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Neue Nationalzeitung · 1914-05-08 · Heft 9 (8.5.1914) · p. Seite 70

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVI (1914)
Issue
Heft 9 (8.5.1914)
Date
1914-05-08
Page
Seite 70 (sequence 11)
Language
German
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beiie 70 .Neue Natiorial-Zeitung^_ Fünfzig Jahre nach der Geburt Isoldens wird im Hause Wahnfried das furchtbare Schauspiel aufgeführt, das den Titel führen könnte: „Wem gehört das Kind?" Ist Wagner dessen Vater oder Biilow? Nicht Fremde sind es, die mit schamloser Hand die Decke aufheben, die alte Familienangelegenheiten schützend umhüllt, nein — Frau Cosima Wagner und ihre Kinder sind es, die die Frage öffentlich diskutieren, sie vor den Richterstuhl schleppen. Soll das „arische Sittlichkeit" sein? Sollte man nicht glauben, daß Kinder, deren Eltern als höhere, über irdische Schwächen und Verfehlungen erhabene Wesen gelten sollten, mit ehrfurchtsvoller Scheu der Erörterung, der Prüfung von Fragen ausweichen werden, die menschliche allzu menschliche Blößen enthüllen? Die Kinder der Cosima Wagner balgen sich coram publico herum und schleudern sich Beschimpfungen ins Antlitz, die alle schließlich doch nur — Vater und Mutter treffen. Und Frau Cosima Wagner? Die Mutter? Schreit sie entsetzt auf angesichts dieses Spektakels? Ringt sie verzweifelt die Hände? Beschwört sie ihre Kinder, sie mögen schweigen? Aus Achtung vor der lebenden Mutter, aus Pietät für das Andenken des toten Vaters? Nein. Frau Cosima sammelt Beweismaterial für ihren Advokaten. Sieht so die „arische Pietät" aus? Richard Wagner hat in seiner Lebensgeschichte von seiner ersten Qattin, die für ihn gehungert und gearbeitet, ohne Nötigung erzählt, daß sie als Mädchen ein Kind gehabt und daß sie auch in der Ehe sich vergangen. Besonderes Feingefühl verraten diese Mitteilungen nicht. Aber von Vater und Mutter spricht er nicht pietätlos. Das haben seine Kinder nicht von ihm gelernt ... Also eines scheint uns gewiß: die „arische Sittlichkeit", wie sie im Hause Wahnfried blüht, ist nicht geeignet, die Juden zum Bewußtsein ihrer sittlichen Minderwertigkeit zu bringen. Q. E—nn. KORRESPONDENZEN. Oesterreich-Ungarn. Generalversammlung der Israelitischen Allianz. Wien. Am 20. April, 6 Uhr abends, fand im Saale .er Israelitischen Kultusgemeinde unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern die 41. ordentliche Generalversammlung der Israelitischen Allianz statt. Vom Vorstände waren außer dem Präsidenten die Vizepräsidenten Dr. Arthur Kuranda und Dr. Felix Katzau, ferner die Herren Wilhelm Pappenheim, Dr. Nirenstein, Oberrabbiner Dr. Güdemann, Prof. Dr. Ehrmann, M. Eissler, der Vizepräsident der Anglo-Oesterr. Bank Generalrat Adolf Klein, Prof. Dr. Josef Pollak, Julius Reitlinger und kaiserl. Rat Leopold Sachs Edler v. Sachsenliall anwesend. Der Präsident eröffnete die Versammlung, indem er auf die Nachrichten über die Erkrankung Sr. Majestät des Kaisers Bezug nimmt und unter lebhafter Zustimmung aller Anwesenden, die sich von ihren Sitzen erhoben, dem innigen Wunsche Ausdruck gibt, daß der Kaiser seine vollkommene Gesundheit bald wieder erlange und noch viele Jahre seine glorreiche Regierung zum Wohle der Monarchie fortsetze. Ueber Antrag wird von einer Verlesung des umfangreichen, den Mitgliedern bereits seit mehreren Tagen zugegangenen Jahresberichtes abgesehen. Herr M. Baum nimmt Bezug auf die im Berichte mit Bedauern erwähnte viel zu geringe Förderung des Vereines durch die jüdischen Gemeinden in Oesterreich. Herr Hofbauer unterstützt die Anregung des Vorredners, daß für den Verein eine regere Propaganda entfaltet werde. Oberstabsarzt Dr. Byk spricht im Namen seiner galizischen Heimat dem Vorstande den Dank für die mit großen Kosten erhaltenen Schulen und Kindergärten aus. (Von wem hat Dr. Byk dazu ein Mandat erhalten? Anm. d. Red.) Rabbiner Dr. Feuchtwang spricht namens sämtlicher Mitglieder dem Vorstand und dem Sekretär für die vielseitige ersprießliche Tätigkeit den Dank aus. Der Jahresbericht und der Bericht über die finanzielle Gebarung werden hierauf einstimmig genehmigt. Aus dem Betriebsrechnungskonto ergibt sich, daß die Einnahmen im Jahre 1913 K 162.613.24 betrugen und die Ausgaben nahezu ebenso hoch waren, wobei die russische Aktion K 155.619.—, die rumänische Aktion K 14.290.—, die Aktion für die Balkanländer K 43.026.—, die Verwaltung einschließlich der Spesen der Emigrantenfürsorge K 21.158— erforderte. Präsident Dr. Stern hält einen Nachruf auf die im Laufe des Jahres hingeschiedenen Vorstandsmitglieder und Förderer der Hilfswerke des Vereines. Hierauf werden die turnusmäßig ausscheidenden Vorstandsmitglieder Dr. Alfred Stern, Dr. Felix Katzau, Dr. Jakob Nirenstein, Dr. Bruno P o 11 a c k Edl. v. P a rn a u, kais. Rat Leopold Sachs Edl. v. S a ch s e n h a 11, sowie die kooptierten Vorstandsmitglieder Universitätsprofessor Dr. S. E h rm a n n und Hofrat Dr. Josef L ö w n e r gew ählt. Gemeindeu. Vereinsnachrichten. Wien. (C h e \v r a K a d i s c h a.) In der am 27. April 1914 unter dem Vorsitze des Herrn Präsidenten Salo Cohn stattgefundenen Plenarsitzung des Vorstandes der Chewra Kadlischa wurde dem Chef des Friedhofamtes der Kultusgenieinde und Sektretär der Chewra Kadiischa Wilhelm F reist a dt sowie .dem Sekretärstellvertre-t'er der Kultus gemeinde und 2. Sekretär der Chewra Kadischa , Emil Engel, für ihre vieljähr.'gc vorzüglich« Amtstätigkeit 'im Dienste der Chewra Kadischa der ganz besondere Dank und die vollste Anerkennung ausgesprochen. We'ters wurde dem Offizial der Kultusgenieinde und Beamten der Chewra Kadischa Richard Vogel für seine Tätigkeit die vollste Anerkennung gezollt. Wien. Im Mariahilf er Tempel, VI., Schmalzhof- «assc 3, finden vom 9. d. angefangen jeden Samstag, 3410 Uhr vormittags, sowie auch an beiden Schewuoth-Fciertagen G a s t p r c d i g t e n statt. Wien. (Verein zur Unterstützung jüdischer Kleingewerbetreibender Wien, II., Malzgasse 1.) In der Dienstag, den 21. AprM d. J. in M. Guths Saallokalitäten stattgefundenen ordentlichen Generalversammlung widmete vor allem .dier Vorsitzende, Herr K 1 a u s n e r, den im abgelaufenen Vereinsjahre dahingeschiedenen Mitgliedern und Gönnern des Vereines warme Worte des Gedenkens, welche zum Zeichen der Trauer von der Versammlung stehend angehört wurden. Herr Sclirrftiüliter F. Goldfarb erstattete den Rechenschaftsbericht über das Vercinsjahr 1913, der von der Versammlung beifälligst aufgenommen wurde, worauf dem Vorstande über Antrag der Revisoren einstimmig das Absolutorium erteilt wmrde. Die Anträge der Vcreinsleituiig, betreffend d.'e Monatslveitrüge, Kranken unter-

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