Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 6 (23.1.1906)
- Date
- 1906-01-23
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Kr. 6 Nationalzeitung Seite Ä Dr. GrekS erschienen auch die Abgeordneten Prof. G lombi nski. Petelenz, Rotier, Szajer, Bomba und Daszynski. Dr. Grek erklärte im Namen der „nationalen Demokraten" deS Polenklubs, daß sie auch gegen den Willen des Polenklubs für das allgemeine direkte Wahlrecht eintreten werden. Auch die übrigen anwesenden Abgeordneten ergriffen das Wort, aber alle bis auf Professor G l o m b i n s k i drückten sich um die Frage der nationalen Autonomie herum. Glombin s ki streifte die Frage und tat sie mit der unmotivierten Bemerkung ab, daß die „Regierung den Juden in dieser Frage nicht nach g e be n könne*. Eine Gruppe von Zionisten interpellierte nun den Abgeordnrten Dr. Grek darüber, wie er sich zur Frage einer jüdischen Autonomie und einer jüdischen Wahlkurie stelle. Die Antwort lautete erst ausweichend, indem er meinte: „Die jüdischen Natoinalisten sind noch eme zu junge Partei und keine Nation hat noch innerhalb zehn Jahren ihr^ Rechte erlangt. Im übrigen hatte ich bis jetzt keine Kenntnis davon, daß die Juden schon hier in Oe st erreich als besondere Nation anerkannt werden wollen. Wünschen nun die Juden, daß er, Dr. Grek, sich für eine jüdische Nationalkurie oder für die nationale Autonomie der Juden einsetze, so müßten sie vorerst erwirken, daß ihre eigenen jüdischen Abgeordneten für diese Forderungen eintreten." Man muß gestehen, daß diese Lektion von fremder Seite eine wohlverdiente war. Unsere galizischen Juden glauben noch immer an Byk, Kolischer usw. Mit welchem Rechte verlangen wir von den Vertretern der anderen Nationen, daß sie uns zu unserer Selbständigkeit verhelfen, wenn unsere eigenen Abgeordneten die Selbständigkeit des Volkes perhorreszieren und lieber wie die „dummen Auguste" im politischen Zirkus an fremden Rockschößen gaumeln?! Die radikalen Ruthenen «ad die nationale Autonomie. Kolomea, am 18. Jänner 1906. (J. Til.) Ihr Berichterstatter hatte heute Gelegenheit, den bekannten Führer der ruthenischradikalenPartei,HerrnDr.Trylo ws ky j, betreffend die jüdische Autonomie und Wahlkurie zu sprechen. Auf die Frage, ob die Juden berechtigt sind, die Erfüllung dieser Forderung von der Regierung zu verlangen, äußerte sich Dr. Trylowskyj folgendermaßen: „Die Juden sind eine Nation, weil sie sich als eine solche betrachten. Ich sympathisiere mit den Nationaljuden, weil sie ihr Volk aufklären und es befreien wollen. Baron Gautsch hat im Parlament erklärt, daß er den Wünschen eines jeden Volkes nach der ihm gebührenden Vertretung Rechnung tragen wird. Es wäre daher eine schreiende Ungerechtigeit, den Juden eine solche zu verweigern. Diejenigen Inden, welche gegen jüdische Autonomie auftreten, indem sie behaupten, daß dieselbe mit der Schaffung eines Ghetto identisch sei, sind im Irrtum, da die Erlangung der Autonomie die Gleichberechtigung des jüdischen Volkes mit anderen Völkern herbeiführen wird." Ueber die Assimilation sagte Herr Dr. Trylowskyj. daß diese eine Degeneration bedeute und daß man unmoralisch vorgeht, wenn man sie von den Juden verlangt. Er wünschte weiters den Juden besten Erfolg und gab der Hoffnung Ausdruck, daß das Verhältnis zwischen freien Juden und freien Ruthen,» sich gut gestalten werde. Palästina affen für rusfische Emigranten. Der „Hazefirah" wird ans Konstantinopel telegraphiert: Der Sultan hat 511111 Zeichen seines eigenen Protestes gegen die Jndeivmaffakers in Rußland ein Jrade herausgegeben, wonach s ä m t l i che G r e n z en de s türkischen Reiches, darunter auch diejenigen Palästi n a s, für die russischen Auswanderer eröffnet werden sollen. Sollte sich diese Meldung bewahrheiten, so wird sie auf der in den nächsten Tagen in Brüssel staitfindaiiden Konferenz dev jüdischen Organisationen eine bedeutende Rolle spielen. Wie wir übrigens erfahren, weilen' gegenwärtig Vertreter der zionistischen Organisationen Rußlands in der Türkei und Aegypten, um die Einwanderung russischer Flüchtlinge zu regulieren und die Verteilung! der Einwanderer in zur Ansiedlung geeignete Städie zu leiten. Bon der Fünfhauser Versammlung. „Graf Sternberg unter beit Juden" betitelten die Tagesblätter die Noliz über die vom Verein! „Fünfhaus" der „Zion" am letzten Donnerstag veranstaltete Versammlung. Auf welche Weise iinmer der edle Graf in diese Judenversaminlung geraten sein, mag, die Veranstaltung war ein faux Pas — der Veranstalter. Nicht weil das DK’ferat des Herrn Dr. Martin Weiß m a n n nicht ans der Höhe stand, nicht, weil dev Referent von den zwei Forderungen: „Judcnknrie und die jüdische Nationalaritonontie" m voller Unkenntnis des Sachverhaltes die schlechtere, nämlich die Jndenkurie akzeptiert, während er das wichtigste, die Grundlage zur Jridenknrie, durch welche diese aushören würde, verächtlich zu sein, nämlich die nationale Autonomie verwirft, und schließlich nicht, weil, der Versuch gemacht wurde, eilt Fünshauser Judentum. zri! konstruieren, war diese Versammlung eine unglückliche Episode im- Klampfe Der Nationaljrrden um die Selbständigkeit der jüdischen Nation in Oesterreich, sondern« deshalb, weil man, geglaubt Trat, durch eine Ä t t r a k t i 0 n s - it u m m e r, ansgesührt vom Grasen S t c r nb c r. g, das ganze Programm, selbst dem. Publikum' annehmbarer zu machen. Wir wissen nicht, ob der: so verdienstvolle Präsident des Vereines „Fünfhaus" mit dein Erfolge des Abends zufrieden war, aber wir konnten ein Gefühl der schände nicht unterdrücken, als wir die unglaublichsten Beleidigungen des Herrn Grasen, gegen das jüdische Volk nur deshalb ruhig anhören mußten, weil „Gras Sternbevg unter den Inden" — Gast war. Die Versammlung, die in dev besten, Absicht, auch gegnerische Meinungen zu Worte kommen, zu lassen, einberusen wurde, hat die Hoffnungen der nicht erschienenen Feinde der Sache, daß eine Spaltung im nationalen Lager zur Schau gestellt würde, gottlob nicht erfüllt. Die erdrückende Majorität dev Versammellen war Anhänger des Programm,es unseres Wahlrechtskomitees. und wenn lmscre Resolution, von niemandem beantragt itmib daher auch nicht zur Abstimmung gebracht wurde, so, geschah dies nur aus feinfühlender Rücksicht auf dm Präsidenten! des Vereines- Herrn Dr. K r e n - b e r g e r, dessen, Verdienste um« den Zionismus groß genug sind, um in solchen Fällen in Erinnerung zu kommen, und von, einem Antrag abzuhalten, den er nicht in die Tagesordnung ausgenommen hat. Wir, die Anh ä n g e r der nationalen Autonomie, können m'it dem moralischen! Erfolge des Abends ehrlich zufrieden sein. Vermischte Nachrichten. Wien. (W llgem« iner .granlkemmtevstüdungsocreiu „Aienrschenl!iebe".t Samslag den 27.Iänner iOttli, mn 7 Uhr alben,ds, findet im Vewittsvotäl« „Cafe Jägevhoif", tt. Boz., Ponzellangafse 22, die 5. ordentliche GvneratvcrfaMmlunH des Vereines statt. Tagesordnung: 1. Rechentschastsbevtcht des Vorsitzenden. 2. Bericht der Revisoren. 8. Ikeniivahl von 9 VorstianidSmüigtteldern, 8 Ersatzmännern und 2 Revisoren. 4. Feststelttlna der BellrittsgEhren >un!d des Jahresibeitrages. 5. F-rMiftztiernng des Be rei n sve rM'ögen s. 0. Anträge und Interpellatdonen. Sollte die für 7 Uhr ein'bemtfene Generalverifatovmlmifl nicht heschlinUätzig sein, so findet eine halbe Stunde später im selben Lokale eine neuerliche Ge ne mlversammku ng statt, welche unter allen Entständen beschlutzsälsta ist. Anträge und Interpellationen sind laut § 56 der Statuten dem Vorstände bis längstens 24. Jänner d. I. schriftlich ainWmelden. Wien. (Losverein „Malel".) Samstag den 20. d. M. veranstaltete der Losverein „Masel" einen überaus gelungenen Familienabend, der gut be ucht war. Die ernsten und heiteren Vorträge hielten die Anwesenden bei guter Laune. Um Mitternacht begann der Tanz, der die Jugend bis 4 Uhr morgens fröhlich beisammenhielt. Das Reinerträgnis von 63'Kroi en wurde dem anwesenden Redakteur unseres Blattes Herrn Jakob Krausz mit der Bestimmung übergeben, die genannte Summe dem Lokalkomitee des „Oesterreichisch-russischen Hilfsvereines" behufs Verteilung an hier weilende Opfer der russischen Judenverfolgung zu übermitteln. (Wir haben diesem Wunsche bereits entsprochen. Anm. d. Red.) Redakteur Krausz dankte in einer mit Beifall aufgenommenen Rede dem Verein „Masel" für seine mildtätige Spende und eiferte die Anwesenden an, auch weiterhin ihrer verfolgten Brüder und Schwester zu gedenken. Um das Gelingen des Abends haben sich besonders verdient gemacht der Vereinsobmann Herr Peter Geiger im Vereine mit den Herren Kaufmann. Morgenstern. Reichmann, Seßler, Singer und Weinberger. Frankfurt a. M. (Trauung im Hause Rothschild.) In, der Synagoge ans dem Börneplah in, Frankfurt a. M. erfolgte am 16. d.! M. vormittags durch Rabbiner Dr. Hovovitz die Trauung von Fräulein Lilly von Goldschmidt-Rothschild mit Freiherrn -Miüipp Schey von Koromla. Die 21jährige Braut ist die älteste Tochter des ö s teere i chi sch-u nga r i s cheit Generalkonsuls Maximilian von GoldschnM- Rothsch-ild, der Bräutigam, der 24 Jahre zähst, ein Sohn, des ungarischen! Gutsbesitzers Freiherrn Pauk Schey von Koromla in Wien. Jüdisch-akademische Verbindung „Jvria", Wien. Dienstag den 23. d. M. findet im Kongreßbureau, 9. Bezirk, Türkeustraße 9, ein Vorrmg des Herrn Dr. P a s nt a. n i k aus Genf statt. Thema: „E i n> G r u n d g e s e tz dev jüdischen G 0 l n s g e s ch, i ch t e." Gäste willkommen. Die „Oefterreichisch-Jsraelitische Union" hat es für. nötig befrmden, durch alle Talgesblätter verbreiten, zu lassen, daß ihre Wiener Vertrauensmänner sich! c i n st i m m i g gegen die. nationale Autonomie der Judenerklärt hätten. Ueber diesen Entschluß der sehr wenig zahlreich besuchten Bersammstmg sowie über die geradezu, groteske Politik der „Union" in Mähren, Ivo der lächerliche Gedanke propagiert wird, daß man, in den deutschen Kataster fick) einznschreiben habe, und' dort dennoch jüdische Politik treiben müsse, lvird noch ein anderes Mal ausführlich gesprochen werden. Heute nur soviel: Der einstimmige und einhellige Charakter dieses Beschlusses ist eilte freie Erfindung der Herren von der „Union". Zwei der Anwesenden, darunter Dr. Z i n s, einer der Hauptbogründer des Vereines, Vorsitzender des Propouemenkom itees, Hauptredner der ersten Sitzungen, haben ausdrücklich eirklärt, daß sie nicht in der Lage sind, gegen eine jüdische Ktlrie arifzri steten. Wie tvarm, .Herr Dr. Zins,-den man rrchig als geistigen Urheber der „Union" bezeichnen kann, fit«r unsere Ideen eingetreten ist, kann jedermann aus den Berichten' der Tagesblätter und den, Mitteilungen der jüdischen Organe entnehmen'. Daß eine Krrndgebnng einer so kleinen Anzahl von Herren, bei denen zwei (darunter ein! so hervorragendes Miiglied) heftig opponieren, keinen besonders impoisantenl Eindruck inacheir kann, tverden' wohl selbst irnsere Geglter zugeben niüsseit. Wohttättgkeitö-Borstellnng iu Lmnberg. Di« im Lemberger tübischcn Theater am 20. ö. veranstaltete Tbeateroorstellarna zuannstert Ser Opfer der ritfsischen MassEers verlief glänzend und ertfafc einen bedeutenden Reingewinn. Die vnifsischem Schauspieler spielten sehr brav und ernteten viel Beifall. KRCBSdPOTIIEKE 5. /IITTELPflCM Wien, I., Hoher Markt Nr. 8 ♦(Paiui» Sina) iw Zentrum der Stadt. ♦ Spltzwegerlch-Extraht. SSKSÄSi'Äti äcnieuuISTTTuätenbtilL, au feucht., aetiweigevermind, u. auf die Lunge wohltuend. Derselbe wirkt auch auf den Appetit u. Ernährung eow. den Kdrper «türkend. Prell K S Juden! Leset und verbreitet die „Nationalzeitung