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Nationalzeitung · 1906-02-02 · Heft 9 (2.2.1906) · page 1

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 9 (2.2.1906)
Date
1906-02-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Mtmcheitng Organ für die gesstMn Interessen des jüdischen Volkes. Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Eigentümer und Kerausgeber: Jakod Krausj. Redaktion: IX,1, Wasa gaffe 81. Telephon Nr. 1478«. Sprechstunde« r Btt Wochentagen von 10 öt« 12 Uhr vorm. Postadresse: „Naltoaalzeitnng" Wien, IXsi. Bmbimdtt wegen verspüteier oder gar nicht erfolgter Zustellung erbitten wir uns dringend. — Manuelleipte werden nie»» rurScdgeitelit. Postspartaffen-Konio 47087. In daS Abonnement kann man täglich eintreten. Inserate übernrkmen die firmen: I. Vanneberg, M. Vuker Nachfolger, ljaasenstein^FWstr, Nudolf Masse, M. pozsonyi, fl. Schale! in Wien, 'djHßter alle flnnoncen.Lxpedittonen im flurlande. Einzel-Nummer in Wien IS Heller. P”."11—.—. Administration: Telephon Abonn«men1S»PretS r Kür Wien «. Oesterreich. Ungarn s. Frankozustellung: Ganzjährig.... X 18. - Halbjährig . . . . K 0.- LierteljSbrig . . . K 8.— Aür daS gesamte AuSl d Ganzjährig . . . K 15.18 IX/1, Wafagaffe 31. Nr. 14788. PretS der Anzeigen: Die Vmal gespült. Nonpareille» geile oder deren Raum 12 h. „Eingesendet" die Sspaltige Nonpareillezeile SO Heller. Bei mehrmaligen Aufträgen entsprechender Rabatt. Berschleißstellen unseres Blattes» in welchen auch Abonnements entgegen genommen werden: Hermann Goldschmidt, Wien, I. Wollzeile 11; Verlag „Zion" Wien, II/3, Stefaniestraße 12; Robert Weiß, Wien, I. Jakobergasse 7. Kr. S. Mir«, 2, Februar 1906 (7. Kchebat 5666). VIII. Jahrgang. Die Juden und der neue österreichische Kurs. Die Verhältnisse der Gegenwart haben eine gewisse Achnlichkeit mit denen des Jahres 1789. So wie damals für die individuelle Freiheit, für die Beseitigung, politischer Vorrechte einzeliner Stände gekämpft wurde, so ist jetzt ein Kampf entbrannt für die Freiheit der nationalen Entwicklung der einzelnen. Völker, für die nationale Stiiitonioimie und für ein neues soziales Recht. Wenn die Machthaber ihre Zeit nicht 'verstehen!, dann vollzieht sich die Umgestaltung wiein Rußland unter Strömen voll Blutes, vder sie kann! im fortschMtlichen Sinne auch als Evolution erfolgen, wie es' derzeit die Regieamngskreife dies- und jenseits der Leitha wollen, aber — es ist typisch! für österreichische Verhältnisse — im schärfsten! Gegensätze zu der überwiegenden Mehrheit der sogenannten Volksvertreter berdc>o RÄchAhälften. Wie sehr unser ganzer Parlamentarismns eine einzige Lüge ist, 'wie alle und jede Politik auf Schocker und 'Han'del beruht, das zeigten! fowoh-l d i e Verhandlungen in, West-Oesterreich, welche mit den deutschbürgerlichen Fraktionen und den Jungtschcchen zum, Zwecke der Pa rlanrentarisierung des Min-ifterimus Ga.utfch gepflogen wurden, ebenso wie die stets von, neuem sich wiederholenden und stels vergeblichen' Versuche, ans den Reihen der magyarischen Koalition ein neues ungarisches Ministerium zu bilden. Die Mon- -avchie und ihre Völker unib a«nn allerwenigsten 1 die Inden haben es zu bedauern, daß bisher diese Versuche gescheitert sind. Denn auch ihr Gelingen würde keineswegs eine Lösnn!g des staatsrechtlich, nationalen! Problems, eine Aera des Völke-rfriedens, der Freiheit und' der wirtschaftlichen. Wohlfahrt, sondern nur die Fortsetzung, des alten Kurses, der Nationalliäten-, Hetze, des Antisemitismus, oer politischen und wirtschaftlichen! Reaktion. bedeuten.. Die Völker Oesterreichs und' am wenigsten dasjüdische Volk hätten, von einonr solchen Kurswechsel, dev höchstens einige Portefeuilles früherer Ministerkandidaten, befriedigt hätte, etwas zu erwarten, denn der Kurs bliebe trotz neuer Minister der alle. Glücklicherweise! zeigen die Vorgänge der letzten Zeit, daß alle dis Experimente, die bestehende Verfassung und a , mre Pvrteiv-esen künstlich zu galvanisieren,, vergebens sind und daß die Neuorganisation des Donaureiches auf Basis der nationalen Autononne aller Völker dieswie jenseitsder Leitha und auf Grund der allgemeinen direkten Wahlrechtes wohl aufgeschoben, aber nicht mehr von der Tagesordnung zurückgcdrängt werden könne. Möge der eben zusammengetretene Reichs rat und möge der ungarische Reichstag sich noch, so« stemmen gegen die unausbleibliche Umgestaltung der ö'stemeichischeu Monarchie, sie wird kommen, weil alle anderen, Experimente seit 1860 gemacht und alle geschei-ert sind. Undin. diesem Momente mm, wo der Umgestaltungspro^eß des alten Oesterreich in das neue' sich zu vollziiehen im, Begrirw ist, woein neuer soztalösterreichischer Kurs sich! vo-vberei-tet und. wo die jüdische Moderne, eingedenk der Pflichten gegen ihr Volk, auch die jüdische Autonomie begehrt, wo auch sie anläßlich! der Wahlreform eine entsprechende Vertretung der Volksgenossen beansprucht, -dabei aber stM, bereit, mit den Modernen aller übrigen Nationalitäten auch für -berert nationale Autonomie zu kämpfen-, da hat eine kapitalistische afsimila-torische Cligue den. traurigen Mut, uns ins den Rücken zu fallen, mit den, banalen Phrasen,, wir wollen die Juden! in ei-n, Ghetto sperren, wir wollten die Wiedereinsüh-rung des gelben Fleckes, wir seien, Reaktionäre, wir seien! Chauvinisten', die die Juden, von den, anderen Völkern isolieren, undsie dem, wirt-fchaftlichen-,. Rui-nr preisgeben wollten. Solche Anwürfeerheben dieselben Juden, welche in, den! gemischlsMilchigen, Gegenden Mährens, Schlesiens und Galiziens den idem schon,, tschechischen und polnischen Chauvinismus ansachM', dir Juden, verhaßt, gemacht haben bei den. Friedliebenden der anderen! Völker, lrelche die Inden dem, wirtschaftlichen Ruiin und Boykott' mitallen, Mitteln, mf diese Weise preisgegeben! haben, welche m Kultusgemeinde, in, Gemeinde, Land und- Reicheine enighe-vzi-ge Klassenpolitik förd-erten und auf allen Gebieten! desöffentlichen. Lebens mithalfen, jeden politischen und sozialen Fortschritt zu hindern. Mit allen, Mitteln, über welche der Geldsack, der Terrorismus und die Schlagwörter- Feuilleton. Die gefundene Handschrift. Eine wahre Geschichte von Oskar T. Schweriner. XX. Eines Tages, als Rachel schon, wieder ganz -genesen war, lagen alle drei m beim hohen Steppengrase vor dein Hause und überlegten, was weiter zu tun sei. Sie waren gerade übervingekommen, bald die Reise nach, Belendscher zu unternehmen., als sich zwei Reitersmänner am Horizonte zeigten. .Näher un,d näher kamen sie, bis deutlich zu -ersehen lvar, daß sie direkt auf das Haus des Ackerbebauers zuhielllen. Plötzlich rief Leo, der mit sehr scharfen Augen begabt war, freudig aus: „Der eine ist mein guter Freund, Moses Jbn Mufftu!" lind so war es. Es loa reu Jbn, Musfta und ein Sklave. Angelangt, spm-ngen, sie vom Pferde. Moses und Leoumarmten, sich, die anderen lernten sich kenn-en; dann lagerte man sich wieder im Grase, die Leiden Sklaven in einiger Entfernung von den anderen. „Nun hört, was mich zu euch führt, meine lieben.Freunde," Hub Ihn Musfta an, nachdem die Begrüßungen vorüber. „Gar sehr wichtige Kundschaft bringe ich euch. - Ein Wort von deinem! Bruder, Leo!" „Vom Kaiser von Byzanz?! Von Konstantin VII.?" fragten Leo und Moreas zugleich." „Eben vonihm. — An dich, ist sie gerichtet. Freund Leo, und eintreuer Sklave hat sie überbracht. Gar grausig ist ihr Inhalt, schier unglaublich. Doch meine ich, wir lassen den Sklaven, selbst sprechen," und er winkle den Sklaven heran, der mit ihmgekommen war. Des Moreas Sklave blieb zurück. „Erzähle hier noch, einmal, was du mir erzähltest," befahl Moses. Der Sklave, ein Mann von' prächtigem Körperbau, noch jung an Jahren, verneigte sich und begann: „Ich selbst und noch ein Sklave, ein Freund von mir, wurden vor einigen Abenden in das Gemach! unseres guten. Horm, des Ka-isers Konstantin, gerufen. „Seid Ihr mir treu?" fragte er. Wi>i' warfenuns auf den. Boden, und küßten seine Füße. „Steht auf, ich glaube euch. Und wenn, ihr meine Befehle gut ausführt, so sollt Ihr frei sein!" Und nun befahl uns unser Herr, zu reiten Tag mrd Nacht, bis wir erreichten, Belen-dsch-er, die Hauptstadt der Chazaren und dort zu. forschen nach- Leo, seinem, Bruder. Denn gar Böses führt im. Sinne meine Mutier gegen Belendscher und gegen den König der Chazaren; gegen die Königin und ihr ganzes Volk. Und gelingt ihr, was sie ersonnen, dan, wehe dir, mein armer Bruder. Wohl ist dir bekannt die Grausamkeit deiner Mutter, die ich doch so. liebe und die mich haßt, weil sie au mich den Thron wird geben müssen, und die dich haßt, weil du mein Bruder, und Freund. Deshalb will ich dich jcht warnen, -damit du entrinnst dem, Verderben undauch, weil ich nicht mag sehen die große Ungirechtigkeit und die Sünde. Denn wisse: Einen gar treuflischen Plan hat meine Mutter ersonnen; zum Lobe Gottes, sagt sie. O, die Sünde! Das Chazarenreich, weil ihr ein, gefährlicher. Nachbar, will sie ansichreißen mit Hilfe der tribulpflichtigen, aufständischen Völker, der Petschinegen, Ridimitschen und Wjatitschen. Aber nicht offen, sondern, durch Tücke. Unddeshalb will sie erst ehelichen den König Chakan Butan- und durchsetzen sein ganzes Land mit ihren Kriegern. Da der König aber schon verehelicht, so, soll die Königin sterben. Sie hat ihr Sklaven geschickt zum Geschenk, die wohl vertraut sind mit der Pflanzenkunde und die frei sein sollen, sobald die Königin tot. Auch ihren Arzt hat sie der Kö- ■w Die nächste Nummer erscheint Dienstag den 6. Februar.

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