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Nationalzeitung · 1906-02-16 · Heft 13 (16.2.1906) · p. [Seite]

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 13 (16.2.1906)
Date
1906-02-16
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Natmcheitxiz Organ für die gesamten Interessen des jüdischen Volkes. Erscheint jeden Dieustag und Freitag. AgrMmr und Krrknsgrbrr: ZK Kob Kransj. Inserate übernehmen die firm?»: 3. Dcimiebcrg, IN. Silkes Nachfolger, hnafenftein Sc Vogler, Nudolf Moste, M. Pctfowji, fl. Schale! in Wien, ferner alle Nnnoncen-Erpeditionen im fluslaiiöc. Einzel - Nrrmmer in Wien 15 Heüer. N^maoiMellen unseres Blattes. in welchen auch Abonnements enre;eaengenonm;en werden: Hermann Goldsckmid:. Wien, I. Wollzeile 1!; Verlag „Zion" -NrrjchieiMenen -c gßtcn, 31/3, ©tcfcuueftrafee 12; Aobert Weis;, Wien, /. Jnkobergasje 7. Nedalttwn: IX/1» Wasagnffe 31. Telephon Nr. 14728. Sprechstunde«: An Wochentagen von 10 bis IT Uln vorm. Postadresse: „Naiionalzeitung" Wie«. IX>>. Seecstver»«« wegen verspüle'er oder nickt rUol^ Nugelluna erbitlen wir unS drinaend. — MsmirlMp't veraen nicht rnröeiigMett«. P-stsparkasten-Konio 47037. In das Monnnmu; kann man täglich fiutrcteu. 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PaAnmenlAsitzrmg vom 13. ds. richltsten ReichsraM'bgEdn^ev Dr. Stmucher und Genossen an> den Letter! des- Justizministeriums Dr. Klein! folgende Interpellation: Die jüngst von, Dr. Artulr Nußbaum, Rechtsanwalt in Berlin,, veröffentlich:« Schrift: „Der Polnaer Nitualmordprozeß", eine krimiiualpsychologische Nut-ersuchung! aus aktenmäßiger Grundlaige, hat in weiten Meisen berechtigtes Anlfsehen, hervorgerufen,; denn! sie gelangt nach gründlichster Prüfung, de>r gegen, den jüdischen! Schustergesellen Leopold- Hilsner orhobenen Anklagen wegen! -Ermordung der am 4. April 1899 im Brezinawalde bei Potna tot. aufgefundenen' Agnes Hruza sowie wegen Ermordung dev Marie Klima, eines Mädchens aus Ober-Wtezuitz bei. Potna, das! seit dem 17. Juli 1898 verschwunden war undden mast ein am 27. Oktober 1898 im „Herrschaftlichen Walde" bei Potna gefundenes Skelett zuschrieb, auf Grund 'vorurteilsfreier, wissenschaftlicher Studien der bezüglicheu Strafakten, ferner dar Haup tve>rhaudlungsProto kolle über die Schwurgerichts>verhandtu'nigenr im September 1899 in Kmtenberg und im Oktober, bezioh-u,ugsweife November 1900 in, Pisek, endlich einesweiteren,, in, der voiziti-eiten Schrift genau, bezeichneten authMttscheini Quellenmaterials zum zwingenden, Schlüsse, daß dte am 14. November Die gefuudene Handschrift. Eine wahre Geschichte von Oskar T. Sch w e eine v. XXII. Der König nickie ernst. Dann reichte er seiirem Feldherrn! dte Hand. „Du sprichst wahr, mein Freund," sagte er. „Und, soll ich! die, Chaknn vorbereitenauf deinen Besuch?" Dev König zögerte. „Es scheint düH Gottes Wille!" mahnte Jbn Muffta. „Ja! Nach dem, Morgengebet." „ Hocherfreut eilte Jbn Muffta, in die Gemächer der Königin!, um, dieser die nötigen, Weisungen! zugeheu zu lassen,, was zu, sagen und was zu verschweigen!. Indessen wandelte Chakan Butan, bis zum Morgen,gebet in seinen, Gemächern auf und nieder, mit! ernsten Gedanken beschäftigt. Und nach dem« Morgengebei' betete er noch ein Gebet; er flehte Gott an, ihm zu helfen auf den, rechten Pfad. — Und wieder herrschte großer Jubel und Freude in Belend-scher. Wieder galt es, ein großes Freudenfest zu begehen und das Volk drängte sich! auf den Straßen, im, Tempel, in 1900 vom, Schwurgerichte iw Pisek erfolgte Schuldi-gsprechrmg des Leopold Hilsner wegen Ermordung der vorbenannt,en Mädchen, Agnes Hrnza! und Marie Klima und desseuLerurteilung zum Tode ein grauenvoller JMizirituin, eine furchr-bare Verwirrung meufchllche-r Justiz ist und daß es. als. eine unabweisbare sittliche Pflicht betrachtet werden! müsse, aus Gründen der Gerechtigkeit und Humanität, diesen grauenvollen Justizirrtum zu. sühnen. Das bezeichnete Buch Nußbaums — homnsgogeben- Berlin 1906, Druck und Verlag von A. W. Halms Erben, — wurde, von dem rü hmli ch st bekannten, hervorragenden deuischen, Straflechtsleh-rer Dr. Franz v. Liszt einer M tischen Besprechung, unterzogen und ist mit dessen „Bo-rwort" versehen, erschienen. Liszt, schließt dieses sein Geveitswort wie folgt: „Wrd so möchte ich das gründliche. Studium der Schläft -den Gebildeien aller Kreise, ganz besonders aber unseren deutschen Strafrechtspraktikein, wärmstens empfehlen,. Es. ist keine Tendenzschrist, was der Verfasser uns geliefert hat, sondern, eine nüchterne, streng wissenschaftliche, überall auf dem Akteninhalt fußende Darstellung eines der imeressautesten, undlehrreichsten Prozesse ans dem letzten Viertel des 19. Jcchchnndorts." Indem Liszt den, Schnldspruch der Geschwornen als „kaum: begreiflich" bezeichnet und auf die traurige „Tätigkeit" der bekannten, privaten Nntersuchiingskournnssioni in der Strafsache geigen Hilsner wegen, Ermordung der Agnes Hruza hinweist, wird -es nach, hex. aktenmäßigen Darstelluirg der Dr. Nu-ßbaum,'scht'n Schrift Kirche und Moschee. Wieder verließ am Purimtage. ein, glänzender Zug den, Palast und pilgerte zmn Tempe,l wte vov zwei Jah-ren und alles Volk rief Halleluja, und jubelte Hosianna. Aber freudiger! denn damals- GelvicheU war der Druck von, ebcdem, ehrliche, aufrichtige Freude lagerte auf allen Gesichtern. Und der Zug, wie anders säh er aus. Der König freudestLahlend, umgeben vou! seinen Räten, und Edlen, des Landes und dort, wo sonst das Podium, der Königin', eine gegen jeden, Luftzug geschlossene Karosse, getragen, von vielen Sklaven. Aber die Fenster gestatteten doch einen Blick ins Innere. Und da saß die Königin, bleich und« schön, in den Armen den, Erstgeborenen, den sie zur heiligen Beschneidung in den Tempel führte, zur Aufnahme in> den, Bund Abrahams. Und trenn das- Volk die beiden sah, dau'u, wurde es schier wild vor Freude. Und noch ein Paar befand sich im. Zuge, dem das Volk zujrlbelte. Leo, dem ersten Rare Chakan Vulans und Rachel, seiner Frau, gar sehr geliebt von den: Armen, in Velendsche-r. Auch für sie hatte der Tag eine besondere Bederitung, denn sie wollte heute Gott danken für die glückliche Geburt! ihres ersten Kindes, einer Tochter. Ihr zur Seite ritt Moreas; ihm ward die Mre zuteil, sie heute zn begleiten. Längst -war auch er aufgeuommen im Bunde zur Gowißheit, daß die gegen. Leopolo Hilsner dnrchgosührten. Strafprozesse TG-Mizprozesse schlimmster Alit .gewesen, sind, daß ein«! arge und wüste Agitation, mit unlauteren! Mitteln „gearbeitet"^ hat — daß verwerfliche' Vorurteile und künstlich konstrutorte, erlogene Bewaismittet den, G-an,g bei-1 Strafprozesse sowie die Organe der Strafrechtspflege, in ganz unstatthafter, ja gesetzwidriger' Weise beeinflußt haben — daß die von außen und von langer Handgeschürte Au-freizuiig — unter Duldung der staatlichen Organe — eine geradezu, schra-N!- kcnlose, umfassende, rafstnterte, Agitation der antisemitischen Presse entfesselt hatte, der bekannte, speziell österreichische! Antisemitismus sich dieser Justizsa-chia b'eniächtigte, dte Mär der c-rleigien-en! Rituatmorde gewissenlos verbreitete, in Flugblättern., bildlichen! Darsrellnngen, Ansichtspostkarten.' u. dg-l. Prcßerzeugnissen, weite Bevölkerungskreise onfhetzte, daß infolgedessen gegen! Juidew verübt, worden, sind, unddaß so sogar vielfach Ausschreitungen und Exzesse weit und breit eine höchst ungesunde, Ansicht vieler gewesen,!vas Tausende und Abertausende gerecht, imparteiisch und voru-rieilsfrei denken^ der Menschen, vertveton, rmd verfochten haben, daß nämlich! Leopold Hilsner unschuldig verurteilt worden ist — ist jetzt zur Gewißheit ge^ ivorden. Eine elntscheid-ende Voraussetzung und — sowohl von dem Staatsanwalt wie von den Geschwo'rnen! akzeptierte —• Tatsache fiiln die Verurteilung Leopold Hilsne-rs ist feine Mitschuld an dem ihm znr Last gelegten Verbrechen, also die Mittäterschaft und Mitwirkung noch Abrahams, verehelicht mit einem' keuschen Mädchen» aus dem Chazareustamme, eine Edle ihres Landes.-— --'— O großer König Bulan, ineine Erzählung ist beendet. Möge sie Wohlgefallen, finden \n deinen Augen, wie sie wahr ist. in jedem Worte. Lege sie nieder in deinem Archive, laß Enkel und Urenkel sie lesen, zum eigenen. Nutzen und zur Ehre Gottes. Und wie Goti dich! wunder-, bar beschützet rmd alles gefühlt hat zum Guten, so möge er auch weiter dich beschützen und dein ganzes Geschlecht bis inalle Ewigkeit! Omen,! Weomeu! Und behalte auch in gutem Andenken, gro-ßev Bulan!, dei!n,en Diener in Jehova — gelobi sei sein Name — Jchuda ben Haleny aus Rom. Ju« dem, Jahre 837, wie die Cbnsten es rechneuj, habe ich zu Grabe getragen meinen geliebten Vater, den guten'König Chakan Bulan. — Meine liebe Mutter starb schon, viel früher. — Hochbemgt! war er an Jahren, 70 Iah re nach dein Bibeliv-oUe. Und nun haben ich und nieiu! heißgeliebtes Weib Mariam, Tochter der Rachel, mit dem Vaiername Bcnoni und des Leo aus Byzanz, von, denen die Rede ist in der Geheimschrift, gelesen die Geheinrschrift des Juhrida ben Halevii aus Rom, die wir zumteil schon' kannten. Und lvir fcljeit darin Gottes große Allmacht und danken ihm. Und unser iwr- Die nächste Nummer erscheint Dienstag den 20. Februar.

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