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Neue Nationalzeitung · 1914-06-05 · Heft 11 (5.6.1914) · p. Seite 88

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVI (1914)
Issue
Heft 11 (5.6.1914)
Date
1914-06-05
Page
Seite 88 (sequence 13)
Language
German
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öeite 88 .Neue Nationäl-Zeitung" Mr. 11 Zwecke täglicli zusammenkommen, und da wollen wir uns in Gegenwart eineslernbegierige n L a i e n p u b 1 i k u m s, das mit uns wachsen soll, von Grund aus unterrichten.'4 Allgemeine Zustimmung folgt. Man schreitet an die Bildung von Sektionen, an die Verteilung der Themen, die demnächst zur Behandlung gelangen sollen und beschließt, ein geeignetes Lehrhaus zu mieten, an dessen Pforte die Aufschrift zu setzen sei: „Wer hungrig ist, der komme und halte mit. Dermalen sind wir noch Sklaven; im kommenden Jahre freie Männer: Erkenntnis macht frei!" Ein bisher nie gekannter, die Gemüter weithin erhebender Wetteifer entwickelt sich selbst in den Kreisen der Rabbiner. Jeder will mehr lernen, besser für die Vorträge vorbereitet sein als der andere, so daß die Diskussionen, die sich an dieselben schlössen, einem hehren Feuerwerk gleichen, das sprühende, lichtverbreitende Funken nach allen Richtungen versendet, wovon selbst das Laienpublikum, dem der Weg zum Lernen und zum Lehren sich immer mehr enthüllt, sich mächtig angeregt fühlt. Die Räume, in welchen die Vorträge abgehalten werden, füllen sich bald dermaßen, daß ähnliche Lehrhäuser in allen Bezirken der Metropole eröffnet werden müssen. Und tatsächlich beginnen schon in allen Lagern „Eldad und Medad zu prophezeien". Und so entsteht eine wahrhaft jüdischwissenschaftliche Zentrale, die jedoch, so hoch sie sich auch emporschwingen mag, niemals den Boden der Wirklichkeit unter den Füßen verliert, vielmehr unausgesetzt in das tätige Leben eingreift: fortwährend vom Lernen zum Lehren, und wo es nötig, auch zum Kampfe fortschreitend! Jawohl, auch zum Kampfe. Denn wo immer dieses voranschreitende Judentum oder sein Schrifttum von Gegnern angegriffen werden, werden diese Angriffe nicht mehr wie ehedem unter übel ausgelegtem und zu neuem Ansturm angreifendem Stillschweigen überhört und übersehen. Sind doch auf hohen Geisteszinnen Wächter aufgestellt, die unablässig auslugen, ob und wo ein feindlicher Einfall vorbereitet oder bereits erfolgt ist, um es ungesäumt der betreffenden wissenschaftlichen Sektion zu melden, welche die Abwehr zu besorgen hat. Von dem Vorfalle aber werden beim nächsten Vortrage Lehrer und Hörer eingehend unterrichtet, damit auch die breiteren, bildungsbeflissenen Schichten kampffähig gemacht werden. Der Ruf dieser neuen, aus der Volksnot hervorgewachsenen und unter einheitlicher Leitung stehenden Institution dringt bald in alle Städte des In- und Auslandes, die ähnliche Schöpfungen ins Leben zu rufen sich angeregt fühlen. In die kleinen Gemeinden aber, die bisher abseits von jedem frisch pulsierenden religiösen Leben verkümmerten, werden Wanderlehrer ausgesendet... So feiert Israel überall seine glorreiche Auferstehung und wird wieder: „das Volk der Schrift"; vorläufig jedoch erst im--Märchen. Noch einmal R. Travers Herfod.*) In meinem Herford-Artikel bemerkte ich gelegentlich, die Folgen der beuten Bücher dieses Autors vorahivend. „Herfords neuestes Buch, die Lobhymnen auf das pharisäische Judentum, wird nur von Juden gelesen. Anders sein Buch: „Christianity in Talmud and Midrasch". Dieses bleibt eine Fundgrube, aus welcher Judenhasser schöpfen werden." — Diese meine Prophezeiung vom 6. Februar d. J. hat rascher, als ich gedacht, sich zu erfüllen begonnen. Im Vorwort zu seiner 1912 erschienenen kleineren Schrift: „Pharisäisches Judentum" sagt Herford, zweifellos anspielend auf sein dickleibiges Buch „Christianity in Talmud and Midrasch": „Ich gebe mich der (Hoffnung hin, daß ein kleines Buch gelesen wird, während ein großes unbeachtet bleibt." Diesen Wink scheint ein Herr Bernhard P'ick, Ph.-Dr., unverzüglich beherzigt zu haben, da er, ohne Herford auch nur ein einziges Mal zu nennen, nach dem Muster seines Buches „Christianity in Talmud and Midrasch" ein recht kleines und handliches Büchlein: „Jesus in the Talmud" (London 1913) zusammenstellte. Dieses neue Opus — offenbar eines Mannes jüdischer Abstammung — ist weit weniger originell als selbst das Herfordsche, dafür aber gehässiger. Höchst frappierend ist es überdies, daß gewichtigste Sätze bei Pick, die den eigentlichen Zweck seines Büchleins markieren, nämlich: einmal die historische Existenz Jesu und dann die feindseligen Verfolgungen der Juden gegen ihn aus dem Talmud zu beweisen, wörtlich aus Herfords „Christianity in Talmud and Midrasch" ausgeschrieben sind, und dies ohne Anführungszeichen und ohne daß Herfords Name, wie gesagt, im ganzen Büchlein auch nur genannt wirdl Man vergleiche nur die Sätze S. 43, die mit den Worten beginnen: In general though not in detail .... und S. 44 mit den Worten schließen: He is the deeeiver .... mit S. 359 f. von Herfords „Christianity in Talmud an Midrasch", wo sich Jedes Wort dieser Sätze wiederfindet! Ein solch wortgetreues Nachschreiben von Sätzen, noch dazu in einem für die große Oeffentlichkeit bestimmten, allem Anscheine nach zu Missionszwecken verfaßten Schriftchen ohne Nennung des wahren Autors ist uns ganz unverständlich. Oder, hat Herr Dr. Bernhard Pick vorher die Erlaubnis Herfords eingeholt, sich dieser Sätze als seines Eigentums bedienen und den Namen Ueriords verschweigen zu dürfen? Das können wir nicht glauben; um so weniger, als dies in einer Zeit war, in der Herford eben seine große Begeisterung für das pharisäische Judentum in einem eigenen Buche zum Ausdruck gebracht hatte. Aufklärung wäre hier dringend erwünscht! M. Fr. Notizen. 30. Staatswohltätigkelts-Lotterle. Die k. k. Generaldirektion der Staatslotterie veranstaltet die 30. Staatsiotterie für gemeinsame Militärwohltätigkeitszwecke, deren Ziehung am 2. Juli 1914 stattfindet. Das Spielprogramm ist sehr reich ausgestattet und weist 21.146 Gewinnste in barem Oelde im Gesamtbetrage von 625.000 Kronen auf, darunter Haupttreffer von 200.000 Kronen, 50.000 Kronen, 30.000 Kronen und 20.000 Kronen usw.; die Gewinnchancen sind also überaus günstige. Lose zu 4 Kronen sind in Tabaktrafiken, Lottokollekturen, Wechselstuben, bei Steuerämtern, Postämtern, Bahnämtern usw. erhältliclt. *) Die in unserem Blatte (Nr. 1—3 d. J.) veröffentlichte ausführliche Besprechung von H e r f o r d's „Das pharisäische Judentum" wurde zum Ausgangspunkte eingehender Behandlung dieses Buches in der iüdlischen Presse. Den Rezensenten fehlte aber die tiefe Gelehrsamkeit und besondere Vorbildung auf diesem Gebiete, durch welche sich 'Herr Dr. M. Friedländer auszeichnet und sie blieben daher oberflächlich. Im Nachhange zu seiner Besprechung sendet uns Herr Dr. Friedländer obige sehr interessante Zuschrift. Anm. d. Red»

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