Mannheim
Compact Memory

Neue Nationalzeitung · 1914-09-25 · Heft 21 (25.9.1914) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVI (1914)
Issue
Heft 21 (25.9.1914)
Date
1914-09-25
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2425679-2425912-2425933--3002-2429554
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

tfr. 21 „Neue Nationri-Zeftiwg"?eftir'„?... batterie so weit voraüsgekommen/äaß er sie nicht mehr einzuholen vermochte, und B. marschierte nun zu Fuß querfeldein in der Richtung nach Koniggrätz, Unterwegs traf er auf einen da stehengebliebenen, bespannungslosen Deckel wagen, bei dem ein Artillerist Wache hielt; es stellte sich heraus, daß der Wagen unter anderein eine Kasse enthielt. Bardach hieß dem Artilleristen mit seinem Faschinenmesser das Schloß des Deckelwagens abhauen; die Kassa wurde herausgehoben und von B. und dem Artilleristen nach Koniggrätz transportiert. Es mochte 1 Uhr nachts gewesen sein, da B. einem Inspektionsoffizier in Koniggrätz die hölzerne, mit drei Schlössern versehene Kasse gegen Bestätigung übergab. Am 4. Juli traf der Kadett in Neu-Königgratz seinen Regimentskommandanten, der ihn dem Erzherzog Josef vorführte. Seine k. k. Hoheit richtete mehrere, auf den Feind bezügliche Fragen an B.; unter anderem frug er,! ob denn der, auf der Straße vor der Prager Vorstadt zurückgebliebene Train nicht zu retten wäre. B. bot sich hiezu freiwillig an. Beiläufig 80 Leute aller denkbaren Truppen und Branchen, denen es zumeist an jeder Waffe mangelte, ja von welchen viele nicht einmal eine Kopfbedeckung hatten, und zirka 70 Pferde der verschiedensten Truppen wurden ihm zur Verfügung gestellt. Er verließ mit dieser zusammengewürfelten Abteilung die Festung; er suchte unter dem kunterbunt durcheinander stehenden, verlassenen Train vorzugsweise die Geschütze heraus und forschte nach iMunition. Nachdem er die abgehauenen Stränge provisorisch durch solche aus den Protzkästen ersetzt hatte, schickte er sukzessive die als brauchbar erkannten Geschütze und Munition zurück zur Festung. Mitten in dieser Arbeit überraschte ihn eine feindliche 7'otenkopf-Husaren-PatrouiIle; es entspann sich ein kurzer Kampf, in welchem B. durch einen Stich in den rechten Oberschenkel verwundet wurde,. Seine Geistesgegenwart ließ ihn auch hier der Gefangenschaft entrinnen. B. erhielt für all die vielen Beweise von Mut und Entschlossenheit die goldene Tapferkeits-Medaille. Rubel zustecken; so ein armer Polizeimeister will ja auch leben." „Wir stecken ihm zu," erwiderte Silberbarren, „und er steckt uns ein; er ist ein schlechtes Pferd, er frißt aus der vollen Krippe, beißt um sich und schlägt aus." Der Gouverneur war offenbar durch die Aussicht auf das Geld in gute Laune gekommen. Er tippte seinem Opfer auf die Schulter und sagte lächelnd: „Ihr seid offenbar verwöhnt worden und schreit beim geringsten Ungemach durch ganz Europa um Hilfe. Ich gebe zu, man zündete eure Häuser an, man plünderte die Läden, man entehrte die Frauen, man erstickte Kinder, man erschlüge die Männer und besudelte eure Gotteshäuser — aber bedenkt, was der Zar litt, ohne zu klagen und zu jam- "mern wie ihr: hunderttausend hoffnungsvolle Söhne im blühenden Mannesalter sind ihm in Asien getötet worden, seine besten Schiffe sind ihm genommen; Prachtstücke von Krupp und Schneider ruhen auf ihren Lafetten in Tokio; ein Körperteil des Reiches i%t abgetrennt; die Finanzen sind zerrüttet, Generale und Admirale sind vom Sturm weggetragen und das Staatsschiff knistert in allen Fugen — habt ihr den Zar um Hilfe rufen gehört? Nein! Das ist der gewaltige Unterschied zwischen dem edlen Monarchen und einem gestochenen Juden, der da gleich hinausbrüllt, als ob er die Mandschurei verloren hätte! Nun geht und kommt nachmittag mit dem Gelde wieder." Herr Silberbarren machte eine tiefe Verbeugung und entfernte sich, um unter ^seinen wohlhabenden Stammesgenossen ' eine große Kollekte für den Provinzgouveraieur zu veranstalten! Mit 1. Mai 1873 zum' 5. Husarenregiment transferiert, wurde Kadettwachtmeister Bardach; nachdem er ein Jähr die Kavallerie- Kädettenschule frequentiert, im November 1874 zum Kadetten neuen Systems ernannt und avancierte mit 1. Mai des darauffolgenden Jahres zum Leutnant, als welcher er genau drei Jahre später zürn Husarenregiment Nr. 9 übersetzt wurde. November 1879 Oberleutnant, rückte er am 18. August 1888 in die Charge eines Rittmeisters vor, wurde als solcher 189U in den Adelsstand mit dem Ehrenworte „Edler" und dem Prädikate „Chlumberg" erhoben und kam November 1891 in den Stand des k. u. k. Militär-Reitlehrer- Institutes, woselbst er die Dienste eines Adjutanten versah. j im Jahre 1893 wurde B. mit dem königl. preußischen Kronenorden III. Klasse ausgezeichnet, ging am 1. November 1899 in Pension, bei welchem Anlasse ihm der Titel und Charakter eines Majors verliehen wurde. B. hatte während seines Pensionsverhältnisses bei dem, wegen seines chevaleresken Wesens wie auch als Philantrop rühmlichst bekannten Gustav Freiherrn von Springer eine seinem militärischen Range entsprechende Beamtenstelle irtne. Er starb, die letzte Zeit bei seinem in; Czernowitz lebenden Bruder zubringend, am 8. Mai 1911 und ward daselbst mit den ihm gebührenden militärischen Ehren bestattet. (Quelle: Ascher „Gut und Blut für unseren Kaiser".) Korrespondenzen. Plenarsitzung des Kultus-Vorstandes. Wien, den 24. September. Für heute ist eine Plenarsitzung des Kultusvorstandes einberufen. Auf der Tagesordnung stehen unter anderen: .. Wahlen pro 1914 und die Anträge einiger Bezirkskommis^oneii auf Bestimmung von Zuschla.g,eh zu den Kultus-Steuern. Die letztere Maßregel scheint unis sehr wirksarru zu sein, um der schrecklichen Not, der tausende jüdische, auch in Wien ansäßige Familien ausgesetzt sind, zu steuern. Wir sind1 überzeugt, daß die Majorität der Kultuswä'hler, respektive Steuerträger der Gemeinide solche Zuschläge gerne auf sich nehmen wird. Selbstverständlich dürfen solche Zuschläge nicht exekutiv eingetrieben werden. Allein wir sind überzeugt, daß jeder Steuerträger, dessen Verhältnisse es halbwegs gestatten, einen 20—25prozeiitigen Zuschlag: zur Kultus-Steuer leisten würde. Wenn wir in Betracht ziehen, daß die Wiener Kultusgemeinde ca. 25.000 Steuerträger hat, so ist zu rechnen, daß mindestens die Hälfte gerne die Zuschläge leisten wird. Dadurch würde die Wiener Gemeinde mnidestens 2 bis 300.000 Kronen für die Notstandaktion aufbringen. * Der Zionisteniührer David Wolffsohn gestorben. Wien. Am 15. September starb in Homburg v. d. H. der langjährige Präsident der zionistischen Organisation, Herr David W o 1 f f s o h n, im 58. Lebensjahre. David Wolffsohn (geb. im Jahre 1856) war der vertraute Freund Theodor H e r z 1 s, des Schöpfers der zionistischen Organisation. Schon an der Organisierung des ersten Zionistenkongresses im Jahre 1897 nahm er den tätigsten Anteil und zählte dann zu den hervorragendsten Vorkämpfern der zionistischen Idee. Mit besonderer Hingabe widmete er sich der Gründung der Jüdischen Kolonialbank, die im Jahre 1899 erfolgte. Nach dem Tode Herzls wählte ihn der VII. Zionistenkongreß im Jahre 1905 zum Präsidenten des Aktionskomitees der Zionistischen Organisation, die bis zum Jahre 1911 unter seiner Leitung stand. Nach der Verlegung des Sitzes der Zentrale nach Berlin verblieb er Präsident des Aufsichtsrates und widmete sich bis zu seinem letzten Atemzuge mit unverminderter Hingabe den Aufgaben der zionistischen Bewegung. Kriegsnachrichten, Auszeichnung Jüdischer Offiziere, Unter der großen Anzahl der für ihr heldenmütiges Verhalten vor dem Feinde ausgezeichneten Offiziere und Soldaten befinden sich selbstverständlich auch jüdische Offiziere und Soldaten, die, was Mut und Opferwiilligkeit betrifft, hinter den Anderen nicht zurückstehen. Das beweist am besten die große Anzahl gefallener jüdischer Offiziere und Soldaten, deren Namen wir nach -eingehender Perlustrierung noch veröffentlichen werden. Unter den mit hohen Orden ausgezeichneten jüdischen Offizieren sei an erster Linie erwähnt Oberstleutnant und Bataillon-Kommandant Maximilian Ullnianny welcher für sein tapferes Verhalten vor dem Feinde die eiserne K r o n e 3. Rl. mit der Kriegsdekoration erhielt. Oberstleiitnant Ulimann wurde verwundet und' befändet sich derzeit in Spitalspflege in Wien. Der bekannte Redakteur Karl U11 m a n n ist sein Bruder. Weiters wurde ausgezeichnet Stabsarzt Dr. Leopold Redlich, welcher das Ritterkreuz mit dem Franz Josefs-Orden, zu tragen am Bande des M-ilitär-Verd'ienstkreuzes, erhielt Diese neueste Anordnung, daß auch der, Franz Josefs-Orden am rotweißen Bande des Militär-Verdiienstkreuzes getragen werden, kann, ist auf eine jüngste kaiserliche Verordnung zurückzuführen und ist ein Beweis, daß an allerhöchster Stelle die Kriegsverdienste der Aerzte, die nicht minderen Todesgefahren ausgesetzt sind, als die Kombattanten, auch in gleicher Weise bewertet werden. * Feldwebel Julius Reif. Aus den Tageszeitungen dürften unseren Lesern bereits die Heldentaten des jüdischen Landwehrinfanteristen Julius Reif bekannt sein, der im Laufe einiger Tage zum Feldwebel avancierte und für die goldene Tapferkeitsmedaille vorgeschlagen wurde. Der nachfolgende Brief, der aus der Feder eines Onkels Reifs stammt, enthält über unseren Helden und seine Famiilie einige sehr interessante Daten. Er lautet: Euer Wohlgeboren! Ihrem Wunsche betreffend meinen Neffen Julius Reif gerne nachkommend, teile ich Ihnen über denselben folgendes mit: Julius Reif ist der Sohn meines in Mährisch-Ostrau wohnhaften und daselbst zuständigen Bruders Siegmund Reif und ist von Beruf Handelsangestellter. Er ist derzeit 23 Jahre alt und dient beim 31. Landwehrinfanterieregiment (Teschen) seit zwei Jahren. Eine Photographie desselben kann ich Ihnen leider nicht senden, da mein Bruder die einzige in seinem Besitze befindlich gewesene an das „Wiener Extrablatt" eingesendet hat und dieselbe bisher, nicht zurückgestellt erhielt. Bemerken will ich auch noch, da es für Sie jedenfalls sehr wissenswert erscheint, daß mein Neffe schon in seinen Knabenjahren ein sehr energisches und selbstbewußtes Benehmen an den Tag legte und immer, wie man sagt, seinen eigenen Kopf hatte, und selbst in der Schule seinen Lehrern mit seinen Stückeln nicht wenig zu schaffen gab. Trotzdem ist er ein äußerst gutherziger und gut zu leidender Junge. Mit Hochachtung zeichnet Philipp Reif, Mährisch-Ostrau, Pittlergasse 20. Mein Bruder Siegmund ist. Handelsangestellter und ist noch Vater zweier Söhne, von denen der ältere gleichfalls im Heere dient (100. Inf.-Reg.), während der jüngere Sohn Gewerbeschiiler ist. Spenden für die galizlschen Flüchtlinge. Unserer Administration sind nachstehende Spenden zugekommen: Von Frau Lotte Witt, k. u. k. Hofschauspielerin K 20.—. Hiezu die bereits ausgewiesenen K IL—, zusammen K 31.—. Weitere Spenden werden erbeten und in dieser Rubrik ausgewiesen. Liste der Ausgetretenen. befindet sich auf Seite 4.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.