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Neue Nationalzeitung · 1915-08-20 · Heft 16 (20.8.1915) · p. Seite 131

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVII (1915)
Issue
Heft 16 (20.8.1915)
Date
1915-08-20
Page
Seite 131 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 16 ^eue National-Zeitung" Seite 151 Zum 85. Geburtstage unseres Kaisers. Der Geburtstag des Kaisers Franz Josef I. ist auch für die jüdische Bevölkerung ein Freuden- und Festtag. Nicht nur in Oesterreich-Ungarn, sondern überall, wo die Juden geknechtet und unterdrückt sind, werden am heutigen Tage feierliche Andachten oder stille Gebete für das lange Leben des greisen Herrschers verrichtet. Denn Kaiser Franz Josef I. ist den Juden ein Symbol der Gerechtigkeit und eine Inkarnation strengen Pflichtbewußtseins. Als zu Beginn des Krieges die Presse der Entente die öffentliche Meinung durch verlogene Berichte über den Gesundheitszustand unseres Kaisers zu beunruhigen suchte, da brach im Ghetto von New-York eine wilde Panik aus. Die Hunderttausende russischer Juden gebärdeten sich wie verzweifelt; sie versammelten sich in ihren Synagogen und Bethäusern und rezitierten mit tiefster Inbrunst jene Psalmen, die der Wiedergenesung gelten. Und der Monarch, für den sie beteten, war gar nicht ihr Kaiser, sondern vielmehr der Gegner ihres Kaisers. Sie dachten aber nicht daran; ihr Kaiser ist ihnen nur ein Tyrann und ihre tiefste Verehrung zollen sie bloß dem Kaiser, unter dessen Szepter mehr als eine Million ihrer Brüder sich seit einem halben Jahrhundert der Gleichberechtigung erfreut. Seitdem ist ein Jahr verstrichen, ein furchtbares Kriegsjahr, und die jüdischen Massen von New-York hatten reichlich Gelegenheit, die Herrschaft Kaiser Franz Josefs I. mit der Nikolaus II. zu vergleichen, dessen einst ungeheure Armee, nachdem sie unschuldiges jüdisches Blut in Strömen vergossen und jüdisches Gut zusammengeraubt hat, nun zerschmettert am Boden liegt. Die Grenzen unserer Monarchie haben sich inzwischen mächtig erweitert und umfassen neue Ländereien, in denen gerade jüdische Massen zusammenwohnen. Für diese unsere jüngsten Mitbürger bildet dieser Uebergang dasEndeder Sklaverei und die Befreiuung von schwerer Bedrückung. Grund für sie genug, mit uns den heutigen Tag zu feiern, den Jubeltag des Kaisers, mit dessen Namen die Gleichberechtigung der Juden in Oesterreich-Ungarn eng verknüpft ist. Die Verehrung und die Anhänglichkeit der jüdischen Bevölkerung hat sich aber auch während des Krieges glänzend betätigt. Die Juden haben ihre Pflichten als Staatsbürger vollauf erfüllt, sowohl durch ihre gleiche Beteiligung im Waffendienste als auch durch die besondere Förderung der verschiedensten Kriegsfürsorge-Zwecke. Als Opfer der Kriegsschäden und Kriegsgreuel, : welche durch die russische Invasion verursacht wurden, haben die galizischen Juden aber am allerschwersten gelitten; nicht bloß durch den Verlust von Hab und Gut, sondern infolge des monatelang bohrenden Schmerzes, daß sie von ihrem angestammten Kaiserhause losgetrennt werden und unter die Herrschaft ihres Erbfeindes gelangen könnten, mit dem es für sie nie und nimmer eine Verständigung gibt. Nun ist dieser böse Traum vorüber und der heutige Geburtstag des Kaisers ist für die jüdische Bevölkerung noch freudiger denn je. In unerschütterlicher Loyalität dem geliebten Kaiser ergeben, wünscht und hofft sie, daß Er vom Siege gekrönt nicht bloß einen die internationale Stellung unserer Monarchie dauernd sichernden Frieden schließen, sondern sich auch dessen recht lange selbst erfreuen möge, daß aber auch durch diesen Frieden den weitesten Kreisen der bisher unter moskowitisehem Joche schmachtenden jüdischen Bevölkerung die Segnungen seiner Herrschaft zuteil werden mögen. L. Wien, am 18. August. Unsere jüdischen Offiziere.*) Leutnant Jenö Arje. Mit sieben Millionen. Es ist eine Ehrung, aber auch eine ungeheure Verantwortung, wenn einem Manne der Lebensnerv des Krieges, das leidige Geld, anvertraut wird, und ein ungewöhnliches Maß von Pflichttreue und Energie gehört dazu, seiche gefährliche und vom Feinde besonders begehrte Ladung durch alle Fährnisse und Wechselfälie eines Feldzuges hindurchzuführen! Das sechste Korpskommando hatte einen Reserveleutnant, Arje Jenö, des Infanterieregiments Nr. 34, mit der Zurückführung der Operationskasse und anderer Teile des Kommandotrains aus dem unbeschreiblichen Wirrwar betraut, der bei der Loslösung von den Russen bei Jaworow entstanden war. Kosaken waren bis in die Trains gedrungen; dazu gerieten die Wagen auf einer weiten, offenen Stehe ins gut vorbereitete Artilleriefeuer des Feindes, das eine fürchterliche Wirkung ausübte. Die Mannschaft, selber zum Teil verwundet, im Anblick ihrer alle Augenblicke fallenden Kameraden, sollte die aufgeregten Pferde beruhigen, das gefallene Zugtier losschneiden, all das in einer Situation, in die jeden Augenblick die katzenschnellen Kosaken eingreifen konnten. Ein fürchterlicher Wirrwar, in den erbarmungslos die platzenden Granaten und Schrappneils einschlugen, bildete sich; die vor Schmerz rasenden, getroffenen Pferde traten oft auf ihren eigenen Eingeweiden herum; Wagen stieß an Wagen, stürzte oder verkeilte sich scheinbar unlösbar mit dem an- *) A-us dem soeben erschienenen höchst HiiieressaiKeu Buche „Unsere Oiii ziere", herausgegeben vom k. u. k. K r iegs a r c hi v, unter Leitung des Generals der Infanterie Emil v. Woinovich, wollen wir die Heldentaten jüdisch«i Offiziere in unserem Bkitfce der jüdischen Oeifeivtlichkeit bekanntgeben. A n m. der R e i.

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