Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVI (1914)
- Issue
- Heft 11 (5.6.1914)
- Date
- 1914-06-05
- Page
- Seite 85 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11 .Neue National-Zeitung^ Seite 85 deren Schurkerei auf den Pranger gestellt \vur4en. Darum muß dem Professor am Benneschauer Gymnasium, der sich, wie wir aus dem Jahresberichte der Isr. Union erfuhren, so dringend angelegen sein ließ, seinen Studenten beizubringen, daß der Verräter Oberst Redl, ein Jude gewesen und früher Redlich geheißen hat, doppelt auf die Finger geklopft werden. Es ist sicherlich eine Nichtswürdigkeit, unter allen Umständen sich zum Träger antisemitischer Lügen zu machen. Der Benneschauer Professor ist aber um so sträflicher vorgegangen, da die Schule auch dann nicht zum antisemitischen Agitationslokal erniedrigt werden dürfte, wenn Redl so sehr Jude gewesen wäre, als er es nicht war. * Der Benneschauer Professor kann freilich zu seiner „Entschuldigung" — wir gehen nämlich von der Annahme aus, daß er vielleicht doch zur Rechenschaft gezogen werden wird1 — vorbringen, daß Lehrpersonen in Galizien sich1 noch ganz andere Dinge gegen die Juden erlauben. Daß dort z. B. eine Lehrerin ganz ungeniert den Schulkindern die Ueberzeugung suggerieren will, die Juden brauchten Christenblut Ferner, daß sie aus ihrer alleinseligmachenden christlichen Gesinnung heraus es geziemend findet, von „räudigen Jüdinnen" zu sprechen. Der Benneschauer Professor könnte vielleicht auch avf einen Professor in Galizien' hinweisen, der vor den Studenten dpn Talmud als ..Srhsnri'flerk" bezeichnete. Es frpo't sich nur. nb solche ..Entschuldigungen" nicht eigentlich dazu dienen müßten, gerade umerekehrt endlich eine schärfere Tonart gegen den Antisemitismus in der Schule als Pflicht erscheinen zu lassen. Man iaere ein paar Schandbuben — oder man kann eventuell auch von Schandweibern 'sprechen —. die ihr heiliges Amt als Lehlrer srh'urkisch zur antisemitischen Netze mißbrauchen, aus der Schule, wo sie nicht am Platze shrd, hinaus, und man kann überzeugt sein, die Lehrer und1 Lehrinnen, mögen sie im Herzen noch so judenfeindlich 'sein, werden sich wieder an die famose Zweiseelentheorie erinnern. won^HV — nncrfthlich — en^r in der S<">Kh1p . ^»Helc- Hv" "bleibt und nur außerhalb der Schi'.l° n1<^ Jndp*. frescer wirkt. G. E—nn. --*»| Gemeindeu. Vereinsnachrichten. "Wien. Am 10. d. M. besinn Herr Dr. Josef Zipser mit ' seiner Gemahlin Regina, geborene Losch, das Fest der silbernen Hochzeit und aus diesem Anlasse veranstaltete der Verein der Kolomeacr, dessen Ehrenpräsident der Jubilar ist, in den neueröffneten Lokalitäten des Restaurants Barschak ein Festbankett zu 40 Gedecken. An demselben nahmen außer den Ausschußmitgliedern mit ihren Damen auch Vertreter mehrerer Vereine teil. Es erschienen unter anderen Jakob März, Obmann des Vereines Machsike Hadas, 'Herr D i c k s t e i n, Obmann des Vereines ..Ansehe Das Wuzedek", Herr Klausner, Obmann und Herr Rechnungsrat G o 1 d f a r b, Schriftführer in Vertretung des Vereines jüdischer Kleingewerbetreibender, Herr J. W i 11 n e r, Obmann und Herr Dr. Silber, Ausschußmitglied, in Vertretung des Vereines der Tarnopolcr, Herr Dr. Drucker, Obmann des Vereines Auhawc Israel, Herr ciind. Mir. Blond in Vertretung des akademischen Vereines Jüdische Kultur u. a. In mehreren Toasten wurde die Tätigkeit des Herrn Dr. Zipser im Dienste der östlichen Juden gefeiert. /WS ALLEN WELTTEILEN Ein jüdischer Ehrenbürger von Berlin. Der Ehrenbürgerbrief der Stadt Berlin, der dem Geh. Justizrat Cassel vom Oberbürgermeister Wermuth überreicht wurde, ruht in einem schweren Pergamentumschlag, den auf. der Vorderseite ein Wappenschild schmückt, in dem man den preußischen und brandenburgischen Adler und den Berliner Bären sieht. Die Adresse selbst, in kunstvoller Schrift ausgeführt, ist von einem farbigen Rahmen umgeben, auf dem in figürlichen Darstellungen die Haupttätigkeiten des Geh. Justizrates Cassel vorgeführt werden, vor allem auf dem Gebiete des höheren und des Qemeindeschulwesens, des Etatswesens, des Verkehrs und der Bibliotheken und Lesehallen. Es fehlt auch nicht eine Anspielung auf den Handwerkerverein, in dem Cassel seine öffentliche Tätigkeit begann. Geh. Justizrat Cassel gab bei seinen Dankesworten für die Ernennung zum Ehrenbürger eine Schilderung seines Lebensganges. Er sei aus schwierigen Verhältnissen emporgewachsen, und es sei ihm eine besondere Genugtuung, daß er sein ganzes Wirken der Stadt Berlin habe widmen können. Die Parlamentswahlen In Frankreich. Nunmehr liegen auch die Ergebnisse der Stichwahlen vor. Dieselben brachten noch drei jüdische Deputierte, und zwar Edouard I g n a c e, für das 12. Arondissement in Paris, Bokonowsky, ein naturalisierter russischer Jude, für Saint Denis und Lazare W e i 11 e r für die Charante. Ein Herr Jacques Stern, der in den Niederalpen gewählt und von einem Teile der Tagespresse als Jude bezeichnet wurde, hielt es für nötig, seine Wähler darüber zu beruhigen, daß er nicht Jude, sondern Katholik sei. Die neue französische Kammer hat nunmehr sieben jüdische Deputierte, und zwar außer den Oberwähnten die Herren L. L. Klotz, Picard, Hesse und Masse, die bereits im ersten Wahlgange gewählt wurden. Drei jüdische Deputierte, und zwar die Brüder Josef und Theodore Reinach sowie Javal, welche in den früheren Kammern eine angesehene Stellung einnahmen und eine große politische Rolle spielten, wurden bei den letzten Wahlen bezeichnenderweise nicht wiedergewählt. Das Stimmrecht der jüdischen Frauen in England. Gleichzeitig mit den Suffragetten haben auch die jüdischen Frauen in England den Kampf um das Stimmrecht in der jüdischen Gemeinde eingeleitet. Bei den letzten Wahlen zu den Aemtern in den Distriktssynagogen Londons wurde in allen Stadtvierteln der Antrag, Frauen, die ihre Stellen in eigenem Namen innehaben, das Stimmrecht zu gewähren, lebhaft diskutiert und, außer in einem einzigen Viertel, angenommen. Um diese Beschlüsse in die Wirklichkeit umzusetzen, ist es allerdings erforderlich, daß der Rat der „Vereinigten Synagogen" noch einen Antrag auf Aenderung des Gemeindegrundgesetzes annimmt. Hebräisches Buch- und Schriftwesen auf der Buchgewerbe-Ausstellung in Leipzig. Auf der Buphgewerbeausstell'ung soll, von privater Seite finanziert, noch ein neuer Pavillon für Hebraica errichtet werden* d'er der kulturgeschichtlichen Abteilung angegliedert und in dem initeressantes und wertvolles Material aus dem hebräischen Schrift- und Buchwesen zusammengetragen ist Der Pavillqn ist gewissermaßen als Supplement zur kulturgeschichtlichen Abteilung gedacht, die dfe Hebraica in den einzelnen Gruppen hur andeutungsweise bringen kann. Mit d'er Leitung dieser Sondergruppe sind die Herren Dr. Porges und Schindler beauftragt. Die Juden in der Astronomie, fn dem Kolleg, welches Ge» lieimTait Professor Wilhelm Foer Sterin diesem Semester über dfe „Geschichte der mittelalterlichen Astronomie" liest, führte er jüngst u. ä. folgendes ans: „Wie aus zahlreichen Stellen der Bibel hervorgeht, waren die Juden schon frühzeitig