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Neue Nationalzeitung · 1914-04-24 · Heft 8 (24.4.1914) · page 1

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVI (1914)
Issue
Heft 8 (24.4.1914)
Date
1914-04-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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N£i0NßL?2HDUNG XVI. Jahrgang. Wien, 24. Aprit *9!4 Nr. 8. Die „Oesterrefchische Wochenschrift* trnd die „Kirchenväter." Nachstehende Episode möge der Oeffentlichkeit wieder einmal beweisen, wie recht die „Neue N a t i o n a 1- Z e i t u n g" hat, wenn sie konsequent die leitenden Kreise des Wiener Kanals sowie deren Leiborgan bekämpft, und wie die einzige logische und richtige Auffassung von Judentum und Jüdischkeit nur bei jüdisch-national und zionistisch gesinnten Juden zu finden ist. Ich will heute bloß von der Taufseuche sprechen, dieser Massenkrankheit des Charakters und Intellekts, die speziell in Wien alle sozialen Schichten der jüdischen Bevölkerung ergriffen hat, und mitunter ansehnliche geistige und materielle Werte, ja sogar einen Teil der heranwachsenden Jugend dem Judentum entreißt. Wie hat sich, bisher die Wiener Gemeinde dagegen gewehrt? Gar nicht! Die „Nationalzeitung" hat zuerst die Liste der Ausgetretenen zu veröffentlichen begonnen und ihrem Beispiele ist einige Jahre später, dem Befehle des Gemeinde-Präsidiums gehorchend, dessen Leiborgan gefolgt. Das ist aber auch alles. Wie wäre es denn anders möglich, wenn im Kul t.us.vo r s t a ii d selbst, ja sogar im V er t r e.te r - K-o 11 e g.i u m Leute sitzen, deren Kinder getauft sind! An der Spitze der „Oest. Israel. Union", die früher einmal für die Kultuswahlen maßgebend war, stand durch viele Jahre ein Mann, dessen ältester Sohn — ein Beamter der Universitäts-Bibliothek — getauft ist! Er erhielt audi im Volksmunde das Prädikat — „Kirchenvater". Was geschieht aber im A u slande? Da sind zwei Fälle sehr charakteristisch! Vor einigen Jahren, hat ein Millionär namens Stern in New-York seine. Tochter an einen Schweizer Grafen verheiratet. Er' wurde dafür an einem Sabbath \?on der Kanzel durch den Rabbiner in der schärf sten Weise angegriffen. Stern war Präsident, diese* Belhausgemeinde und eines jüdischen Waisenvereines. Er mußte beide Aeniter niederlegen!..Der mutige. Rabbiner war der Zionist Doktor M a g.n e sj. der heutige Präsident der Kultusgemeinde von; New-York. . In den letzten Tagen herrschte in der russischen Judenschaft, und in deren Tagespresse eine lebhafte Diskussion über die Frage, wie Juden zu behandeln sind, deren Kinder getauft sind.. Anlaß hiezu bot folgender Vorgang: Im Verein der Freunde der hebräischen Sprache in Odessa, der auf diesem Gebiete in Rußland führendi ist, hat der jetzt größte lebende hebräische Dichter B;i a 1 i k beantragt, den Nestor der jüdischen Romanliteratur, den über 80 Jahre alten Schriftsteller Aibrahamowicz, mit seinem Schriftstellernamen Mendele Mojcher Sforim, zum Ehrenmitglied zu ernennen*.. Der dem Vorstande dieses Vereines angehörende Ussischkin, der Führer der Zionisten in Rußland, hat dagegen eine Agitation eingeleitet und hatte Erfolg. Das Unmögliche geschah. Abrahamowicz, den alle Kreise der russischen Juden als Dichter begeistert verehren, erhielt die Ehren-Mitgliedschaft nicht. Bialik trat aus dem Vorstande aus. Warum dieser Kampf? Weil der älteste Sohn Abrahamowiczs getauft ist und der Vater mit dem Sohn trotzdem weiterverkehrt. Ussischkin, auch sonst eine harte, zähe Natur, war der Ansicht, daß im Falle einer Kollision die Rücksichten gegenüber dem jüdischen Volkstum höher zu bewerten sind als die Pietät für einen alten Dichter. Die Majorität des Vereines und die jüdische öffentliche Meinung iji Rußland, wo sich das Marannentum immer mehr ausbreitet, haben ihm auch zugestimmt. Und nun wieder zum Ausgangspunkte.

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