Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVI (1914)
- Issue
- Heft 20 (18.9.1914)
- Date
- 1914-09-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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nbus K^CiOS/L-CEiCUNG £>rS.R. LANDAU!! XVI. Jahrgang. Wien, 18. September 1914. Nr. 20. Redaktion, Administration und Inseraten-Aufnahme Wien, I., Oppolzergasse Nr. 4. Telephon 18.435. K. k. Poslsparkassen-Konlo 88.704. Manuskripte werderi nicht zurückgestellt. Wir bitten unsere Leser, uns alles, was die Anteilnahme der Juden am Kriege betrifft (Spenden, Taten der Tapferkeit, Beförderungen infolge Tapferkeit usw.) mitzuteilen. Auch bitten wir, uns die Briefe von am Schlachtfelde befindlichen Angehörigen gegen umgehende unversehrte Retournierung zur Veröffentlichung tiberlassen zu wollen. In unsere Abonnenten! Wir ersuchen unsere auswärtigen Abonnenten höflichst um gefi. umgehende Begleichung des rückständigen Abonnements. Wir haben die Pränumerationsgebtihr unseres Blattes nicht erhöht, trotzdem dasselbe jetzt wöchentlich erscheint und noch grössere Opfer erfordert als bisher. Die Administration. Abon nementsprei se; (mit Zustellung ins Haus) In Oesterrei ch-U n g a r n: Ganzjähr. K8.~, halbjähr. K4.—, vierteljähr. K 2.— In Deuts chland: Ganzjähr. K 10.— Im übrigen Ausland: Ganzjähr. K 12.— Einzel-Exemplare zu 14 Hellern im Zeitungsverschleiß Hermann Goldschmiedl, I., Wollzeile 11, und in den meisten Tabak-Trafiken. Inhalt: Dr. David Feuchtwang: Judenschicksal. A. Schmidt: Mein Neujahrswunsch. Max Schach: Der Krieg für den Frieden. L.: Was der Pogrom-Zar verspricht! Reichstägs-Mitglied Dr. Ludwig Frank. Hugo Pollack: Des alten Rabbi Abschied. (Gedicht.) Die Hilfsaktion für die galjzisclien Flücht- "'. Tinge. Kriegsnachrichten. Feuilleton: F.: Kultur und Völkerrecht im Kriege. Leo Herzberg-Fränkel: Aus dem Lande der Pogrome. (Fortsetzung.) Liste der Ausgetretenen. Juristische Sprechstunde. usw. usw. Zum Neuen Jahr! Wir wllnschen allen unseren Freunden, Lesern und Stammesgenossen ein glückliches Neujahr! Die Redaktion. Jüdenschicksal. Von Dr. David Feuchtwang. ) Schon in dem Worte „Judenschicksal" liegt eine Anklage. Ich schreibe es in dieser gewaltigen Zeit mit blutendem Herzen nieder. Haben wir Kinder Oesterreich-Ungarns nicht alle ein und dasselbe Schicksal und Geschick? Ziehen nicht Väter und Söhne alle hinaus auf das Feld der Ehre für Kaiser und Vaterland? OpffUjn " wir nicht alle mit'Hingebung und "Liebe'Gut und Blut? Gibt es da einen Unterschied zwischen Juden und Christen und Muselmanen? Darf es ihn geben? Schlagen nicht alle Herzen hoch, pochen nicht alle Pulse? Sind wir in dem gigantischen Ringen nicht alle ein einiges Volk von Brüdern und Schwestern? Gilt dies nicht ganz besonders von dem Kriege gegen Rußland, den Erzfeind aller Menschlichkeit, Kultur und Bildung, gegen ein Volk, von dem das Wort der Heiligen Schrift gesagt werden kann: „Ein Volk frechen- Antlitzes, das den Greis nicht schont und gegen Kinder kein Erbarmen hat", von dem der Kanzler des uns treu verbündeten Reiches sagt, daß es keine geistige und keine religiöse Freiheit kenne?! Es hat aber auch den Völkern gegenüber Geltung, die sich zu unseren Feinden gesellen, zu Völkermord und Bruderkrieg in traurigem, menschlichem Verstände unbegreiflicher Gemeinschaft mit Barbaren, aus Rachsucht und Herrschbegierde. Wahrlich, es ist keine Ueberliebung, wenn wir von den Juden der Welt als wie von einem einzigen Individuum sagen: „Ich bin der Mann, der das Elend erfahren hat." Stürme sind über unser Haupt hinweggebraust, Verheerungen über unseren Leib. Wäre nicht Gott mit uns gewesen, man hätte uns lebendig verschlungen. Gepeitscht, gehetzt durch die ganze Welt, fand unser blutig-wunder Fuß keine Ruhestätte, bis die Liebe und Milde der Bildung und Gesittung auch uns endlich Ruhe brachte. Immer wieder erwachte der alte Judenhaß, geschürt und angefacht von Verblendeten und Verblendern. In Reih und Glied haben wir uns mit allen Kulturkämpfe™ in allen Ländern und Kontinenten gestellt, haben gekämpft, gestritten, gelitten, geleistet, gearbeitet in heißem Wettstreit um *) Wie ans dem Texte ersichtlich, ist der Artikel entstanden aus der Empörung des Verfassers über die judenfeividliche Haltung einer gewissen Presse und der hinter ihr stehenden Agitatoren. Die Redaktion die höchsten Menschheitsgüter, um die Ideale, welche unsere Religion, unsere Propheten lehren und predigen und welche Gemeingut aller gesitteten Menschen geworden sind. Völker haben uns gequält, Herrscher gepeinigt; Völker, denen wir treu gedient und deren Länder Blüte wir initgegründet hatten, Herrscher, denen wir treue Untertanen und Diener waren. Wir wanderten von Reich zu Reich, von Nation zu Nation. Gerettet haben wir uns Dank der Hoheit unserer Religion und ihrer Lehren aus Not und Tod. Wir haben der Menschheit die Bibel gegeben, die durch keine Ethik der Welt und Wissenschaft übertroffen worden ist, wenn auch vielleicht manches in diesem uralten Weltbuche veraltet scheint; es hat sich in der nicht minder alten mündlichen Ueberlieferung stets verjüngt und neuerstehenden Weltanschauungen angepaßt und an ihnen entwickelt. Unauslöschlich eingegraben, eingeankert in jüdische Herzen, Seelen, Geister ist die Lehre der Menschenliebe. Unser Geist ward im Kampfe gestärkt, gestählt, unsere Schaffenskraft gesteigert, unsere Lebensfähigkeit gehämmert. Kein Volk, kein Staat der Welt, in dem wir nicht die Ehre unseres Namens und Glaubens aus Sturm und Drang gerettet, denen wir nicht den Beweis erbracht hätten, daß wir Juden ein nützlicher, tüchtiger, verläßlicher Teil der Bürger sind in Treue, Vaterlandsliebe und Leistungsfähigkeit. Und in Oesterreich-Ungarn haben wir das nicht weniger bewiesen, als wie anderswo. Sprechen wir nicht davon, daß man uns unsere guten Taten oft schlecht belohnt hat; nicht davon, daß gänzlich unbegründeter, von Gewissenlosen entfachter Judenhaß uns Kummer, Sorge und Not gebracht hat. Ein Blick auf unseren geliebten Landesvater brachte uns Trost, verlieh uns Kraft. Jetzt, wo sein Ruf ertönt, zum Schwert zu greifen, ziehen unsere Kinder hinaus mit Begeisterung und Opferfreudigkeit. Ihr Blut fließt; fließt zusammen mit dem ihrer Waffenbrüder, wess' Glaubens sie seien. Und der Aufforderung zu werktätiger Hilfeleistung für die Familien der Krieger, sie fand in den jüdischen Herzen millionenfach Widerhall. Weit über ihre Kraft und Vermögen leisten sie den Tribut der Liebe und des Patriotismus. Ein heilirrer Eifer ist in ihnen entbrannt, wie immer, wenn es gilt, Werke der