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Nationalzeitung · 1906-01-23 · Heft 6 (23.1.1906) · page 1

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Journal
Nationalzeitung
Volume
1906
Issue
Heft 6 (23.1.1906)
Date
1906-01-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Organ für die gesamten Interessen des jüdischen Volkes. Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Ejgrnlümrr ul Krrnusgtbn': JaKoL Lnkns;. Inserate übernehmen di« firmln. I. vanneberg, ITT. Dufos Nachfolger, haasenstein & Vogler Nudolf Mosie M. pozionyl, kl. Schalek in Wien, ferner alle Annoncen-Expeditionen im kluslande. Einzel - R,immer in Wien 15 Heller. VerschleißsteUen unseres Blattes, m welchen ovw Tlboimen-.r, tS entgegengenommen werden: Hermann Goldschmidt, Wien, s. Wollzeile 1«; Verlag „Zion" Wien, II,'3, tSiefcnucmofte 12; Robert Weiß, Wien, >. Iakobergasse 7. Redaktion: ix/l, Wasaaassr 81. Telephon Nr 11728. Gprechftnnden r Wn SBodientaam von 10 bi« 12 Uhr vorm Postadresse: „Nationalzettnng" Wien. IX>.. Sesthmerile« wegen verspärr er oder gar nicht eriol >t r flu steüung erbitten wir unS drin >end. - Maunrllripte «veeSr» »eh» r«rlie»ge,MIt. Postsparkassen»Konto 4703,. In das Abonnement kann man täglich eintrrien. Administration: IX/1, Wafasiaste 31. Telrpyou Nr. 1472». SlbonnsmentS-PreiS r ^iir Wien u. Oefterreich- Nngarn i. Franlozu.rclling: Gail^ährig. . . . K tS. - HaUgäl, Ui .... K tt — i!<ie>,.-liäliria . . . K S - Kiir bas gesamte2!nSI d Ganzjährig . . . K 1512 Preis der Slu-eigrn: DieSmal gkspalt.N npareillczeile oder deren Raum 12 l>. „Gingesendet' die0spa,tige NonparetllezUle KV Heller. Bei mehrmaligen Aufträgen entsprechender Rabatt. Ur- « Wir», ritt. Jämrcr un>v jLV. Teilet 3686). VJii. Jahrgang. Die nationale Autonomie iir Rußland. Vor einigen Wochen! fand in Retcrs - b u r g ein Kongreß der in Rußland lebenden Min!o>litä!snationalen statt, der fünf Tage 'dauerte. An dem. Kongresse toaren vertreten: Tataren, Armenier, Ukrainer, Weißrussen, Grusiner, Inden, Letten, Esten, Polen und Kirgisen. Ausgehend von dem Grnndprmzipe der Un t e i l barfeit des r u ssischeu R e i ch es, itntnöcn noch vielen. Diskusstonen folgende Beschlüsse gesaßts 1. An der Freiheitsbewegung, welche einer Rekonstruktion des Reiches auf demokratischer Grundlage die Zukunft eröffnet, sind s ä m t - l t ch e Volke r R u ß l a n d s gl e i ch - mäßig i n teressiert. 2. Die Lebensintet essen aller Völker erheischen die Sicherstellung der Freiheit eines jedeiu eiuMlnen Volksstomnus - und ba Möglichkeit, sich geistig und wirtschaftlich zu entwickeln. 3. Der Kongreß hält es für unmöglich und schädlich, daß die Zentralisierung der Gesetzgebung in, einem, Reiche, das so groß und vermöge der V cii schied ettartigkcit der in ihm lebenden, Konfessionen, und Nationalüäten so unernheitlich ist wie in Rußland. 4. Der Kongreß hält -cs für notwendig, daß die Verwaltung des Reiches in verschiedene kleinere Zentren geteilt werden, welche wieder um in. einem gemeiuisamen 3entmin (Föderation) organisiert erscheinen. 6. Die Jnteresseu derjenigeu- Völkerschaften, welche nicht auf einem bestimmt abgegrenzten Territorium leben, soivie derjenigen, die in einzelnen Teilen je eines solchen Territoriums wohnen, erheischt es, daß die allgemeine Reichs- Verfassung jene Modalitäten feststelle, dmch striche die nationalen. Rechte einer jeden Nation, wie arich der nationalen Minoritäten sichergestellt werden/ Eines der Mittel zttr Sicherstellung der nationalen Rechte der einzelnen Völker erblickt der Kon-Meß im P-roportionalwablstistem fürs Reichsparlament, wie auch für die einzelnen Landtage. Zur Erreichung des bezeichneien Zieles beschließt der Kongreß die Schaffung eines Völkerbundes behufs gegenseitiger Unierstützrmg in dem Kampfe um die nationalen Rechte dar einzelnen Völker. Dieser Völkerbund wurde arich gleich auf dem Kongresse gegn'mdei. Es wurde ein, Komitee eingesetzt, beffcTc Ausgabe es ist, eine Konferenz der Delegierten aller demokratischen Parteien und Gruppen, die die national e A uto - u o m i e in ihr politisches Programm aufgeniormnen, haben, einzribernfen. An dieser Konferenz könnensich auch diejenigen Nationali-- täten vertreten, lassen, die Mitglieder des Völkerbundes find. Professor v. Liszt über Polna. lieber den Polnaer, Ritualmordprozeß veröffentlicht der Berliner Rechtsanwalt Tr. Arthur Nußbaumdemnächst eine n-mfassonde kriminalpsychologisehUi Ulvte'rjuchttng aus akienmäßiger Grundlage. Professor von Liszt hat zu dem Buch ein Vorwort geschrieben, in, dein er unter anderemfolgendes sagt: „Das Strafverfahren. gegen' Leopolo Hilsner wegen, Ermordung den Agnes Hru.gr in Polna ist bisher das.erste, das, nuten d/.u Gesichtspunkte des Rituatmordcs eingckeitet, zu. der Verurteilung des durch die Volksstimme' Bezichtigten, geführt hat. Die a-kt-en,"mäßige Daustellimg dieses Strafverfahrens ist daher für die Kulturgeschiche des ausklingenden ueunzchnten Jahrhunderts eine Urkunde non, einzigartiger Bedeutung. Allerdings Hit die Staatsanwaltschaft in der erneuten, Schwurgeriehtsvechandlung zu Pisek (.1900) die Annahme eines Ritralmlordes mit E^tWedenheit abgelehm; adeo die' n,ifp\üngliche ÄtvUsMfiwhnic ' und' die erste- Verhandlung vor dem Schwurgericht in K'utteuberg (1.899) stand unter dem. herrschenden Zeichen, der Blutbesehuldiguug; dieses dem Strafprozesse gegen Hilsn-ev von allem Anfang an gegebene Gap rüge hol die Staatsanwal.schaft nicht wieder zunehmen vermocht. Indem sie das Motiv des Ritualmordes preisgab, beraubte sie sieh der Möglichkeit, die dem, Angeklagten' zm- Last gelegte Tat psychologisch zu erklären': Fün die Annahme eines Lustmordes, aus die sich die Anklage irr Pisek stützte,, fehlte es an, jeder ausreichenden Gru-ndlage. Und dennoch die Verurteilung wegen Mordes! Als Ritualmordprozeß wird der Fall Hilsuer in der Kulturgeschichte for:leben. Tie Ueberzeugun.g des Volkes, daß Christenblut zri jüdisch-rituellen Zwecken beschafft werden sollte, hat den Verdacht auf Hilsner gelenktz von dieser Ueberzeugriug ist die private Uirtersuchuirgskoiuniission ausgegangen, als sie, neben, dem behördlichen Verfahren, das Belastungsmaterial gegenden Beschuldigten zu gewinnen suche; von dieser' Ueberzeugrmg sind die Aussagen der Zeugen, getragen; in ihr liegt auch die Erklärung für doir sonst kaum begreiflichen Wahrspruch der Ge-schwornen. Aber nicht mrv dem, Kulturhistoriker/ sondern, auch dem Kriminalisten bietet der Prozeß Hilsner ein außergelvöhnliches Interesse. Er liefert einen Beitrag zur Psychologie der Aussage, der alle theoretischen! Anseinandersctznngen über dieses Thema und alle erpeviincnifeUcn. Unter suchuugeu in den Schuten stellt. Der. Verfasser hat es verstanden, auch diese Bedeutung des Falles in das richtige Licht zu setzen. In anschaulichster Weise zeigt er uns an der Hand der Akten die Macht der Suggestion.; wie aus dem Volksabevglauben heraus die Phantasiebildet in den- Zeugenmissagen entstehen, wie sie immer festere. Gestalt gewinnen, anschaulicher werden und zahlreichere, kennzeichnende Einzelheiten ausniehmen-; wie nach langen Monaten neue Zeugen sich melden und unter ihrem, Eid über entscheidende Tatsachen berichten, die sie bis dahin unbegreiflicherweise bei sich! behalten haben; wie die Maschen des .Netzes immer enger werden, das sich über den Verdächtigen, zufammenzieht. Die Kriminalistik kann reiche Velehrnngi und vielfach neue An-regung aus dem Buche schöpfen, und so möchte ichdas, gründliche Studium, der Schrift den Gebildeten aller Kreise, ganz besonders aber unse>ren, -heutigen Strafrechtspraktikern ivärmstens empfehlen. Es' ist keine Tendengschrift, was der Bersafser uns geliefert hat, sondern! eine nüchterne, streng wissenschaftliche, überall auf dem slkteninhalt sufzeude Darstellung eines der interessantesten! und lehrreichsten P'wzeffe aus dem letzten, Viertel des neunzehnten, Jahrhunderts. Dik snmrhaib des Zionismus. In einer von den Wiener „Poale Zion" ein-bevusenen Berj-aminlung äußerte sich der bekannte Sch ris ist etter und Führer der „Poale Zion" PriraLdvaent Dr. Pasumnik aus Genf in klarer und eindringlicher Weese Wer das Verbältnis der „Poale Zion" zu-m Zionismus. In WesteuroM ist -öle großlrttge A-usdc>lmiuU-g, Sie. Aie, poaleztonks-tsche Oraaniisariou in Rußtand, Enswn-, dtmercka und teistr-ene auch in (^aligien erfahren ÄU, nur zu kvenig bekannt un>d irtr bedauern es, daß mir mit Rüclsicht aus den knappen Raum dle interesiantcn AnL'i'übrnngen des Herrn Pasmaniik nicht vollintzaltttch nckcderaeben können. ,Dr. Pns'manik sagte unaesÄhr solgendes: Der zion-i'sti.schen divb-eiteror-gan>isaki'on „Poale Zion" steten 5-iuci Gegner entgegen: die offiziellen Zionisten und die Toz-ialdem-vkraten'. Die oß,Wellen ellonksten sagen, daß durch die B-iWung einer ans dem .ttkassen-stülldp.nnlte basierenden separalen Organistition die Einheit der Partei gestört und wegen der verschiedenen im Zionismus vereinigten Gruppen durch die Hervovketi-vnng der ans die Verbesserung der dkvnomi'schen Lage abzieteriden Lestrebungen, Reibnugsflächen entsteseu, die eine größere Klu'st in-nerliald der einzelnen 8-chssen des Zndent'nms verursachen. Demgegenüber steht die Ansicht derhervorragendsten ossizietten Fs'chrer der Zionisten, eines Herr! s. A., eines Norda'n und des leibhaften Bourgeois Ussischlin, die von dem Wachsen der po-aleziivn.istischerr Organisation jederzeit mit großer Freude erlstkhren halben. Dies sind attefdiings rveitansschanende Pokitiker und b<',greisen ganz gut, daß -man den» jüdischen Proletariat nicht z.mn>uten darf, seine ivirl,sch-astlichen Bedürfn-isse, die e-in^ka und allein durch den ttnnttterbrvchenen Ka>"vs gebessert werden tön neu, zu vernachMsigen, alldrerseitS erkennen sie in eineni jüdischen, »vohtorganisieriett Proletariat eines der »vertoottsten Elemente, dein bei derc Geuriinnnn-g unserer Heimat die »dicht,igste Ausgabe znfalle»» muß. Je höher es entwicheltz je besser sich seine VerHältnisse gestalten, im» so »vertvotter. Der ,stlassenka»»rps mufj aber gefiihrt werden, »veil dkonomi-sche Interesse»» des Proletariats nicht durch Lenlinieniatität, sorcheril durch Organisation t»r»id sortivh'hrenden r>la»nps gegen den KapitaVis- »>ms gefördert werden. Die Soz-ialdemokraten kölinet» »viedernin nicht begreifen, »oie proletarische zllassen'kümpser znstrmmen mit der z-ioutstischeu Die nächste Rümmer erscheint Freitag den 26. Jänner. -»*

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