Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVI (1914)
- Issue
- Heft 13 (3.7.1914)
- Date
- 1914-07-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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^CiON^biCüNG RERAUSG2B6R*. DfS.R.LNNDlSü XVI. Jahrgang. Wien, 3. Juli 1914. Nr, 13 JetzIw Franz Ferdinand | Das schreckliche Attentat, dem der Erbe der Habsburgerkrone im schönsten Mannesalter gemeinsam mit seiner Gattin erlegen ist, hat auch die stets loyale, kaisertreue jüdische Bevölkerung: mit tiefster Trauer erfüllt. Daran vermag der Umstand nicht zu rütteln, daß sich klerikale und antisemitische Kreise sowohl bei Lebzeiten als auch nach dem tief beklagenswerten tragischen Tod!e an die Rockschösse des weiland Erzherzog-Thronfolgers zu klammern bemüht haben. Die Juden in Oesterreich-Ungarn, die unverbrüchlich und mit allen Kräften an der Dynastie und an der Integrität dieser Monarchie festhalten, sind sich dessen bewußt, daß höchsten Ortes diese ihre Empfindungen genau bekannt sind inid früher oder später vollste Anerkennung finden müssen. Aus dieser traditionellen, aufrichtigen Anhänglichkeit der jüdischen Bevölkerung an das Kaiserhaus erklärt sich auch, daß die mörderischen Schüsse von Sarajevo bis in den letzten Winkel der Ghettis unserer Monarchie ein Entsetzen und Grauen hervorriefen, denen sich die schmerzlichsten Mitgefühle für die Opfer und deren Hinterbliebenen beigesellten. Und noch in einem fand sich die jüdische Bevölkerung zusammen mit allen Völkern dieser Monarchie: in dem Wunsche, daß unser vielgeprüfte Monarch, in dem wir einen Hort unserer Gleichberechtigung sehen, auch diesen schweren Schicksalsschlägen Trotz biete und uns noch recht lange erhalten bleibe. Das ist das stille inbrünstige Gebet aller Juden Oesterreichs ohne Unterschied des Ritus und der Parteirichtung. Trauersitzung des israelitischen Kultusvorstandes Wien. Am Mittwoch, den 1. Juli fand eine außerordentliche Sitzung des Vorstandes der israelitischen Kultusgenieinde statt, um der Trauer der Judenschaft anläßlich des auf so tragische Weise erfolgten jähen Hinscheidens des Erzherzogs Franz Ferdinand und seiner Gemahlin solennen Ausdruck zu verleihen. Zu dieser Trauerkundgebung waren der Vorstand und die Beamten der Kultusgemeinde in Trauerkleidung erschienen. Der Vorsitzende, erster Vizepräsident Landesschulrat Dr. Gustav Koh n, hält namens des infolge schwerer Erkrankung an dem Erscheinen verhinderten Präsidenten Dr. Alfred Stern die folgende Ansprache, welche von den Anwesenden stehend angehört wurde: Meine Herren! Die empörende Untat, welche sich letzten Sonntag in den Straßen Sarajewos abspielte und durch welche unser erhabenes Allerhöchstes Herrscher-