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Neue Nationalzeitung · 1914-10-30 · Heft 25 (30.10.1914) · p. Seite 4

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVI (1914)
Issue
Heft 25 (30.10.1914)
Date
1914-10-30
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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. '"' . . Seite 4 „Neue National-Zeitung" Nr. 25 „Jüdische Ueberhebung." Rabbiner Dr. R, Kälter (Danzig) schreibt der „Allg. Z. d. J.": Zeitungsnachrichten entnehme ich die Mitteilung, daß der Verband gegen Ueberhebungdes Judentums die gegenwärtige Zeitlage zu einer Betätigung seiner Tendenzen für besonders geeignet hält und sein Verbandsorgan „Auf Vorposten" demnächst als Feldpostbrief an alle Mitglieder, cLie zu den Fahnen gerufen sind, versenden will. Ich kann mich um den so rührigen Verband verdient machen und stelle ihm daher idten folgenden Bericht über ein Begebnis aus diesen schweren Kriegstagen zur Verfügung — die deutsche Mannhaftigkeit und Ehrlichkeit der Verbandsleitung werden gewiß nicht zögern, ihn ihren Mitgliedern ebenfalls mitzuteilen. Es war in den letzten Augusttagen. Unsere braven Truppen im Osten waren unter beispiellosen Anstrengungen an den Feind herangekommen, und zahlreiche JiKten, die in den Regimentern des Ostens dienen, waren so überhebungsvoll, an diesen Strapazen teilzunehmen mit der gleichen Begeisterung und der gleichen Zähigkeit wie jeder einzige Mann, in gleichem Schritt und Tritt mit ihren Kameraden. Mehrere Gefechte hatten schon stattgefunden; da hieß es am 26. August, als sich das Danziger Grenadierregimeiit Nr. 5 bei L ... . gerade vor einer unzweifelhaften feindlichen Ueber macht befand: „Freiwillige zur Patrouille vor". Als einer der ersten meldet sich (der jüdische Unteroffizier der Reserve Friedrich St., ein frischer, zwanzigjähriger Jüngling, aus dessen Augen Reinheit und Mut leuchten. Der Leutnant, der das innige Familienleben seines Unteroffiziers kennt, fragt: „Wollen Sie denn durchaus dabei sein? Denken Sie doch an Ihre Eltern." Prompt kommt die Antwort: „Jetzt kenne ich keine Eltern, jetzt kenne ich nur das Vaterland!" Sprachs und ging erhobenen Hauptes dem Tode entgegen, denn eine aus dem Hinterhalt heraus wohlgezielte Kugel brachte ihm an der Seite seines Leutnants den Tod. Die Herzogin und die arme Judenfrau. Aus Magy a r k a n i z sa wird berichtet: Frau Robert Freund erhielt von ihrem Sohn, der, im bürgerlichen Beruf Kellner, als Sobtot auf dem nördlichen Kriegsschauplatze verwundet wurde und zurzeit schwer verletzt in Gmunden im Palast des Herzogs von Cumberjand liegt, folgenden Brief: „Ich liege im Palais Cumberland. Wir werden ausgezeichnet verpflegt. Ich fühle mich sehr wohl. Das herzogliche Paar pflegt mich sorgfältig, nur das verbittert mich, daß die nächsten Verwandten des armen herzoglichen Paares, der König von England, der Deutsche Kaiser und der Zar von Rußland miteinander Krieg führen." Frau Robert Freund schrieb der Herzogin von Cumberland einen Brief, in dem sie mit dankbaren Worten für ihre Güte dankte und der hohen Frau zu ihrem Geburtstage ihre Glückwünsche darbrachte. Auf diesen Brief kam folgende Antwort: „Liebe Frau Freund! Ihre herzlichen Zeilen haben mir eine große Freude bereitet. Auch danke ich Ihnen sehr für Ihre Glückwünsche anläßlich meines Geburtstages. Vor allem aber freut es mich, Ihnen mitteilen zu können, daß es Ihrem braven und tapferen Sohne schon besser geht. Sie müssen aber noch geduldig sein, denn die Wunde braucht Zeit, um zu heilen. Natürlich fällt dem Jungen das lange Liegen schwer, aber der Knochen muß heilen. Es grüßt Thyra, Herzogin von Cumberland. Gmunden, den 10. Oktober 1914. Jüdische Helden in der deutsciien Armee. Das eiserne Kreuz erhielten: Dr. med. Max Auerbach II, Köln. Dr. Heinrich Barth, Unterarzt, Berlin. Dr. B e n a r i o, Frankfurt a. M. Kurt Bernhard, Kammergerichtsref., Berlin. Arriokii Bernstein, Hamburg. Karl Blum, Kassel. Benno B e r n e i s, bayer. Trainabt., Kunstmaler a. Fürth. Assesor Dr. jur. Cassel. — Berlin, b. d. Garde- Drag. (V.: Abg. Geh.-Justizr. C.) Vizewachtmeister. Prof. Dr. E g e r, Ord. f. rum. Recht, Basel. Otto Ehrenberg, Kassel. 20. 9. Max Elias, Ingenieur b. Luftsch. Zeppelin 9, (V.: D. E. in Hannover). Walter F a b i a^^^ZjefeWW^k'di L.. Kaufmann iib Charlottenburg. ■M Julius G r a f, ^Nürnberg, Einj., Gef. in bayj. 8. Feld-Art.-Reg. \...': Henri Graetz, Off.-StellV.,' (V.: Louis G., HUdesheim). Emst G o 1 d s t e i n, Saiu-Gefr. a. Krefeld, Res.- ■ Inf. Nr. 39, iin der Schlacht an der-Marne am 22. September, im schärfsten Kugelregen und' Granatfeuer bat er einen Schwerverwundeten in der Feuerlinie verbunden und aus der Schußlinie hinausgetragen. Georg Glitten tag, 2. Komp., 11. Res.-Inf.-R. a. Glatz, (Mutter Wwe. Ottilie G.). R. Gumpert, Getr. i. Landwehr-Inf.-Reg. 76, Kaufmann a. Parchim, für Tapferkeit im Osten. Artur Goldstein, Kaufmann, Charlottenburg (v. H. Herrn. Tietz). Dr. Hirse h, Stabsarzt d. L. (Gren.-Reg. 4). Dr. Guido Hirsch, Rechtsanwalt, Oberleutnant d. R. i. Art.-Reg. Dr. Hans Hirschfeld, Assistenzarzt, Berlin. Dr. Walter Jacobi, Assesor, Unteroff. d. R. a. Erfurt, u. zw. Vize Wachtmeister befördert. Dr. J a c o b s o h n, Stabsarzt, Erfurt. Otto Jülich, Remagen (V.: Sim. J.). Leo Kamnitzer, ,18. Inf.-Reff. Osterode (Ostpreußen). Siegfriedi L o e b, Referendar, Berlin (Res.-Inf.- Nr. 13). Wilh. Lemmele, Stuttgart, Gefr. und Off.- Stellv., verwundet i .Gef. b. Longwy (4 Beinschüsse). Dr. Bernhard Landau, Chemiker, Berlin, Leo Leßmann, Unteroff. li. 40. Feldart.-Reg., Hamburg. Rittmeister der Landwehr Dr. Levy, Landtagsabgeordneter (Hohensalza). Leo Mohr, Unteroff. Siegfried Ochs, Musk. (V.: Levi 0., Viehhändler in Harleshausen bei Eisehach). Rechtsanwalt Dr. Siegfried Popper, Leutnant d. R., München. Hugo Rothschild, Unter oft. b. 28. Inf.-Reg. (V.: Meier R. ii. Rotenburg), als 1. s. Reg. Ludwig Rosenthal, Ünteroff. i. 16. Bayr.Ini. Drr Max- Sateueh<>Bat.vArzt-b.>-Mi■ Ini.-Regv, Köln, weil er an einem Tage während der Schlacht 400 Verwundete verbunden hat. Siegfried Samuel, Köln-Ehrenfeld, mit Bef. zum Vizefeldwebel. Unteroffizier Reich (2. Landst.-Inf.-Batt. Beutzen), Gefecht bei Popow (Polen), 7. September. Unteroff. d. R. R a h m e r, Inf.-Reg. 63. Dr. Salberg, Stabsu. Batt.-Arzt i. 5. Bayr. Res.-Inf.-Reg., Steele. Rudolf Ullstein, Mitgl. d. freiw. Automobilkorps, Berlin (Mitinh. d. B. Z. a. Mitt.'). Otto Wallach, Kassel. Bernhand! We i ß a. Berlin (V.: Max W. i. F. W. .& Kaphan). Josef Zürndörfer, M. d. Vorst, d. Jugendv. Laubhaum i. Bochum. * Das „Rote Kreuz4' und der Antisemitismus in Deutschland. In Deutschland hat sich der Fall ereignet, daß Sammelstellen des „Roten Kreuzes" von Juden keine Spenden annehmen wollten! Von dem stellvertretenden Militärinspekteur der freiwlligen Krankenpflege, Herrn Fürsten Hatzfeld, Herzog Trachenberg, erhielten nun die Mitteilungen des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus unter dem 5. Oktober folgendes Schreiben: „Es ist mir mitgeteilt worden, daß ihrem Verein Material zugegangen ist, aus dem sich das Bestehen antisemitischer Tendenzen im „Roten Kreuz" ergeben soll. Ich wäre dankbar, wenn Sie mir Einsicht in das Material verschafften, um eine Prüfung und Klarstellung zu ermöglichen. Ich würde es sehr bedauern, wenn — selbst von einer untergeordneten Stelle — im „Roten Kreuz" eine antisemitische Handlung begangen worden wäre, und ich würde dann unnachsichtlich und nachdrücklichst dagegen einschreiten. Hatzfeld." Die „Mitteilungen" bemerken dazu: Unsere Freunde werden gebeten, etwaige Beschwerden uns zu übermitteln. YVir werden nicht verfehlen, sie der zuständigen Stelle zu unterbreiten. Todesfälle. Vorige Woche ist in Wien der pensionierte Generalmajor Heinrich Ulrich Edler von Trenkheim im Alter von 67 Jahren verschieden. Als Sohn eines Stabsarztes in Lemberg geboren widmete er sich der militärischen Karriere und avancierte, trotzdem er dem Judenturrie treu blieb, bis zum wirklichen Generalmajor. Als Ritter der Eisernen Krone III. Klasse erhielt er den Adel. Generalmajor von Trenkhcim war der erste Jude in Oesterreich-Ungarn, der als General gestorben ist. Es ist daher auffällig, daß, während der Wiener Kultusvorstand im Jahre 1888 dem verstorbenen Artillerie-Obersten Adolf Beer ein Ehrengrab gewidmet hat, diesmal von einer Ehrung ganz abgesehen wurde. * In Berlin ist. am 8. d. M. Univ.-Professor Richard M. Mayer, ein amhafter Literarhistoriker und Schriftsteller, im 54. Lebensjahre gestorben. Dieser Mann, :der sich durch seiine preisgekrönte Arbeit über Goethe', seine Geschichte dier deutschen Literatur im XIX. Jahrhundert, zuletzt durch ein Werk über Nietzsche einen europäischen Namen gemacht hat, konnte es an der Berliner Universität nicht zum ordentlichen Professor bringen, weil er Jude war und es geblieben u'st. Liste der Ausgetretenen. Vom 21. bis 27. Oktober 1914. (Nr. 459—470.) Andor Georg, geb. 1. Jänner 1887 in Ladamer, XXI., Angerestraße 26. Hayek Siegfried, Zahntechniker, geb. 20. Jänner 1892 in Brünn, XX., Dresdnerstraße 130. Jungfrau Josef, geb. 25. März 1894 in Laibach, X., Sennefeldergasse 22. Mieses Friederike, geb. 10. August 1888 in Wien, XVI., Schellhammergasse 5. Rehberger Josef, Schauspieler, geb. 8. Februar 1889 in Wien, I., Nagkrgasse 27. Reiser Julius, Chauffeur, geb. 17. Mai 1888 in Wien, XII., Wilhelmstraße 52. Schereschewsky Maria Franziska, geb. 31. Oktober 1884 in Wien, I., Rathausstraße 7. Schwarz Vilma, Schauspielerin, geb. 8. April 1892 in Wien, IX., Nußdorferstraße 77. Speier Berthold (Berl), Uhrmacliergehilfe, geb. 26. August 1883 in Kolomea (Qalizien), XVI., Sandleitnergasse 4. Spitzer Alfred, Handelsagent, geb. 26. September 1890 in Wien, XVII., Leopold Ernstgasse 32. Tölgyesi Henriette, Schauspielerin, geb. 29. April 1899 in Brvczka, II., Fugbachgasse 19. Vogel Friedrich, Straßenbahnkondukteur, geb. 18. De-.. •5&fhber';id83;jift;3WieVii'XX., Alle'rheiligeriplatz'3.' nuo Streng rituelles Hotel und Restaurant (eigenes Haus) 30 Zimmer, elektrische Beleuchtung, Bäder im Hause, feinste KUche und Getränke, gute Bedienung. A. Barschak, Hotelier u. Restaurateur Wien II, Grosse Schiffgasse 3 (nächst der Stephaniebrücke) (r. G. m. b. H.) Wien I, Franz-Josefs-Kai 43 (früher Kreditinstitut für jütische Gewerbetreibende und Beamte) gewähr! Darlehen, eskomptiert Wechsel, Übernimmt Spareinlagen zu günstigen Bedingungen. TAILOR A. GRIMM Feine Herrengarderoben. Sportbekleidung, Militär- und Beamtenuniformen, WIEN I., WEIHBURGGASSE 11. 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