Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 8 (30.1.1906)
- Date
- 1906-01-30
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Die „Nationalzeitung“ erscheint .ch 2mal und kostet vierteljährig K 3. Seife 2 Nationalzeiiung Nr. 8 Das ginge bcn KnktuSvorftanö gar nichts an, war der lakonische Bescheid beS Zlrmeninftttutes, irr ihr Ressort Habe sich niemand zu mischen. Die Autonomie dieses Institutes zugegeben, darf es sich der Vorstand Dreien lassen, derart respektlos bestaubest zu werden'? Wer bringt dieses Rätsels Lösung? Welchen Motinen entspringt die kontinuierliche Bevorzugung der Leipniker Mazzes trotz der fünf Wiener Erzeuger? Hat vielleicht das löbliche Armeninstitut nicht genügend Vertrauen zu unserem Rabbinate, daß es eine zu wenig rituelle Aufsicht vermutet'? Ist der Wiener Besdin nicht koscher? Srern. Unsere lieben Sozialdemokraten.' Przemysl. Man kemu sich mchr inehr aus in imferen Soziakdemokraten, besonders nicht in den p o l n i s ch e -n. Sie erblicken in jedem .Inden einen „Nationaiisten" um das genügt, um ihn zu verfolgen. Hier rief der Sozialistenführer Grog nr a n n eine Versammlung eilt behufs Besprechung -der Wahlrechtsfrage. Die polnischen- ^oziattstcn erschienen in, der Versammlung mW sprengten sie. 9tun wbt der Kamps zwischen den beUben sozia listen Gruppen in der „Oeffontlichikeit". Die Wurfgeschosse sind „Offene Briese". Der eiste, dieser „offenen Briefe" ist bereits erschienen-, das Geschoß kam mm „polnischer" Seite. Der Verfasser ist der waschechte „Pole", Dr. ^E h a i irr L i c b c rnx a n n. Er nennt -die Separatisten — horribile Dietu- —- „Nastonaljudelt", ja sogar „Zionisten". Mut erwartet man die separatistilche Antwort nnD ganz Prznxeysl freut sich aus dieses Schauspiel. Sie können beruhigt sein: Jetzt schlägt es sich, eS wird sich schon wieder, vertragen! Ter vorsichtige Dr. Diamant. Dein internationalen sozialistischen- Bureau gehören bekanntlich sozialistische Delegierte aller Volker an. Dieses Bnroau beschäftigte sich jüngst mit Xver. Frage, nach lvelchem Prinzipe bei den sozialistischen slvngressen die Abstimmung vorgenommen werden soll. Ein belgischer Sozialist ftAÜe nun den Antrag, die Abstimmung nach derx vertretenM V ü l k e r s ch ä s i e n vorzunehmen und „als Volk jene Einwohner zu betrachten, die unter einer Regierung leben, nur ausnahmsweise kamr auch eine Gruppe von Menschen als Volk betrachtet werden, deren Streben nach Selbständigkeit und geistiger Zusammengehörigkeit die Folge langer historischer Traditionen sind, obgleich sie verschiedenen Regierungen untertan sind". Aber diese präzie Definition des Volksbegriffes durch Denbelgischen Genossenhat, wie der Krakauer „I u d" berichtet, dem polnischjiiidischen Sozialdemokvatenführer Dr Hirsch D i a nt a u t tu Lemberg einen ordentlichen- Schreck verursacht. So glänzend har ja noch niemand das Judentum als Volk charakterisiert. Der polnisch-jüdische Jagellone Dr. D i a m a n t protestiert daher gegen die obengenannten Vorschläge des Belgiers, daß der Beschluß solgondermaßen laute: . nur ansnahmsweise kamt auch eine Gruppe auf abgesonderten Territorien als Volk betrachtet werden, deren Strebeir nach politischer Selbständigkeit;c. ..." Wir sagen's ja immer: Bcit den arisciien Sozialdenrokraten könnten wir uns eher verständigen als mit ihren silbischen Führern! Der Zu-' muß 'raus! Budapest, 24. Jänner 1608. Jur Trüben fischen war immer die angenehmste Beschäftig uns der Antisemiten aller Länder und aller Schattierungen. So Ha tten's auch die Hlrrtvseursten in deriLändern devDtepHanskrone. Und in Ungarn ist leider die Situation jetzt trübe genug und die Antisemiten arbeiten sicher, furchtbar sicher. -Während früher, da alles normal ging und arr der Spitze des Landes eine stabile, von allen anerkannte Regierung stand, die Taktik der Antisemiten darin -bestand, den Juden die Existenz- Möglichkeit auf dem stachen Lande durch Errichtnng „christliches Konkurrenzgeschäfte zu nehmen, die Juden auf diese Weise als zweifelhafte Oroletarierexistenzen in die Städte kn drängen, um dann ochgen die Anhäufung der Juden in den Städten zeteru zu können, zerbricht matt sich heute nicht den Kopf ü-ber eine Taktik, um den Inden das Leben auf dem flachen Lande unmöglich zu tnacheit, sondern man arrangiert — vorläufig ttoch sporadisch — Judenhetzen und zivingt ganz einfach den Dorfjuden, -den Ort, in dem er und feine Familie seit Jahrzehnten lebt, als Bettler zu verlassen. „Und gehst du nicht willig, so brauch ich Gewalt!" Einer dieser typischen Fälle fei hier erzählt: Moritz Löw ist der einzige Ge'schäftsrnann und auch der einzige jüdische B-eiwöhner des Dorfes Nagy-Kalota im Klausetlburger Kornüate. Die christliche Beim vH ne r schuft wurde systematisch gegen den Juden L ö w gehetzt. Als jedoch Löw keine Miene machte, das Dorf,^ in welchem er fett vielerr Jahren in- Frieden sein Leben fristen konnte, zu verlassen, da wurden die Bauern von einem ihrer, Rädelsführer aufgezogen: „Was, der Jud ist mächtiger als wir"? Der Jud will gegen unserett Willen im Orte bleiben? — Nein — war die Antwort — der Jud mutz 'raus! Und ein ganzer Kriegsplan wurde entworfen. letzten Sanrstag sollte es zur entscheidenden Schlacht kommen! Die Bauern wriröen erst mit Branntwein traktiert — der gewiegte Antisemit zahlt den 'Dchandlvhn stets voraus — und in dieser Stimm rrrrg wurde die Bauernmenge gegen das Hans des Moritz Löw kommandiert. Der Sturm begann, man machte sich an die Plünderrrng und die Familie »des Juden Löw wäre kanm mit dem Leben öavongekommen, werin nicht zufällig eine Gendarmeriepatrouille den Ort Mssiert und die bedrohte Judenfamilie vor dem Aergsten bewahrt hätte. Zum Glück ist unsere Behörde nicht russisch und der Oberstühlrichter von ^auny-^uuyao nat die neun Rädelsführer bereits hinter Schloß und Riegel gesetzt, während das Haus des Moritz Löw von Geudarnren bewacht wird. Nicht lange, denn Löw sieht es jetzt ein, daß dank den - Antisemiten die Freizügigkeit der Juden auch in Ungarn illusorisch gemacht wird, und er wird bald im Gowoge einer größeren Stadt anstauchen oder — nntergehen. Jochanan. Das Schwein ans dem Banner der Assimilation. Einen großartigen Erfolg der jüdischen Assimilation konnte das Chameleonblali „Rozvoj" (Organ der tschechischen Jrchen) verzeichnen. Dennin einer der l-etztou Nimmreru lesen wir von einer jüdischen 5Lulttisgem.ein!de, in der man es „wagte", den alten Sitten! zu-m Hohn öffentlich ein Schweinefest, einjüdisches Sch-veinefest 31t veranstalten. Das bedeutet Fortschritt! Und der „Rozvoj" verelvigt^ diese heroische Tat in dein, A lma len als eine Er rungenschaft, die man, sein-en Partoianigchörigen zlr verdankenhat. ^lrNreS Volk, diese „Cesti Zide"! Im Schweinefest sehensie ihre Zukunft! Eine Ehärakteriftik des Geistes der jüdischen AssimilaUon und ein, Bildtmserer Zeit: hie Kampf der Juden um jüdische Auto nientic und Wahlrecht, dort Kämpf der Auchjuden! mndas Schwein>esest! Wählt euch, ihr Volksgenossen-! Jelen. Zehn Juden in Warschau hingerichtet. . Bekanntlich wurden Ende Dezentber 190ö die- Mitglieder der „Kampforganisation" vor ein Warschauer Kriegsgericht gestellt und von diesem 5U,m Tvide veru-vl-eilt. Tie Verurteilten wurden am 16. ds. im Hofe der Warschatwr Festung hingerichtet. Die Füsilierrmg erfolgte um 7 Uhr morgens. Hier 'die Acämeir der Opfer russischer Willkür: Salonwn, Rofenz w e r g, Jakob G 0 l d h e i m , Chaim R i f - kr n d, Salonwn Sch a j e -c und- Jakob Pfaffe r. Tags darauf immden weitere fünf Jrwerr erschosfein Die Hingerichteten waren drirchlvegs Gymna-sialschiiler. Aus Effegg. Der yivti'M „I u difch -e A nt i s e mi - te n" von E. K. (Essegg) hat hier begreiflicher:- weife riesiges Arrfsehen. erregt. Supplent H 0 u m 0 v wurde in begreifliche Llufregung diese Aenberung der tieiterr und diese nnglaübliche Schmälerrrng -des christlichen Stolzes in ihrer eigenen Ja mitte geduldig über sich ergehen zu lafserr." Demgegenüber wirb der „Frankfurter Ztg." geschrieben: Mit Recht scheirtt Liszt den „Erinnerungen" der Gräfin -d'Agöntt skeptisch gegenübergestäNden zu haben. Tenn auch das, was sie hätte wissen können, ist ost entstellt, ja unrichtig wiedergegeben. Dies gilt besonders von ihrer Schilderung des Frankfurter Ghettos aus dem Jahre .lÄü. Ein -solches existierte damals nicht mehr. Schon 1766 hatten französische Brandkugeln nahezu die Hälfte der Ju'üengasse in Zlsche gelegt und die Jnsafseir «der rriedergebrannten Häuser wohnten in anderen S-tatftvierteln. Das Abfchttetzen der Jubengaffe hatte -somit seinen Z-rveck verloren und wurde unter der Negierung -des Fürsten-Primas in praktischer Weife unmügttch gemacht. Im Jahre 1808 wilkden nämlich die „häßlichen Gitter", die die Gräfirc noch 1815 wahrgenommen haben will, öffentlich -versteigert und erbrachten nach Battonn nrnd 70 Gukderl. Tiatz die Jüden wenige Jahre darauf Vollbürger wubden, scheint der Gräfin -'Agorttt entgangen zu fein, ist aber hinlänglich bekannt. Weniger bekannt ist allerdings, datz der Grotzherzog von Frankfurt den Jrrden das Bürgerrecht als souveräner Fürst ftei verliehen ljat. Die S-U'mme von 440.000 Gulden, die die Inden damals bezahlten, war nicht etwa der Kaufpreis für das Bürgerrecht, sondern die kapitalisierte Mlösnng der jü-dischen Steuerfelder von jährlich W.000 Gulden. Es mutz hier noch einleichter Zweifel ausgesprochen werden, ob die Privatbeziehungen zwischen Röthschtld und Bethmann über das Geschäftliche hinaus s-oroeit gingen, daß RothschÄd einen Wochenbettbefuch bei der Tochter Bethmarms abstattete. Die Rwälität, die zwischen WiMhbar I Vautni loht t atrashlMl den beiderr Banikhänfern herrschte, spricht -säst dagegen. Uebeid-ies -war man 1815 in Frankfurt schon stark daran, -das Bürgerrecht der Juden wieder gänzlich anfzriheibcn. Da-lnals begarm jener zähn Jahre währende erbitterte -Kampf, der schließlich mit dem Vergleich endete, wonach der, Inden zwar das Bürgerrecht, aber nur -unter mancherlei drückenden EinschrärBungen verblieb. Es braucht wdhl kaum betont 31t werden, daß die gesellschaftlichen Bez-iehungen zwischen den Bekenne rnbeider Religionen hierdurch nicht gerade gefördert wurden. Huntes Feuilleton. Die „galizische Ehe" in Amerika. Eine auch für uns wichtige prinzipielle Entscheidung hat jüngst ein New Aorker Richter gefällt. Eine Frau Minna B l u m e n st e i n strengte bei Gericht gegen ihren Gatten Baruch Blumenstein eine Klage wegen böswilligen Verlassens der ehelichen Gemeinschaft an. Der geklagte Ehegatte wendete bei der Verhandlung ein, die Ehe sei ungültig, da sie „bloß nach rabbinischem Ritus" in Galizien geschlossen wurde. Nach längerer Verhandlung erklärte der Richter die Ehe für gültig, und verurteilte den Geklagten zur Zahlung bedeutender Erhaltungskosten an seine Gattin. Hierdurch wurde für Amerika ein wichtiges Präjudiz geschaffen. ' Kardinal Samassa und die Juden. Anlässlich der Erenennung des Erlauer Erzbischofs Samassa zum Kardinal erschierr auch eine Deputation der Erlauer israelitischen Status quo-Geuieiude 'beim Kirchenfürstm, um ihre Glückwünsche darzubringen. Rabbiner Dr. Lazar Schweiger ivar int Ornat erschienen und sprach den Segensspruch, den der Kardinal mit lautem „Amen" begleitete. Alls die Rede des Dr. Alexander Seiet, der besonders heworhob, daß zur Zeit des T i s z a - E s z l a v e r F a ll e s in der Erlauer Gemeinde der Friede zwischen den Konfessionen keinen Allgenblick gestört lvurde, antlvortete Kardinal Samassa: „Die Pflichterfülluilg ist kein Verdienst. Meine Religion lehrt: „Liebe deinen Nächsten inte dich selbst." Wenn also ich und b it mir zur Seite Stehender die Liebe unter den verschiedenen Konfessionen verkünden, so haben wir nur unsere Pflicht ersittlt." Die Auffindung eines neuen ägyptischen Kvnigsgrabes wird aus KaiW gemeldet. Der englische Aegyptol'oge Theodok Davis endeckte letzte Woche im Tal der Könige bei Luxor das Grab von Men-en-Ptah. einem Pharao der neunzehnten Dynastie. Das Grab ist prächtig geschnü'lckt, und die Hieroglyphen-Jnschriften sind voit großer Wichtigkeit. Sie lverfen ein ganz neues Licht ans die Geschichte Aegyptens zur Zeit des genannten Pharaos. Pollenz echte Reform-Scbweissblätlcr «beita! UeHolletäM. 9997