Nationalzeitung
- Journal
- Nationalzeitung
- Volume
- 1906
- Issue
- Heft 2 (9.1.1906)
- Date
- 1906-01-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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RatiomlzeitM Organ für die gesamten Interessen des jüdischen Volkes. Erscheint jeden Dienstag und Freitag. KiWliimr »rt KrmiisgeKkr: Jakob Kraasz. Inserate übernehmen dl« firmen: 3. Vannel-erg, M. Dukes Nachfolger. Haajenstei» L Vogler. Kudolf Masse. M. Pozsonqi, N. Schale! kn Wien, ferner alle Annoncen.Expeditionen im Kuslande. Einzel - Nummer in Wien 15 $cüer. 93eticMeiftfteÜen unseres Biattcs. in welchen auch Abonnemcrts ent^egcngenonnnen werden: Hermann Goldschmidt, Wien, I. Wotlzeite 11; Vertag „Zion" '; p Wien,! 1/3, Stcfaniestraße 12; Robert Weiß, Wiel,, I. Jakobergasse 7. Ur. ü. Wie«, u. Jänuer 1906 <1Ä. Erdet 3666). vm. Jahrgang. —-—« Redaktion: IX/1, Wasagage 81. Telephon Nr. 147SS3. Sprechstunden r An Wochentag.« von 10 bis 12 Uhr vorm. Postadresse: „Notionalzeitnng" Wien. IX|i. Btscbwcrdtn wegen verspliieier oder gar nicht erfolgter Znstellung erbitten wir »ns dringend. — Manurdripte weräen niedl rutiielrge-lelll. Postsparlasfen-Konro 47037. In das Abonnement kann man täglich cintreten. I-—-& Administration: Telephon Abonnements-Preis: Für Wien n. Oesterreich- Nlniorn s. Irankozuitillliiij,: Ganzjährig.... X 1». - Halbjährig .... X vierteljährig . . . K 3.— Kitr das gesamte AnSl b Ganzjährig . . . K 45.18 IX/l, w Mag aste 31. Nr. 14783. Preis der Anzeigen: l Diebma! gcspalt.Nonparr!llczeile oder deren Raum 12 h. „Eingesendet' die 3spa''.ige Nonparcillezcile SO Heller. Bet mehrmaligen Aufträge» entsprechender Rabatt. Kn die Juden Wiens! Sonntag den 14. Iänner 1906, vormittags 7*10 Uhr, finden über das Thema 44 folgende Volksversammlungen statt: 1. KnÄsaaL Rorracher»!.» JchMnSgaße. — Referent ör. med, J. Schallt. 2. Hotel Savoy. Vi., Mariahttferstratze 81. — Ueferrnten: Richard KappaporL, Dr> Trust Franz Weist 3. Hotel Union» tX.» Unstdorferstraße 23. Referenten: Hr. Mnnl Wriftugriin, Unthun Groß. Die Einberufer: Mathias Acher (Dr. Nathan Birnbaum). Lucia» Brunner. Dr. Emil Krasny Dr. I. Marguties. Herm. Müller. Dr. M. D. Schnirer. Neichsratsabgeordn-ter Dr. B. Straucher. Dr. 3t Wagner. An die religiösen Inden. Von Dr. Paul Weisengrün. Der Augenblick ist gekommen, wo alle Juden ihre Reihen, fest znsammenschließen müssen, denn 0er große, heil ge Kampf um das Volkstum, hat begoniwn. In diesem .historischen Momente wende ich mich au die ^ligiösen Inden und fordere sie auf, mitzujstjreiten. Ich weiß, daß eins ganze Welt von Bedanken uns trennt und es geht nicht gut au, vorhandene Gegensätze verschleiern zu wollen. Aber ich irr iß auch, das; ebenso eine ganze Wett von Empfindungen uns verbindet und fest verknüpft. Auch die religiößn Juden lieben unsere stolze Vergangenheit, auch in ihrem Innern zittert es heftig mit, wenn von den Makkabäern die Rede ist, auch sie lieben das Judentum und wollen es mit aller. Macht erhallen. Wir kämpfen. um die nationale Autonomie! Die Gleichberechtigung des einzelnen Juden geilügt uns iiicht. Wir wollen, an die Gleichberechtigung die Gleichwertigkeit des jüdischen Volksstammes mit den anderen Nationen Oesterreichs anknüpfen. Der Moment dazu ist gekommen, die politischen und wirtschaftlichen Uinstände begünstigen unsere Ford.rnngen. Schon, haben die anderen Völker größtenteils ihre Stimmen dafür erhoben, nur die Inden selbst zögern, schwanken, sie wollen sich nicht zu ihrem Volksstamme Lereuiicn. Wir aber rufen, ungeachtet all dev Schwierigkeiten, unbekünnnert lim die Angriffe gegen: imfive Sache und gegen unsere Person, den Inden zu: Der Augenblick zum- Handeln ist gekommen, sei ein Volk wie die anderen Völker, Inda! Es kann hiev nicht meine Aufgabe sein, die politische und wirtschaftliche Seite des Problems zu b.leuchten, wir werdenin diesen Blättern, wir. werdenin hunderten Versammlungen, die wir i» ganz Oesterreich abbalien werden, über die nationale Autonomie. über die Jwage der Notwendigkeit, über das Probtein des politischen Nutzens, die Taktik nsw. schon ausführlich genug reden. Ith wende mich wieder an die religiösen Juden und frage: Warum steht ihr abseits, warum kämpfet ihr nicht mit, wenn es gilt, das Judentum zu erhalten?! Ich kenne die Antwort im voraus: „Mit Inden, die zum Teil ihre Religion nicht halten, mit den Nichlsrommen und Ungläubigen wollen wir nichts zu tun haben. Kann uns das nationale! Judentum denn so viel sein, daß mir darum allein mit Inden uns an den grünen. Lisch scheu und mitberaten, die die Ritnalgesche mißachten? Dürfen wir denn mit Stammesgenossen mitstreiten, die unsere dogmatischen Glaubenssatzimgen außer acht lassen? Nicht alle von euch sprechen so, aber gar viele, und an' diese mentbe ich mich. Niemand wird bewußt eure Gefühle verletzen, aber auch ihr dürft von niemand verlangen, daß er heuchle und Gefühle Vorspiele, nur um euch zu gewinnen. Ja, das nationale Judentum ist wichtig genug, ist groß genug, daß man sich mit nicht strenggläubigen Inden an einen Tisch setzen kann. Und wenn ihr uns nicht glaubt, so glaubt euch selbst, so glaubt dem Talmud: „Ein Jude, wenn er sich auch gegen die Gtanbenssatznng.ii vergeht, bleibt doch ein Jude." Auch der Talmud erkennt an, daß das nationale Jndentnm vor dem religiösen Jndentnm gehl. Ihr könnt und dürft und müßt also auch mit nicht streng Die nächste Rümmer erscheint Freitag den 12. Jßnner.