Mannheim
Compact Memory

Nationalzeitung · 1906-02-06 · Heft 10 (6.2.1906) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 10 (6.2.1906)
Date
1906-02-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2429839-2429840-2429850--068-2430124
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Organ für die gesamten Interessen des jüdischen Volkes. MümchmNz Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Eigentümer und Herausgeber: Jakob Kraus;. Inserate übernehmen bi« firmen: I. vanneberg. M. Dukes N«chs»Iiier, kjaasenstein Le Vogler. Rudolf Masse» M. pozsoni,i, N. Schäkel in Wien, ferner alle Knnoncen-Lxpeditionen im Knslande. Einzel - Nummer in Wien IS Heller. Berschleißstellen unseres Blattes, in ivelchen auch Abonnemei tZ elitqe§eiigenommen werden: Hermann Äoldschmidt, Wien, I. Wollzeile N; Verlag „Zion" Wien, II/3, Stefaniestraße 12; Nodert Weis;, Wien, l. In ko der gaffe 7. Redaktion: IX/1. Wafasassr 81. Telephon Nr. 1t7»S. Sprechstunde« r Sn Wochentags» von 10 bir 11 Uhr vorm. Postadresse: „Nationalzeitung" Wien. lX|t. BftcbwcrtfM wegm verspäteier oder gar nicht erfolgter Zu. stellung erbitten wir uns dringend. — Mju>«r»rlpte «eraen «leb» rulSehgerieiit. Postsparlasien.Konto 47Ü37. In das Abonnement kann man täglich eintreren. » ... —--d Administration: Telephon Abonnemcntd-PretS: Für Wien n. Oesterreich- Ungarn s. Franlozunellung: Ganzjayrig . . . . K 1». - talbjäbrlfl . . . . K iertptiäbti« . . . K ».- Kür das gefaulte Ülu-l d Ganzjährig ... X 18.1» IX/1. Wasagaste 81. Str. 147»». Preis der Anzeigen: DieLmal gespalt.Nnnpareillezeile oder deren Raum 12 t>. „Eingeseudet" dieSspaitige Noupareillezeile 50 Heller. Bei mehrmaligen Aufträgen entsprechender Rabatt. Ur. 10. Wien» 6. Februar 1900 (11. Kchevat 5660). VHi. Jahrgang. „Zionisten, Antisemiten". Wieder hört man! diesen niedrigen, niederträchtig heuchlerischen! Ruf gegen die für die Rechte des jüdischen! Volkes .Siämpfewbeii ausstoßen. Verdrehung und Verleumdung war stets die Waffe unserer Gegner, sie waren immer das AuÄnnstsmitlel Ser in ihrem: Privilogien'besih bed-vchten- Groß jaden. Aber wi-r sin-d in den letzten Jahren' stark vovwä rts g ekommvl ii. E i i id r i n gl i che B e l ohim ng durch die natiuiralc Pbesse, Die Gewalt der Tatsachen! haben, dem jüdischen' Volke in. Oesterreich 'die A-tlgen! geöffnet, Äas> politische Gehör geschärft, so daß es den, Jrermd oonr Feinde zu imterschciden! weiß rntd auch die Stimme Esans erkennt, möge er sich noch so sehr als Jakob ver-- kleidet präsentieren. Der „j ü D i s ch e B o l 5 swohltäter", der die Inden angeblich vor dem Antisemitismus retten will, in dev Tat aber uni seilten eigenen. Machtbesitz bekümmert ist, findet schon' lange fein Gehör bei Den wohlunterrichteten Volksnt affen. DaS hat der Obernroschko Dr. B y k in jüngster Zeit am eigenen' Leibe erfahren' müssen, tmd das wird ihm tin'd seinen, westlichen. Genossen' noch nachdrücklich genug zum Vetvußtsein gebracht iverden müssest. Nun, greif: Dr.' Byk zu dem letzten und Venverflickfften, Atittel. Er stellt sich nicht mehr selbst als wolstwollender Jakob in die erste Reife des volksverräterischen Kampfes, sonder:t führt den Esan in: seiner Leibhaftigkeit ins Treffen und legt diesem' jene niederträchtig verleumdetischm: Worie in den Mund, die lins anfc" tiefste erbittern müssen, weil sie lins an die traurigsten Kämpfe im eigenen Lager erinnern. In einer stark besuchten p o I n i | ch e n Wahl rech tsversamn stmi g in St an i s l a n wurde eine vom Domherrn Eiselt beantragte Resolution' angenommen, welche unter anderem' bewirt, daß die Schaffung nationaler und insbesondere nationaljüdischer! Wahlkllrien die gänzliche Entzlveiu-ng und Zerrüttung der Gesellschaft des Landes herbeiführen: müßte, während die Interessen der Polen! eine enge Vereinigung und Zufanimenwirken der polnischen' Bevölkermig mit der jüdischen, sowie die Durchführung der Gleichberechtigung der Juden im, praktischen, Leben und die Bekämpfung der ver'dorchlichen antisemitischen. und zionistischen' Bewegtmg erfordern. Damit begnügte sich Dr. B y k noch nichl. Er liest atich den galizischen Statthalter einer jüdischest Deputation gegenüber erklären-, daß das Streben: nach einem nationalen Schutze der Juden von den Pole!: als verwerflich betrachtet werde. Und um Dein ganzen Berzweistnngspslanz die galizisch.jüdische Krone atlfznsetzen, liest sich Dr. B y k von s e i n e m Kslitusvorftande für seine Stellungnahme in der Wahlresormfrage besonderes Vertrauen votieren. Hierdmch, glaubte die Schiachta mit ihren Hansfridcii' die jüdischen, Volksmassen einguschüchtern lind sie vondev Erkämpsung ihrer nationalen Fordevrmgeni abznbringen'. Wir werden, rms dieses schpöde Vorgehen gut merken'! Wir werden, es nie vergessen, daß Dr- B v k es :rar, der gerade unsere größte:: Feinde, die polnische Schiachta, im: entfcheidem den Momente gegen, uns gehetzt Hai, wir werden es nicht vergessen, wc-un, uns auch rmr der geringste Erfolg irr diesem Kampfe Mallen sollte, aber tvüworden.' es ihm auch dann sticht vergessen, lveim — was wahrscheinlich ist es" lrns dermalen: nicht: gelingen! sollte, die Macht dieser jndenseindlicheni Clique zu brechen; tvir werden es nicht vergessen', beim dann beginnt der Kamps erst r e ch t, Um. bei nächster Gelegenheit nicht so mwoebereite: zu sein, wie wir es diesmal leider sind. PrstttrimrsweseK iu Zer Wiener Kultusgemeinde. Zn dem unter. diesem Titel in Nr. 8 unseres Blatw-ö veröfsenitichten Artikel erhalten tvir folgende Zuschrift: W i e n, l. Februar. 1906. Verehr!. .Redaktion der „Nan'onalzeitung" Wien. Ich ersuche um. Aufnahme' nachstehender Berichtigung in Ihrem geschätzten' Blatte: Nach Erscheinen des Artikels in bezug auf die .Ma-zzeslieferung hat der Herr Präsident der KulttsAgemeinde einen Bericht über diesen unerhörten- Vorgang vonder Armenauftalt be- Feuilleton. Das Schicksal jüdischer BiliNotheken. B u d a p e st, den 3(1. Jänner 1906. Zwei wertvolle große jüdische Privatbibliotheken haben in jüngster Zeit ihre Besitzer gewechselt. Beide bildeten die Zierde und die Quelle jüdischen Wissens in Budapest. Das Schicksal dieser beiden Bibliotheken ist so recht charakteristisch für unsere ungarischen Juden. ES scheiilt hier schon jeder Sinn für jüdische Kultur mld jüdisches Wissel» abhanden gekommen zu sein, weil es sonst unbegreiflich ist, daß unsere reichen Juden, die sonst für alle möglichen Zwecke zu haben sind, sich nicht aufznraffen vermochten, diese beiden Bibliotheken für Budapest zu retten oder wenigstens dafür zu sorgen, daß beide Bibliotheken in jüdischem Besitze bleiben. Die eine Bibliothek ist die berühmte Kays erlina - Bibl iothek. Ihr Schicksal wirkt iloch halbwegs versöhnend. Sie wurde nach New Porr verkauft, woselbst sie zufolge der Munifizenz eines reichen amerikanischen Juden die Bibliothek des dortigen Rabbinerseminars schmücken wird. Wie gesagt, diese Wanderurig versöhnt durch das Bervußtseül, daß diese große Sammlung von Judaicis zur Förderung j ü d i s ch e lt Wissens unterQüben dienen wird. Die ainerikanifchen Juden haben mit dem Allkanf dieser Bibliothek auch gleichzeitig dem .Verfasser der preisgekrönten „Geschichte d e r Jud en in Amerika^ den Tribut deS Dankes gezollt, indem sie die mit großer Sorgfalt und vielen Opfern gesammelten Werke und Handschriften Kayserlings für sich erwarben, sie vor Verschleuderung sicherten und sie in jenes Land retteten, dessen Juden den Meister der Geschichte besser zu würdigen verfteheli als die Juder:, in deren Mitte er die Jahre segensreichen Schaffens verbrachte Die zweite, womöglich noch reichhaltigere Bibliothek ist diejenige, die den Nachlaß des großen Vielwissers, des so früb verstorbenen Professors des Budapester Nabbinerseminars Dr. David K a u f m a n n bildet. In der heute stattgehabten Plenarsitzlmg der ungarischen Akademie der Wissenschaften lvurde die Mitteilung gemacht, daß Frau Rosa G o m per z, die Mutter der ebenfalls bereits verstorbenen Gattin des Professors Kaufmann, die in ihrem Besitze befindliche Kaufmannsche Bibliothek mitsamt der Bibliothekseinrichtung der ungarischen Akademie z u m G e s ch e n k e machte. Die Plenarsitzurig nahm die hochherzige Spende mit Dank an uild ersuchte den Oberbibliothekar Koloman S z i l i), demnächst Vorschläge über die Unterbringung der wertvollen Bibliothek zn mache::. Es unterliegt gar keinem Zweifel, daß die Bibliothek in der ungarischen Akademie gut aufgehoben sein ivird, aber sie wird ben jüdischen Studenten, dem jüdischen Forscher nicht so leicht zugänglich sein, wie wenn sie in jüdischem Besitze geblieben wäre. Es ist rinerklärlich, warum die Leitung des Budapester Seminars, dessen Zierde Professor Dr. K a u f m a n it so viele Jahre war, nicht alles aufweridete, um die Bibliothek für sich zu gewinnen! Naumverhältnisse allein konnten und durften hier nicht maßgebend sein. Oder warum siel es niemandem ein, diese wertvolle Büchermtb Handschriftensammlung von der Familie G o m p e r z für die j ü d i s ch e N a t i o u a l b i b l i o t h e k in Jerusalem zu erbitten'?! Da wäre diese Bibliothek an ihrem richtigen Orte gewesen, da wäre sie geachtet und geschätzt und — rvas das wichtigste ist — von wlssensdurstigen Juden benützt worden. Unerfindlich bleibt es auch, warlnn diese Bibliothek just der ungarischen Akademie der Wissenschafter! geschenkt wurde. Diese Justitu- »»- Die nächste Nummer erscheint Freitag den 9. Februar.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.