Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVI (1914)
- Issue
- Heft 10 (22.5.1914)
- Date
- 1914-05-22
- Page
- Seite 79 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. LO „Neue Natiüiiai-Zeitung" KORRESPONDENZEN. Oesterreich-Ungarn. Oeffentliche Plenarsitzung des Kultus-Vorstandes. Wien, den 4. Mai.*) Vorsitzender Dr. Gustav K o h n eröffnet die Sitzung und es erhalt Kultusvorstelier Dr. Leopold Kolin das Wort zu seinem Referate über Rechnungsabschluß für das Jahr 1913. Kronen Inhaltlich des vorliegenden Rechnungsabschlusses des Jahres 1913 haben die Gesamteinnahmen der Kultusgemeinde betragen .... 3,569.568,59 die ordentlichen Ausgaben haben . betragen . . . ......K 3,136.511,48 die außerordentlichen Ausgaben . . „ 197.433,92 die Gesamtausgaben daher......... 3,333.945,40 Es übersteigen daher die Gesamteinnahmen die Gesamtausgaben um . . . :..... 235.623,19 Von diesem Ueberschusse sind auf Konto Friedhof Erwerbungsfonds übertragen..... 217.520,34 daher ein Uebertrag für das Jahr 1914 . ~. . . 18.1(12,25 Gegenüber dem Einahmen-Präliminare pro 1913 per................ 3,325.354,52 stellen sich die wirklichen Einnahmen per . . . 3,568.568,59 günstiger um.............. 242.214,07 Hauptsächlich trugen hiezu bei: Mehreinnahmen an Kultussteuer per..... 121.236,16 Friedhoftaxen per............ 109.052,12 und die geringe Inanspruchnahme der allgemeinen Reserve per............ 100.000,— Die wirklichen ordentlichen Ausgaben pro 1913 betragen..............3,136.511,48 die präliminierten betragen ........ 3,461.133,58 daher um............TT T" 24622,08 weniger ausgegeben wurde als präliminiert. Die faktischen außerordentliche Ausgaben betrugen pro 1913 ............ 197.433,92 präliminiert waren........... . 250.750,— daher um................ 53.316,08 weniger als präliminiert. Redner beleuchtet eingehend die Ziffern eines jeden Kapitels zusammen mit den präliminierten Beträgen, zieht bei jedem einzelnen Posten das Ergebnis des letzten Rechnungsabschlusses zum Vergleich heran, um die Differenzen aufzuzeigen und zu motivieren. Das KoscherHeisch in Wien. Zum Rechnungsabschluß erhielt in der hierauf eröffneten Debatte zunächst Kultusvorsteher Stricker das Wort, welcher auf die Anomalie hinwies, daß, während in anderen Gemeinden die Fleischregie bedeutende Zuschüsse ergebe, bei uns diese Post alljährlich ein ganz bedeutendes Defizit aufweist, welches im Jahre 1913 K 50.973,33 betrug. Redner kritisiert den Beamten, der Kultusreferent für Fleischregie ist ohne den Rabbiner Maycrsohn auch nur zu nennen. Trotzdem wird Rabbiner Mayersolm im zionistischen Blatte als der Prügelknabe für das Defizit hingestellt. Diesen Herren, die mit dem Konsum von Koscherflcisch nichts zu tun haben, ist eben unbekannt, daß die tadellose Funktion des Koscherfleisch ein Werk des Rabbiner Mayersohn ist. Redner urgiert ferner die Bestellung eines verläßlichen, verantwortungsvollen Leiters für das Technische Amt der Kultusgemeindc, da der gegenwärtige Leiter krankheitshalber schon seit langer Zeit auf Urlaub ist. *) Infolge Raummangels leider verspätet. Anm. d. Red. Vizepräsident Dr. Gustav K o h n ist gegenüber den Ausführungen des Vorredners der Ansicht, daß der steigende Rückgang im Konsum des Koscherfleisches ein Symptom finden Rückgang der Religiosität unter den Wiener Juden sei. Der Vorstand beschäftigte sich mit dieser Frage und dürfte bald in der Lage sein, auch hierin eine Wandlung zum Besseren eintreten zu lassen, ohne dadurch die Konsumenten zu belasten. Dr. Leopold Kohn stellt gegenüber einer Bemerkung des Kultusvorstehers Stricker fest, daß der Beamte, in dessen Ressort die Fleischregie fälit, für die Zustände in dieser Richtung nicht verantwortlich gemacht werden könne, da er stets objektive Berichte über die tatsächlichen Verhältnisse erstattete und auf den weiteren Gang der Angelegenheit keinen Einfluß hat. Sohin wird der Rechnungsabschluß cn bloc "angenommen, dem Herrn Referenten Kultusvorsteher Dr. Leopold Kohn der Dank, und im Sinne des Referates dem Oberbuchhalter Ruff und dem Adjunkten der Buchhaltung Leopold Schäfer die Anerkennung votiert. Errichtung eines neuen jüdischen Friedhofes. Aus dem hierüber vom Sekretär-Stellvertreter Emil Engel erstatteten eingehenden Referate sei folgendes hervorgehoben: Das Vertreter-Kollegium legt den vom Exekutiv-Komitee für den zu errichtenden neuen Friedhof ausgearbeiteten Entwurf des Erfordernis-Frogrammes vor, welcher als Grundlage für die Architekten- Konkurrenz zu dienen hat. Der Plan für den neuen Friedhof soll schon derzeit projektiert werden. Es ist jedoch in Aussicht genommen, nur mit einem teilweisen Belage, und zwar in der Weise zu beginnen, daß demnächst ein stadtseits gelegener, durch die ganze Tiefe des Friedhofes gehender Streifen zur Benützung gelangt. Die erforderlichen Gebäude, und zwar Zeremoniensaal, Leichenhalle und Administrationsgebäude, sind an der Stirnseite des Friedhofes anzulegen. Bezüglich der Gebäude wird unter anderem ausgesprochen, daß das Zeremoniensaalgebäude im unmittelbaren Zusammenhange mit dem Leichenbeisetzgebäude zu stehen hat, so daß die Einbringung der Leichen in den Zeremoniensaal nicht wie bisher über den Friedhof erfolgten, sondern im Innern der Gebäude vor sich gehen wird. Die Beurteilung der Arbeiten wird durch ein Preisgericht erfolgen, dem die Vorstandsmitglieder Vizepräsident Hofrat Dr. Benjamin R a p p a p o r t, Architekt Gärtner, kais. Rat Siegmund Kauders, Dr. Leopold K o h n, Wilhelm K u f f n e r und Ing. Robert Stricker, sowie fünf hervorragende technische Fachmänner, die um ihre Mitwirkung erst ersucht werden müssen, angehören werden. Als Ersatzmänner für die Juroren werden vom Kultusvorstande Herr Dr. Markus Spitzer und ein außerhalb der Kultusgemeindc stehender Architekt berufen, ferner werden den Sitzungen des Preisgerichtes mit beratender Stimme Sekretär- Stellvertreter Emil Engel und Amtschef Wilhelm Freistadt zugezogen. Es werden drei Preise in der Höhe von K 4000.—, 3000.— und 2000.— ausgesetzt, doch kann, falls das Preisgericht dies beschließt, die Summe von K 9000.— auch in anderer Weise verteilt werden. Weiters sollen zwei nichtprämiierte Arbeiten im Betrage von je K 1000.— angekauft werden. Die Baukosten sind nicht mit einem bestimmten Betrage anzugeben, doch ist im Programme ausdrücklich zu betonen, daß unter sonst gleichen Verhältnissen jenes Projekt den Vorzug erhalten wird, welches sich sowohl bezüglich der Errichtungskosten, wie bezüglich der Ausnützung des Terrains als das ökonomischeste erweist. Die Anträge werden einstimmig genehmigt.