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Neue Nationalzeitung · 1914-07-03 · Heft 13 (3.7.1914) · p. Seite 104

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVI (1914)
Issue
Heft 13 (3.7.1914)
Date
1914-07-03
Page
Seite 104 (sequence 8)
Language
German
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...Seite 104________„Neue National-Zeitung" „Was für ein Zimmer wollt Ihr? Mit Gesang oder ohne?" „Gesang?" „Ja, Gesang. Bei uns wohnen nämlich die Schauspieler vom jüdischen Theater und außerdem ein Chasen (Kantor) aus Litauen mit zwölf Chorknaben! Sje sind zum Sabbath hergekommen. Es soll kein übler Chasen sein, sagt man. Eine Rarität von einem Chasen!" „Das kann ja sein, daß er eine Rarität von einem Chasen ist. Aber ich verzichte. Gebt mir ein Zimmer ohne Gesang!" „Wie Ihr wollt", sagt Nojech, der Portier. „Ich kann Euch auch ein Zimmer ohne Gesang geben. Aber wenn's Euch dort nich ganz passen sollte, so will ich dann keine Verantwortung haben." „Was versteht Ihr unter ,nicht ganz passen'?" frage ich ihn mißtrauisch. „Na, zum Beispiel", antwortete er, „wenn's Euch beißen sollte." „Wer soll mich beißen?" ,Wer Euch beißen soll? .... Ich sicher nicht. Es wird schon welche geben, die Euch beißen werden. Man hat erst vor kurzem gereinigt: vor Pessach. Aber es hilft nichts. Auch Petroleum nicht." „Wenn dem so ist, dann lieber schon mit Gesang", sage ich. Nojech, der Portier, führt mich nun in ein finsteres Zimmer, in dem es nach frischen, erst abgezo^ gene Häuten und faulen, verschimmerten Gurken riecht. Und ehe ich mich noch zurecht finde, packt er irgend etwas und klopft darauf los, so etwa, wie man ein Kissen klopft, das man für jemanden zu seiner Behaglichkeit herrichten möchte. Dabei schimpft er mörderlich: „Du Lümmel! Du Schwein! Du Ochs! Gleich kriegst du noch eine über deine Fratze, daß dir alle Zähne herausspringen! Alle Welt kommt von der Bahn, und er legt sich mit den Stiefeln ins Bett, streckt sich aus wie bei Vater zu Hause aufs Heu, machts sich's bequem! Ein schöner Diener das! Hast noch keine Zeit gehabt, die Läden zu öffnen? Den Samowar aufzustellen? Den Schauspielern die Schuhe zu putzen? Beim Chasen und bei den Chorknaben rein zu machen? Noch keine Zeit gehabt, Mojsche Mordche? Was? Hol* dich der Henker!" Erst jetzt erblicke ich den Menschen, den alles das angeht. Es ist ein baumlanger Kerl mit großen, gut gefetteten Schuhen — und nun begreife ich auch den Geruch im Zimmer .... Er steckt übrigens die Ohrfeigen des Portiers ganz ruhig ein, streicht sich mit den Fingern über die Lippen, als ob er damit nichts zu tun hätte, und dann öffnet er die Fensterläden, glotzt mich an und beginnt fröhlich zu lachen. „Vielleicht wißt Ihr, warum er lacht!" sagt der Portier zu mir. „Wahrscheinlich freuen ihn die Ohrfeigen auf nüchternen Magen! Scher' dich zum Teufel, du abscheulicher Kerl! Du Kartoffelfresser! Du Kartoffelfresser! Du Lokschenschlinger! Du Bretzelmarder! . .." Noch ein Hieb in den Nacken und Mojsche Mordche fliegt zur Tür hinaus. „Ein ganz ordentlicher Junge," sagt dann der Portier zu mir, „nur ein wenig faul und schläft zu fest. Ohne Ohrfeigen ist er nicht zu wecken. Sonst aber arbeitet er wie ein Esel. Und was er verdient, Nr. 13 gibt er seiner Schwester. Ich habe es kaum bei ihm durchsetzen können, daß er sich ein Paar neue Stiefel machen ließ... Was wollt Ihr zum Tee haben? Frisches Gebäck, Bretzeln, Mohnbrötchen, oder vielleicht gar Beditschewer Prensefn?" So fragt er, macht aber, plötzlich kehrt und verschwindet, ohne'meine Antwort abzuwarten. Gleich darauf öffnet jemand die Tür und steckt den Kopf herein: „Ihr habt schon gebetet, Reb Jid?" „Was kümmert das Euch?" frage ich. „Wer seid Ihr?11 (Schluß folgt.) Liste der Ausgetretenen. Vom 17. bis 28. Juni 1914. (Nr. 238—266.) Abeles Alfred, geb. 21. März 1890 in Wien, II., Castelezgasse 9. Deutsch Friedrich Gottfried, Kaufmann, geb. 12. Oktober 1865 in Nagymarton, I., Neuer Markt 10. Frischhof Fanni, Private, geb. 18. August 1891 in Wien, VIII., Alserstraße 47. Goldschmidt Fanni, Private, geb. 28. April 1870 in Budapest, VII., Halbgasse 7. Lederer Anna, geb. 5. Juni 1891 in Wien, Königgrätz. Markstein Dr. Egon, geb. 23. Februar 1888 in Wien, XIX., Osterleitengasse 2. Marosch Emmerich, Universitätshörer, geb. 18. Juli 1885 in - Budapest, XIX., Langakergasse 12. Nadeje geb. Mautner Boriska, Musikersgattin, geb. 6. Juni 1891 ' in Budapest, XV., Holocherffasse 55. Politzer Stella, geb. 29. Mai 1887 in Wien, IV., Starhemberggasse 28. Pcseles Richard, Privatbeamter, geb. 22. Mai 1875 in Prag- Smichow, XIII., Hietzinger Hauptstraße 117. Revi Kurt, Student, geb. 31. Dezember 1895 in Budapest, I., Neuer Markt 10. Skamperl David, Buchhalter, geb. 13. November 1882 in Wien, II., Odeongasse 11. Winkler Elise, Private, geb. 13. Juni 1891 in Muglitz, I., Fiihrichgasse 6. Bloch Dr. Georg, geb. 21. Jänner 1889 in Wien, XIII., Oloriettegasse 13. Mayer Leopold, Kaufmann, geb. 5. Juni 1868 in Ung.-Brod, XVIII., Simonygasse 4. Mayer Martha, Private, geb. 3. Dezember 1869 in Berlin, XVIII., Simonygasse 4. Deutsch Johanna, Kontoristin, geh. 1. November 1884 in Pszivos, IX., Löblichgasse 8. Gombarg Samuel, Student, geb. 9. März 1892 in Ruska Poliana, II.,' MüliHeldgasse (Hotel „Venedig"). Weisz Siegfried, Privatbeamter, geb. 24. Juni 1874 in Deulscli- Wagram, II., Pillersdorfgasse 8. Frank Johann Georg, Rechtshörer, geb. 23. September 1890 in Wien, I., Franziskanerplatz- 1. Lewit Anna, geb. Wohlauf, Private, geb. 26. Juli 1886 in Sclirems (Niedcrösterreicli), VII., Schottenfeldgasse 56. Lewit Elfriede, geb. 11. Jänner 1908 in Wien, VII., Schottenfeldgasse 56. Lewit Margarete, geb. 13. Oktober 1910 in Wien, VII., Schottenfeldgasse 56. Jaray Elsa, geb. 27. September 1876 in Krakau, . IV., Prinz Fiugenstraße 70. Robitscfiek Viktor, Hofmusiker, geb. 19. Mai 1877 in Wien. Bauer Hugo, Bankbeamter, geb. 28. September 1879 in Wien, XIII., Anna Kloppgasse 8. Schwarz Marie, Private, gel). 19. Juni 1895 in Wien, IX., Nußdorferstraße 20. - -' Zerkowitz Gertrude, Private, geb. 24. September 1894 in Wien, IX., Rotenlöwengasse 7. Justitz Olga, Private, geb. 6. November 1890 in Wien, IX., Hörigasse 4. Während der Sommermonate Juli und August wird die Emigrations-Beilage nicht erscheinen.

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