Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 8 (30.1.1906)
- Date
- 1906-01-30
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nationalzeitung Seite 3 Nr. 8 versetzt uwb will sich nach dev bekannten Art niederer Seele u> an seüven it n f $ ul* d i g c ii* S ch ü lern rächen. So,^ hat er es drnchgesetzt,!daH gegen. die verdächtigen j ft d'i sch e nt Mittelfch ü l e r die Untersuchung cingeleitel wnvde. Vor kurzem schte Henmer auch alle iHebel in Bewegung, um eine angeblich.. bestehende jüdische „revolutionäre" Mittelsämlerverbindung anfzutösen. Leiber hatten seine Bemühungenkeinen anderen Erfolg, als dass er' sich eine Blamage mehr znzog. Es stellte sich nänrlich heraus, das; sich bloß einige Mittelschüler zmn gemeinsamen Lernen! der hebräischen Sprache vereinigt hatten!. Mauschel! Manschet! Win rufen dir Herzls Worte ins Gedächtnis: „F r e u n d e! T e r z w e i t c Pfeil des Z i o n i s w ns i ff f ü r M a ich ch e l s B r ir st b e st i mm t. S. Z. Die Austvandernitgsfrage. Alls den Ereignissen der letzten Tage heben wir die folgenden Berichte hervor: Wie wird in Amerika gearbeitet'? - Die Vereinigung der, orthodoxen. jüdischen Gerneinschafteir in, den Vereinigten Staaten irnd Kanada versandte den folgenden B-rief an alle ihre Mtglieder: Wir haben nnsern leidenden- Brüdern in Rußland Hilfe gewährt ruck müssensie ihnen weiter gewähren, aber wir müssen uns vorberei'- ten, die Flüchtlinge zu empfangen, und wir müssen Sorge tragen, fi'u: einige der Waisen. Erstens: Wieviel! Flüchtlinge können; Sie in Ihrer Stadt anfnehmen und ihnen zri einer Beschäst igung verhol fen? Zweitens: Wieviel Waisen' sinideir dort Heim in religiösen Familien. Wir erbitten auf Öfefe beiden Fragen innen* l)ülb einer Woche Antlvort. H. Pereira Mondes, . Präsident: Albert Lnras, Isidore Hershfield, Sekretär. Eine wichtige Konferenz in Königsberg. Am 22. ds. fand eine .Kimfereiiz der sämtlichen Schutz komitees des Hilfsverbes der. Deutschen Inden" (Zentralbrereau. für jüdische Atlswandenurgsarrgelogeicheiteii) statt, welche 'dem Hauptkomitee Königsberg unterstehen. Die infolge der eirtsetzlicheir Inden-Hetzen in Rußland stark vermehrte Anstvauderung ließ es wünschenswert erfchernen., arifs neue die Grundsätze festzustellen, nach denen die Ko-initees den Auswanderern, Rat und Hilfe gewährein Es wurde daran festgehalten, daß die Emigration -uniter keinen Umständen! gefördert und ermnartert tverden dürfe. Die Tätigkeit der Schutzkomitees soll in dergleichen, Weise wie bisher fortgesetzt tvevden'. Die an den, Grenzen tlnd in Berlin errichtete Organisation hat sich als so kräftig erwiesen, daß sie mich deii, Bedürfnissen der jetzt so überaus; starken Ans- Nianderilng geinigt. Ein lvetterer Gegenstand der Beratung waren die Schwierigkeiten, die den jüdischen Ginüraniderern durch das nene englisch' Eimvauderungsgesch entstanden sind. Soweit es erreichbar ist, hat das „Zentral- - biweau fürjüdische Allsivaiidernngsangelegeiiheiteil" in Berlin! daisi'rr gesorgt, daß die jüdischen Auswanderer unter dem Gesetze nicht allzu schüvev Edfern. Durch Gawntiien den; Schifffahrtsgesellschaftell gegenüber lvlvd in' ben meisten Fällen bewerkstelligt, daß Ausl van deren, die irgendwie Anihalr in; England haben, ihre Reise cnrtveten köninen. Auch für diejenigen.' Emigranten, die mit Schiffskarten in Deutschland nichtkonzessionierter Linien versehen sind, ist; in ähnliclWr Weise durch Verein banling mit den deuitschn Da-mpfergesellschstten Fürsorge getroffen ivoiden, daß sie nicht mehr smch der Grenze zurückgiebracht loerden, sondern die Reife fortsetzen, können. Das System dev preußischen Kontrollstationen, wurde einer entgehenden Kvitik nnterzogen- Wenn auch über viele Mißstände, die denn gangen Systenr onljaften, lebhaft geklagt wurde, so wurde doch auch anerkannt, daß die deutschen Schiffahrtsgesellschaften, die „Hantburg-An^erika-Linie" und 'der „Norddeutsche Lloyd", im loyaler Weise bemüht sind, die bestehenden Härten; zu nrildarn, und es wurde die Hoffnung ausgesprochen, daß die Schiffahrtsgesellschaften dem „Hilfsverein" und seinen Grenzkmnitees auch weiterhirr bei der Erfüllung! berechtigter WünsäM entgegenkommen werden. Eine Versammlung in Wien. Sonntag den 28. Jänner fand im Hotel zum „Goldenen Widder" eine von den, „Poalei Zion" einbe rufene Massenvevsammtung statt, in der Dr. Pas.manik (Genf) und stud. Kap lan-Klap laus ky über die „jüdische Emigration mrd die Brüsseler Konferenz" referierten. Die Redner kritisierten die bisherige systemlose Methode, mit welcher die jüdische Großbourgeoisie den Eiwvanderrmgsstrom eindämmen, wollte. Dieser Vorwirrf ist nm so schwerwiegender, als Hilfsorganisationen gu einenr großen Teile V o l k s g e l d e r verwalten, zu denen and)! die Aermsten beitragen!. Diese Tatsache läßt die Forderung der Versamnklung nach! einer planmäßigelr Kolomsatioir in, Palästina, insbesondere längs der Bagdadbahn, deren, Str-eckenbereich der jüdischen Einwandernng demnächst geöfstet werden; soll, gerechtfertigt erschmnen. Eine in diesem Sinne lautende Resolution wurde der in. Brüssel tagenden. .Konferenz telegraphisch übernrittolt. Kultnsleben i« einer möhrychen Stadt.ß lSietze SkrT'ö der Ratwnalzettuam IN Jänner 1906.) Am veformbedürftkMen unter den vielen refvnnbedtüivsl'men Ekttrichlungen der Utultns'kemeinde N i k o l s'b u r a ist unstreitig die Armen- und Kranbenpslege. Auf diesem Gebiete ist leider aus egoistischeu Gründeu noch, nichts geschehen. Roch immer müssen die Armen, auch die kranken, von Hans zu Haus Almosen sammeln gehen. Es bestehen wohl zwei private Wohltätigkettsverelne, doch körmen diese mit ihren bescheidenen Mitteln die sirrchtbare Not nicht lindern. Die Atittel pt -Gründung eines jüdischen dlvlnennnd Krankenhallses wären schon teilweise vorhanden, doch fehlt der energische Wille der KultttsvorstehlU,na, diese für Arme heranznziehen. Unter den heranzuziehenden Nlitteln kämen in erster Linie die reichen Fonds der Chewra Kadischa feines Vereines, den längst nicht mehr seinenl Zirvecke entspricht und mit dem wir uns in einem besonderen Artikel befassen werden), ferner der uns in Kürze zusallender Reservefonds des Borschußvereines in Betracht. Ihr Reicheru Wphlgesättigten, habt ihr euch schon einmal das Leben eines Stikolshurger armen lu-aii'fen Inden angesehen?! Ihr g-la-ubt, 'wenn Ihr von Zeit zu Zeit den Firmen ^llmoselr gebt (der Wahrheit die Ehre! einzelne, insbesondere der Knltnsvovsteher leisten in privater Wohltätigkeit Äkutzerordentliches), damit ist alles getan. So ein arrner kranker Jude ist gervöhnlich hei einen: jüdischen eventn'ett auch chriMchen klnbemittelten seitens der Knltusgemeinde einquartiert worden und ohne Sch-rrtz urrd Hilfe den eventuellen Launen seines Wohnung sgeberö preisgeaeben. Er sieht wohl von '.Zeit zu Zeit einen Arzt, aber der kann nicht helfen, der kann ihm keine Pflege, kein besseres Essen, Lein anderes Quartier verordnen und Arzneien allein helfen eben nichts. Ist es nicht unsere Pflicht, siir unsere Älrmen und Kranken zn sorgen, ja wäre es nicht sogar weise von uns, dieses Armen- und Krankenhaus inS Leben zu rufen, wissen wir denn, ob wir nicht selbst einmal in die Lage kommen, ein solches Asyl anszusuchen?! Wieder zur Steuer der Wahrheit müssen wir konstatieren, datz einzelne, wie z. B. der Vorstand des Borschnstvereines Herr Karl Glog a n er leime die Herren Rudolf Lampl, Gustav Pisk usw. usirn sich sehr, aber bisher leider erfolglos für die Gründung eines jiidischen Armen- und ><r ranketthaitses eingesetzt haben. Wolken >wrr uns von künftigen Generationen, den Vorwnvs nmchen lassen, nur immer ans der: eigenen Säckel bedacht gervesen zu sein und nur imnter darnach getrachtet zu Haben, eitrige Kronen mn .Kultussteuern zu ersparen? Also heraus mit dem jüdischen Armen- und Mankenhaus! Ed soll ttnd es rnntz ins Leber: gerufen iverder:! Znur Schltyse r:och einige Worte als Elvtgeg- ::>u:lg auf den Vorwurf, -atz wir die Kultusgemeinde 3kikolsbnrg vor der Wett, insbesondere vor den in Wien wdhnenden ehemaligen Nikolsbu-rger Juden bloßstelle»:. Ja körnten denrr wir dafür, daß die objektive Schrl-derrrng dieser un'haltvarerl! Verhältnisse so abschreckend wirtt. Dem Arzt, der stch gezwunger: sieht, eine Wunde, um sie heilen zu bönnen, auszubrennen, dem kann doch auch daraus kein Vovnnvrf gemacht werden. (Weitere Artikel folgen.) S. K. Aus Proßnitz. Protznitz, 29. Jänner 1906. Am 26. Jänner tagte in Protznitz eine jüdische Volksversammlung, die ursprünglich von der Kultusvertretung geplant war. Durch Intrigen und Treibereien einer Gruppe von Kultuswahlern, die, weil sie die Besitzenden sind, jeder Volkstümlichen Regung feindlich gegenüberstehen, sollte diese Versammlung verhindert werden. Selbstredend gelang es dieser aus ihre Geldmacht pochenden Gruppe, zu verhindern, datz die Kultusvertretnng an die gesamte jüdische Bevöllkevung hevantrete, um ein wahres Bild über die Ansichten der Gomerndemitglieder zu erhalten. Die Versammlung mutzte demrmch von privater Seite emberufen werden, damit der von der Kultusgemeirrde geladene Referent Herr Lucian Brunner aus Wien, die leitenden Grundprinzipien des Wiener jüdischen Wahlrechtsbomitees e:rtwickle. In dieser Versammlung, die von der Bevöltenmg unserer Stadt autzerordmtlich stark >besucht war, schloß sich an die klaren und präzisen Ausführungen des Referenten, die in der Resolution gipfelten: „Die Heute hier Beosanmrelten verlarrgen die Einführung des allgemeinen, gleichen, direkten i:nd.geheimen Wahlrechtes nach dem Proportionalmrscchren, nnd zwar nach Kopf- :md BevMerüngszahl. Sollten über nationale Kurien erngeftihrt werden, so verlangen auch wir die Envf.ührung einer jüdischen' Kurie." eine längere Diskussion, in der der Führer der hiesigen Sozialdemokraten, Herr Redakteur K vapka, 'sich gegen den zweiten Teil der Resolution wendete, nnd zwar aus dem Grunde, weil hierdurch der erste Teil der Resolution .abgeischwächt werde. Bo:: mehreren Seiten wurde ihm erwidert, daß die nationalen Juden dem Wahl'kurrensystem niemals zustimmeu. daß sie aber gezwungen sind, ihre Rechte zu wahren, 'wenn über ihre Köpfe dieses System so wie in der famoser: mährischen Wachlordn'ung zum Gesetze -würde. iSDie Herren aus dem ersterv WahWrper begnügten sich jedoch nicht mit der Agitation in der Kultnsstube, sie berieserr, um jede Aussprache der Gerneiudemitglieöer unmöglich zu machen, für denselben Tag -und dieselbe Stunde eine Wählerversammbu-ng ein und so vollzog sich eine rein liche Scheidung. In dieser Versammlung -waren die fetter: 'Schafe mit der reichen Wolle vertreten, u-nr ihre teutorrischen Herzen neu vor dem deutschen Volke zu errtihüllen, während in jener die uiagerer: Böcke mit der spärlichen Wolle sich ernten. Wir koumren auf diesen Vorfall noch zurück, daderselbe ebenso die Kaurpseswebse der Gegner illrrstriert, wie er überhaupt -das sossile Assimilanteutmn einiger mährischer Landjuden charakterisiert. Zum Schlüsse sei den Mitgliedern der /-Israelitischen Uniion" noch eine merkwürdige Tatsache mitgeteilt. Trotzdem der Vertrauensmann der ,-Uniou" in Protzrvitz der EiNbevufer der öffentlichen BoMversaumrlung war, die Aufklärung bringen sollte, über die Ansicht der Genwmdemehrheit hat ein Borstanösrmitglieö derselben „Uniiou", gantzohne sich erst mit dem Vertrauensmann ins Ei:wernehmen zu setzen, das Referat übernommen. Wir werden überhaupt mit der „Union" ein Wörtchen zu reden haben, denn die geheimen und oertrmrlichen Agitationsreisen ihres Sekretärs .Herrn Fleischer bedürfen einer öffentlichen Annagelung. F. Vermischte Nachrichten. Jüdisch-akademische Berdir^>ung „Unitas". Dienstag den 30. Jänner präzise 7 Uhr hält auf der Bude: 8. Bez., Auerspergstraße 21 (Souterrain), Herr Dozent Dr. Pas - manik einen Vortrag: „Ist das Couleur )v e s e n d e m Zionismus n ü tz - lich ob er nicht?" Jüdische Mste herzlich willkommen! Jüdisches Bildnugshernr <14. Bez., Mlnannstmße 31, Kauerhof 10 A). Diens - t a g den 30. Jänner, Vortrag des .c>errn Dr. H e i n r i ch Jelinek über das Thema: „Wie schützen )vir uns gegen Tuberkulose!" Beginn 8 Uhr. EintM frei. Berlin. (AliszeichMMg.) Der König von Preußen! hat 'dem. Professor der vergleichenden Sprachforschung Gvaciado Jsaja Asc o l i in Mailand zum, auswärtigen Ritter des O r dens p o ur l e merite für Wissenschaften und Künste ernannt. Pwfeffor Ascoli ist der e r, st e I u d e, welchem diese hohe Auszeichnung — bakmmtlrch die höchste, die der König von »Ptvußeui als Anerkemumg tvissenschaMcher Leistlmgen verleiht — zuteil wird. KKCBSflFOTHCKC 5. niTTELMCM Wien, i, Hoher Markt Nr. 8 4 (Palais Sina) im Zentrum der Stadt. + Spitmgerlcli-Extfakt. scüieimJös., liusteustilt., aofeucbt., so: wfisa'vo. auf die Lunge wohltuend. Derselbe wirkt auch auf den Appetit u. Ernährung sow. den Körper stärkend. Freie K 2 CO ^15628