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Nationalzeitung · 1906-02-20 · Heft 14 (20.2.1906) · p. [Seite]

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 14 (20.2.1906)
Date
1906-02-20
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Organ für die gesamten Interessen des jüdischen Volkes. Mmcheitimz Erscheint jeden Dienstag nnd Freitag. Eigentümer und Herausgeber: Jakob Kraus;. Inserate übernehmen dl« firmen: 2. Danneberg, M. Vukes Nachfolger, Haajenftein S- Vogler, ttudolf Masse, M. pozsonyl, fl. Schale! in Wien, ferner all« flnnoncen-Lxpeditionen im fluslande. Einzel - Nummer in Wien IS Heller. Verschleißstellen unseres Blattes, in welchen mich Abonnements entqegengenonnnen werden: Hermann Goldschmidt, Wien, I. Wollzeile 11; Verlag „Zion" Wien, II/3, Stefaniestraße 12; Robert Weiß, Wien, I. Jakobergasse 7. Ur. 14. Wien- 20. Fedrnar 1906 (25. Kchedat 5666). VIII* Jahrgang. f.. .. — -H Nedflktton: IX/1. Wasagasse 81. Telephon Nr. 147»». Sprechstunden: «ti Wochentagen von 10 bis 12 Uhr vorm. Postadresse: „Nattonalzeitnng" Wien» iXj i. ICKftWrdtll wegen verspLteier oder gar nicht erfolgter Zustellung erbitten wir uns dringend. — mannskripte «matn «»«hl xftrBckaetMtit. Postsparkaffen-Konto 47037. In das Abonaemmt kann man tüglich eintreren. Administration: Telephon AbonuementS-PreiS r Für Wien «. Oesterreich- Ungarn s. Frankozustellung: Ganzjährig . . . . K 1». - Salbjährig . . . . K 6.— iertetiäbtifl . . .K 8— FttrdaS gesamte SluSl b Ganzjährig . . . K 15.1» IX/1. Wasagasse 81. Nr. 147»». PretS der Anzeigen: Diesmal gespült.Nonpareille« zelle oder deren Raum 12 h. „iStngesendet" dieSspaltlge Nonpareillezeile SO Heller. Bei mehrmaligen Aufträgen entsprechender Rabatt. Dr. Schallt beim Minister des Innern. Samstag den 17. ds. wurde der Obmann des zionistischen Landes komitees und des jüdischen Wahlrechtskomitees für Oesterreich med. Dr. Schallt vom Minister des Innern Grafen B y l« ui d t-R Heidt empfan,gew. Die AudieNI war die Fortsetzung einer am 14. ds. stattgefundenen Unlerredlmg, in! der Dr. Schallt dem Minister des Innern folgende Forderungen bezüglich der Wahlreform formuliert hatte: Die Durchführung der n a t i o n a l e n Au ton o m i e unt er A n;et f e 11 n it n-g tz e r j ü d i s ch e n N a t i o n a l i t ä t, wie sie in >den Versammlungen in Wien! irnfo in den Provinzen gefordert worden war, weiters die Einfüh v u ng des Proportionalw a h X v e r f a h r e n s zum Schutze " der Minoritäten, die T r e iT n u n g d e r st ä d t is ch e N vo n de n I ä ndliche n B e - z i r k e n, für den Fall der Einführung nationaler Kataster die Schaffung eines jüdischen Wahlkatasters und schließlich die S ch a f f u n g e n t s p r e ch e n d e r W a h l k r tv i s c in Galizie n ir n d im d e r Vuko wi n a. Graf B y l a u, d t - R h e i d t erklärte, nachdem^ er die ^programmatischen Ausführungen des Dr. S^ ch a l i r mit großer Aufmerksamkeit angehört hatte, in, den, von hohem Idealismus erfüllten. Bestrebungen; der Zionisten eine loyale und österreichische Politik zu 'erblicken, daß aber das P r o p o r t i o n a lw a h l v e r f a h r e n für die Juden keineswegs günstig und daß es überhaupt in Oesterreich schwer durchführbar wäre, weil hierzu zunächst die Zusammenlegung mehrerer Wahlkreise zu einem, großen Wahlbezirk erforderlich sei, wodurch die Wahlbezirke eine territoriale Ausdehnung gewinnen würden', die sowohl die einheitliche Organisation und Agitaiion als auch eine einheitliche Kontrolle unmöglich machen würden. Die Regierung habe es versucht, in der Vorlage allen berechtigten und derzeit erfüllbaren Wünschen der Juden nach Möglichkeit Rechnung zu tragen. Die weitere Unterredung ergab, daß die Forderung nach! Durchführung der, nationalen Autonomie aller Völker, und somit auch der Juden!, derzeichl n i ch r berücksichtigt worden sei. Dr. S ch a X i t überreichte auch ein Memorandum! bezüglich! der Auflösung d e r zionistischen Vereine in Galizien. Diese Maßregel, sagte Dr. Schallt, sei eine Folge der vom Abg. Dr. B y k g e g c n d i e z i o n i st i s ch cit O r g, ani s a t i o - n c n b e g o it jt e it c m A gitatio n; die Auflösung vollzog sich stets in der Form, daß die Negierungsvertreter eine gleichlautende E u t r ü st u n g, s depesche v o r w i e s e n, d i e die z i o n, i st i s ch e n B e r, t r a u e n sm ä ir Ni e r a n D r. B y k a b g e sendet hatten, und in der eine statntenwidrige politische Betätigung erblickt wurde. Dr. S chali t beschwerte sich darüber, daß die 1 staatliche Interventi o n, die bei den Iudenexzes s en von Zablo - Low u n d U h n o w nicht rechtzeitig b e w i r k t w e r d e n k o n n t e, jetzt zug u n st e n d e r P o l i t i k eines Einzelnen so prompt funktioniert habe. Der Minister sicher!e Dr. Schalit eine eingehende Prüfung der Akten nach deren Einlangen zu und versicherte, d a ß b e i legaler Agitation! von seiner Person eine objektive und gerechte H a lt u n g erwartet werden k ö n n e. Wir beschränken uns> hellte auf die bloße Mitieilung der. Tatsachen. Die Bedeutung dieser Audienz für unsere Bewegung und das weitere Verhalten der Juden Oesterreichs zu den, auf der Tagesordnung stehenden Fragen sollen in der nächsten Kummer beleuchtet werden. ' ' ■; Antisemitismus an der Leipniker Realschule. An der Landesoberrealschule in Leipnkk herrschen geradezu unhaltbare Zustände, die verdienen, der Deffentlichkeit bekanntgegeben zu werden. An dieser Anstalt macht sich seit ungeMr drei Jahren eine jn den feindliche Stimmung bemerkbar, so daß es geboten scheint, Inden vor dem Eintritt in die deutsche Landesoberrealschulc in Leipnik zu warnen. Hier die jüngste Probe des Gerechtigkeitslittnes des Lehrkörpers obengenannter Iln'stalt. S a m t l i ch e jüdischen Septimaner, die sich an der Makkabäerfeier, welche im Dezem- Feuilleton. Judentum und Christentum. In den letzten Tagen lvurde wieder ein „Beitrag zur Lösung der Judenfrage" geschrieben. Von Tag zu Tag erscheinon! Bücher und Broschüren, die sich ml: dem jüdischen Problem befassen, immer größer mim die Zahl der Männer, die sich an dieses große, uiTergrüüblich scheinende Probleni, herauwagen«. Weu-n. mau die ganze einschlägige Literatur durchblättert, wird mau im derselben die beiden extremen StandPuTikte am stärksten, vertreten sehen: den nationaljüdischen resp. zionistischen, und den assimilatorischen. Während, ersterer auf Grund km Annahme der Existenz einer jüdischen ll?ation die ErhatluiTg und Fo>rtentwicklung derselben als Selbstzweck behandelt, sicht letzterer sein Ziel in der totalen Auflösung der jüdischen Nation, die ja ohnchin nur vegetiere rmid >,icht lebe. Wer also auf streng assimilatorischrm Stanpunkte steht, d. h. loenn! es lvirklich an kt* Durchsetzung der Assimilalion liegt und lvcr dieselbe nicht nur als Aushängeschild zur Errelchung gewisser politischer Zwecke benützen ff .der wird als einzigen, Ausweg aus der labyrmthischen Jtidenfmge den Weg zum Taufbecken! betrachten. Zu den hervorragendsten Schriften im assimilatorischen Sinne gehört bekanntlich der vor zirka zwei Jahren in der HardenscheiT „Zukunft" veröffentlichte Arifsatz Dr. Froiners, der dann auch später im Separaiabdruck erschien,en ist. Was damals ein vielleicht schon, getaufter Jude, in, philosophischer Klügelei als einzige Lösung der Judenfrage zu begründen, versucht hatte, das hat vor einigen Tagen ein ungetanster Jude, von ganz minimaler geistiger Bilduug, auf eigene, Art unternommen. Der Berfaffor heißt Salonron B o - r ns und seine Broschüre beiitelt sich „S o l - l e n u n d d ü r f e n di e I u> d e n z u m Chri st e it t u m ü b e r t r e t e it" . JedermaiTN, der nach dein Titel auf den Inhalt einer Schrift zu schließen, gewohnt ist, wird in derselben' einen gedankentiefen Essay verinuten, in, welchem mit unerbittlicher. Logik dom, jüdischen Volke die Berechligung der Existenz abgesprocheiT wird. Anuähernd folgeudes Bild wird vor dem geistigen, Auge eines jeden Denkenden anftauchen: Der, Verfasser sucht im ersten Teile nachzuweiseiT, warum die Juden, zum, Christentum, übertreten sollm! und be-, leuchtet diese Frage von mehreren Seiten. Ist der Verfasser ein Opportunist, wird er. uns Juideu die Taufe Vorschlägen, weil wir als Juden das bestgehaßie Volk seien. Will er geistreich sein, wird er vielleicht die These anfftellen, daß jedes Volk nach einer gewissen Lebensdauer zugrunde gehen müsse, — und verkennt er zudenT in böswilliger Absicht die Taisacheu, lvird er noch hinzufügeu, das jüdische Volk habe eine Existenzberechtigung verwirkt, weil es nichts oder zu wenig bisher geleistet habe. Ist' er Moralphilofoph, lvird er voraussichtlich die jüdische Moral bekritteln und aus diesem. Grunde für die Vernichtung, der jüdischen llkatiou, plaidieren. Der zweite Teil dev Schrift wird sicherlich Tuehr vom ethischen und religiösen Standpunkt aus behandelt werden. Da wird der Verfasser alle möglichen Dinge an,führen, um die Treulosigkeit und die Fahnenflucht als ethische Forderung hinstelleiT zu> können, das gewaltsame Ausscheiden aus der citjemcni Nation und das Anschmiegen und Eindrängeu in eine fremde als moralisch wünschenswert erscheinenzu lassen. Den Religiösen aber wird vorgehalten, daß es ein Gebot der jüdischen Religion fei, zur christlichen überzutreten. Solcher Art stellen wir uns also den Inhalt der BrosAire vor, wenn wir deren Titel lesen. Wie sieht es aber damit in Wirklichkeit aus? Herr Borns räsonniert: Neberall werden wir Juden gehaßt. Wenn wir keine Judeij mehr fein, werden, lvird man uns nicht in>'br hassen. Folglich müssen wir alle zum Christen- Die nächste Nummer evfdjetut Freitag den 23. Februar. -»•

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