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Neue Nationalzeitung · 1914-08-14 · Heft 16 (14.8.1914) · page 1

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVI (1914)
Issue
Heft 16 (14.8.1914)
Date
1914-08-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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NKiOML-ZBOUNG Los vom moskowitisehen Joch! Die Nachricht, daß die verbündeten österreichisch-ungarischen und deutschen Armeen immer tiefer in Russisch-Polen eindringen und bald die Hauptstadt Polens, die königliche Residenz Warschau, besetzen werden, findet nicht nur in den Herzen der österreichischen Juden, sondern gewiß auch in den Herzen der bisherigen jüdischen Untertanen des Zarenreiches den freudigsten Widerhall. Die Besetzung Russisch-Polens bildet für die sieben Millionen Einwohner dieses Landes mit Ausnahme der geringen Zahl der dort wohnenden Russen eine Ankündigung baldiger Erlösung vom moskowitischen Joch. Diese Erlösung, ach, wie lange wird sie von unseren jüdischen Brüdern in Russisch-Polen bereits ersehnt! Was sind die Unterdrückungen der Polen gegenüber den Verfolgungen und Qualen, denen die Juden ausgesetzt sind? Im Grunde genommen, ging es ja den Polen als Individuen gar nicht schlecht. Sie durften überall wohnen; sie besaßen somit die Freizügigkeit im vollsten Sinne des Wortes. Sie hatten zu allen Aerntern und allen freien Berufen gleichen Zutritt wie die Russen; sie waren also im Besitz der vollen bürgerlichen Rechte. Was ihnen fehlte, war lediglich die Ausübung ihrer nationalen Rechte als nationale Individualität. Sie haben keine polnischen Schulen, keine polnische Universität, sie werden im Gebrauch ihrer Muttersprache beschränkt und auch die Gemeinde-Autonomie wurde ihnen bis in die jüngste Zeit entzogen. Wie entsetzlich ist aber anderseits die Lage der Juden in Polen! Sie besitzen keine Freizügigkeit, dürfen nicht am Lande wohnen, ia nicht einmal Grundbesitz am Lande erwerben. Die Erlangung von Staatsümtem ist ihnen verwehrt; sie dürfen keine Advokaten, ja in letzter Zeit nicht einmal Advokatengehilfeu werden. Und dann die entsetzliche Schulnorm! Nur ein äußerst geringer Prozentsatz jüdischer Studierender, kaum 2 bis 5 Prozent, darf in den Mittelschulen und Hochschulen Aufnahme finden —r in einem Lande, wo die jüdische Bevölkerung 20 Prozent beträgt und wo sie durchwegs geistig begabt nach Bildung und Wissen strebt. Dazu noch die korrupte Beamtenwirtschaft, die auf Schritt und Tritt die jüdische Bevölkerung ausgesaugt hat, selbst dann, wenn die Juden nicht etwa Kpnzessionen, sondern die Verwirklichung der ihnen zukommenden bescheidensten Rechte verlangten. Wenn wir uns alle diese geistigen und physischen Torturen, die die anderthalb Millionen Juden in Russisch-Polen tagtäglich über sich ergehen lassen müssen, vergegenwärtigen, dann können wir erst begreifen, daß der Einzug der verbündeten Armeen in Russisch-Polen für die dortigen Juden fast die Ankündigung einer messianischen Zeit bedeutet. Darum ist der Krieg, den Oesterreich-Ungarn und Deutschland gegen Rußland führen, ein Krieg für die Kultur, für die Freiheit und die höchsten menschlichen Ideale. Mögen die Zehntausende jüdischer Soldaten, die berufen sind, der schwarzgelben Standarte den Weg über die polnisch-russische Ebene mit ihrem Schwerte zu bahnen, sich vor Augen halten, daß sie nicht nur für Kaiser und Reich, sondern auch für die Befreiung ihrer Brüder von dem moskowitischen Joch zu kämpfen haben. Nicht nur der Kaiser ruft, sondern auch unsere armen gequälten Millionen Brüder in Rußland flehen um Hilfe und erwarten von unseren Soldaten ihre Erlösung von der moskowitischen Barbarei. Möge jeder jüdische Soldat eingedenk sein, daß es für ihn gilt, nicht nur eine patriotische Pflicht als Oesterreicher, sondern auch einenationale Pflicht als Jude zu erfüllen. Unsere Brüder rufen! Helfen wir i h n e n! E r 1 ö s e n wir sie! L.

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