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Neue Nationalzeitung · 1914-09-18 · Heft 20 (18.9.1914) · p. Seite 7

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVI (1914)
Issue
Heft 20 (18.9.1914)
Date
1914-09-18
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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tfr. 20 „Neue National-Zeitung" Seite 7 Kriegsnachrichten. Leichtfertige Berichterstattung. Wie ein Lauffeuer hat sich unter den m Wien lebenden galizischen Flüchtlingen aus Galizien vorige Wqch© die Nachricht von dem Tode des als Oberleutnant im Felde stehenden Landtagsabgeordneten vöi\ Brody, Dr. Tobias ' A schkenasy, verbreitet Midi geradezu Bestürzung hervorgerufen. Glücklicherweise' handielt es sich bloß um eine Ente der „Bloch'schen. Wochenschrift". Dr. Aschkenasy, dessen Gattin sich in Wien aufhalt, hat sich mit seiner Mannschaft nach Drohobycz zurückgezogen und seiner Frau hievon berichtet. Der „Wochenschrift" wäre zu empfehlen, daß sie etwas gewissenhafter benichte und nicht jeden Kaffeehaustratsch zu einer Sensationsnachricht aufbausche. * Der Tod des Artillerieleutnants Paul Erdelyi. (Während des Gespräches mit Erzherzog Josef.) Die Tagesblätter berichten: Während des Artiller iekampf es bei Szabatz am 20. August erscheint in der Feuerlinie bei einer Batterie des Feldhaubitzregiments Erzherzog Joseph und beginnt ein freundschaftliches Gespräch mit dem Reserveleutnant Paul Erdelyi; ringsherum sausen Schrappnels. Da explodiert in der unmittelbaren Nähe der Batterie ein Geschoß. Leutnant Erdelyi sieht mit unsicherem Blick um sich und bricht zusammen. Der Unglückliche wurde von einem Volltreffer getroffen. Am Rande der Tragbahre saß bald darauf neben dem Schwerverwundeten Erzherzog Joseph, dem zum Schlachtentod geweihten die Hand drückend: „Das Spiel ist aus, Kaiserliche Hoheit" lispelte Erdelyi noch. Er wurde ins Spital nach Neusatz überführt, wo der Held am 23. August seiner schweren Verletzung erlag. Die arme Mutter konnte den Verlust des Sohnes nicht überleben und inzweifrischenQräbernfinden nun ewige Ruhe Mutter und Sohn. Ueber die biographie des Verstorbenen schreibt uns herr Moriz F r ü Ii 1 in g: l^aul Erdelyi, geboren 1883 in Budapest, diente als Einjährig Freiwilliger im -seinerzeitigen Korpsartllerieregimente Nr. 4 — gegenwärtig Feidhaubitzregiment i\r. 4 —, wurde am 1. Jänner li>uy zum l<eserveieutnant ernannt una war im bürgerlichen beruie Beamter aer ungarischen Komtnercialbank. * Der Abschiedsbrief eines jüdischen Soldaten. Das nachstehende Schreiben, das ein schlichter jüdischer Viehhändler aus einer kleinen Stadt geschrieben hat, ist von Herrn Dr. A. Eck Stenn in tsamb&rg der Presse zur Verfügung gestellt wondien. Der Schreiber des Briefes, Vater von sieben Kindern, ist am 3. August ins Feld gerückt. Aus frommem Herzen heraus schrieb er an seine Verwandten: „Meine Lieben! Wenn dieses hier meine letzten Zeilen sein sollen, so lebt wohl, fürchtet Gott und haltet seine Thora! Meine Kinder empfehle ich dem Allmächtigen, er möge sie zu Großen in Israel heranziehn, ich will Rache nehmen für die vielen Morde und Martern, die an Juden von unseren Feinden begangen wurden. Es haben sich bei uns achtzehn Juden freiwillig ins Heer einstellen lassen, dabei will auch ich nicht zurückbleiben, und meine jüdische Pflicht erfüllen! Und wolle es dann sein, dali wir nicht mehr lebend zurückkommen, so finden wir uns doch ein ewiges Leben bei dem, der über unser Wohl und Wehe beschließt. Wir nehmen Abschied mit Tränen, aber mit Liebe ziehen wir für unsere Frauen und Kinder, um unsere Pflicht zu tun; wie könnte ich auch nachher noch aufrecht unter meinen Mitmenschen herumlaufen, oder vor Gott beten, wenn ich zurückstehen wollte! Ich habe mich mit mir und meinen Angehörigen beraten, und auf die Stimme meiner Mutter, die auch unserem lieben Emil das Gleiche geraten hat, bin ich gegangen. Wenn ich aber lebend meine Lieben wiedersehen darf, so komme ich ohne Sünden, ohne Makel zurück, ich bin die 5 Bücher Moses durchgegangen, ich habe mich in die Geschichte von Abraham, Mosche, Jehoschua, Debora, den Richtern und den Makkabäer zwei Nächte lang vertieft und ich kam zu dein Schluß, daß wir unter allen Umständen unser Vaterland, unsere Familie, unseren Glauben schützen müssen." Personal-Nachrichten. Der bekannte Schriftsteller und Verfasser zahlreicher jiddischer Dramen, Herr Moses Richter aus New-York, befindet sich derzeit auf der Rückreise von Galizien nach New York mit seiner Familie in Wien. Zu Ehren Herrn Richters hat in Lemberg die zionistische Parteileitung einen Festabend veranstaltet. Unser langjähriger Mitarbeiter, Herr Eduard Kaufmann, Sohn des berühmten Malers Isidor Kaufmann, ist jüngst an der Wiener Universität zum Doktor der Rechte promoviert worden. Todesfälle. Der Sekretär der Baron Hirsch'schen Schulstiftung, kaiserl. Rat Dr. Arnold Ascher, hat in kurzer Zeit zwei schwere Schicksalsschläge erlitten. Zuerst starb ihm ein zwölfjähriger sehr talentierter Sohn und bald darauf verlor er seine Mutter, eine wackere Frau, die trotz ihrer bescheidenen Verhältnisse und trotzdem sie auch geschäftlich tätig war, sich in aufopferungsvoller Weise der Erziehung ihrer Kinder widmete. Herr Rabbiner Dr. Feuchtwang hat auch die seltenen Tugenden der Verstorbenen in einer rührenden Grabrede gewürdigt. Das IM Iii m litt Hü aus (ttn in Holste«. Der Vorstand der Israelitischen Allianz versendet folgendes Rundschreiben: Der unselige Jammer des Krieges hat die Bewohner Ostgaliziens und darunter insbesondere unsere Glaubensgenossenan?: härtesten getroffen. Viele Tausende teils auf Veranlassung der Regierung evakuierter, teils vor dem eindringenden Feinde geflüchteter Familien, müssen bis zur Beendigung des Krieges in Westösterreich untergebracht und verpflegt werden. Das k. u. k. Kriegsüberwachungsamt und Se. Exzellenz, der Statthalter, in Mähren, haben der Israelitischen Allianz vor wenigen Tagen die Mitteilung zukommen lassen, daß zunächst 6000 jüdische Flüchtlinge in der israelitischen Gemeinde i n Nikolsburg untergebracht werden müssen und haben uns um rasche und ausgiebige Mithilfe für diese Bedauernswerten gebeten. Nach den uns dabei gemachten Mitteilungen sind noch fernere große Schaaren zu erwarten, für welche, wenn die auf Veranlassung der Regierung in Bau begriffenen Baracken in Nikolsburg nicht ausreichen werden, in ähnlicher Weise Unterkunft bei Pohrlitz und eventuell in der Nähe noch anderer jüdischer Gemeinden in Mähren geplant sind. Die Staatsregierung hat erklärt, für die Bequartierung und notdürftige Verköstigung sorgen zu wollen, hat aber zugleich an uns den dringenden Appell gerichtet, durch Anrufung der privaten Wohltätigkeit möglichst dazu beizutragen, daß das Dasein dieser vielfach aus ruhigen bürgerlichen Verhältnissen, zum Teil sogar aus dem Wohlstand plötzlich herausgerissenen und in grausame Not versetzten Flüchtlinge, ein menschenwürdiges sei. Im Einvernehmen mit dem Kultusvorstande in Brünn und der israelitischen Gemeinde in Nikolsburg, haben wir in Aussicht genommen, die von der Regierung erbetene Mitwirkung in der Richtung zu gewähren, daß wir für die Anschaffung der notwendigen Einrichtungsgegeiistände (Decken, Strohsäcke, Küchengeschirr), ferner für Wäsche und Kleider und für die mit Rücksicht auf die besonderen Bedürfnisse der Israeliten notwendige Aufbesserung der Verpflegung — wozu insbesondere die Beistellung der rituellen Kost gehört — nach Kräften Sorge tragen werden. Wir wenden uns daher an unsere Gönner und Wohltäter mit der innigen Bitte, uns durch Ueber Weisung hochherziger Beiträge in den Stand zu setzen, zur Linderung der großen Not von so vielen Tausenden unserer am schwersten heimgesuchten Glaubensgenossen in angemessener Weise beizutragen. Es ist nicht abzusehen, welche große Dimensionen dieses Hilfswerk annehmen wird, so daß wir die edlen Wohltäter dringend bitten, dieses in gleicher Weise patriotische, wie im Interesse unserer Religionsgemeinschaft gelegene Hilfswerk mit besonderer Freigebigkeit zu fördern. Der Vorstand der „Israelitischen Allianz zu Wien" Wien, 11., Untere Donaustraße 33. Postsparkassenkonto Nr. 8152. Liste der Ausgetretenen. Vom 8. bis 14. September 1914. (Nr. 390—396.) Bild Karl, Kontorist, geb. 16. April 1890 in Wien, IL, Haasgasse 8. Brüll Felix, Jurist, geb. 3. Juli 1890 in Wien, VIII., Kochgasse 3. Eisler Elfriede, Studentin, geb. 11. Dezember 1895 in Leipzig, IL, Schüttelstraße 19 a. Gutireund Eizig, Privatbeamter, geb. 14. April 1889 in Sygneczow (Galizien), IL, Hofenedergasse 1. Stein Siegfried, Industrieller, geb. 25. Juli 1883 jn Wien, I., Nibelu.ngenga.sse 8. Stern Rosa, geb. 19. Feber 1893 lin Wien, XX., Marchfelderstraße 12. Tuschak Friederika, geb. Müller, vmvitw. Wilheim, Private, geb. 29. September 1853, VII., Neubaugasse 20. Gebetstunden während der hohen Feiertage. Sonntag, den 20. September (Vorabend Rosch Haschanah), abends 5 Uhr. 45 Min. Montag, den 21. September (I. Tag Rosch Haschanah), abends 5 Uhr 30 Min. Dienstag, den 22. September (II. Tag Rosch Haschanah), abends 6 Uhr 30 Min. Dienstag, den 29. September (Vorabend Jom Kippur), abends 6 Uhr. Mittwoch, den 30. September (Jom Kippur) Ausgang, abends 6 Uhr 10 Min. Sonntag, den 4. Oktober (Vorabend Sukkoth), abends 5 Uhr 30 Min. Montag, den 5. Oktober (I. Tag Sukkoth), abends 5 Uhr 15 Min. Dienstag, den 6. Oktober (II. Tag Sukkoth), abends 6 Uhr. Sonntag, den 11. Oktober (Vorabend Schominl Azereth), abends 5 Uhr 15 Min. Montag, den 12. Oktober (Schomini Azereth), abends 5 Uhr 10 Min. Dienstag, den 13. Oktober (Simchas Thora), abends 5 Uhr 50 Min. Rosch Haschanah und Jom Kippur morgern 7JJhr.__ Juristisch Sprechstunde. (Unentgeltlicher Rechtsschutz.) An unbemittelte Parteien werden in der Redaktion unseres Blattes, I., Oppolzergasse 4, unentgeltliche Auskünfte in juristischen und während der Dauer des Kriegszustandes auch in militärischen Angelegenheiten von einem Advokaten (Dr, S. R. Landau) erteilt. Sprechstunden am Montag, Dienstag und Freitag von 4 bis 6 Uhr nachmittags. Weiters haben sich nachstehende Herren Hof- und Gerichts-Advokaten bereit erklärt, bis auf weiteres gleichfalls unentgeltlichen * Rechtsschutz zu gewähren: I. Bezirk: Dr. B. Ebner, I., Franz Josefs-Kai Nr. 19, Dr. Sigmund Fessel, I., Rauhensteingasse Nr. 3, Dr. Sigmund Grünberg, I., Rothenturmstraße Nr. 31, Dr. Moriz K a h a n e, I., Franz Josefs-Kai Nr. 7, Dr. David R o t h b 1 u m, I., Bräunerstraße Nr. 7, Dr. Josef Z i p s e r, I„ Rathausstraße Nr. 8. II. Bezirk: Dr.Ignaz Rappaport, IL, Obere Donaustraße Nr. 101, Dr. Dagobert Rybaczewski, II., Stephaniestraße Nr. 14, Dr. S. Ringer, IL, Taborstraße Nr. 21a. IX. Bezirk: Dr. Siegfried Halberstamm, IX., Berggasse Nr. 5, Dr. S. W o 11 e r n e r, IX., Porzellangassc Nr. 19. Weitere Adressen folgen.

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