Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 4 (16.1.1906)
- Date
- 1906-01-16
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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. Sv. t Wort. In einem nach Form und Inhalt trefflichen Mahnruf trat die Rednerin ftir die Forderung ein, die Frauen als Helferinnen an dem holzen Bau des sozialen Fortschrittes innertiolb -er lHemein'de-Armenpflege teil« eh men zu lassen. Während der Staat längst die Erfahrung gemacht hat, das; die Frauen seine Pioniere in der Armenpflege sind, die eva n gelt sch«n und katholischen Gemeinden ihre weiblichen Mitarbeiter nicht »ne.hr entibehreii rnöchterr, miifsen die j ii d ische n Frauen, die tausendfach bcivicstn haben, das; auch sie eilt Herz haben für das jüdische Volk, noch seitab stehen. Um diese Forderung in bi« Praxis rimzu setzen, sollten die Frauen zunächst durch unentwegte praktische Tätigkeit berv-eiseii, daß sie fähig sind, ans dein Geriete der .Armenpfliege Gleichwertiges mit den Männern zu leisten, derer, Arbeit zu ergänzen, irr'dem sie dort, wo männliche Kraft und Energie versagen, mit iweiblicher Milde nnd zäher Ausdauer einsetzen. Tie geistigen und geistlichen Führer der Gemeinden sollten ihren Einfluß dahin geltend machen, hast den jüdischen Frauen gleiche Rechte eingeränint rverden, wie sie die evarrgekischen und katholischen Gemeinden ihren Frauen freudig zngcflarrden haben. Endlich sollte der Frauenbund die führenden Vereinigungen innerhalb der deutfchen Judenhert, wie der Deutsch-Israelitische Gemeindebund, derr Orden B'ne Brtth und den „Verband der deutschen Juden" veranlassen, die Gerneiadevorstände der Erfüllung der berechtigen Forderungen geneigt zu machen. In Hamburg sei ein Antrag, dast sowohl weibliche Familienmitglieder von Gerneindemitgliedern die Gemeiudeangehörigkeit besitzen sollen, das; ferner auch Israelitinnen selbständig die letztere erwerben nnd alSdann in den Schulvvrstanid urrd in die Kommission für Wvhlfahrtsnnd Arrrrenpsteg« gewählt rverden können, bereits in der zweiten Lesn-rrg der Kommission und rvevde vvräuslsichtlich angenommen werden. — In der Diskussion gab Frau Julie Reumann-Berlin erneu U eberblick über die Tätigkeit der Fräuen innerhalb der hiesiger, Wohlfahrtspflege. Den Schluß des ersten BerbandstageS bildete die Beratung der Statuten, welche mit einigen Aenbernngen angenommen, zur endgültigen Festsetzung des Wortlautes aber noch einem RedaktronSkornitee itbevmieisen wurden. Der zweite Tag der Beratungen war zumeist der Eelediguug von Formalie» gewidrnet. Als Sitz des Bnrrdes ronrde Berlin bestimmt, und hierauf in geheimer Wahl der Vorstand folgert« r matzen zusarnn,«»gesetzt: Fräulein Bertha PapPenheim^Franklsurt a. M. lVorsitzerrde), Fränleiu Sidorrie Werne r-Haiuburg tStelluertreterinj, Frau Direktor May-Berlin lSchriftsührerin), Frau Dr. Höxter-Fra nkfnrt a. M. lStellvertreterirr), FraU Dr. Frankl-Berlin tKassenführerirrj, Frau Levy-L'eipzig lStellvertreterin», Frau AltmaUn-Leipzig, Frau Rabbiner Dr. Vogelste'irr- Stettirr, Frau Pros. Horowitz-Tlivrii, Frau Lea Ealvary-Pofen, Frau Bluurberg-Dessan. Einer Anregung der Fra» Schmul->Svlda», welche die Unterstützung der kleinen, au der russischen Grenze befindlichen Frarienuereine als dringend uotrveridig bezeichnete, folgend, beschloß die Bersarnrnlnilg, die spezialisierte» Verzeichnisse der Allslagen dieser Vereine den, „Hilss verein der Deutischen Juden" zu übergeben und die Berücksichtigung des Gesuches um Unterstützung zu empfehle». In die auf Antrag der Frau Dr. Höxter errichtete Pvvpaganda-Zeirtrale wurden gewählt als Vorsitzende Frau Dr. Höxter nrrd Frau Schlesinger-Fmn'ksnrt a. M., als Beisitzerinnen Frau Rabbiner Dr. Eschelbacher, Frau Klara Jordan, Frau Ferrrbach-Berl'in und Frau Lebri-Leipzig. Fräulein Pappenheiin empfahl, bei der jetzt beverstehenden Unterbringung russischer Waisenkinder sich nach frästen zu beteilige», jegliche Soriderbestrebnngeii zur Förderung dieser umfasse»- deu Hilfsaktion zu unterlassen und alles einschlägige Material, wie die Angabe non Fainilierr oder Waiferihänfern, welche zur Aufnahme dieser Kinder bereit sind, dem Frauenbünde mitzuteiten, der es an das demnächst zu errichtende inte rii a t i v n a l e o ‘ft p r e n st i s rh e H j t f s k v m itee rveitergeben wird. Es wird als sicher augenommeu, daß das letztgenannte Könntee auch ein internationales FraneNtvuutee einsetzen rvird. Die Versammlung erklärte ferner ihre Znstiinurung zu einem 'weiteren Anträge Pappenheim, mit rltücksicht lui'f die infolge der Jndustriäl'isierung und Pauperisiernng der Massen, wohl auch irr folge der sinkenden Religiosität, mehr und mehrzuriehmeude Unsittlichkeit die.Errichtung eines fc Aiatitmalschmig H eimS für sittlich gefährd c te oder bereits gefallene Frauen u n d M ä dche n irr ländlicher Gegenin die Wege zu leiten. Der von der Aniragstellerin ausführlich begründete und näher erlärrterte Plan wurde einem nennglicdrigen Komitee zur Vorberatung überwiesen. Fndlfchc Anthe«Ur«. Wer icum nicht die Gestalten mit prorrvucierl )üd'ischen, Typus, die sich .mit einem gewissen Stolz irr die Brust werfen und nicht müde werden, zu rviederholen: Ich bin ein Anti-semit! Wer kennt nicht die jüdischen Antisemiten, die sich leider n'ichr aller Geurcinischaft mit derr übrigen Juden los° strgen wollen und doch immer und immer auf das Jnudettm, und die Juden schimpfen, immer bereit sind, in den Ruf „SUeder mit der, Irrden!" eiuznstimmen ... Es gibt rvohl wenige, die diesen D?eu,schenschlag nicht kennen rvürderr — aber alle, die ihn nicht lennen, verabscheuen ihn und rvenden sich mit Ekel von ihm ab. Diese jüdischen Ankifemiten körrrren aber auch schädlich sein. 3licht, indem sie auf irgend eine Weife die rrrchtjüdiische Bevölkerung bceinflussen rviirden, sondern irrsolge ihrer Wirt'samFit in jüdischen Kreiserr selbst. Es mag dies anfangs zwar paradox klingen, denn es will wohl niemarrdem cirrleuchten, daß echt jüdische Kreise jüdische Anti>sem>iten unter sich dulden könnten, nichtsdestorveNiger ist den, aber so. Jnisolauge an kompetenter Stelle die anti'serrntische Gestrrnnng der im jiidischen Dienst stehenden Person nnbekaunt ist, vermag UsbermaNschel im Sinne seiner „Prinzipien" zu rvirken. Wenn es natürlich laut rvird, wenn feine Grundsätze 'mal in die Oeiffentlichleit dringen, dann natürlich hat auch seine Stunde geschlagen — oder es sollte rveiugstcus so sein. Am gcsährlichsten kan» Uebermauschel als JUgendbildner rverderr. Wo eine selbstbewußle Jugend feilten Einfluß nicht zu paralysieren weiß, dvrt richtet er unersetzlichen Schade», an, dort züchtet er eine ihm ähnliche,Brut. Man kann datier nie genug ans diesen Krebsschaden Hinweisen und vor der Anstellung solcher Individuen in jüdischen Diensten warnen. Weil die ,Fäht der jüdischen Antiisemiten in Pädagogenstelluttgen keine geringe ist, will ich einige Daten dekanutgeberr. die ich aus der verläßlichsten Quelle erfahren habe, um die jüdische Qesfentlichkeit behufs Darnachrichtung aus ähnliche Fälle aufmerksam zu mache». Tie Fälle, die ich im riachstdhenden wiedergeben will, ereigneten sich in meinem Geburtsu'rrd Anfentlialtsört, in Esseggl Kroatien). Ta ist Z. B. an der jüdischen kon-sestionellen Bokksschule ein gewisser Herr S o n n e ns ch e i n angestellt, der ans Ungarn nach Kroatien kam und sich entgegen aller Assiinilantengekvohuheit auch hier noch als Kerninagyare geriert. WaS Wuuder nun, wenn er als Magyare keine Sympathien nuferen m Rußland hingemordeleu Brüdern entgegenbrillgU?! Warum aber päpstlicher als der Papst selbst sein, marUin aber die Judeninetzeleierr in RUßlstnv gutheißcn, den rnffischen Juden noch mehreremal Kischeneim, Hourel, Odesia us'w. wünschen? Solcherart sind die Auswüchse der Assimilation, die ihr »atioiiales Bänd nicht anders zri verleugnen vermögen als durch Besudelung der durch Vlnlgcme'iuschast mit ihnen verbundenen Personen. Qb solche Lehrer im ,vahrhast jüdischen Sinne auf die ihrer Obhut anvertrauten unschilldigen Kinder wirken können, will ich dahingestellt sein lasserr. — 9lm Essegger Reglgymnasinlrr ist der Lehrer der deutschen Sprache und Literatur ein Jude unmens Viktor He um er. Das ist ja an und für sich nichts Schlechtes und auch nichts Außergewöhnliches mehr. Ihm obliegt außerdem die Beaufsichtigung der Mittelschüler »vährend des Schülergottesdienstes im Tempel, wofür er alljährlich 100 Kronen von leiten der Kultnsgemeinde bekommt. Das ist schließlich auch schon dagerveseri. Supplent Heunrer schreküt hie und da in Essegg Blätter — wer mag ihm wohl diesen Spaß übelnehmerr? Der Jude Henmer, besoldeter Aufseher der jüdischen Mittelschntjugend im Tempel, verössentlicht aber Erinnerungen an „Weihnachten in Gospie" iKrv- Eriunernngen an „Weihnachten iu Gospie" l.Kroatien) und „Weihnachten und Siloester in Wien", Was rn'ag wohl der Jude Heumer über Weihnachten zu sagen ha'berr? Bitte nur zu hören! „Das Weihnachtssest ist ein Familieuscst par exeelleuce. Wein es mir irgendnne möglich, verbringt dasselbe im Kreise seiner lieben Angehörigen. Wer aber von den Seirrerr zu entfernt bder ivern das Glück nicht mehr zuteil wird, seinerr tränten Familienkreis ansfrrchen zu körrrren, der firrdet ineistenteils in der Farnilie guter Freunde herzlichste nrid gastsreurrdlichste Ansriahrrie." UriÄSuppleut Herrmer hat eirre christliche Farnilie gefrrrrderr, in deren Kreis er das „hehre" Weihrrachtssest feiern konnte. Um Niitternacht ging es natürlich zur Mette, ivv er mit Tenorstiurme „in geübter rrrid kräftiger Weise" in das Weihrrarhtslied eillstirnmt. Interessanter jedoch ist des Inden Heumers Erinuenrrrg an Weihnachten in Wien, die er bei seinerr» getausteu Bonder verbrachte. Desserr Kinder konnte er nie genug „heimatlicher Volksnrärcherr" erzähleri uitd arrf der „Tarnhnricg" lein kroatisches Ndtivnalinstrrkmentj Vorspielen. Daß er seinen Resser, nrrd Richter, als Weihuachtsgesch'enk „Likauerkäppcheri, die derr Krrirpscherr reizend zu Gesicht stauderr", rNitgebracht hatte, kann wohl riieinariden 'ivurrderuehrnen. Ein einziges Mal bloß fällt Snpplerrt Herr- .e mer »ns der Rolle und verrät seine Abstammurrg. Zu Wieihnächten erhielt er von jü .Hau>se ein Ktstch«n verschiedener LeckeobisieN, darunttt einen gebratenen Indian, zwei prächtige GanslSbern . . . Supplent Henmer gab sich leider mit der Auszeichrrnng nicht zufriederr, daß feine „Erirruerrrngen" überhaupt Veröfsentlich-nug fanden und versuchte, feine Vertzimirielung des Weihnachtsf.'steS auch in die Schule zrr übertragen. Bor Weihnachten gab er jcinen Schülern einer, Aufsatz „Jrrtciuarwnale Weihiiachikgebrärrche". Iu j^inein Malheur befarrden sich jedoch unter seinen Zöglingen auch mehrere Inden, zumeist voll jüdi- Ichen Lest-stbewusttceitttz. Diese natürlich erhoben Widerspruch gegen ein solches Thema, über welches sie völlig urrorrentiert waren. Sie verlangten, über die Bederrtrmg des Ehanntafestes schreiben zu dürfen. Ter Juide Heumer zog die Stirne in drohen'de Falten und wies das freche Verlarrgen feiner jüdischen Zöglinge mit Entrüstung zurück. RlchtSöesto'lveniger schrieben dies« aber über Ehannka . . . Vor cinigell Tagen zeichnete sich der besoldete Terrrpelanfscher der Mittelschnljrrgend noch durch folgendes Kunststlückchen arrs. Während seiner Vortragssturrde mar in der Klasse ein Geräusch und Gemurmel vernehmbar. „Benehmt crcch nicht so, als wäret ihr im jüdischen Tcurpcl!" schrie der Jude Heumer die christlichen und jüdischen Schüler an. Ein Jude erhob sich sofort, um im Namen seiner jüdischen Kollegen gegen dieses Vorgehen seirres Glaubensgenossen zu protestieren und erklärte: „Sie dürfen weder unsere Religion noch unseren Tempel entehren, deurr dadurch fetzen Die nicht nur sich, sondern auch uns herab! Insbesondere vor Christen!" Supplent Henmer stürzt wütend auf den Studenten los, dessen Protest von derr übrigen Schülern ausnahrnslos mit Beifall ausgenommen wurde, indem er mit bebender Stimme ruft: „Sic rvollerr mir das verbieten?" Rasch entschlossen ergreift der Schüler seirren Lehrer an der Brust und mit einertt kräftigen Ruck stößt er rhu an die Wand. Und bald 'daraus erstatten die jüdischen Studenten bei ihren, Kkafsenvorstande die Anzeige gegen ihren Lehrer. Srrpplent Heumer erteilt urittlerweile seinerr „renitenten" Tchülerrr „zweite Reihe" und versieht die Stelle als besoldeter Ansseher der jüdischen Msttel'schnljugett-d während des Schülergottesdierrstes rin Ternpel ... -Solche Fälle stehen ziveifellos nicht vereinzelt da. RlMr müßte mit mehr Achtsamkeit als bisher solche Fälle anssindig rnachen, um unseren Rachivnchs vor Entfremdung von seinem ureigensten Wesen, dem Indentrrm, zu schützen, denn nichts kann gesährlichcr rverden als jüdische Antisemiten, tätig in jüdischen Kreisen. E. K. (Essegg). Vermischte Nachrichten. Wie». (Chesed schel Enrcs.) Am 27. v. M. 6 tlhr fand im Berernslokale „Cafe Schvenderhof", 14., Mariahilferstr. 189 (Besitzer Herr Anton Stern), die erstmaliqe Bekleidung des aitläßlich des 30. Gründungsfestes des hiesigen Vereines „Chefed fchel Emes" nenbegründeten Zlveigvereines zur Bekleidung armer israelitischer Männer und Frauen für der, 12. unh 15. Bezirk statt, bei der 10 alte Männer und tO alte Frauen mit Winterkleidern reichlich atisgestattet lvurden. Die sehr erhebende Feier wurde von derr. Obmanne Herrn Cafetier Anton Ster n mit einer Rede eingeleitet, in der er den zahlreich erschienenen Gästen für ihr Grscheinerr dankte. Er wendete sich dann mit einer Ansprache an die Bekleideten nnd bat sie unter guter Beziehnng auf den Satz: „Wehodarto pene soken" mn Entschuldigung, daß man das Alter hier förmlich zur Schau stelle, dies aber keine E h rf u r ch t s v e r l e tz n n g zu bedeuterr habe, sondern mir Wohltätigkeitssiim augenscheinlich demonstriere,^ das lmmane Wirken sichen lasse, sich aber selbst zeige, mir mn Astchahmring und Förderung für den gute» Ziveck zu findeit? Rach der mit lautern Beifall ausgenommenen Eröffimngsrede sprachen als Delegierter des Vereines zur Bekleidung armer, alter Männer für den 2. Bezirk Herr L Ö w i t lvarine Worte der Begrüßung, Herr Samriel Rc o h r, Obmann der Bezirkskonnnission für den 12. und 15. Bezirk, dankte für diese Nerrschaffurrg auf humanitärem Gebiete für dert Bezirk und Herr Moritz Weiß, Obmann des Vereines „Chefed schel Eures", der das Wirke» des Herr» Anton S t e r n feierte. Der letztere hat iu rühriger Weise ein Dameukomitee inauguriert, besteheud aus den Damen Frau Dr. D r u ck e r, S a i iif e l d, B i r k e n f e l d, Li e b e r rn a n n, ä r z, Frau Dr. B l e ch. W e st r e i ch e r und S ch tl b e r t, die Spenden fleißig fammcl ten nnd bei der Bekleidtmgsseier den alten Männern nnd Frauen selbst Erfrischrmgeii servierten. Die „Maiionaizeitung“ erscheint wöchentlich 2mal und kostet vierteljährig K 3.