Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVIII (1916)
- Issue
- Heft 1 (1.4.1916)
- Date
- 1916-04-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit^6____ „Neae N^pnal-Zeitog" Nr. 1 Es hat sogar durch die Schaffung von Abendkursen zur Erlernung des Türkischen eine Weiterung erfahren, an denen zahlreiche deutsche Offiziere teilnehmen. Ein Gegenstück dazu bieten die gleichfalls vielbesuchten deutschen Kurse für Türken. Todesnachrichten. Nach kurzein schweren Leiden infolge einer Magenblutung ist der Wiener Arzt Dr. Tobias Potiikwer, Chefarzt eines k. u. k. Reservespitals in Korneuburg, im Alter von 48 Jahren verschieden. Dr. Ponikwer, der sich sein Leiden in hingebungsvoller Ausübung seiner Berufspflicht zugezogen hat, war ebenso ein guter Mensch wie ein guter Arzt. Sehr bescheiden und zurückhaltend in seinem Benehmen, fand er die vollste Befriedigung in der Ausübung seines Berufes, der es ihm ermöglichte, den ärmeren jüdischen Schichten näherzutreten und ihnen zu helfen. Als ärztlicher Beirat der Wiener Filiale der „Hamburg—Amerika-Linie" nahm er sich der russisch-jüdischen Emigranten besonders warm an. Anläßlich der Gründung des „Verbandes der östlichen Juden" in Wien übernahm er dessen Sekretariat. Ehre seinem Andenken! Der Todestag von L. J. Perez. In der letzten Woche des Monates April wurden in allen Städten Russisch-Polens Todesfeiern und Trauerkundgebungen für den vor einem Jahre verstorbenen Dichter J. L. Perez veranstaltet. Es kam dabei die tiefe Trauer der breitesten Bevölkerungsschichten über den großen Verlust zum Ausdrucke, den das Judentum durch den Tod von Perez in literarischer und politischer Richtung erlitten hat. Zum Oberrabbiner von Straßburg hat das jüdische Konsistorium durch einstimmigen Beschluß den Rabbiner Dr. Emil Levy, der zur Zeit im Felde ist, gewählt. Rabbiner Dr. Levy, der bisher an einer ziemlich orthodoxen Gemeinde in Charlottenburg gewirkt hat, ist durch diese Wahl zugleich Mitglied der ersten Kammer in Elsaß-Lothringen geworden. Der Hilfsverein Deutscher Juden. Unter dem Vorsitz von Dr. James Simon fand am 10. d. M. die Hauptversammlung des Hilfsvereins deutscher Juden statt. Dr. Paul Nathan erstattete den Geschäftsbericht für 1916. Die Hilfstätigkeit für die besetzten Gebiete von Polen, Litauen und Kurland hat den Verein außerordentlich in Anspruch genommen. Es wurden zehn Reisen zur Feststellung der Not und zur Organisation des Hilfswerks unternommen. Von den zwei Millionen Juden, die zurzeit in diesen Ländern leben, sind etwa 700.000 unterstützungsbedürftig. Seit Kriegsausbruch wurden rund 2% Millionen Mark, die größtenteils aus Amerika kamen, unter sie verteilt. In 225 Ortschaften sind Volksküchen, Teehallen usw. eingerichtet worden. Um nur der allerschlimmsten Not zu steuern, ist eine halbe Million Mark monatlich erforderlich. Wie der Berichterstatter rühmend hervorhob, haben die humanitären Bestrebungen des Hilfsvereins bei der deutschen Militär- und Zivilverwaltung volles Verständnis und weitgehende Förderung gefunden. Das Schulwerk im Orient hat auch in der Kriegszeit fortgesetzt werden können. Der Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Kattowitz, Herr Dr. Jakob Cohn, ist am 23. d. M. im 73. Lebensjahre verschieden. Der Heimgang dieses in den weitesten Kreisen des deutschen Judentums hochverehrten Mannes bedeutet für die Synagogengemeinde Kattowitz, in der er über 44 Jahre segensreich gewirkt hat, einen äußerst schmerzlichen Verlust. — In Petersburg ist im Alter von 77 Jahren der Shitomirer Rabbiner .1. J. K u 1 i s c h e r gestorben. Sein letztes bedeutendes Werk war das „Sammelbuch aller jüdischen Namen in Rußland", veranlaßt durch Stolypins Erlaß an den Synod, daß die Juden keine nichtjüdischen Namen tragen sollen. Hilfskommission 1914 für Palästina. W i e n, IV., F r a n k e n b e r g g a s s e 14. Gedenket der hungernden Brüder im Heiligen Lande! Die Hungersnot in Palästina ist auf das Höchste gestiegen. Die k. u. k. konsularischen Vertretungen in Jerusalem und Saffed haben uns telegraphisch um 150.000 Kronen zu Mehlankäufen ersucht. Ein hohes k. u. k. Ministerium des Aeußern hat mit einer hochherzigen Spende die Sammlungen für diesen zugleich menschenfreundlichen als auch patriotischen Zweck eröffnet und fördert sie weiter durch tätige Mitwirkung. Gleichzeitig hat die Spitalsnot in Palästina erschreckende Formen angenommen. Die Kranken sterben aus Mangel an der nötigen Behandlung und Pflege auf offener Straße. Jüdische Männer und Frauen! Die Fürsorge für unsere Brüder, die als Pioniere jüdischen Geistes an den heiligen Stätten unserer Vätergeschichte Wache halten, war seit den ältesten Zeiten eine der vornehmsten Aufgaben der jüdischen Gemeinden. Wenn unsere Weisen lehren: „Die Armen deiner Stadt gehen anderen vor", so wollen sie unter „deine Stadt", „unser heilige Stadt Jerusalem" verstanden wissen. Insbesondere war Wien ein Mittelpunkt dieser Palästina- Fürsorge. In dem alten Memorbuch der Wiener Gemeinde wie in den Statuten der Wiener Chewra-Kadischa wird von diesen Spenden gehandelt. Die Palästina-Stiftung Samson Wertheimers, des berühmten kaiserl. Oberhoffaktors, besteht noch heute. Die alten Satzungen der mährischen Gemeinden bezeichnen Wien als Zentral-Sammelstelle. Zahlstelle für Oesterreich: Bankhaus S. M. v. Rothschild, Wien, I., Renngasse 3; auf das Konto: „Hilfskommission 1915 für Palästina".