Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVI (1914)
- Issue
- Heft 19 (11.9.1914)
- Date
- 1914-09-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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NEUE RBRftuseeBBR: Drs.R.L«Nö«y:: XVI. Jahrgang. Wien, 11. September 1914. Nr. 19. Redaktion, Administration und Jnserafen-Aufnahme Wien, I., Oppolzergasse Nr. 4. Telephon 18.435. K. k. Poslsparkassen-Konto 88.704. Erieint ieto Freitag. Abonnementspreise s (mif Zustellung ins Haus) In Oeslerrei ch-U ngarn: Ganzjähr. K8—, halbjähr. I<4.—, vierteljähr. K 2 — In Deuischiand: Ganzjähr. K 10.— Im übrigen Ausland: Ganzjähr. K 12 — \^^2^^3m3\^^2 Inhalt: L.: Helfet den hungernden galizischen Flüchtlingen! A. Schmidt: Die Russen als „Sieger". Morris Rosenfeld: Der jüdische Soldat. (Ein Gedicht.) Emil Spiegel: Die große Stunde. (Ein Gericht.) Max Frank: Die erste Fahne. (Ein Gedicht.) Jüdische Kriegshelden III: Fahnenträger Gutinan Fischer. (Mit Porträt.) Dr. Artiir Weil: Die Juden Rußlands unter Nikolaus Ii. Oberleutnant von Auifenberg und Korporal Schlesinger. Kriegsnachrichten. Sprechsaal. Feuilleton: F.: Unsere Feinde. Leo Herzberg-Fränkel: Aus dem Lande der Pogrome. usw. usw. Wir bitten unsere Leser, uns alles, was die Anteilnahme der Juden am Kriege betrifft (Spenden, Taten der Tapferkeit, Beförderungen infolge Tapferkeit usw.) mitzuteilen. Auch bitten wir, uns die Briefe von am Schlachtfelde befindlichen Angehörigen gegen umgehende unversehrte Retournierung zur Veröffentlichung überlassen zu wollen. Sprechenden derRedaktion Montag, Dienstag u. Freitag von 4-6 Uhr nachmittags. Helfet den hungernden galizischen Flüchtlingen! Der russische Einbruch in Ostgalizien hat am schwersten die dortige jüdische Bevölkerung betroffen. Die meisten. Juden sind geflüchtet, Hab. und. Gut.zurücklassend, an Kleidungsstücken und cGeld kaum mit dem Dürftigsten ausgerüsj^tv Zehntausende jüdische Familien nahen auf diese Weise unter schweren Mühsaleri und Strapazen den westlichen Teil der Monarchie erreicht. Ein kleiner Teil ist in Schlesien .und Mähren zurückgeblieben, das Gros befindet sich in Wien, wo sie nunmehr dem. größten Elend preisgegeben sind. .Reiche Leute von vorgestern, die zu Hause Realitäten, Grundbesitz, Warenlager oder 'Wechselportefeuilles haben, verfügen heute kaum über das Dürftigste, haben kein Obdach für sich und ihre Familie und müssen verhungern----■ wenn ihnen nicht alsbald geholfen wird. Wir hoffen zuversichtlich, daß es unserer tapferen Armee bald gelingen wird, ebenso wie den deutschen Armeen in den Ostprovinzen, die Russen aus dem Lande zu verjagen. Aber inzwischen werden Tausende von Familien zugrunde gehen, wenn nicht schleunigst eine organisierte Hilfsakion eingreift. In Deutschland hat es die Reichsverwaltung für ihre Pflicht angesehen, von Staatswegen den Flüchtlingen aus den Ostprovinzen zu helfen; es wurden ihnen Regierungsgebätide zur Bequartierung beigestellt, die größten Städte Deutschlands spendeten namhafte Summen und auch der Staat selbst beteiligte sich an der Hilfsaktion mit einem namhaften Betrage. Die private Wohltätigkeit in Berlin leistete das Möglichste, um den Opfern des Krieges ihr Los zu erleichtern. Sollte bei uns das Gleiche nicht möglich sein? Wir erwarten, daß sich vorerst die Staatsverwaltung ihrer Pflicht gegenüber den Staatsbürgern bewußt sein wird und für die Zwecke dieser Hilfsaktion einen größeren Betrag zuwenden wird. Wir erwarten das Gleiche von der Kommune Wien, die stets an der Spitze aller patrotischer Bestrebungen gestanden ist. Unsere zahlreichen in Wien ansässigen jüdischen Mitbürger, die aus Galizien stammen, müssen sich in dieser schweren Zeit ihrer jüdischen Solidarität doppelt bewußt sein. J e. d e r h e 1 f e w i e e r k a n n; m ö g e jeder sein Scherflein zur Linde-, r u n g d e r N o t d e r d ur c h d i e K r i e g sereignisse brotlos gewordenen Brüder beitragen! D e r „H i 1 f s v e r e i n f ü r die jüdische Bevölkerung Galizien s". ist bereits mit einem herrlichen Beispiel vorangegangen; er hat den Betrag von fünfzigtausend Kronen mit der Bestimmung gespendet, daß hievon die durch die Kriegsereignisse in Galizien brotlos gewordenen jüdischen Familien unterstüzt werden. Die näheren Modalitäten der Verwendung des Geldes werden in der heute stattfindenden Sitzung des engeren Ausschusses bestimmt werden. Es wird sich dabei vornehmlich um die Organisation der Hilfaktion handeln; es sollen keine Geldunterstützungen verteilt, sondern lediglich für die Verpflegung und Bequartierung der Flüchtlinge gesorgt werden. „Der Verband der östlichen Juden in Wien" hat ebenfalls eine Hilfsaktion eingeleitet und zu diesem Zwecke ein Komitee eingesetzt. Eine Deputation der angesehensten jüdischen Bürger aus Lemberg war gestern unter der Führung <les Herrenhausmitgliedes Z g o r s k i beim Reichsfinanzminister B i- 1 i n s k i, um Staatsh'ilfe in Anspruch zu nehmen. Es sind jetzt schwere Zeiten und unsicher die Zukunft, der wir entgegen gehen; jedermann, der einen halbwegs gesicherten Morgen hat, muß sich seiner Pflicht als Mensch und Jude bewußt sein und den schwergeprüften Brüdern, die mit Weib und Kind ohne Lagerstätte und ohne Nahrung dastehen, nach Maßgabe seiner Verhältnisse helfen. Wir leisten damit der Gesamtheit und unserem Volke in dieser historischen Zeit unvergeßliche Dienste. L. Wien, den 9. September 1914.