Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVI (1914)
- Issue
- Heft 21 (25.9.1914)
- Date
- 1914-09-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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NftCiCNftL-ZEiQJNG RßRAUSG5BßR". öfS.R.LNNDNü!! XVI. Jahrgang. Wien, 25. September 1914. Nr. 21. Redaktion, Administration und Inseraten-Auf nähme Wien, I., Oppolzergasse Nr. 4. Telephon 18.435. K. k. Postsparkassen-Konto 88.704. Manuskripte werden nicht zurückgestellt. Abonnementspreises (mit Zustellung ins Haus) In O e s t e r r e i ch-U ngarn: Ganzjähr. K8.—, halbjähr. K4.—, Vierteljahr. K 2 — In Deuts chland: Ganzjähr. K 10.— Im Übrigen Ausland: Ganzjähr. K 12.— Einzel-Exemplare zu 14 Hellern im Zeitungsverschleiß Hermann Goldschmiedt, 1., Wol.lzeile 11, und in den meislen Tabak-Trafiken. Inhalt: L,: Zentralisierung der Flüchtlingsfürsorge. Jüdische Kriegshelden IV : Major Wolf Bardäch von Chlumberg. Dr. Heinrich Schreiber: Der Krieg und die ostjtidischen Flüchtlinge. Dr. S. R. Landau: An das Fürsorge- Komitee für die galizischen Flüchtlinge. Ein Aufruf! Kriegsnachrichten. Feuilleton: Dr. Eduard Kaufmann: Flüchtlinge Leo Herzberg-Fränkl: Aus dem Lande der Pogrome. (Schluß.) ^^^i\p?^>\M^r^p Wir bitten unsere Leser, uns alles, was die Anteilnahme der Juden am Kriege betrifft (Spenden, Taten der Tapferkeit, Beförderungen infolge Tapferkeit usw.) mitzuteilen. Auch bitten wir, uns die Briefe von am Schlachtfelde befindlichen Angehörigen gegen umgehende unversehrte Retournierung zur Veröffentlichung überlassen zu wollen. \^^>\\^^^m^^> 9n unsere Abonnenten! Wir ersuchen unsere auswärtigen Abonnenten höflichst um gefl. umgehende Begleichung des rückständigen Abonnements. Wir haben die Pränumerationsgebühr unseres Blattes nicht erhöht, trotzdem dasselbe jetzt wöchentlich erscheint und noch grössere Opfer erfordert als bisher. Die Administration. Zentralisierung der Flüchtlingsfürsorge. Für den Bürger, der nicht berufen erscheint, dem Vaterlande mit den Waffen in der Hand zu helfen,, und dessen Heim sich zufälligerweise außerhalb des unmittelbar vom Feinde bedrohten, oder . angegriffenen Landes befindet, darf es heute nur einen Gedanken geben: der Hilfe für seine Mitbürger; einerseits der Hilfe für die wackeren Helden, die'gegen den kulturfeindlichen Zarismus jtnd den russischen Eindringling kämpfen, sowie für deren Familien und Hinterbliebenen, anderseits aber auch für diejenigen, ,die mittelbar durch die entstandene Arbeitslosigkeit und durch die Flucht vor dem Feinde brotlos und heimatlos geworden ist. Mit Bewunderung können wir daher auch sehen, wie die großen Organisationen ihre verdienstliche Arbeit entwickeln.' Für die Verwundeten, für die Witwen und Waisen der Gefallenen, für die - bessere Verpflegung und für die Bekleidung der im Felde stehenden Soldaten bestehen geschlossene Zentral-Organisationen, die bereits größere Fonds durch freiwillige Spenden aufgebracht haben und energisch für die Erfüllung ihres Zweckes sorgen. Nur die Hilfstätigkeit im Interesse der galizischen Flüchtlinge, die in Zehntausenden Haus und Hof fluchtartig verlassen mußten, oft nur notdürftig bekleidet und ohne Mitnahme ihrer Barmittel, ja selbst ihrer Dokumente, ist noch nicht organisiert, und alle Versuche einer Organisation sind bis jetzt gescheitert. Diese Flüchtlinge, die durchaus nicht freiwillig, sondern zum größten Teil vom Feinde vertrieben, oder von den östererichischen Behörden im Interesse der Verteidigung zum Verlassen ihres Heims aufgefordert, sich inBewegung gesetzt haben, sahen sich veranlaßt, vom Selbsterhaltungstriebe geleitet, nach Wien, der Metropole des Reiches, zu ziehen, wo sie körperliche Sicherheit und materielle Unterstützung erwarteten. Teils über Ungarn, teils über Schlesien bewegten sich diese Massenzüge. Ein Teil von ihnen, wohl mindestens an die Fünfzigtausend, " befindet sich bereits in Wien, viele Tauseude streben noch diesem Ziele zu. Die durch Ungarn reisen, müssen von dort hinaus, da sie von den ungarischen Behörden hiezu gezwungen werden. Budapest, die ungarische Residenz, hat den galizischen Flüchtlingen seine Tore versperrt. 'Iransportzüge, die über Mähren reisen, werden dort aufgehalten und ihre Insassen veranlaßt, in den kleinen jüdischen Gemeinden zu verbleiben und Wohnsitz zu nehmen. Die Transportzüge der polnischen und r athenischen Flüchtlinge werden nach Steiermark geleitet. Aber alle die bestehenden Komitees haben miteinander keinen Kontakt. In Wien werden von der Fürsorge-Zentrale der Kommune die Flüchtlinge notdürftig verpflegt, aber es inangelt bereits an Quartieren. Der Verband der galizischen Vereine ist bemüht, aus den ihm zukommenden Spenden die notdürftige Verpflegung der Kommune aufzubessern und unentbehrliche Kleidungsstücke zu beschaffen. Die Israelitische Allianz in Wien beschränkt sich auf Nikolsburg. Ein Komitee voll glänzender Namen will Unterstützungen, Vorschüsse und Darlehen an die Flüchtlinge gewähren. Aber alle diese kleinen Hilfsaktionen haben ihre Bemühungen noch immer nicht vereint. Die Flüchtlinge bekommen wohl etwas, aber sie müssen sich dies mühsam erkämpfen, durch stundenlanges Warten, Drängen und durch öffentliche Schaustellung, die ihre menschliche Würde verletzt. Die Not ist ungeheuerlich. Familien, die noch vor einigen Wochen im Ueberfluß lebten, die aus ihrem Besitz oder Erwerb ein großes Einkommen schöpften, schweben jetzt abgeschnitten zwischen Himmel und Erde, ohne einen Heller in der Tasche, gezwungen, in den Höfen der Wohltätigkeitsbüros oder in den Straßen tagelang zu v/arten, bis sie an die Reihe kommen. Und noch immer arbeitet jede Organisation für sich; es fehlt jeder große Zug. Gerade über jenes Komitee, dem die glänzendsten Namen angehören und welches berufen wäre die Gesamtaktion in die Wege zu leiten, hören wir Beschwerden, daß es mit den anderen Komitees nicht zusammenarbeiten will. Dieses Verhalten muß die Oeffentlichkeit sehr befremden. Wir wissen nicht, wie lange der gegenwärtige Zustand noch anhalten wird, aber jeder Tag dieses elenden Daseins bedeutet für die zehntausende Flüchtlinge eine Ewigkeit .... Wir hoffen und erwarten daher, daß sich die berufenen Elemente ihrer Verantwortung bewußt, für eine Zentral-Organisation der gesamten FircI:(t;:*gsfiirsorge einsetzen werden. L.