Mannheim
Compact Memory

Neue Nationalzeitung · 1914-09-04 · Heft 18 (4.9.1914) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVI (1914)
Issue
Heft 18 (4.9.1914)
Date
1914-09-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2425679-2425912-2425930--2973-2429522
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

NEUE NfdONMtZEfGüNG RERAUSGSBER*. DrS.R.LAN08U!! XVI. Jahrgang Rebaktion, Administration unö Inseratenaufnahme: Wien, I., Oppolzergasse 4 Telephon 18.435 K. k. Postsparkassenkonlo 88.704!$!<$>i$!<$><S8$^^ Inhalt: L. Für unseren Kaiser und unser Volk! G. Engelsmann: Der Zar als — „Wohltäter". Jüdische Kriegshelden II: Leutnant Ignaz Goldstein. Die Kriegshilfsaktion des Wiener Kultusvorstanöes. Die FelÖrabbiner in Der österreichischungarischen Armee. Kriegsnachrichten. Feuilleton: F.: Kriegsbilöer aus einer friedlichen Gegend. Dr. Fr.: Der erste jüdische Soldat in der Österreich. Armee, usw. usw. <S*S><S>®®$H^ Wir bitten unsere Leser, uns alles, was die Anteilnahme der Juden am Kriege betrifft (SpencFen, Taten der Tapferkeit, Beförderungen infolge Tapferkeit usw.) mitzuteilen. Auch bitten wir, uns die Briefe von am Schlachtfelde befindlichen Angehörigen gegen umgehende unversehrte Retournierung zur Veröffentlichung überlassen zu wollen. ^^^^^<S^^^<S^5S>s^<S>^?S>^ Sprechstunöen öer Redaktion Montag, Dienstag unö Freitag von 4—6 Uhr nachmittags. ®®S>§>®$^®^ Wien, 4. September 1914 Ersfflil jeden Freitag Der Kriegskorrespondent eines großen Tagblattes wußte in öen letzten Tagen mit Worten höchster Anerkennung zu rühmen, wie die Juden in Galizien öem Kaiser und dem Reiche ergeben sind. Sie verbringen Tag und Nacht in ihren Bethäusern, um durch die Psalmea^ebcle den Segen Gottes für die österreichisch-ungarischen Waffen zu erflehen; über die geringste Nachricht von Siegen geraten sie in einen Taumel der Begeisterung und vergießen Freuöentränen: sie singen und tanzen. Kein Wunder! Die galizischen Juden haben die Liebe zu ihrem Monarchen mii der Muttermilch eingesogen; sie sehen in ihm nicht nur ihren Fürsten, sondern sogar ihren Abgott, den sie über alles lieben, weil sie ihm für sehr vieles Dank schulden. Aber die galizischen Juden stehen mit ihren Empfindungen gegenüber dem greisen Souverän unserer Doppelmonarchie nicht vereinzelt da. Die gesamte jüdische Bevölkerung ist von den gleichen Gefühlen beseelt wie die Galiziens und sie bleibt ihnen treu, selbst wenn sie die schwarz-gelben Pfähle weit hinter sich hat. Ein klassisches Beispiel hiefür bildet das Judenghetto von N e w - V o r k. Wie die soeben eingelangten New-Vorker jüdischen Blätter berichten, hat der Ausbruch des Krieges zwischen Österreich-Ungarn und Rußland unter der Million Einwohner des Ghettos eine lebhafte Bewegung hervorgerufen. Nicht bloß, daß die Juden aus Österreich-Ungarn in Massenaufzügen ihren Patriotismus manifestierten, sondern sie haben ihrer Loyalität ganz besonders durch solenne Kaisergebete Ausdruck gegeben, welchen sich auch die russischen Juden anschloßen. Und überall, wo Juden wohnen, gibt es heute nur eine Überzeugung: öer Sieg Österreich-Ungarns ist identisch mit öem Zusammenbruche des Zarismus und daher mit der p o 1 i tischen Erlösung der Juden von der russischen Knechtschaft. Der jetzige Weltkrieg wird eine Entscheidung bringen über die politische und wirtschaftliche Zukunft von Nr. 18 Abonnementspreise: (mit Zustellung ins Haus) In Österreich-Ungarn: Ganzjähr. K 8.—, halbjähr. K 4.—, vierteljähr. K 2.—• In Deutschland: Ganzjähr. K 10.— Im übrigen Ausland : Ganzjähr. K 12.— drei Vierteln unseres Volkes, öie dieses elende Dasein einfach nicht mehr ertragen können. Für das jüdische Volk steht in diesem Kriege sehr viel, ja vielleicht alles auf dem Spieie! . . . Wir dürfen daher vor keinem Opfer zurückschrecken, wenn es gilt, dadurch den Sieg an die schwarz-gelben Fahnen zu fesseln. Denn es werden Opfer fallen, an Menschenleben, an Existenzen. Frauen werden zu Witwen, Kinder zu Waisen, wohlsituierte Menschen zu Bettlern werden. Diese Opfer sind schmerzlich; sie sind aber leider notwendig. Sie bleiben unvergeßliche Märtyrer im Dienste ihres Volkes, des Gesamtjudentums. Wären nur diese Opfer nicht zwecklos, nicht vergeblich! In einer sehr beachtenswerten Flugschrift des hervorragenden polnischen Staatsmannes Stanislaus v. Kozmian, die unter dem Titel »Während des Krieges vom Jahre 1914« heute erschienen ist, heißt es: '»Eine Niederlage der beiden mitteleuropäischen Mächte wäre eine Niederlage der polnischen Nation und. in diesem Teile Europas, ein Pogrom, des Katholizismu s.-< Was Kozmian vom Katholizismus in Mitteleuropa sagt, das findet auch Anwendung auf das jüdische Volk überhaupt. Soll den Pogroms der Juden ein für allemal ein Ende bereitet werden, dann muß der große Pogrom des Zarismus vor sich gehen. Der Gebanke, daß ein anderer Ausgang des Weltkrieges möglich wäre, ist geradezu unfaßbar. Im Vertrauen auf Jehovah, der sein auserwähltes Volk so vielfach in Momenten großer Gefahren beschützt hat, im Vertrauen auf die bewährte und unerschrockene Wehrmacht unserer Monarchie, im Vertrauen auf den Patriotismus und die Opferwilligkeit unserer jüdischen Brüder, die bereits in öen höchsten Kreisen Bewunderung erregt haben, wollen wir hoffen und warten. Wien, den 1. September 1914. L. Für unseren Kaiser und unser Volk!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.