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Neue Nationalzeitung · 1915-05-21 · Heft 10 (21.5.1915) · p. Seite 84

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVII (1915)
Issue
Heft 10 (21.5.1915)
Date
1915-05-21
Page
Seite 84 (sequence 4)
Language
German
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„Neue Nationai-Zeitung" Nr. 10 Wir warten nun auf das angekündigte Lebenszeichen der Abgeordneten „mosaischer Konfession", von denen wir ohnehin seit Monaten gar nichts gehört haben. Die Lage in Palästina *) Heuschreckenplage. — Netstandarbeiten. — Ernteaussichten. — Militärische Requisitionen. — Allgemeine Lage. — Not in den Städten. Mitte März sind in ganz Palästina, von'Gaza bis Tiberias, ungeheure Schwärme der Wanderheuschrecken aufgetreten und haben sich überall, auch fast in allen jüdischen Kolonien, niedergelassen. Diese geflügelte Heuschrecke selbst richtet nur geringen Schaden an, sofern sie keine Brut zurückläßt, die das Getreide vernichtet und die jungen Triebe der Bäume benagt. Von den jüdischen Kolonien sind Rechoboth, Wadi el Chanin, Rischon le Zion und zum Teil auch Pethach Tikwah durch die fieuschreckenbrut heimgesucht worden, von den Farmen des Jüdischen Nationalfonds bisher nur Benschemen und Hulda. Seitens der Regierung sowohl wie der jüdischen Kolonien wurden energische Mittel angewandt, üm die durch die jungen Heuschrekke'n drohende Gefahr abzuwenden, und auch der Nationalfonds hat, um seine Pflanzungen vor schweren Beschädigungen zu bewahren, Geldmittel bewilligt. Ist der durch das Auftreten der Heuschrecken bisher verursachte Schaden auch nicht bedeutend, so leidet doch die Bevölkerung sehr unter der Steigerung der Weizenpreise, welche infolge der mit dem Erscheinen der Heuschrecken für später verbundenen Befürchtungen verursacht worden ist. Hundert Kilo Weizen, die zu Anfang des Krieges zum Preise von Frcs. 20.— aus den Nationalfonds-: farmen nach Jaffa verkauft wurden, kosten heute schon ca. 35 Frcs. Selbstverständlich leidet die arme Bevölkerung in den Städten unter diesen hohen Brotpreisen außerordentlich. In etwa dürfte sich die Lage inzwischen durch die Ankunft des Lebensmitteldampfers aus Amerika gebessert haben, der Mitte April in Jaffa eintraf und dessen Ladung u. a. 8000 Sack Mehl enthielt. Die vom jüdischen Nationalfonds mit leider einstweilen beschränkten Mitteln in Angriff genommenen Notstandsarbeiten beschäftigten auf dessen Farmen, abgesehen von der dort regelmäßig tätigen Arbeitskräften, 10 Personen in Benschemen, 30 in Merchawjah, und 40 in Kinereth. Leider wurde die vom Nationalfonds eingeleitete Notstandsaktion noch nicht in allen Kreisen genügend gefördert, um einer größeren Anzahl Arbeiter lohnende Beschäftigung zu gewähren. Der Stand der Saaten und des Getreides in den Kolonien, der bis Ende Februar recht gut war, hat sich inzwischen etwas ve r - schlechtert, weil es in der letzten Zeit in Palästina fast gar nicht oder nur sehr wenig geregnet hat. Im April sind jedoch in Jaffa und Umgegend, sowie in Galiläa starke Regen niedergegangen, so daß anzunehmen ist, daß sich die Felder wieder erholen und auf eine gute Ernte gerechnet werden kann. *) Aus der Korrespondenz des jüdischen Nalionalfonds. Die militärischen Requisitionen, unter denen auch die Nationalfonds-Betriebe im Anfang sehr litten, und bei denen ein Teil des Zugviehes überhaupt weggenommen, ein anderer Teil für Militär-Transporte wochenlang verwendet wurde, haben seit einigen Wochen beinahe gänzlich aufgehört. Trotz der Requisitionen ist es ifl allen Farmen gelungen, das Pflügen der Felder, wenn auch teilweise mit einiger Verspätung, durchzuführen. In einigen N. F.-Farmen waren einige Zeit hindurch viele Soldaten einquartiert. Sie campierten jedoch nicht in den Häusern der Kolonie, sondern in Zelten, und ihre Beziehungen zu den Farmen, überhaupt zur ganzen Kolonie, waren die denkbar besten. Das Militärkommando sorgte dafür, daß die Felder in keiner Weise litten und der Kolonie nicht der mindeste Gegenstand entzogen wurde. Im Laufe der Kriegsmonate hat sich die allgemeine Stimmung unter den Juden Palästinas wieder gebessert. Auch in wirtschaftlicher Beziehung sind die Verhältnisse jedenfalls nicht schlechter geworden, teils weil erheblich Geldbeträge aus Amerika eingetroffen sind, teils auch weil die Administration der ICA den Kolonien Kredite gewährt hat, und schließlich, weil es den Kolonisten selbst gelungen ist, wenigstens im beschränktem Umfange Wein und Mandeln nach dem Auslande zu verkaufen. Die Orangenernte muß jetzt allerdings als gänzlich verloren betrachtet werden. Die Frucht ist entweder überhaupt nicht von den Bäumen heruntergenommen worden oder wurde im Lande zu einem Preise, der kaum die Kosten für das Abpflücken deckt (100 Stück für 20 bis 30 Centimes), verkauft. Von der städtischen Bevölkerung leiden am meisten die armen Juden in Saffed, Tiberias und Jerusalem, d.h. also die Elemente, die auch in normalen Zeiten ihren Lebensunterhalt nicht aus eigenem Erwerb decken, sondern auf die Chalukkahspende von außen her angewiesen sind. Da diese Spenden jetzt nur kümmerlich einfließen, so sind diese Leute ohne das Allernotwendigste geblieben. Hier wurden nun aus den Geldern des amerikanishen Hilfsfonds Brot und andere Lebensmittel gratis verteilt, Darlehen gegen Pfänder gewährt und auch Kredite zur Beschäftigung von Arbeitern und Privatunternehmungen und Notstandsarbeiten hergegeben. Bisher ist so das Schlimmste verhütet worden. Trotzdem jetzt eine gewisse Konsolidierung der allgemeinen Verhältnisse eingetreten ist, wird die Lage doch immer kritischer werden, da die Krisis nun schon 8 Monate dauert und die Bevölkerung bald ihre letzten Reserven verbraucht hat. Die Verteilung der Flüchtlinge und die Hilfsaktion. Der soeben erschienene Jahresbericht der „I s r a e 1. A 11 i a n z zu Wien" für das Jahr 1914 beschäftigt sich auch eingehend mit der Tätigkeit dieses Vereines im Interesse der Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina. Die betreffenden Daten beziehen sich sowohl auf die Höhe der geleisteten Subventionen als auch auf die Anzahl der in Betracht

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