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Neue Nationalzeitung · 1915-08-06 · Heft 15 (6.8.1915) · p. Seite 128

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVII (1915)
Issue
Heft 15 (6.8.1915)
Date
1915-08-06
Page
Seite 128 (sequence 8)
Language
German
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öeite 128 „Neue NatipjialTZeitung" Mr. 15 KORRESPONDENZEN. Oesterreich-Ungarn. Ein zionistischer Preßprozeß. Budapest. Es ist ja längst bekannt, daß die zionistischen Parteihäuptlinge ihren Stolz, dreinsetzen, den ältesten und verdientesten Zionisten, solchen, die schon in selbstloser Weise wirkten, als sie selbst noch kurze Höschen getragen haben, jecje Parteiarbeit zu verekeln. Diese selbstmörderische Taktik der zionistischen „Führer" — allerdings bloß für die Partei selbstmörderisch — wiederholt sich stets aufs neue und wjr sehen jetzt einen klassischen Fall in Budapest, wo sich vor dern klg. Gerichtshöfe ein zionistischer Preßprozeß abspielt. Wir lesen darüber in der letzten -Nummer der „Ungarländischen jüdischen Zeitung": . „Am 1. April 191-4 hatte der Redakteur des offiziellen zionistischen Organs, Dr. S c h ö n f e 1 d,. ein Pamphlet gegen 8. Bettelheim, den Herausgeber der „Ung. jüdischen Zeitung", veröffentlicht. Er bezeichnet ihn darin als einen Journalisten, der für ein Abonnement für jedermann käuflich sei und führte sogar Beweise an; er sej wie ein. Tier, das sich so oft häutet, daß die Haut schön'schäbig geworden sei, ein aus allen Organisationen heräusgewiesener Mensch, der nicht das Recht habe, die Haltung selbstlos wirkender Zionisten zu bekriteln. In diesem Sinne ging es einen ganzen Artikel lang. Nachdem das Landeskomitee, trotzdem dieser Artikel vom offiziellen Redakteur, im offiziellen Blatt, im offiziellen Teil erschienen war, sich, weigerte, irgend einen Schritt zu tun, so blieb kein anderer, als der Rechtsweg übrig. Dr. Schönfeld machte sich erbötig, den Wahrheitsbeweis zu erbringen, was die klägerische Partei anstandshalber unterstützte. JDa Schönfeld jedoch erst nach Ablauf des gesetzlichen Termines mit einem riesigen Elaborat, das er mit 40 Zeugen beweisen wollte, erschien, wurde der Wahrheitsbeweis abgelehnt. Bei der Verhandlung waren Dr. Weinberger, Dr. Kahan, Dr. Simon und Dr. Fried anwesend. Die Klage vertrat Dr. Schmied. Vor der Verhandlung vom 29. v. M. ersuchte der Präsident die Parteien in ernster Weise, ihre Angelegenheit in ihrem Kreise auszutragen. Er sagte: „Es darf sich Ihnen doch nicht darum handeln, ob Der oder Jener gewinnt, sondern, daß Ihr Ideal, das doch jedenfalls ein hohes ist, nicht in den Staub gezerrt werde." Ferner bemerkte der Präsident, daß er sich doch erst mit viel Mübe in diese Angelegenheit und deren Terminologie hineinstudieren mußte. „ Was ist das z. B. Golus-Jude?" „Golus-Jude", sagt Schönfeld wichtig, „das ist ein Jude, der sein Judentum verbirgt." „Ferner, ergänzt Bettelheim ruhig, „wer z. B. eine jüdische Angelegenheit vor das Gericht kommen läßt, heißt ebenfalls ein Golusjude." (Stürmische Heiterkeit.) Auf Antrag beider Parteien wurde die Verhandlung auf 14 Tage verschoben. - . : - Wir haben diese unglaublich odiose Sache bisher verschwiegen. Wir müssen zur Beleuchtung der Tatsache bemerken, daß unser Redakteur die ungarisch-zionistische Orgapisation mit großer Bemühung und vielen Opfern gegründet hat; ebenso ist die ungar. zionistische Presse von ihm begründet worden." Literatur. Andachtsbüchlein für jüdische Krieger im Felde von Feldrabbiner Dr. Arnold Frankfurter, Leiter der k. u. k. Israelitischen Militärseelsorge in Wien. Uebersetzt ins ungarische von Feldrabbiner Dr. Ernst Deutsch (Verlag Josef Schlesinger, Wien, I., Seitenstettengasse 5, 1915. Preis 24 Heller). Das neue unter obigem Titel veröffentlichte Andachtsbüchlein, trägt dem tatsächlichen Bedürfnis eines Soldaten Rechnung. Es betrifft seine Vorlagen an Handlichkeit, worauf nicht genug Gewicht gelegt werden kann. Durch seine Doppelsprachigkeit ist es ein wirklich österr.-ungar. Soldaten-Andachtsbüchlein. Hiebei verfolgt der Verfasser das Prinzip, nur die allgemeinen Gebete zu bringen und die besondere Festtagsliturgie nicht zu berücksichtigen. Die Uebersetzung ist schlicht, leicht faßlich. Für alle im Leben des Soldaten in Betracht kommenden Erlebnisse ist vorgesehen. Möge dieses Büchlein den beabsichtigten Zweck erreichen, stärkend und tröstend wirken, so lange man seiner Bedarf. Todesnachrichten. >4ÄfirJ5 Wien. Am 15. Juni ist, als Opfer eines tragischen Unglücksfalles, Herr Wilhelm J e n n e r, der Vater der Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Samuel Jenner und Dr. Theodor J e n n e r, welch letzterer als Offizier in russischer Kriegsgefangenschaft sich befindet, gestorben; er wurde am 18. zur ewigen Ruhe bestattet. Rabbiner Dr. G r u n w a 1 d hielt dem Dahingeschiedenen eine Grabrede, in welcher er — ausgehend von der ehrwürdigen Gestalt des Vaters des Verewigten, des nach Generationen noch unvergessenen einstigen Rabbinatsverwesers in Krakau, Abraham J e n n e r, Verfasser mehrerer wertvoller religionsphilosophischer Werke — rühmend hervorhob, daß der Sohn das geistige Vermächtnis des Vaters, die glühende Liebe zu seinem Volke und den Glauben an dessen hohe Mission, stets in hohen Ehren hielt und für diese Ideale in Wort und Tat in näheren und ferneren Kreisen unermüdlich und begeisterungsvoll eintrat. Besonders zu erwähnen ist der heilige Zorn, mit dem der Verstorbene sich vielfach agitatorisch gegen das um sich greifende Renegatentum im Judentum wendete, dessen Bekämpfung mit den schärfsten Mitteln sozialer Verfehmung er empfahl. Das Andenken des Verblichenen wird allen Jenen, die ihn kannten, stets teuer bleiben. Wien. Unmittelbar vor Redaktionsschluß erhalten wir die betrübende Nachricht, daß der Veteran der Choveve-Zion Dr. Karpel Lippe aus Jassy, hochbetagt in Wien verstorben ist und am 4. August bestattet wurde. Dr. Lippe war Alterspräsident des ersten zionistischen Kongresses in Basel. Die Austrittsliste befindet sich auf der zweiten Umschlagsseite. Verantwortlicher Redakteur Dr. S. R. Landau. — Druck von ignaz Spitz 1t Söhns, Wien H, Robertgasse 2.

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