehn, ländlichen Bezitten von den jüdischen Wählern aWingen, Spötter, Zyniker, aber er war, obwohl Jude (!) «ine durchaus aristokratffche Persönlichkeit. In den Salons der Rahel in Berlin und der George Sand in Paris war er in seinem Lebenselement und ließ den Uebermut seines Witzes glänzen und funkeln. Aus dieser aristokratischen Grundlage seines Wesens entsprang auch die anmutige Liebenswürdigkeit, die er gegen jedermann offenbarte, dem er nicht zu zürnen Grund hatte. Aufopfernd widmete er sich den Landsleuten, die ihn in Paris anfsuchten und erwies ihnen oft wertvolle Dienste, wie z. B. Wagner. Gerade für ihn war es sehr erklärlich, daß er den lebhaften Wunsch hatte, reich zu werden und aus den engen, unsicheren Berhältnisien seines Daseins hevauszukommen, und der Umstand, daß er nicht dazu kam, hat den. anderen Bitterkeiten, die er mit sich herumtrug, «ine neue sehr stark« hinzugefügt." Sehr beachtenAwert ist der Beitrag Michael Georg Conrads „Zu Heinrich Heines Gedächtnis" )n den „Münchener Neuesten Nachrichten". Conrad nimmt zu Heine vom Standpunkte des Rasfenproblems Stellung: Wir wollen die ästhetische Kultur und in und mit ihr den harmonischen, herrisch gestimmten Menschen, nicht den schlappen Genüßling, noch den herzlosen Klugschwätzer. Wir wollen die ganze Schönheit, selbst in ihren gefährlichsten Offenbarungen, aus ihren tiefsten Quellen. Darum bedeuten uns die Schön- und Süßmacher in geistreich artistischen Wortsetzereien so wenig in ihren Dichtungen, weil sie uns nur Kunst ans Kunst, aber nicht Kunst aus Natur, elememar. organisch und voll ursprünglicher Seelengeioalt. zu bieten vermögen. Sie ergötzen durch Zierlichkeit und Wohllaut Aug' und Ohr, aber sie lassen Die nächste Nummer erscheint Freilag den 2. März, -w»