Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVI (1914)
- Issue
- Heft 29 (25.12.1914)
- Date
- 1914-12-25
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Mr. 29 „Neue Nationgj-Zejjmig" Seite .7 gerichtsrat in Preußen und wurde zu Beginn ider 90er Jahre vom Justizminister Schelling ernannt. Bald darauf wurde ein zweiter Jude mit demselben Rang in Königsberg ernannt. Damit aber Schluß. Heute gibt es in Preußen keinen Juden als Oberlandiesgerichtsrat. Viel toleranter ist das katholische Bayern. Dieser Tage konnte man 'gerade in Münehener Blätternlesen, daß Senatspräsident Dr. Ha r burger und Staatsanwalt Silber mann das Luitpold- Kreuz erhielten. Diese Aemter sind bekanntlich in Oesterreich (nicht in Ungarn) Juden verschlossen. Hoffentlich wirds nach dem Kriege doch noch anders ... Die „Staatsbürger-Zeitung" eingestellt! Die Berliner Gesiiiriungsschwester der Wiener „Reichspost" wunde vom M\i I i t ä r - 0 b e r k o m m a u d o in den Marken mit folgender Zuschrift eingestellt: „Die Nr. 174 vom 6. d. M. beweist, daß die „Staatsbürger- Zeitum?" die Bekämpfung bestimmter deutscher Kreise deutscher Staatsangehöriger auch während des Krieges fortzusetzen gewillt ist. Es ist Ihnen schon unter dem 21. August d. .1. eröffnet worden, daß eine solche Handlung mit den während des Krieges zu beachtenden politischen Notwendigkeiten unvereinbar ist. Ferner verstößt die Nr. 174 in den Artikeln „Was werden wir fordern?" und „Was wird mit Luxemburg?" gegen den der Presse mehrfach vorgeschriebenen Grundsatz, daß alle Erörterungen über etwaige spätere Gebietserwerbungen aus politischen Gründen zu unterlassen sind." Vergleich überflüssig... " * Zeitschriften-Rundschau. Der Krieg und die Lösung der Judenfrage. Palästina — für die Juden! Es geschehen tdoch merkwürdige Dinge: Während die zionistische Partei ihr Hauptorgan eingestellt und ihre andienen Organe nur selten erscheinen läßt, damit auf jede Vorbereitung der öffentlichen Meiinumg für den Fall eines Staatenkongresse-s verzichtend, hat es die amerikanische Presse übernommen, die Rechte der Juden und insbesondere die Lösung des Juden- Problems für den Fall des Friedensschlusses zu vertreten. So schreibt u. a. die sehr angesehene amerikanische Wochenschrift „Harpers Weekly" folgendes: „Wenn einmal Friede geschlossen wird, sollte der.Judenfrage näher getreten werden, einer Frage, die für die 'ganze Welt wie für die Juden selbst von äußerster Wichtigkeit ist. Vor allem müßte man sich damit befassen, den Juden ihre menschliche Gleich b e r e c h t i g u n g i n a 11 e n j e n e n L ä n d e r n zu sichern, wo sie heute noch teils durch Gesetze, teils durch die Verwaltung entrechtet sind. Es handelt sich unter anderem um die Abschaffung der völligen Rechtlosigkeit, unter der dtie Juden m R u ü 1 a n d, Rum ä n i © n, Pe r s i e n u n d zum Teil auch i n P a 1 ä s t i n a leiden. Ueber die Befreiung der Juden in Rußland und Rumänien ist öffentlich so oft debattiert worden, daß drieses Problem, soweit es diese beiden Länder betrifft, bereits allgemein verständlich ist. Hinsichtlich Paliistina bedarf es aber noch einer Erörterung. Kleinasien ist berufen, in der Weltgeschichte der Zukunft eine ganz bedeutende Rolle zu spielen. Kleiinasien ist es, wo Orient und Okzident ineinander übergehen, wo die Verschmelzung der beiderseitigen Gegensätze und Antipathien erfolgen sollen. Hier wie dort bedarf es eines Dolmetschers und dann könnte die ganze Welt Vorteil aus dem reichen Ertrage ziehen, den bek'e Teile bringen. Soll die Zukunft in ungestörtem Frieden vorwärts schreitetv, ist ein gegenseiföges Verstehen von Ost und West eine uiiibedingte.Notwe.ndigke.it. Der Jude ist der natürliche Ueber liefe re:r des Ostiens nach dem Westen und umgekehrt. Er verstellt die Sprache des Muselmannes, dieser versteht ihn. Eine größere Ana;o;iltuig von Juden im Pal ästina, eine öffentlich anerkannte, gesetzlich gesicherte Heimat, wäre nicht nur die Erfüllung der selmsüchtigsten Wünsche vieler, das Ideal der Zionisten, sondern es es wäre damit eine Brücke geschlagen zwischen dem muselmannisclien Osten und der Zivilisation des Westens. Das ottorn aufsehe Reich braucht gerade die Kräfte, die eine Amsiiedluug der Juden in Palästina hervorbringen kann — ökonomische Entwicklung durch ein airbeiftsames und talentiertes Volk, das in den modernen Wissenschaften hervorragend ausgebildet und bestrebt ist. Angehörige seines Staates zu werden. Wie sich Palästina speziell in den letzten zehn Jahren durch den Einfluß des Zionismus entwickelt hat, ist ein Beweis, daß Palästina das Land des modernen Juden ist und daß dieser für Palästina geeignet ist. In Scharen werden die Juden .gewiß gerne dahin ziehen, wenn man ihnen die ernsthafte Versicherung der zivilen mnd politischen Gleichberechtigung und '.»ine Gelegenheit zw Weiterenwiicklu'ng des Landes schaffen kann. Uner den Problemen, an deren Lösung nach Beendigung des Krieges geschritten werden muß, tritt die Frag« der Juden in Palästina in erster Linie in den Vordergrun d". Aehnlich äußert sich der von R o o s e v e 11 herausgegebene „Outlook". „Wichtige Erwägungen leiten zu einer Politik der Wiederherstellung eines unabhängigen Palästina. Britische und französische Interessen fordern eine neutrale Zone zwischen Syrien und Aegypten. Rußland muß die jüdische Frage lösen, wenn sein Plan der Wiederherstellung Polens ausführbar werden soll". Auch der „Globe" brachte einen ausführlichen Artikel in demselben Geist. Eine Zuschrift von jüdischer Seite an den „Nieuwen Rotterdamschen Courant" meint aus diesen AeußeTungen immerhin die Hoffnung schöpfen zu dürfen, daß bei den Friedensverhandlungen die Juden als solche werden auftreten können. Sie dürfen sich dabei auf das Vorbild des Berliner Kongresses berufen, wo die Alliance Israelite Universelle durchzusetzen wußte, daß die Balkanstaaten .den Juden die bürgerliche Gleichheit zuerkannten — eine Verpflichtung, die bekanntlich Rumänien unerfüllt gelassen hat. Die „Alliance Israelite" segelt jetzt völlig in französisch-nationalem Fahrwasser und der Verfasser der Zuschrift meint, die Vertretung der jüdischen Interessen werden jetzt vielleicht angesehenen a me r'i k a n is c he-n Juden zufallen. Liste der Ausgetretenen. Vom 8. bis 22. Dezember 1914. (Nr. 533—544.) ' Bratter Rudolf, Ingerjieur-Chemiker, geb. .31. Mai 1890 in Wien, XIII., Hütteldorfersraße 257. Durst Blanka, Private, geb. 13. September 1892 in Wien, VI.. Briickengas.se 4. Kohu Elsa, Private, geb. 21. Mai 1887 in Wien, III., Hansalgasse 4. Kovacs Emil, Reisender, geb. 16. Mai 1879 in Floridsdorf, V., Vogelsanggasse 41. Lindner Hugo, Goldschmied, geh. 22. Dezember 1874 in Wien, XIU., Sebastian- Kelchgasse 11. Lindner Siegfried, Ledergalanteriewaren-Erzeuger, geb. 29. Oktober 1873 in Wien. XIII., Sebastian Kelchgasse 11. Löwenstein Otto, k. k. Oberleutnant, geb. 11. Oktober 1881 in Oderfurt (Mähren), XVIII., Eduardgasse 14. Paschkes Jakob, geb. 18. Dezember 1889 in Velim (bei Mistelbach), XX., Damms.traße 18. Schiff Emil, JDDr., Redakteur im k. k. Telegraphen-Korrespoiidenzbureau, geb. 21. Okober 1877 in Kladno (Böhmen), XVIII., Hans Sachsgasse 17. Schwarz Hans Oskar, Disponent der Länderbank, Filiale Prag, geb. in Wien, lt. Zuschrift der israelitischen Kultiisge mein de Prag. Trau Charlotte, Schülerin, geb. 10. Mai 1897 in Wien, III., Hauptstraße 12. Zerk recte Zerkowitz Oskar, Ober-Ingenieur, geb. 16. Mai 1878 in Wien, XIX., Haubenbiglstraße 8. Amn. der Red. Alle diese Austritte sind in der Woche vom 15. bis 22. d. M. registriert. In der vorhergegangenen Woche, vom 8. bis 15. d. M.. ist seltsamerweise der Kultusgemeind e kein einziger Fall des Austrittes bekanntgegeben worden. Es gibt noch Uebcrraschungen! Briefkasten der Redaktion. Klassen-Lotterie. Ihrem Wunsche gemäß, wollen wir an dieser Stelle feststellen1, daß es gewiß unwürdig ist, wenn die hiesige Firma M e h r e r & Co.,. deren Chef aus Galizien stammt und einen Bruder zum Rabbiner hat, in der antisemitischen „Reichspost" inseriert. — „Jeder hilft, wie er kann". Wie der „Israelit" berichtet, hilft die Wiener „Schiffschiul" den galizischen Flüchtlingen im warmen Bes-Hamidrasch durch „Schiur" (.dreimal täglich), durch „Chaje Odom", „Schulchan Aruch" in dngl. — Dr. L. B. Wir halten dieses Thema gegenwärtig niclrt für aktuell. — Flüchtling aus St. Sie finden das Thema an leitender Stelle erörtert.