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Nationalzeitung · 1906-01-26 · Heft 7 (26.1.1906) · page 1

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 7 (26.1.1906)
Date
1906-01-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Organ für die gesamten Interessen des jüdischen Volkes. 9 «rdaktion: IX/I Wafagastr 81. * Telephs» Nr 14988. Gtzttchft»»-««: fla Sachentag»« bob 10 bk 1X Uhr *#rm. ^fiefiabrrffr: „fnatiea«f}eitnna“ C9<rtt, IX|I. lettkwerle» wegen perspStritt oder gar nicht erfolgter Zu» («Lang erbittm wir «n» dringend. — BM«l*brl»f< wtfätM ■Kkt x«ricla«tt<IK. V»ftkP«rkMO«i»Aortt» 47037. An da»' «donnement fann man tLglich rmtreien. »-—-d Erscheint jeden Dienstag «ad Freitag, fiinihur uni Kknmqtdtr: Jokik fitn«{. Inserat« übernehmen die firmen: 3. vannrber,. M. vnke» Nachsetger, kjaasenstein k Vogler, Rubolf Masse, M. Pozsonpi, A. Schalek t» wie«, ferner all« Knnoucen.Lxveditianen im Anelanöe. Einzel. Nummer in Wien LS Heller. 9...... Administration: relepho» M&0ancment9i$rei< r Für (Sie» tt. Ceftcerci*« Ungar« f. fttattteiuttfRung: »anzjährig. . . . K l*.- HalbMri» . . . . K «.- vitrteliLhriß . . . K 3 - ftiirk«»0«famtcatufl k •MijUcia . . . k 1S.1S IX/1. Wafagaste Ll. * «». um. fhr«(f der ««zeige» r Dt« Smal gespatt-NinpareUle» »eil« oder der«« Kaum 11 h. „«ittfltfe»*«*" >i«3totti|« Ronpereilleieile 60 Heller. Sei mehrmaligen slufirLge« entsprechender Rabatt. Verschleißstelle,, unseres Blattes, in ivelchen auch Abonnements entgegen genommen werden: Hermann Goldschmidt. Wien, I. Wollzeile 11; Verlag „Zion" Wien, 11/3, Stefaniestraße 12; Robert Weiß, Wien, I. Jakobergasse 7. Nr. 7. Wie», 88. Jänner 1986 (39. Gebet 5668). Vlit. Jahrgang. Pro-ortionalwahlrecht oder Zudenkurie? Von, einigen Vertretern dev jübischnaUormlen Wahlrechtsbcweguing wird feit kurzem die Anschauung vertreten,!daß die Einführung des Proport ionalwahl rechtes einen, hi nveicheniden Schutz der jüdischen Minorität bedeuten würde, die Schaffung na'liionaker Wahlkataster Hin- Hegen, nötigenfalls als jüdischn>ation>ale Forderung fallen gelafsen werden könnte. Diese Aufchauung bedarf wohl einer gewissen- Korrektur. Sie begeht! vor allem den Fehler, daß sie die verhältnismäßige Gerechtigkeit, welche durch dm Mlno'ritätenschutz des Proporti-onalrvahlrechtes erreicht wird, in totaler Verkennung! der jüdischen Verhältnisse überschätzt. Das Proportionalwahlsystein setzt vor allem eine große Diszipliniierung der Wählerschaft voraus. Es müssen festgefügte, gut organisierte Parteien einander gegenüberstchen. Nun wird mmr wohl kaum> verkennen! können, daß diese Vorarlssetzung für die Inden wenigstens im Westen nicht' zutrifft. Im Gegenteil. Trotz der verhältnismäßig großen! Erfolge der jüdischnationalen Wahlbewegung bleibt die Zusammenfassung aller Inden m einer jüdischnationalen Partei einstweilen noch ein schönes Ideal. De facto wird sich noch -ein, imlnerhin beträchtlicher Teil dev Inden, wie bisher fremden Parteien anschließen uinib mit ihnen stimmen. Ein,e Gruppier u'ng nach Parteien müßte diese Möglichkeiten noch vergrößern. Bei einer solchen Uebecfülle von. Fraktionen und Fraktiönchen, wie wir sie in Oesterreich zu verzeichnen' haben, ist es mehr als wahrschein!- lich, daß manche numerisch schwache Minorität auch bei eiiivm Propo-rtionalwahtsystem übergangen wird. Man, nehme etwa den Fall, dgß in einem. gemischtsprachigen Bezirke Böhmens aber Mährens sechs Mandate zu besetzen wären. Ans die deutsche Partei entfielen 20 000 Stimmen, auf die tschechische Partei 30 060, auf die Sozialdemokraten 9000, auf die Jüdischnationalen 1000, wobei von sonstigen, ParteigruppierungM! der Einfachheit halber abgesehen werden soll. Es entfielen. nach dem. P roporti o nalivahlsyskirn auf die deutsche Partei 2, auf die tschechische 3, auf die Sozialdemokraten 1 Abgeordneter, die Jüdischnationalen, gingen leer aus. Es ist keineswegs so -ganz problematisch, mit solch konstruierten Zahlenverhältnissen zu, operieren. Man kann vielmehr damusersehen, wie wenig damit erreicht ist, wenn man den Juden, in gleichem Maße wie bisher' die Möglichkeit eines freien Anschlusses' an, nichtjüdische Parteien offen läßt. Der Fall, daß die Jüdischnationalen als nicht irr Betracht kommende Minorität übergangen würden, könnte sich allzuoft wiederholen. Dazu käme noch, daß innerhalb der jüdifchnationalen Pärtei die' Gegensätze unter den, Juden ein viel größeres. Gewicht hätten, als in einer Judenkurie, weil das Mäfteverhältnis der jüdischen Parteien' in beiden Fällen ein verschiedenes wäre. Es ist gewiß niemandem bisher eingefallen, ernstlich behaupten zu wollen, daß mit der Einführung, einer Judenkurie die wirtschaftlichen Gegensätze innerhalb des Judentums ein Ende findenwürden und sich nicht bei Wahlen; -geltend machen' müßten. Bei einem Proportionalwahlsystem, das, wie gezeigt, die . Jüdifchnationalen mehr oder weniger auf ihren Status qu-o beschränken würde, wäre eine wettere Fraklionierung derselben mit einem Selbstmord gleichbedeutend. Es entfiele dann auf jede Fraktion eine so geringe Stimmenanzahl, daß sie überhaupt nicht in Rechnung käme. Anders Wohl bei einer jüdischen Kurie, welche zweifellos den. Zwang zum Anschluß an die Jüdischnationalen erheblich, vergrößern müßte. Hier wäre gewiß Raumfür mindestens zwei Parteien', die doch zweifellos entstehen werden, da man nicht erwarten kann, daß Ku ltus Vorstände von der Vhystognomie Dr. Byks oder Dr. Edens mit Pvalei Zion oder intellektuellen Zionisten in, einer Partei wählen könn'en. Zu allem' dem kommt noch eines: Es ist oft genug. betont wordendaß die Wahlrefvvm eigentlich : nur eine Vorstufe für eine nationale Autonomie, bedeutet. Die Einführung des allgemeinen'' und gleichen Wah-lrechtes würde wohl den.Nationalitäienstreit nicht ausder Welt schaffen, sondern bestenfalls das Streitobjekt verändern, es wird sich nicht! mehr um reine Sprachenfragen, sonidern um Ku-lturfragen handeln, die schließlich, in der Schaffung einer nationalen Autonomie ihre Lösung fänden. Ein. nackt durchgeführtes Proportionalwahilsystom, müßte Feuilleton. Die gefundene Handschrift. Eine wahre Geschichte von Oskar T. Schweriner. XIX. Laute Hallelujarufe begrüßten und verfolgten den glänzenden Zug, der sich bald vom Palast zum Tempel bewegte. Allen voran dov Wnig, bekleidet mit Purpur und Krone, auf schneeweißem, Roß, der lange, wallende Bart die Mähne des Tieres berührend. Rechts, links und hinter ifjmi die byzantinische Gesandtschaft. Dann die Edlen des Landes und zmn; Schluß die Geiseln, die die Wjatitschen' gestellt hatten zum Zeichen ihrer Unterwerfung. Auch sie! waren« Edle iuihrem Lande und gar bitter'mag es für sie gewesen sein, schmachbedeckt in dem« Zuge mitzugehen. Der gute König Butan hätte ihnen aber diese Schmach sicherlich erspart, wennnicht auch sie behauptet hätten und fest! dabei geblieben wären, Byzanz habe sie aufgolvi-eg.lt zum Kriege, Dem gerechten. König lvar jede Verleumdung und Lüge gleich einem» Dorn, im Auge und.so mußten die armen Wjatiischenden Weg zum Tenrpel znrücklegeu, dcr für sie die Schande bedeutete. (Hättest du, o großer König Butan, die Wahrheit geahnt, wie anders hättest du gehandelt. Doch! bitte ich dich hier: laß nicht falsche Reue einziehen in dein Herz. Dn, hast nur menschlich, gehandelt, ja menschlich richtig. Du konntest nicht ahnen die Tücke deiner Feinde, die sich ausgaben als deine Freunde und hast sie auch! nicht geahnt bis auf den heutigen Tag. Nun du aber alles weißt, oder wissen wirft, sobald dualles gelesen, was ich hier für dich niedergeschrieben habe in der Geheimschnst,! und du erkannt haben wirft, wie' dich Gott gevettet aus gar großer Gefahr, von der dugar nichts ahntest, bitte ich dich: Laß nicht Neue dein Herz beschleichen'. Du. Hafk immer gehandelt, wie dein Gewissen dir gebot, und mehr kann kein Mensch, selbst wenn er ist wie du drei große Dinge in einem-: Ein Jude, ein- Mann und ein König!) Es jubelte das Volk und rief Halleluja und Jungfrauen in roten Gewändern streuten Blumen her vor dem König und Knaben sangen wirb1 Sklaven trugen Palmenzweige dem Zuge voraus und doch scheu etwas Unsichtbares zu lasten auf -dem ganzen Volke wie eine schwere Hand, die nieverdrückt. Und auch der König blickte nicht so heiter drein wie sonst. Denn dort, wo die Chakup sonst gewesen wäre, getragen von Sklaven auf hohem Podium, dort war der Platz leer. Die Königin war krank und wurde immer kränker, und alle weisen Männer 'des Landes konnten ihr nicht helfen. Als Kaiserin Irene dieses hörte, hatte sie ihren Leibarzt geschickt, aber auch er war machtlos. Manchmal ging es etwas besser, dann bald wieder viel schlechter und langsam siechte die junge Königin! dahin. Und da das ganze Volk km sehr liebte ob ihrer Wohltaten, so herrschte ein Druck auf allen., trotz des großen Jubels. Und als gar die Geiseln voriiberkamen, da verfinsterte sich manches Gesicht. Denn war nicht dii-e gute Königin aus dem Stamme der Wjatitschen? Zum erstenmal verstand das Volk seinen Chan nicht, und instinktiv wurde mancher Fluch nachgeschleudert der byzantinischen Gesandtschaft. Und während iu Tempel, Kirche und Moschee Dankgesänge emporstiegen zum Himmel und im Tempel Opfer dargebracht wurden und um die Heilung der Königin gebetet wurde, lag diese selbst näher dem Tode als dem Leben, auf ihrem Lager im Palaste und lauschte, während ihre Augen glänzten in unnatürlichem Glanz und ihr Antlitz sich verzerrte ob der Schmerzen, den Erzählungen ihrer byzantinischen Sklavin, die ihr berichtete von der Schmach, die widerfahren war den Edlen ihres «•*- Die nächste Nummer erscheint Dirnslag den 30. Jänner. -*»m

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