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Neue Nationalzeitung · 1914-09-25 · Heft 21 (25.9.1914) · p. Seite 5

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVI (1914)
Issue
Heft 21 (25.9.1914)
Date
1914-09-25
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr 21 „Neue National-Zeitung" Seite 5 Für die galizischen Flüchtlinge! Aufruf! Als sich vor einigen Wochen infolge der feindlichen Invasion die. kaisertreue jüdische Bevölkerung in Qalizien in Bewegung setzte und in Massen nach Wien zog, ohne alle Barmittel, ja selbst ohne die wichtigste Kleidung, um wenigstens vor dem Feinde das nackte Leben zu retten, hat sich der gefertigte Verband zuerst an die große Oeffentlichkeit niit einem Appell gewendet, um auf diese Weise die zur dürftigen Unterstützung der Flüchtlinge notwendigen Mittet aufzubringen. Dieser Appell wurde von der großen Oeffentlichkeit erhört. Es sind uns zahlreiche Spenden zugekommen und wir wurden in den Stand gesetzt, den von ihrer Scholle vertriebenen Opfern wenigstens soviel zu bieten, daß sie ihr menschliches Dasein für kurze Zeit fristen können. Wir haben aus kleinen und größeren Spenden zirka K 12.000' aufgebracht. Wir haben dafür zahllosen Familien, die in dieser Großstadt niemanden hatten, der sich ihrer angenommen hat, in die Lage versetzt, sich ein Quartier zu suchen, sich die ihnen leider oft fehlende unentbehrlichste Wäsche zu beschaffen und auch, was das Wichtigste, wenigstens für die ersten Tage mit den notwendigsten Nahrungsmitteln zu versehen. Angehörige aller Bevölkerungsklassen haben unsere Hilfe in Anspruch genommen: Dr. Max Jacobsohn, Hof- und öerichtsadvokat, Präsident des Verbandes und Obmann des Vereines der Tarnowe r, I., Biberstraße 11. Ignaz Platz, Kaufmann, Vizepräsident des Verbandes und Obmann des Vereines der Lemberger, IL, Hammer-Purgstallgasse 5. Der Krieg und die ostjüdischen Flüchtlinge. Von Dr. Heinrich Schreiber, Mitglied des israelitischen Kultusvorstandes in Wien. Der Krieg ist eine furchtbare Geißel und es ist kein Zweifel: er bedeutet eine harte Heimsuchung aller Bürger. Uns Juden aber schlägt sie nicht weniger schwer als alle Angehörigen dieses weiten Reiches. Von den wenigen gelehrten Berufen abgesehen, sind wir Juden vorzugsweise Geschäftsleute, Gewerbetreibende, Industrielle. Handel und Wandel jedoch sind gestört, Verkehr und Geschäft sind empfindlich hergenommen, die Erwerbstätigkeit stockt, die Kreditnot nimmt überhand und das Moratorium, Studenten, Lehrer, Gymnasialprofessoren, Staatsbeamte, Apotheke r, Advokaten usw. Sie alle sind erwerbslos und obdachlos. Wenn nicht allen, so haben wir doch den meisten von ihnen geholfen; wir haben geholfen, soweit unsere Mittel reichten. Diese Mittel sind nun verbraucht, und die Not ist noch immer groß. Wir waren bemüht, uns wegen Zentralisierung der gesamten Hilfstätigkeit, mit dem unter Vorsitz des Herrn Ministers v. B i- 1 i n s k i stehenden Komitee ins Einvernehmen zu setzen, doch waren unsere diesbezüglichen Bemühungen vergeblich. Was die Kommune gegenwärtig bietet, ist allerdings etwas: ein Mittag, bestehend aus Suppe, Gemüse und Brot. Diese Mahlzeit kann aber für Personen,, die einst bessere Tage gesehen, nicht genügen, und es ist unsere menschliche und brüderliche Pflicht, die Aktion der Kommune zu vervollständigen, respektive zu ergänzen." f Der Verband hat sich daher zur Aufgabe gemacht, den Flüchtlingen die erste, dring en dste materielle Hilfe zu 1 ei s t e n, die von der Kommune beigestellte Mahlzeit durch Aufzahlung eines kleinen Betrages in der Weise zu ergänzen, daß die Flüchtlinge, insbesondere aber die Greise und Kinder, wenigstens einmal täg- J. M. Beer, Buchdruckereibesitzer, Vizepräsident des Verbandes und Obmann des Vereines der B r o d. y e r, IL, Odeongasse. 1. Dr. Moritz Kahane, Hof- und Gerichtsadvokat, Schriftführer des Verbandes und Obmann des Vereines der Rzeszo wer, I., Franz Josefs-Kai 7. so wohltuend es den Schuldner schont, entzieht immerhin dem kommerziellen Leben die unentbehrlichen Nährstoffe der flüssigen Eingänge. Arbeits- und Brotlosigkeit sind vielfach die Begleiterscheinungen der Krise. Besonders empfindlich sind die östlichen Kronländer, Galizien und die Bukowina, mitgenommen. Dort sind an den östlichen Grenzen die Horden des Zarismus eingebrochen; die Abwanderung der Flüchtlinge hat beträchtliche Dimensionen angenommen; der materielle Wohlstand dieser Schichten ist erschüttert und zerrüttet. Ein Hauptgebiet der Verkehrsexpansion ist brachgelegt; der Wiener Platz und die mit diesem Emporium verwachsenen Industriestätten sind in trübe Mitleidenschaft gezogen. Die Wucht, mit der diese Ereignisse auf Erwerb und Wirtschaft lieh eine bescheidene Portion (10 dkg) Fleisch erhalten können. Es ist weiters große Not an Winter Wäsche und Winte r k l e id e r n, und angesichts der rauhen Jahreszeit und des bevorstehenden Winters ist die Notwendigkeit vorhanden, die Flüchtlinge die.zum größten Teil eine zahlreiche Familie haben, mit Kohle zu versorgen. Wir bitten nun unsere Stammes- und Glaubensgenossen, uns die Erfüllung dieser Aufgabe zu ermöglichen. Wir bitten um Geldspenden, wir bitten um Kleidungsstücke und Wäsche, wir bitten schließlichumKohlen. Jede, auch die geringste Spende wird dankend angenommen. Jeder Spender erfüllt ein edles Werk und es wird ihm das Bewußtsein bleiben, seinen Teil zur Linderung des schrecklichen Elends beigetragen zu haben. Die Spenden werden veröffentlicht werden. Geldsendungen bitten wir zu richten an den Verband (Checkkonto Nr. 149.900) oder an einen der gefertigten Funktionäre. Kleider, Wäsche und Kohlenanweisungen wolle man im Verbandslokale, IL, Novaragasse 41, abgeben. Adolf Hecht, Bankier, Kassier des Verbandes und Obmann des Vereines der Kolomeaer, XV, Mariahilferstraße 138. J. Willner, Kaufmann, Kassier des Verbandes und Obmann des Vereines der Tarnopoler, IL, Kleine Sperlgasse 8. drücken, wird noch verstärkt durch die Ansammlung zahlloser hilfsbedürftiger Menschen, welche vor dem Feinde und den Greueln des Krieges geflohen sind, Haus und Herd verlassen haben, um in der Zentrale des Reiches ein schützendes Asyl und barmherzige Unterkunft zu finden. So sind Scharen unserer Glaubensgenossen mit Kind und Kegel hier zusammengeströmt und flehen um Hilfe in entsetzlicher Not. Schon hat sich ein Hilfskomitee für die galizischen Flüchtlinge gebildet, schon ist ein Aufruf in flammenden Worten ergangen, damit sich die Mildtätigkeit der Mitmenschen dieser Unglücklichen zuwende, und diese Mahnung wird gewiß nicht ungehört verhallen. Auch der Staat verkennt nicht seine Pflicht, das Los dieser Mitbürger

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