Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVII (1915)
- Issue
- Heft 2 (22.1.1915)
- Date
- 1915-01-22
- Page
- Seite 20 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2425679-2425942-2425945--3101-2429662- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 20 Nr, 2 ilenibr Her zb 1 ut für die Größe Rußlands, und-dennoch sind sie der Rechte beraubt, die andere russische Untertanen nur durch ein Verbrechen einbüßenkönnen. Dieser Zustand, •der die -freie_ Wahl des Wohnortes und der schulmäßigen Kindererzkbimg ausschließt, ward jetözt zu «Hier besonderen Qual. - c Polen und das- Südwestgebiet — oder eigentlich Arasiedlungsrayon der Juden — verwandelt stich, in die erste Arena des Kr.'eges. Handel und Industrie wurden verachtet, die. Leute fahnden Arergebens nach dem Stjückchen Brot und" der Feind veranlaßt zur Flucht Aber wohin? Diesseits und jenseits des Schlachtfeldes und in den anderen „Ansiedlungsgebieten" wütet d&e Schlacht. Der übliche. Rettungsanker der . Juden :— die" Auswanderung — ist jetzt unmöglich.-Und:' die aus Deutschland und Oesterreich hmausgejaglen russischen Juden werden auch noch, in däe Heimat zurückgetrieben. In der Verzweiflung suchen viete von ihaien freiwillig den-Tod. Das große Rußland mit dem großen Volk und der großen Seele hat Raum und Brot genug für alle seine Söhne. Viele von den Elenden haben an anderen Orten bemittelte Verwandte, die als Gildekauf lernte oder Akademiker das Wohnrecht erworben haben, die sie gern aufnehmen würden, viiele würden auch anderweitig eine VerdSenstmöglichkeat finden. Aber laut dem herrschenden Gesetze darf der Jude sich nicht außerhalb seines „Ansiedlungsgebietes" aufhalten! Tausende von jüdischen Verwundeten sind jetzt über ganz Rußland verstreut. Die Angehörigen dürfen, aber auch für kurze Zet nicht zu ihnen kommen und ihnen sterbend die Augen schließen, weil siie kein „Wohnrecht" haben. Nur mit Umgehung des Gesstzes ist solch ein Liebesdienst durchführbar. Ebenso schwer lastet gegenwärtig auf den Juden düe Erziefaiingsfrage. Eine ganze Reihe von Lehranstalten «ist geschlossen. Den Eltern ist anheämgestellt worden, dpe Kandier-anderen. Schulen zuzuführen, wobei laut einem Zirkular des Kultusm.inasife.rs auch die Annahme jüdischer Schüler über däe festgestellte Norm hinaus gestattet ist Diese Vergünstigung vermag jedoch n,'eht ausgenutzt zu werden, weil sie an das Wohnrecht der Juden gebunden ist Im übrigen wird aiie strenge prozentuale Norm in sämtlichen mittleren und höheren Unterrichtsanstalten beobachtet.. . Durch den Krieg ist auch diese Lage der Dinge unerträglich geworden, denn sonst ging die jüdische Jugend nach Deutschland und Oesterreich, um die Bildungsstätten zu besuchen. Und was sollen die jüdischen Studenten beginnen, die ihr Studium im Auslande begonnen haben? Vergebens klopfen säe an die Pforten unserer Hochschulen, obschon dort genug freie Plätze jetzt vorhanden sind. Viele von ihnen werden ihr Studium nicht vollenden und ihrem Vaterlande nicht dienen können, dem es doch so sehr an intelligenten Arbeitern mangelt i Ist das alles nötig für das große Rußland, das sich berufen fühlt, Stämme und Völkerschaffen vom Joche zoi befreien? Die volle Aufhebung deb nationalen Beschränkungen sollte durch ein Gesetz festgelegt und jedenfalls eine Milderung derselben während der Kriegszei'ten angeordnet werden". "Dieser Appell an das Gerechtigkeitsgefühl der russischen Staatsleiter, schreibt das deutsche Blatt, ward, wohl ebenso * wirkungslos" bleiben wie alle früheren Versuche, das Los der russischen Judsn mensehlScher zu gestalten. Man hat zu Beginn des Krieges einiige unverbindliche Versprechungen gemacht, weil man die jüdischen Soldaten brauchte; aber Versprechungen, auch solche des Zaren, sind ja in Rußland am wohlfeilsten, unö niemand denkt daran, sie zu halten. Liste der Ausgetretenen. Vom 1. bis 17. Jänner 1915. (Nr. 1—22.) Bier Bronislawa, Private, geb. 10. Mai 1895 in Krakau, IX., Spittelauerlände 19.- DrobnF Adolf, geb. 29. November 1884 in St. Pölten, XVI., Konstantingasse 5. Filiinger Margarete, Beamtin, geb. 17. März 1850 in Wien, IX., Spittelauerlände 19. Fuchs Louise Valerie, Private, geb. 3. Dezember 18C0 in Wien, II., Große Stadtgutgasse 36. Goldstein Helene, Private, geb. 5. Jänner 1881 in Wien, VII., Zitterhofergasse .8. Heitter Johanna, Verkäuferin, geb. 10. September 1889 in Mehadia (Kultusgeeinde Orsowa), XL, Sedlitzkygasse 47. Hölzer Hermann, Bäcker, geb. 2. Mai 1889 in Wien, X., Eugengasse 5. fluth Anna, Private, geb. 1. Februar 1893 in Wien, IX., Währinger Gürtel 82. Katz Ignaz, - Photograph, geb. 13. Mai 1890 in Wien, XIV., Grimmgasse 10. Kunz Flora Henriette, Kontoristin, geb. 5. Dezember 1888 in Wien, IL, Fugbachgasse 5. Kunze geb. Jeiteles Adelheid, Hausbesitzerin, geb. 25. August 1854 in Prag, IV., Kleine Neugasse 8. Kurz Maximilian, Dr., Arzt, geb. 31. März 1871 in Mähr.-Weißkirchen, III., Rennweg 65. Löti von Kelenföld geb. Goldberger Louise, geb. 20. Mai 1856 in Budapest, I., Rudolfsplatz 10. Löti von Kelenfeld (früher Löwy) Alexander (Sandor), geb. 23. Oktober 1847 in Budapest, I., Rudolfsplatz 10. Mostler Hans, JRealitätenverwalter, geb. 30. Dezember 1865 in Wien, VI., Marchettigasse 18. Presser Daniel, Dr., Arzt, geb. 1. Juli 1863 in Teschen (Schlesien), II., Stephaniestraße 12. RottAlberr, geb. 10. Mai 1873 in Wien, XIX., Hardtgasse 19. Schmierer Olga, Private, geb. am 6. Mai 1883 in Wien, VII., Burggasse 88. Teller Klara, geb. 10. Dezember 1886 in Wracow, XIX., Friedlgässe 37. Weingarten Dora, geb. 15. März 1887 in Trubochowce (Galizien), XX., Burghardtgasse 28. Weil Hans, Student, geb. 18. Dezember 1895 in Wien, IX., Rossauergasse 5. Wiedmann geb. Jakobi Stephanie, Private, geb. 21. Jänner 1851 in Wien, I., Ebendorferstraße 3. Notizen. Für unsere Soldaten. Wer ein Los der außerordentlichen Staatslotterie für Kriegsfürsorgezwecke kauft, erwirbt hiedurch nicht nur sehr günstige Gewinnstaussichten, sondern erfüllt zugleich auch die dringende Pflicht der Fürsorge für unser tapferes Heer. Der Reinertrag dieser Geldlotterie ist ausschließlich Kriegsfürsorgezwecken (Rotes Kreuz, Kriegsfürsorgeamt des k. u. k. Kriegsministeriums, Kriegshilfsbureau des k. k. Ministeriums des Innern) gewidmet. Durch den niedrigen Preis von 4 Kronen pro Los ist weitesten Kreisen Gelegenheit geboten, seinen Teil für den eminent patriotischen und wohltätigen Zweck beizutragen. Die Gewinne im Gesamtbetrage von 625.000 Kronen, darunter ein Haupttreffer von 200.000 Kronen, werden in barem Gelde ausbezahlt. Die Ziehung erfolgt bereits am 28. Jänner 1915. Briefkasten der Redaktion.' „Chorsänger". Es tut uns leid, daß Sie sich über unsere kurze Chrakteristik von Karl Goldmark so sehr aufregen. Es ist eben schon unsere Gewohnheit, selbst die bedeutendsten Männer nur vom Standpunkte ihrer jüdischen Leistungen und Verdienste zu würdigen. Goldmark hat — beispielsweise im Gegensatz zu Ignaz Brüll — seine Zugehörigkeit zum Judentume oder ein Interesse für dasselbe nie bekundet. Er hat nicht einmal gerne gesehen, wenn sein einziges geniales Werk „Die Königin von Saba" auf das Konto seiner jüdischen Eigenart gesetzt wurde. Feldwebel B. L. Dr. V. R., dessen Auszeichnung die „Oesterreichische Wochenschrift" in ihrer letzten Nummer publiziert, wurde bereits als Kind getauft und ist heute „Dissident". An mehrere Flüchtlinge. Wir haben leider nicht so viel Raum, um alle Ihre, wenn auch so sehr berechtigten Beschwerden zu publizieren. Wir sind jedoch bemüht, sie an der Hand unserer Recherchen redaktionell zu verwerten. Gegen den ..Funktionär", der Sie insultiert hat, überreichen Sie die Ehrtnbeleidigungsklage. „ Verantwortlicher Redakteur Dr. S. R. Landau. - Druck von Ignaz Spitz t Söhne, Wien II, Robertgasse 2.