Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVII (1915)
- Issue
- Heft 18 (22.9.1915)
- Date
- 1915-09-22
- Page
- Seite 147 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 18 ______________________«Neue. National-Zeitung" _______________feitei4L An unsere R T. Abonnenten. Unser Herausgeber und leitender Redakteur, Dr. S. R.Landau, wird in allernächster Zeit zur Kriegsdienstleistung einrücken. Aus diesem Grunde sehen wir uns leider gezwungen, das Erscheinen der „Neuen National-Zeitung" für Kriegsdauer einzustellen. Nach Wiedereintritt normaler Verhältnisse, die wir recht bald erhoffen wollen, wird unsere Zeitung wieder erscheinen. Wir bitten alle unsere Abonnenten und Freunde, uns das alte Wohlwollen auch weiterhin zu bewahren. Im Laufe ihrer mehr als siebzehnjährigen Existenz und insbesondere im Laufe der letzten acht Jahre, unter ihrer jetzigen Leitung, war die „Neue National-Zeitung" bemüht, als unparteiisches und unabhängiges Blatt die jüdischen Volksinteressen nach jeder Richtung zu verteidigen, unbekümmert, gegen wen immer der Kampf unternommen werden mußte. Wir haben hiebei namhafte materielle Opfer nicht gescheut, im Bewußtsein, unserem Volke damit zu dienen. Wir glauben, daß sich die „Neue National-Zeitung" in der jüdischen Journalistik unserer Monarchie einen dauernden Platz gesichert hat; nach dem Friedensschlüsse wollen wir an unsere Ideale und Traditionen wieder anknüpfen. Ein vom Geiste der Selbstlosigkeit, Opferwilligkeit und Volkstümlichkeit geleitetes Blatt wird der jüdischen Oeffentlichkeit hoffentlich auch dann willkommen sein. Die Redaktion. Den P. T. Abonnenten unseres Blattes, die das IV. Quartal d. J. pränumerando bezahlt haben, steht über Wunsch der Abonnementsbetrag für diese Zeit zur Verfügung. Sonst wird derselbe für das erste Quartal nach dem Wiedererscheinen gutgeschrieben. Die Administration. Die k. u. k. israelitische Militärseelsorge in Wien. Die Mobilisierung der Armee hat es auch mit sich gebracht, daß, wie in den Wehrvorschriften vorhergesehen, eine entsprechende Anzahl von Rabbinern, und zwar solche, die bereits in Friedenszeiten zu Feldrabbinern i. d. R. oder i. d. E. ernannt waren, zur Kriegsdienstleistung einberufen und überdies auch, infolge der Unzulänglichkeit ihrer Anzahl, weitere Rabbiner zu Feldrabbinern ernannt wurden. Diese Institution der Feldrabbiner finden wir mit Ausnahme von Rußland auch bei allen kriegführenden Staaten, so in Deutschland, Frankreich und England. Sie hat gewiß eine ungeheure moralische und religiöse Bedeutung für den jüdischen Soldaten, dessen religiöses Gefühl und ganze psychische Verfassung gehoben wird, wenn er das Bewußtsein hat, seinen Seelsorger in seiner Nähe zu haben und in jenen allerschwersten Momenten, wo sein Leben auf dem Spiele steht, eine Stärkung seines religiösen Gemütes durch den Feldrabbiner zu finden. Die österreichischen Feldrabbiner sind auch bemüht, ihre Aufgabe zu erfüllen, wenn sie auch, was die Berichterstattung über ihre Tätigkeit betrifft, hinter ihren deutschen Amtsbrüdern zurückstehen. Eine ganz neue, aber ebenso wie die Militär- Seelsorge im Felde notwendige Einrichtung bildet die für das 2. Korps geschaffene k. iL k. israelitische Militär-Seelsorge in Wien, deren Aufgabe sich auf das Hinterland erstreckt. Zur Leitung dieser Seelsorge wurde Prof. Dr. Arnold Frankfurter, der Prediger des Tempelvereines Döbling, berufen, und damit wurde eine Institution geschaffen, die sich ihren Wirkungskreis erst selbst auszubauen hatte und die von umso größerer Bedeutung sein kann, als sie das Fundament einer ständigen Militär-Seelsorge zu bilden geeignet wäre. Von der Annahme ausgehend, daß die Leistungen der israelitischen Militär-Seelsorge für die weitesten Kreise der jüdischen Bevölkerung von Interesse wären, haben wir beim Herrn Feldrabbiner Dr. Frankfurter diesbezügliche Informationen eingeholt, und sind nun in der Lage, hierüber Folgendes zu berichten: Der Wirkungskreis der Militär-Seelsorge, wie ihn Herr Dr. Frankfurter im Einvernehmen mit dem Militärkommando kreirt hat, besteht in Folgendem: 1. Die regelmäßige Abhaltung von Gottesdiensten für Mannschaft und Rekonvaleszenten. 2. Religiöse Feier vor dem Abgange der Truppen ins Feld. 3. Die Verwundetenseelsorge, bestehend in Spitalsbesuchen, in der Versorgung der Kranken mit gewünschten Ritualien usw. 4. Pastorisierung der jüdischen Kriegsgefangenen. 5. Matrikenführung; Vornahme von Trauungen bei Personen, welche der militärgeistlichen Jurisdiktion unterstehen, ferner die Funktion bei Bestattung von Militärpersonen und schließlich 6. Die Erteilung des Religionsunterrichtes in einigen Kadettenschulen des Korpsbereiches. Jeder Zweig dieser Seelsorge-Tätigkeit hat seine ganz besondere Bedeutung für Tausende von Glaubensgenossen, die, sei es ins Feld ziehen, oder vom Felde nach Hause kommen. Sache der Wiener Seelsorge ist es somit, für die ins Feld abgehenden Mannschaften, sowie für die in Wien befindlichen Kranken und Rekonvaleszenten einen Gottesdienst zu veranstalten, die Verwundeten in ihren Spitälern zu besuchen, sie dort zu trösten, ihnen die gewünschten Ritualien zu verschaffen und eventuell bei der Beschaffung ritueller Kost behilflich zu sein. Dieser Wirkungskreis hat mit der Zeit einen derartigen Umfang angenommen, daß dem Leiter der israelitischen Militärseelsorge zwei Feldrabbiner und zwar Dr. Rudolf Ferda (Pohrlitz) und Dr. Ernst Deutsch (Karansebes), letzterer besonders für die ungarisch sprechenden Soldaten, zugeteilt wurden. Von großem Interesse ist es auch, daß die Militärbehörde im Einvernehmen mit dem Kultusministerium der israelitischen Militär-Seelsorge auch die Matrikenführung bezüglich der der Militär-Jurisdiktion unterstehenden Juden eingeräumt hat. Dadurch wurde die israelitische Militär-Seelsorge mit der Militär-Seelsorge der anderen Konfessionen bezüglich ihres Wirkungskreises vollständig gleichgestellt. Sache des jüdischen Militär-Seelsorgers ist es daher, Trauungen von jüdischen Militärpersonen vorzunehmen, bei Begräbnissen jüdischer Soldaten zu intervenieren und ein Totenbuch über dieselben zu führen.