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Neue Nationalzeitung · 1914-07-31 · Heft 15 (31.7.1914) · p. Seite 120

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVI (1914)
Issue
Heft 15 (31.7.1914)
Date
1914-07-31
Page
Seite 120 (sequence 8)
Language
German
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beite 120 „Neue Nattonal-Zeitiag" Nr. 15 verläßlichere Patrioten sind als die eingeborenen Argentinier, so müsse es als politischer Fehler betrachtet werden, Leuten, welche sich in den wichtigsten politischen Kundgebungen nicht der nationalen Sprache bedienen, ausgedehnte politische. Rechte zu verleihen. Diese Sprache des sonst judenfreund-s liehen Blattes hat seine Wirkung nicht verfehlt. In Buenos- Airs wurde der aus Rußland stammende jüdische Advokat Dr.; Enrico Dickmann auf sozialistischem Programme zum Abgeordneten gewählt. Er ist der erste Jude, der jn einem Pariam nte der südamerikanischen Republik sitzt. Literatur. Sehr geehrter Herr Redakteur! Was uns Herr Schreiber in seinem Feuilleton: „Rabbiner, lern etundlehre t!" als M ä r c h e n zum besten gibt, das uns Heutigen wie Träumereien eines Phantasten anmutet; wir haben es in unserer Jugend — vor einem halben Jahrhundert — bis in 'die kleinsten Details Ln W i r k 1 iehke it ge sehe n und miterlebt. — Die jungen Leute, die damals aus den verschiedenen Jeschiboth nach Wien strömten, um Ordnung in ihr chaotisches talmudisches Wissen zu bringen und es für die Geschichte und Ethik des Judentums fruchtbar zu verwerten, sie fanden alles idias, was Herr Schreiber als Ideal einer späten Zukunft hinmalt, ebben und fluten in dem von Jeltenek ins Leben gerufenen Beth-Hamidrasch: so daß der aus jener Zeit noch Herüberragende nicht anders gkiubt, als daß Herr Schreiber hier einfach naturgetreu kopiert hat. Ich einnere mich noch ganz deutlich, daß wür damals eine beträchtliche Schar solcher Lernender waren, >die, kaum ins „Beth-Hamidrasch" eingedrungen, auch schon zu Lehrenden wurden. Es gab da ganz tüchtige und vielibegabte junge Leute unter uns — ich nem:e nur meinen kiflimen, für die jüdische Wissenschaft leider allzufrüh verstorbenen Jugendfreund Nehem. Brüll, der später über Empfehlung Abraham Geigers als Rabbiner nach Frankfurt a. M. kam — und wir waren alle von unserem doppelten Beruf: des Lernens und des Lehrens ganz erfüllt, so daß wir mit großer Begeisterung, was wir heute lernten, schon morgen vortrugen. Machten es doch unsere Lehrer auch nicht anders. Wurden doch auch sie, die Lektoren, die Meister des Talmud und des Midrasch, zu Schülern, als ihnen Jellinek die Wege zeigte, auf welchen sie die Zusammenhänge mit der Zeitgeschichte ansuchen, den einschläfc-jgen Quellen der nichttalmudtische'n Weltliteratur nachgehen müssen, um dunkle Partien des Talmud durch zeitgenössische auswärtige Quellen, und umgekehrt, zu beleuchten. Da wurden sie Schüler und fingen an, im Schweiße ihres Angesichtes zu lernen. So begann Lektor J. H. Weiß auf seine altem Tage die Kirchenväter — freilich nur soweit sie ihm in deutscher Uebersetzung oder aus Auszügen zugänglich — zu studieren, und) zeigte uns immer brühheiß, was er gefunden. Daß dabei Irrtümer unterliefen, wußten wir am besten, die wir prüfend diesen Wegen nachgingen. Allein, es irrt der Mensch, sc lang er strebt. Freitsch, -wo das Streben aufhört und der v o rge s c h r ie b e n e We« mechanisch gegangen wird, da hört das Irren auf; .(te ist aber auch wie Figura zeigt — derTrieb zum freien Forschen erstickt. — Wohl uns, daß wir mit diesen lernenden «und lehrenden Meistern irrten und strebend lebten: denn wir durchlebten in Wirklichkeit, was heute für ein Märchen gehalten, als Idteal einer fernen Zukunft angestaunt und von ehrlich Denkenden glüheqd herbeigeführt wird. Nicht minder als in die Tiefe wirkte dieses freie Beth- Hairtid rasch in die Breite. Man mußte idfen Strom der beiden Bevölkerungsschichten gesehen habenv der Sbcti in dieses, allen offenstehende Lehihaus drängte, um den Volksvorträgen zu lauschen, die alle ineinandergriifen, sich gegenseitig ergänzend und die Hörer von Stufe zu Stufe aufwärtsführend Für uns aber, die wir vordem umherirrten, war dieses Beth- Hamadrasch ein Leuchtturm, der uns einen sicheren Hafen zeigte. Nun ist auch er erloschen und Herr Schreiber vertröstet uns auf eine unabsehbare Zukunft, wo er wieder aufflammen werde, erweckt von dem Zäuberstab des wiedererwacliien Idealismus. Er sagt uns aber nicht, was an dlie Stelle dieses Beth-Hamidrasch getreten und vohrer hinweggeräumt werkten muß; vermutlich, weil er uns nicht verzagt machen, uns Alte, dlie wir jene Märchenzeit in unserer Jugend noch gesehen^ nicht zu Tode betrüben wlill. Ebenso vermeidet er es aus uns unverständlichen Gründen, die Schatten an die Wand zu mal-en, die sich frühzeitig um dieses freie Beth-Hamkilrasch lagerten, bis sie es, dank der hereinbrechenden Reaktion, schließlich ganz umhülhten.--Bleibt auch diese Zeichnung dem „wiedererwachenden Idealismus" vorbehalten??? Ein abgelegter, weil „antiquierter" Rabbiner. Liste der Ausgetretenen. Vom 15. bis 27. Juli. (Nr. 285—313.) Alt Charlotte, SSngerän, geb. 23. September 1886 lin Wiien, XVIII... Hameaustraße 23. Hermann Josef, Direktor, geb. 9. Juni 1882 in Tiflis (Rußland), VII., Lerchenfelderstraße 31. Lackenbacher Anna, Schauspielerin, geb. 25. September 1893 in Triest, VIII., Bemnoplatz 6. Löwy Friedrich Ernst, Abiturient, geb. 19. November 1895 in Wien, XIX.. Hauptstraße 79. Masarek geb. Jung Hermine, Private, geb. 20. Juli 1880 in Galatz (Rumänien), VII., Lerchenfelderstraße 9—11. Jung Hans, geb. 3. März 1914 in Wien, VII,, Lerchenfelderstraße 9—11. Sachs! geb. Winter Hedwig, Private, geb. 4. April 1872 in Wien, I. , Wipplingerstraße 24. Schmidt Max. k. k. Richter, geb. 28. September 1879 in Radautz, II. , Kleine Stadtgutgasse 14. Schwarz Waada Henriette, Private, geb. 2. April 1892 an Lemberg, XIX., Hasenauerstraße 10. Sewald geb. Elleuberger Laura, Private, geb. 19. März 1856 in Szegedin, Ungarn. XIX.. Hohe Warte 44. Stern Hilda, Privatbeamtin, geb. 5. Oktober 1886 in Wien, IL, Untere Augartenstraße 26. Vogel Rosa, Kontoristin, geb. 30. Juli 1892 in Wien, V., Johannagasse 42. Wachsmann Martha, geb. 8. Juli 1891 in Brünn, X., Oudrunstraße 140. Wengraf Katharina geb. Platzer, Privat, geb. 30. August 1884 :iu Wien, VI., Gumpendo-rferstraße 31. Dr. Bamberger Josef, geb. 16. September 1890 in Wien, VI., Mollardgasse 17. Haiasi Marie, Private, geb. 15. Jänner 1891 sin Kemecse, Komitat Szabolcs-Nyiregyhäza, V., Reinprechtsdorferstr. 33. Wittmayer Max. Geschäftsdiener, geb. 1. September 1880 in Wien, XIV., Sechshausierstraße 49. Halasl Siegmund, Privatbeamter, geb. 11. Juli 1885 in Nagyvarod, Komitat Bihär, V., Reinprechtsdorferstraße 33. Kraus Julius, Student, geb. 12. November 1894 in Wien, XVIII., Julienstraße 34. Steinitz E«on, Ingenieur, geb. 28. November 1891 in Wien, III., Löwengasse 29. Sänger Berta geb. Schreiber, Pnivate, geb. 29. April 1870 in Bukarest, III.. Obere Weißgärberstraße 10, fuchs Ludwig, Privatbeamter, geb. 1. Februar 1882 in Wien, III. , Rudolf v. Altplatz 3. Siegfried Heiarich, Kommis, geb. 8. März 1892 .in Wien, III., Rennweg 94. Revi Johann Aladär, Realschüler, geb. 6. Juni 1898 in Budapest, I., Neuer Markt 10. Gorodetzky Paul, Student, geb. 5. Februar 1896 in Rostow (Rußland), IL, Weintraubengasse 14. . Task Frolm, Mittelschullehrer, geb. 16. Juli 1890 in Bender (Rußland), III., Radetzkystraße 14. Task Berta geb. Kolesker, Hebamme, geb. 16. Dezember 1884 in Kiew (Rußland"-), III., Radetzkystraße 14. Blechner Elise geb. Neumann, Modiistin, geb. 13. Juli, 1871 in Tabor (Böhmen), III., Mohsgasse 8. Mandl Erna, Private, geb. 3. Mai 1891 in Wien, XVIII., Antonlgasse $8.

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