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Nationalzeitung · 1906-02-16 · Heft 13 (16.2.1906) · p. Seite 5

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 13 (16.2.1906)
Date
1906-02-16
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nationalzeitung Seite 5 tfr. 13 Kullusleben in einer mährischen Stadt. VI. . (Die humanitäre gemeinnützige Vorschußkassa.) In Nr. 11 der „National-Zeitunc^ haben wir objektiv die Gründung und die Wirksamkeit der Vorschußkafsa (des sogenannten israelitischen NikolsburgerVersorgungsoereines) geschildert. Wir zeigten, daß der Versorgsverern mit den blutigen Spargroschen der Armen und minderbemittelten ins Leben gerufen wurde, un, den Armen nützen und Helsen zu können. Einige Mitglieder des seinerzeitigen Kultusvorstandes, in prophetischer Vorausahmung der kommenden ungesunden Zustände, setzten alles mögliche daran und erreichten es auch, daß in den Statuten die Bestimmung ausgenommen wurde, daß das Neinerträgnis, sowie der eventuelle Reservefond nur einem Wohltätigkeitszwecke gewidmet werden darf. § 47 des Statutes lautet: Eine ordentliche Generalversammlung ist ermächtigt erneu Betrag, sowie die Höhe desselben zu „wohltätigen" Zwecken, innerhalb der Nikolsburger Jscaelitengemeinde zu widmen, die nähere Verwendung desselben hat der Ausschuß zu bestimmen. Solche zu „wohltätigen" Zwecken bestimmte Betrags können jedoch nur aus jenen Geldern bestimmt werden, . welche über bie erforderliche Dotation Der Sicherheitsfonds der Versicherten erübrigen. Der § 48 bestimmt, daß nach Auflösung des Vereines, das verbleibende Vermögen nur wohltätigen und gemeinnützigen Zwecken, innerhalb der israelitischen Religionsgenoffenschaft in Nikolsburg verwendet werden darf. Herr Kultusvorsteher Philipp K o b v, wir stellen hier die öffentliche Anfrage, sind die vielen Tausende von Kronen, die Sie jährlich von Ihrem willfährig n Vereinsausschuffe bewilligen ließen und die Sie zu den laufenden Ausgaben der Kultusgemeinde verwendeten, einem „wohltätigen" Zwecke zugeführt worden. Im Jahre 1905 verwendeten Sie 14.000 Kronen zur Bezahlung einer Schuld der Kultusgenreinde, war das ein Wohltätigkeitsakt? Ist vielleicht der Bau der luxuösen Leichenhalle, vor deren Tore die Armen lungern und betteln müssen, ein „Wohltätigkeitsakt'? Wir wissen, daß man sich unter dem derzeitigen Regime einen blauen Teufel um Statuten. Ausschußbeschlüffe oder sonstige Vorschriften kümmert. Aber trotzdem stellen wir hier die öffentliche Anfrage, ist auch nur ein Heller dieser vielen Tausende von Kronen „einem Wohltätigkeitsakte" zugeführt worden? Sie nennen es vielleicht einen Wohltätigkeitsakt, wenn Sie diese vielen Tausende, die die reichen Mitglieder der Vorschußkassa in Form einer guten'Verzinsung nicht ergattern konnten, selben in anderer Form, in Form einer Steuerentlastnng wieder zuführteu, indem Sie den Fond der Vorschußkafsa zu den laufenden Kultusausgaben heranzoge«. Es sind freilich viele Personen des Mittelstandes auch mitentlastet worden, während aber bei diesen die Steuerentlastung ein paar Kronen ausmacht, beträgt die Entlastung bei einzelnen Reichen Hunderte von Kronen. Die VereinSleitung bewilligte vor einigen Tagen mit Majorität, eine Remuneration von 3900 Kronen aus Vereinsmittel«, auch rin Wohlttttigkeitsakt, der der Majorität nichts kostet. Wir find aber der Meinung, daß mit öffentlichen Geldern, insbesondere mit solchen, die Wohltätigkeitszwecken Vorbehalten sind, nicht so umgesprungen werden darf. Weder die Vereinsleitung, noch die Generalversammlung hat dem klaren Wortlaute nach, das Recht, solche Gelder zu verschenken. Die VereinSleitung hat wohl das Recht den Gehalt der Angestellten zu bestimmen, jedoch zu Remunerationen hat Sie kein Recht. Wir erklären, daß zu gelegener Zeit alle diejenigen, die für obige statutenwidrig auSgefolaten Beträge haftbar zu machen find, für den Ersatz auch aufzukommen haben «erden. 8. K. Zur Statistik drr Inden in Galizien. INach den Publikationen des Laudesstalistischeu Amtes ill Lemberg.) DaS Anwachsen der jüdischen Bevölkerung irr Galizien verastschaulicht folgende Tabelle: > 770 . . . . 147.598 Inden 5-62« H 1780 . . . . 153.802 5-51 „ 1786 . . . . 215 500 7 75 , 1803 . . . . 201.277 7*21 „ 1818. . . . 205.000 5 74 „ 1831 . . . 232.000 5-60 „ 184t . . . . 273 000 6-23 „ 1816 . . . . .'!85 000 7 Os .. 1850 . . . . 333.451 1857 . . . . 4-18 973 9 69 y 1869 . . 10 62., 1 *'80 . . . 686 598 11 52 „ 1890 . . 11*65 1900 . . . .8,1.132 --- 1110 „ Im Jahre 1780 gab es 5J7 882 christliche Familien, d. i. 98,45 Prozent, jüdische 80 802. D. i. 0,55 Prozent. Die Seelen za hl 'dagegen stand in einem Verhältnis 94,49 : 5,51. Der rapide Anf- Wwnng 1780 ist nach Pater SiarczyuSti einer gröberen Einwanderung aus Rußland zuzuschreiben, der beträchtliche Rückgang zwischen 1780 und 1808 .miß die Stagnation bis 1818 wieder der Emigration nach dem Westen während der Napolevnischcn Kriege, die tausende von Lieferanten und Händlern Erwerb gaben. Die Zahlen sind natürlich nicht ganz genau. Sv sieht inan ans den ersten Blick, daß die Zahlen 1818 bis 1840 abgerundet sind. Tie Kostskrwiivn der Inden fand bekanntlich in früheren Zeiten nach besonderen Normen statt. Bei der bekannten damaligen Bestechlichkeit der Zivil- und Militärbehörden u«nr das Nichterscheinen vor den Assemiommiistouen ans der Taaesvrdrumg und damit stand die mangelhafte Eintragung der neugeborenen Knaben in die Gebnrtsbncher in Verbindung. Auffallend ist der prozentuelle Nüclgang im letzten Jahrzehnt: Lin Rückschlag der ökonomischen Misere der galizischen Inden, der reaktionören Gesetzgebung und der stärkeren Emigration nach England und Amerika, lieber 109 090 Seelen sind 189Ö—1900 ans Galizien ansgewastdert. Zur Vermehrung der Inden in Galizien ist noch zu vermerken, daß der jährliche Zuwachs der Geisamtbebölkerüng 1867—1609 1,40 Prozent betrug, 1869—1880 0,80 Prozent. Der der jüdischen dagegen 2,30 reifp. 1,78 Prozent, so daß man sagen dann, die jüdische Bepölkeruug vermehrt sich zweimal so irfjncft wie die nichkjüdische. Auch heute haben sich die Verhältnisse nur wenig geändert. Die reichsdentschen Zionisten und das Schulgesetz. Die Zionistische Vereinigung in Frankfurt am Main nahm in einer Versammlung Stellung zu dem preußischen Schulgesetzentwurf. Ter Referent Lehrer B. Stern führte aus, der Entwu rf sei gegenüber dem Indem um geradezu ein Ausnahmegesetz, unter dessen Herrschaft die Zukunft vieler jüdischer Lehrer und vor allem die Erziehung der Kinder geringer bemittelter Kreise in Frage gestellt werde. Die Glündnng von Privatschuleu werde sicher zur absoluten Notwendigkeit. Bedauerlich sei ~c§, daß die „demokratische Presse aus parteipoliiischen Gründen ihren Lesern verschweige, ivas man eigentlich unter der fogenannticu Simnltanschule — es sei ja nur eine christliche — zu erwarten habe. Der Redner wandte sich insbesondere gegen die beabsichtigte Nechtsdifferenzierung der Konfesftoneu. Evangelischen wie katholischen Vätern sei es möglich gemacht, unter gewissen Umständen in der Erziehungsfrage ihrer Kinder nach der konsessioncllen Seite hin eint Bestimmungsrecht ausznüben, dem Juden sei es genommen. Der Paragraph, der nach Auflösung einer jüdischen Schule der politischen« Gemeinde gleichsam das Recht der Konfiszierung des Vermögens zugestehe, sei ohne Zweifel eine schreiende Ungerechtigkeit. Der Redner schloß mit den Worten: Mir den Zionisten sei und bleibe die reine jüdiübe Schule das unbedingte Ideal. In der Diskussion wies u. er. Dr. W. Hanauer ans Baden hin, wo man im allgemeinen mit der Schule zufrieden sei, aber trotz dieses Lobes konnte Redner nicht für die Slmttltanschule eintreten. Eine Resolution wurde nicht gefaßt. jlaranflertnaturechtes feinstesaus Kokosnüssen? Vermischte Nachrichten. Wien. (Trauung.) Sonntag den 18. ds., 1 Uhr mittags findet im Tempel 1. Bez., Seitenstettengaffe 4, die Trauung des Frl. Hedwig Fleischer, Tochter des Sekretärs der „Oesterr. isr. Union", Herr Siegfried Fleis ch c r, mit Herrn Mo'uz W i n t e r, Kaufmann in Wien, stakt. Wien. (Trauung.) Sonntag den 18. ds., P/4 Uhr mittags, findet im Tempel, 1. Bez., Seitenstetteng. 4, die Trauung des Fräulein Ditha K raus mit denn Oberofsizial im Sekretariat der isr. Kullusgemeinde, Herlrn Emil Engel, statt. "55 Wien. (G e ne ra l ve r sa m m lang de s 7LL E i n ze l v e r e i ne s „Fünfhaus" des OJ Zion.) Es wohnten derselben bei das große A.-C., Dr. Leopold Kabn, nnd in Vertretung <v des innerösterreichischen D.-K. die Herren Doktor JCZ!Jstdor Margulies, Adolf Bö h m und Emil O Stein. Dem abtretenden Vorstände wurde einmCO stimrstig Da stk und Vertranen votiert. In kebhas- Igj ter Debatte wurde das Verhältnis des zionistischeu Zentralvereines zum Einzelvereine Fünf- » Haus geklärt und als Kooperation formuliert. Doch wurde aus organisatorischen Gründen der 03 Wunsch geäußert, die Leitung des Zentralvereins von der des D.-K'. zu trennen. Auf die Mitarbeit der Bürger wurde großes Gewicht gelegt „tSZ llnd in einer Resolution den Bürgevvereinen die T? Propaganda unter der Jugend empfohlen. Die Werbung für» den Nationalfonds wurde alS JE2 Maßstab für deu Wert der Vereitle festgelegt, diesem aber Bewegungsfreiheit eingeränmt, so CO lange nicht prinzipielle Differenzen bestehlen. Das CC Äkuffichtsrecht des D.-K. wurde anerkannt. Durch T3 Wahl wurde der alte Vorstand ergänzt durch die Herren Isidor G c h X b a r d, Natharr Mecho r, u» Prof. Rudolf Pick und Dr. Hermann Nieger: CD als Revisoren wurden ueugewühlt die Herren JEZ Bernhard Freund und Anton Stern. Ins Ctf Schiedsgericht kam neu Herr Michael Ster n. 12 Wien. („Jehuüah Halevtz.") Samstag den 17. ds. findet im Vereinslokal des „Jshudah Halovy", 2. Bez., Rembrandtstr. 7, ein hebräischer .zZ Bortrag mit hcbr. Diskussion des Herrn Rosenblatt übler „Zionismus und Sozialismus" statt. «^-3 Beginn halb 8 Uhr abends. — Sonntag den 18. d. findet im selben Verein um 0 Uhr abends j ein Vortrag des Herrn Dr. Paul Weiseng r ü n über den Brüsseler Kongreß statt. Gäste _ herzlichst lvillkourmen. 1 Wien. („Jehudah Haleoy.") Samstag 10. d. veranstaltete der Verein „Jehndah Halevy" int *2 Hotel Guth eine „Chamischg>h Assar-Feier". Nach SZ Begrüßung des,, Präsidenten und einer kurzen CD Erklärung über die Bedeutung des Ehamischah JZ Assar hielt Herr Dr. Leopold Kabn in schwnng- « vollen Worten einen Vortrag über „Rabbi Mibah". Unter den anderen Punkten des Programmes sind noch herwovzulheben die vorzüglichen Gesangslei'stungen des Herrn Oberkantors L. Lev n —— unter Klavierbegleitung des Herrn Nachvd, die CG Rezitationen des bekannten jüdifchen Rezitators ZU Herrn Josef Grob sowie die Deklamationen JTj ldeutsch) des Herrn W'. Schlesinger. Besonders V(>l erwähnlensivlert ist das von Bereinsmitgliedern aufgeführte jüdische Stück „Gepoili", welches <— großen Bei'sall erzielte. — Am „Rosch> Chodesch - Schwat" hielt derselbe Verein einen „Jehudah CP Hale>vy-dlbend" ab. Die Festrede hielt Herr Dr. «C R 0 t h b l u m. Weiter wirkten mit die Herren: CJ Josef Grob (Gesang, Rezitation), Samuel Strauß Y* (Deklamation), Gellmcmn (Gesang), Röhr (Klam vier), Goldhaurmer (Klavier), Schaptra (R>ezitatlvn). Jüdisches Bildungshcim (14. Bez., Ull- , maimstvaße 31, Kmierhof 10 a). Dienstag den 20. Febmar 1906, 8 Uhr abends: Vortstag: Dv. Leopold Ka h n: „Reflexionen über Esthe>r". Dienstag den 27. Februar 1906, 8 f\] Uhr abends: Konzert. Die Vortrüge finden "Jg immer in dem oben genannten Vereinslokale z— statt. .,0 Literarischer Gcselligkeitsverein jüdischer Mädchen „Moria". Sonntag den 18. Februar -g* halb 4 Uhr nachmittags findet imi Kongreß-^ saale, 9. Bez., Türkenstraße 9, ein Bülrtraa de». Herrn Dr, Karl L i f e z i s über „Jüdische^ ö Blutprozesse" statt. Anschließend daran lvird Q die diesjährige 14. ordentliche Plenarversalniulting abgehalten. Gäste herzlich willkoimnen! Jüdisch-akademische Verbindung „Jvria". Moillag den 14. ds. findet präzise halb 8 Uhr im Cafe „Jägerhof", 9. Bez., Porzellangasse 22, ein Vortrag des Herrn Kaplansky-Kaplan über „Sozial-Zionism'ns" stall. Gäste willkoumilen! Jüdische Tvynbechalte, 20. Bez., Othmargasse 46. (Eintritt für leben Erwachsenen- Beginn der Vorträge: arr Wochentagen um halb 8 Uhr, an Sonnimfr Feiertagen und Samstagen nur 7 Uhr abends.) Wochenpmgvamm: Freitag dein 16. Febrnar Bibelvortmg: Herr Religionslehrer Leop. W e i ß. Samstag den 17. Febrnar Heine-Feier nud Konzen. Sonn- 3

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