Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVII (1915)
- Issue
- Heft 1 (8.1.1915)
- Date
- 1915-01-08
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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ftr. 1 .Neue National-Zeitung" Seite 7 Wir verweisen auf die in dieser Nummer begonnene Artikelserie über die Flüchtlings-Baracken und auf die Inseratenseite dieser Nummer, Kriegsnachrichten. | Dr. Hugo Zuckermann. | Unter den tausenden jüdischen Kriegern, die für Kaiser und Reich auf dem Schlachtfelde ihr Leben opferten und als ewige Blutzeugen jüdischer Vaterlandsliebe und jüdischen Opfermutes in der Geschichte unseres Volkes mit ehernen Lettern verzeichnet bleiben, wird die Gestalt des gefallenen Landsturm-Leutnants Dr. Hugo Zuckermann besonders hervorragen. Er gehörte zu jenen Ausnahmen in der heutigen jüdischen Intelligenz, die sich ganz in den Dienst ihres Volkes stellen, nachdem sie den Anschluß an ihr jüdisches Volkstum gefunden haben. Dr. Zuckermann war seinem Berufe nach Advokat in Meran, wo er sich um die Konstituierung der Kultusgemeinde große Verdienste erwarb. Zu Beginn der Mobilisierung rückte er ein und machte 31 Gefechte mit, bis er endlich schwer verletzt auf dem Schlachtfelde blieb. Die Kultusgemeinde Eger widmete ihm ein Ehrengrab. Außerhalb seines engeren Berufskreises war Dr. Zuckermann auch als Verfasser einiger Kriegslieder bekannt, die sich allgemeiner Anerkennung erfreuten und wiederholt vertont werden. Sein bekantestes Lied heißt „Reiterlied." * 1300 jüdische Ritter des Eisernen Kreuzes. In der deutschen Armee haben sich bisher zirka 1300 Juden das Eiserne Kreuz erkämpft; mehrere darunter haben das Kreuz erster und zweiter Klasse erhalten. * Jüdische Theologen als Kriegsfreiwillige. Die Hörer des höheren Kurses id,es Landes-Rabbinerseminars in Budapest haben mit Begeisterung beschlossen, ihre frühere Entschließung durchzuführen und. ohne von den ihnen laut Gesetzes zustehenden Begünstigungen Gebrauch zu machen, ihre Dienste der Armeeleitung anzubieten. Der Professorenkörper und die leitende Kommission der Anstalt haben von diesem Entschluß freudig Kenntnis genommen und den Hörern jede mögliche Unterstützung zugesagt. * Ein Brigade-Kommando gegen antisemitische Denunzianten. Gegenüber verschiedenen, von uns in der vorigen Nummer bereits erwähnten antisemitischen Denunziationen verweisen wir auf nachstehende höchst aktuelle Bekanntmachung des sechsten Infanterie-Brigade-Kommandos in Landau (Pfalz): „In der letzten Zeit wurden wiederholt durch anonyme Zuschriften schwere Anklagen gegen verschiedene Heeresangehörige erhoben. Wenn nun auch die stellvertretende sechste Infanterie-Brigade solchen Anschuldungen sonst grundsätzlich keine Bedeutung schenkt, so sieht sie sich doch veranlaßt, einer Anklage in der Oeffentlichkeit entgegenzutreten, die die Ehre eines nicht unbedeutenden Teiles unseres Heeres antastet. Es wurde nämlich durch anonyme Zuschriften unter anderem auch an der Tätigkeit und Verläßlichkeit von Heeresangehörigen jüdischer Konfession gezweifelt und der schwere Vorwurf erhoben, daß viele von jhnen Mittel und Wege wußten, sich dem Dienst in der Front?u entziehen. Diese Anschuldungen sind durchaus unbegründet. Der stellvertretenden sechsten Infanterie- Brigade ist kein solcher Fall bekannt geworden. Sie ist vielmehr überzeugt, daß unsere jüdischen Soldaten sich bemühen, hinter ihren christlichen Kameraden an Vaterlandsliebe, Opferwilligkeit und Tapferkeit keineswegs zurückzustehen. Wer aus konfessioneller Unduldsamkeit andere verdächtigt, hält schlecht zu seinem Kaiser, dessen Wort heute allen voranleuchten muß: „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur Deutsche!" AUS ALLEN WELTTEILEN Das Schicksal des unschuldig verurteilten Leo Frank ist besiegelt. Der Staats Supreme Court, die oberste Oerichtsinstanz des Staates Georgia, hat dem zum Tode verurteilten angeblichen Mörder der Mary Phagan, dem jugendlichen Fabriksdirektor Leo M. Frank, den nachgesuchten „Writ of Error*' verweigert, worauf zwei seiner Anwälte sofort nach der Bundeshauptstadt (Washington) abreisten, um ihr Gesuch wegen eines „Writ of Error" dem Richter Lamar vom Bundesobergericht zu unterbreiten. Die letzte Abweisung des Frank-Gesuches markiert das Ende des siebenten Versuches, den die Anwälte des zum Tode Verurteilten gemacht haben, um einen neuen Prozeß, resp. .eine Umstoßung des am 25. August 1913 über ihn gefällten Todesurteils zu erwirken. Das letzte, erfolglose Gesuch um einen „Writ of Error" (Zweifelsattest) basierte auf der Weigerung der Supreme Court des Staates Georgia, das Todesurteil beiseite zu setzen, weil Frank bei dessen Verkündigung nicht im Gerichtssaal anwesend war. Leider hat auch der Oberste Bundes-Staatsgerichtshof, wie wir soeben aus amerikanischen Blättern erfahren, die Revision Franks abgewiesen. Alle Rechtsmittel sind also erschöpft. Den armen Frank kann nunmehr lediglich die Gnade des Gouverneurs des Staates Georgia von der Todesstrafe retten. Der Fall Hülsner in amerikanischer Ausgabe! Philipp Laub? Wer ist das? Die Mitwelt hätte es nie erfahren, wenn es dem berühmten Maler Philipp von L ä ß 1 o nicht jüngst eingefallen wäre, englischer Staatsbürger zu werden. Erst jetzt erinnern sich die ungarischen Blätter, daß er einst Laub hieß und ein getaufter Jude ist. Erst jetzt ist er für sie ein R e n e g a t, weil er das Ungartum verlassen hat, um englische Pfunds zu verdienen. Als er aber sein Judentum verleugnete und seinen väterlichen Namen abstreifte, da hoben sie ihn in den Himmel und nannten ihn ein Genie! Jedenfalls ist der Artikel des „Pester Lloyd", worin unter dem Titel „Der Renegat" Herr von L ä ß 1 o bearbeitet wird, sehr charakteristisch. Wir lesen: „Den Maler Philipp v. Läßlo hat dieses Land, dieses arme ungarische Land, aus einem blassen kleinen Judenjungen zum reichen, adeligen Herrn gemacht. Der kleine Philipp Laub vergrößerte in einem Budapester Atelier Photographien zu farbigen Bildnissen. Man erkannte sein Talent und verhalt ihm zu größeren Aufträgen. Hier war es, wo die ersten spärlichen Geldquellen sich ihm erschlossen, hier wandte man seinem Talent Beachtung und Förderung zu. Von hier ging seine Laufbahn aus und hier bewegte sie sich lange Jahre geradlinig aufwärts. Philipp Laub wurde an den bulgarischen Königshof — nicht berufen, sondern von hier ausgesandt, und als Philipp Läßlo kam er bald darauf in die Schlösser unserer Aristokraten. Er malte Grafen und Fürsten und wurde selbst ungarischer Adeliger. Als Philipp von Läßlo und reicher Mann reiste er ins Ausland und malte Kaiser und Prinzen. Seinem jungen Ruhm verschloß sich auch die Pforte des Vatikans nicht; längst war er ein Sohn der katholischen Kirche, als Christi Statthalter ihm Modell saß. Philipp v. Läßlo, den wir bis vor kurzem für einen ungarischen Künstler hielten, hat für uns aufgehört es zu sein.