Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVII (1915)
- Issue
- Heft 10 (21.5.1915)
- Date
- 1915-05-21
- Page
- Seite 87 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nl^JO______________________________^Neue.National-Zeitung" ._____ _ _______Seite 87 Zuwendung von entbehrlichen Hausrat bitten. Die Not unter diesen Armen ist groß. Edle Menschen werden gebeten, der Armen von Haus und Hof Vertriebenen zu gedenken; eine Karte an den Obmann des Vereins, S. Bauer, VII., Lerchenfelderstraße 71, genügt und die Sachen werden abgeholt. Die Verteilungen finden jetzt stets Dienstag und Freitag um 2 Uhr im neuen Lokale statt. * Die Ausweisung der jüdischen Flüchtlinge aus Ungarn. Das schändliche Verhalten der jüdischen Kreise Budapests in dieser Frage wird von der „Ungarländischen jüdischen Zeitung" in wirksamer Weise beleuchtet. Wir lesen: Neben dem großen Waffenerfolge, welchen die deutsche und ungarische Rasse an der Front von Zboro bis Tarnovv erzielt hat, vollzog sich auch ein großer Erfolg der jüdischen Rasse. Die Führer derselben haben diese Woche — verkündet es mit Kanonendonner und Tedeum — durchgesetzt, daß die galizischen Flüchtlinge von Budapest aus nicht zerstreut, sondern in ganzen Gruppen mit Rabbiner und Schächter nach größeren böhmischen Orten gesendet werden. Sind wir nicht das erwählte aller Völker? Hat denn die Regierung durchaus darauf bestehen wollen, daß die Flüchtlinge in Schwarmlmie ziehen müssen? Nein! Die Führer unserer genialen Rasse haben nur bisher nicht daran gedacht, wie sie sich überhaupt nicht vor dem Erlasse mit der Regierung ins Einvernehmen gesetzt haben. Denn all das, was jetzt mit dem ziellosen Hin- und Herschießen von österreichischen und ungarischen Abgeordneten, von Ministerialräten und Redakteuren, von Kanzleiober- und Unterpräsidenten, von Vorstehern und Comitemitgliedern erzielt worden ist, hätte ein einziger Mann in einer einzigen Viertelstunde erreichen können, wenn das ungarische Judentum so viel Ehrgefühl, so viel Schamgefühl besessen hätte, sich doch „wie alle Völker um uns herum, eine einheitliche Vertretung zu schaffen. Diese „Ges.eresmacherei", welche der Sache nichts geholfen, die Regierung verstimmt hat, das Judentum in gewissenlosem Zwiespalt gezeigt hat, ist eine traurige Generalprobe für kommende Gelegenheiten." haben uns - davon jetzt während des Krieges auch überzeugt. Was die aus Ko- Iornea verschleppten Geiseln betrifft, hoffen wir, sie im Wege des Austausches bald zurückzubekommen. Jetzt, so schloß der Thronfolger seine Worte, Kopf höch! Es wirdAlles bald gut werdenf" Bemerkenswert ist, daß der Thronfolger sowohl in Czernowitz als auch in Kolomea von Juden und nicht von Israeliten sprach. Jedenfalls dürfte es das gerade, schlichte, einfache und national unverfälschte Wesen der östlichen Juden sein, das ihnen die so hohe und unschätzbare Gunst verschafft hat. Daß die östlichen Juden dieser Gunst würdig sind, haben sie wohl bewiesen und werden es auch künftig tun. * Die Kriegshilis-Kommission in Berlin. Das Berliner „G e m e i n d e b I a 1t'\ amtliches Organ der dortigen jüdischen Gemeinde, veröffentlicht in der letzten Nummer eine sehr interessante Statistik, betitelt „Acht Monate K r i e g s h i 1 f s-K omm i s s i o n". Wir sehen daraus, welche große philantropische Tätigkeit die Berliner jüdische Gemeinde in der bisherigen Kriegszeit entwickelt hat. I. In den Monaten August 1914 bis inkl. März 1915 wurden an Unterstützungen Mk. 90.283 verteilt. II. Beteilt wurden während dieser Zeit 4980 Familien; darunter waren 1695 Wiederholungsgesuche. Von den 4980 Gesuchsstellern entfallen auf Deutschland 3933, Oesterreich-Ungarn 740, Rußland 233 usw. III. Unter den Unterstützten waren 948 Angehörige von Kriegsteilnehmern u. zw. 779 aus Deutschland und 169 aus Oesterreich-Ungarn. Was hat die Wiener Kultusgemeinde während dieser Zeit geleistet? Warum wird darüber nichts publiziert? Die Wiener Kultusgemeinde besitzt ja sogar zwei Organe! Bekanntlich ist aber Dr. Alfred Stern ein Feind der — Statistik. Kriegsnachrichten. Der Thronfolger in Kolomea. Wir haben in der vorigen Nummer mit großer Genugtuung auf die besonders huldvolle Ansprache unseres erlauchten Thronfolgers an den Vorstand der israel. Kultusgemeinde in Czernowitz und die darin von so hoher Seite zum Ausdrucke gelangende Anerkennung des jüdischen Patriotismus hingewiesen. Ein ähnlicher huldvoller Empfang wurde auch den Juden der schwer vom Feinde heimgesuchten Stadt Kolomea zuteil. Aus Anlaß seines Besuches in Kolomea empfing der Thronfolger Erzherzog Karl FranzJoseph auch eine Deputation der dortigen Judengemeinde unter Führung ihres Vorstandes, des kaiserlichen Rates Schiller. Auf die Frage des Erzherzogs, wie sich gegenwärtig die Lage der jüdischen Gemeinde verhalte, schilderte kaiserlicher Rat Schiller die argen Verfolgungen, denen die Juden zur Zeit'der Russenherrschaft in der Stadt ausgesetzt waren. Jetzt, wo unsere Truppen die Befreiung der Stadt wieder durchgeführt haben, seien die Juden Kolomeas glücklich, ihre Ergebenheit für den Thron ausdrücken und erweisen zu dürfen. Erzherzog Karl Franz Josef erwiderte: „Wir haben immer vorausgesetzt, daß die J uden treue Bürger des Staates sind, und „Gruß an die jüdischen Soldaten im deutschen Heer." Wir lesen in Berliner jüdischen Blättern: „Der Verband der Deutschen Juden versendet zum Schowuausfest, wie er es zu Chanuka und zu Passah getan hat, ein Heft als „Gruß an die jüdischen Soldaten im deutschen Heer" ins Feld. Das Heft enthält außer Bibel-, Talmud- und anderen Stellen von der Offenbarung zwei Aufsätze, den einen von Herrn Rabbiner Dr. B a e c k aus Berlin, dem Feldgeistlichen beim Oberkommando der l. Armee: „Du sollst" und den anderen von Herrn Oberrabbiner Dr. Güdemann -Wien „Unsere Thora" sowie einige Gedichte. Die Schrift wird gewiß allenthalben von den iüdischen Soldaten draußen mit Freude begrüßt werden, wie dies nach zahlreichen Briefen aus dem Felde bei den vorangegangenen Heften der Fall gewesen ist. — Gemeinden und anderen Köperschaften sowie allen, die an Angehörige im Heere Exemplare versenden wollen, stehen solche auf Wunsch im Bureau des Verbandes der Deutschen Juden — das sich jetzt Berlin W. 35, Steglitzerstraße 9 befindet — zur Verfügung." Es ist sehr schön vom Wiener Oberrabbiner, daß er der Druckschrift des Berliner Verbandes einen Beitrag geliefert hat. Wäre es nicht aber auch Pflicht eines Wiener Oberrabbiners dafür zu sorgen, daß auch die jüdischen Soldaten im österreichischen Heere eine religiöse Erbauungsschrift bekommen? *